Wenn man bei sich bleiben soll, aber gar nicht so recht weiß, wo man ist / 18 to go

Manchmal ist es wirklich zum Verzweifeln. Meine Freude darüber, Ruhe zu haben und dass das Telefon nicht klingelt, endet immer dann jäh, wenn du mich wieder mal durch Schweigen „abstrafst“, wochenlang nicht anrufst, weil ich wieder mal etwas für dich Unpassendes gesagt habe. Und ich verstehe es nicht, wieso ich dann nicht einfach froh sein kann. Kein abrupt beschissenes Gefühl, wenn dein Name auf dem Display leuchtet, kein innerer Widerstand, weil ich eigentlich gar nicht mit dir reden will, nur aus schlechtem Gewissen heraus, weil ich deine letzten 2, 3 Anrufe ignoriert habe, rangehe. Ich wünschte, ich könnte das einfach genießen. Stattdessen springt die Konditionierung an, die vermutlich beinahe so alt ist wie ich selber. Ich hab was falsch gemacht. Ich bin falsch, wie ich bin und deswegen nicht liebenswert, deswegen verdiene ich es, ignoriert zu werden. Oder damals schlimmeres.

Ich weiß nicht mal und frage mich das so oft, ob das bei dir wirklich bewusst abläuft, ob du das absichtlich so machst, damit ich’s auch ja merke und ein schlechtes Gewissen wegen meiner „Unartigkeit“ habe. Oder ob bei dir auch die Unsicherheit im Umgang miteinander dahintersteckt.

„Bleiben Sie bei sich.“ klingt es an diesen Stellen mittlerweile ganz automatisch in der Stimme des Therapeuten in meinem Kopf. Ich glaube, keinen Satz habe ich im letzten Jahr häufiger von ihm gehört. Nicht mal sein freundliches „Sorgen Sie gut für sich.“, das er mir oft zum Abschied mitgibt. Aber das schlechte Gewissen, das sich schon wieder seit Tagen regt, ist nicht wirklich das, was es bedeutet, bei mir zu bleiben.

Bei mir bleiben. Das ist so schwierig, so ungewohnt. Ich bin darin so ungeübt. Immer verstehen wollen, alle anderen. Und manchmal frage ich mich in letzter Zeit, ob das nicht einfach nur eine lebenslange Ablenkungstaktik ist, um mich nicht mit den eigenen Gefühlen beschäftigen zu müssen, um die ausblenden zu können. Immer vergessend, ignorierend, dass es für mich und meine Gefühle gar keine Rolle spielen sollte, was andere zu bestimmten Worten oder Taten bewegt, denn was das in mir und mit mir macht, ist ja eigentlich davon unabhängig. Oder sollte es sein. „Aber wenn’s doch einen Grund hat? Wenn’s doch irgendwie *verdient* ist?“ bohrt die innere Stimme, die schon mein Leben lang dafür sorgt, dass ich mich dauernd mit den Gefühlen anderer beschäftige und alles *in mir* auf die Ratio runterbreche. „Wenn sie’s nicht absichtlich macht, dann kann und darf ich doch gar nicht so und so fühlen.“ Und weg mit dem Gefühl. Das ist eh ein schlechtes, das brauche ich nicht.

Jetzt hänge ich irgendwo zwischen diesem alten Selbst, das genau *so* tickt, abgeschnitten von seinen tatsächlichen Gefühlen (und dabei dachte ich immer, ein ach so emotionaler Gefühlsmenschenknubbel zu sein) und zwischen dem neuen Selbst, das mühevoll versucht, Prozesse zu lernen, die eigentlich automatisch ablaufen sollten.

Katja

Little Confessions #35

Es gibt Dinge aus meiner Schulzeit, die sitzen so tief in meinem Gedächtnis, dass man mich nachts aus dem Schlaf reissen könnte und ich könnte sie ohne Probleme aufsagen. Dazu gehört ein Herbstgedicht von Rilke, die lateinische Konjugation des Verbes esse in Präsens, Imperfekt und Futur I, aber zB auch die Binomischen Formeln oder die p-q-Formel zum Lösen quadratischer Gleichungen.

