Immunschwäche

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, auf die das Leben™ dich zurückwirft, immer wieder die gleichen Zweifel, immer wieder die gleichen Ängste und Befürchtungen. Wenn es dir gelingt, einen Schritt beiseite zu treten, erkennst du deutlich die Muster – das Auge sieht was passiert, der Verstand begreift es – und doch sind die Gefühle gleich einem Kunstwerk von Escher und es scheint schier unmöglich den Knoten aufzulösen, die Täuschung und Illusion zu entwirren.

Die 3-jährige stampft zornig mit dem Fuß auf, bettelt, fleht, wirft sich heulend auf den Boden und du weißt nicht, wie du sie trösten sollst. Du schaffst es nicht mehr, streng mit ihr zu sein und ihr alles zu verbieten, seit du ihre Not einmal erkannt hast. Aber du weißt auch nicht, wie du ihr die Welt erklären sollst, ihr das geben, was ihr so dringend fehlt. Und so wendet sie sich nach außen, sucht, findet, strauchelt, fällt, schürft sich die Knie auf und ihr ertrinkt beide in Tränen. Sie trotzig, selbst-ver-zweifelt. Und du voller Hass auf die Kleine, weil sie so ist wie sie ist und dir das Leben so schwer macht und du kommst erst langsam dahinter, dass du so niemals einen Ausweg finden kannst, wenn du nicht endlich anfängst, die Verantwortung für sie zu übernehmen und dich liebevoll und geduldig um sie zu kümmern.

Das kann niemand außer dir. Die Lücke in ihr kannst nur du füllen. Akzeptiere das endlich. Es geht nur so.

Katja

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Fehlwort

Es sitzt so tief dieses Gefühl, nicht „nein“ sagen zu dürfen. Immer alles zur Zufriedenheit aller erledigen. Nur niemanden vor den Kopf stoßen, nur nicht anecken.

Gerade gerate ich in einer Beziehung an eine meiner Grenzen, die ich zum ersten Mal so deutlich wahrnehme und spüre. Merke, wie es mir fast körperliches Unbehagen bereitet, mit Bitten, die sich – da bin ich vermutlich selbst dran schuld mit meinem ewigen „Ja“-Sagen – schon fast wie (An-)Forderungen anfühlen, konfrontiert zu werden, immer ein bisschen größer, immer ein bisschen mehr. Und ich bin da so reingerutscht, aus Sympathie und dem ewigen Wunsch gemocht zu werden und meiner Unfähigkeit, mich evtl. schon frühzeitig(er) ein bisschen abzugrenzen.

Das nicht „Nein“-Sagen-Können ist alt, ist mir früh als nicht „Nein“-Sagen-Dürfen antrainiert worden. Jetzt fange ich an, diese Situationen wahrzunehmen, wo meine Gutmütigkeit ausgenutzt wird, empfinde und (be-)werte sie anders als früher. Das ist auf der einen Seite gut, weil es sich endlich ein Stück weit danach anfühlt, dass auch ich mit meinen Bedürfnissen wichtig bin, endlich anfange mich selber auch ein bisschen wichtiger zu nehmen und mir zuzugestehen, nicht immer alles freudig für andere zu erledigen. Auf der anderen Seite ist es so unendlich schwierig, weil ebenso tief wie das nicht „Nein“-Sagen-Können immer noch das Gemocht-Werden-Wollen* sitzt und ich werde irgendwo zwischen den alten Mustern und den neuen Gefühlen wie ein Spielball hin- und hergeworfen und weiß (noch) nicht, damit umzugehen.

Katja

[*Ja, ich weiß, dass Nein-Sagen nicht zwangsläufig zum Nicht-Mehr-Gemocht-Werden führt, aber Wissen und Fühlen und Befürchten sind oft so weit voneinander entfernt.)