Allerdings scheint das leider dafür zu sorgen, dass ich jetzt an dem Punkt bin, an dem ich mir überhaupt gar nichts neues mehr merken kann. Gedächtnis voll. Sehr zum Leidwesen der spanischen Verbformen im Imperfekt und speziell des Indefinido mit seinen ganzen unregelmäßigen Formen.

Katja

¿Hablas español?

Meine Hände zittern und sind feucht, dafür ist der Mund trocken. Mein Magen fährt Achterbahn und ich traue mich gerade nicht mal zu versuchen, aufzustehen.

Lieber warte ich 2, 3, 4, 5 Minuten ab bis dieser Murks wieder aufhört und ich mich stattdessen freuen kann und ein bisschen stolz auf mich sein, darauf mich endlich getraut zu haben.

Seit Tagen hab ich die Kurs-Anmeldeseite der VHS in einem Tab offen und jeden Morgen, wenn ich den Browser starte starre ich drauf und hoffe, dass sich an dem „ausreichend freie Plätze“-Status nichts geändert hat. Und jeden Tag frage ich mich, wieso zur Hölle ich nicht einfach endlich klicke und die doofe Anmeldung abschicke. Ich würde mich doch eh wahnsinnig ärgern, wenn ich die Gelegenheit mit den freien Plätzen verpasste.

Ich tu mir mit sowas so shice schwer. Eigentlich hab ich überhaupt nichts zu verlieren. Ich verspreche denen ja nicht meinen Erstgeborenen mit der Anmeldung. Und trotzdem bekomme ich in so Situationen nur so ungeheuer schwer in den Schädel rein, dass ich im Zweifel – sollte es denn ganz scheusslich werden, die Leute da alle gruselig sein, ich mich völlig unwohl fühlen oder eine meiner weiteren 376 Befürchtungen eintreten, die mir vor so einem Schritt (für mich ist der wirklich riesig *soifz* 🙄 ) – einfach nicht länger hinzugehen brauche. Im Zweifel habe ich die Kursgebühr in den Sand gesetzt, aber hey – das ist nichts im Vergleich dazu, was ich gewinnen kann. Alleine durch die Überwindung, mich darauf einzulassen, regelmäßig auf eine Gruppe von Menschen zu treffen und noch dazu, mit denen reden zu müssen.
Genau deswegen habe ich mich auch für einen Sprachkurs entschieden. Da muss ich zwangsläufig den Mund aufmachen und auch wenn ich jetzt noch beim Gedanken daran sterbe (und eine meiner Befürchtungen vorsieht, dass ich eher in Tränen ausbrechen als auch nur meinen Namen über die Lippen bekommen werde 🙄 ), will ich das wenigstens probieren. Wenn ich im Kurs mit denen reden muss, vielleicht bringe ich ja dann vorher oder hinterher auch wieder mal eine normale Unterhaltung zustande.

Sehr geehrte Frau xxx,

Ihre Kursanmeldung für den Kurs

"04/22/0001 - Spanisch A1 - Anfänger ohne Vorkenntnisse"

wurde erfolgreich an uns übermittelt. 
Wir nehmen umgehend die Übertragung in das Buchungssystem 
der Volkshochschule vor.

Bitte beachten Sie, dass wir Ihre Anmeldung nicht schriftlich 
bestätigen. Wir empfehlen Ihnen daher diese E-Mail auszudrucken 
und bis zum Kursbeginn aufzubewahren.

Falls der Kurs bereits ausgebucht ist oder nicht zustande kommt, 
werden wir uns rechtzeitig bei Ihnen melden. Ansonsten freuen wir 
uns, Sie zum 1. Kurstermin am 23.02.2010 um 19.00 Uhr am Kursort xxx 
begrüßen zu können.


Hey Welt, drückt ihr mir die Daumen? *schluck*

Katja