Wenn einer eine Reise tut (8)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7)

Dienstag, 27.10. Wie? Schon der letzte Tag?

Ihr müsst jetzt alle ganz stark und tapfer sein! Der letzte Tag in La Barrosa war nämlich wirklich ereignislos. Strand, ein letztes Mal in den Atlantik hüpfen, fotografieren, ein letztes Mal einkaufen, zwischendrin immer mal etwas von unserem ganzen mitgeschleppten und dort erworbenen Kram einpacken und spät abends dann nochmal Essen gehen. Aus Müdigkeitsgründen und weil’s viel aufregender ist, haben wir die Tapas komplett ohne Wörterbuch bestellt und einfach auf der Karte von oben her angefangen. Äh ja. Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber eventuell war das überaus merkwürdige Pilzgericht mit einer der ersten Anlässe, in denen ich dachte, ein paar Worte Spanisch verstehen zu können, könnte nicht unser Nachteil sein. :mrgreen:

Das alles sagt ja aber noch gar nicht aus, wieso ihr so tapfer sein müsst! Ach aber seht einfach selbst:

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Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hier auch noch ein kurzer bewegter Eindruck mit Meeresrauschen. (Die 22 Minuten-Version erspare ich euch aber! :D)

Katja

Wenn einer eine Reise tut (6) – Sonnenuntergangsspezial

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)

Sonntag, 25.10. Sonnenuntergangsspezial!

Strand, Strand, Strand und ohne Kamera, weil die nicht mit in die Atlantikwellen gekonnt hätte. Abends dann Sonnenuntergang von der Dachterasse aus. Aber sowas von. Der bisher beeindruckendste meines Lebens und ihr dürft jetzt dran teilhaben!

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Ich weiss, ich weiss, die Bilder zeigen alle das selbe. Aber ehrlich – auf diesem sieht das Wölkchen doch ein bisschen goldener aus, welches auf jenem eher rosa ist. Jaaa, oder? 😉

Dieser hohe Balken, den man gelegentlich im Bild sieht, ist übrigens ein Flutlicht, mit dem abends und die halbe Nacht über der Strand und die Wellen beleuchtet werden. Bekloppt das! :mrgreen:

Katja

Wenn einer eine Reise tut (4)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Donnerstag, 22.10. Angekommen!

Angekommen! Das hieß vor allem erst einmal die nähere Gegend zu erkunden. Und das hieß vor allen Dingen erst einmal ausgiebig den direkt vorm Haus liegenden Strand bei einem ausgedehnten Spaziergang zu erkunden. Ohne Kamera, nur zum Riechen, Sand zwischen den Zehen und Wellen und Wasser an den Füßen spüren und Gucken, Gucken, Gucken.

Wenn man letzteres zu ausgiebig macht und zu sehr in die Ferne statt gelegentlich vor die eigenen Füße, kann es dummerweise passieren, dass man mit dem Zeh einen der wenigen Steine am Strand erwischt und mit viel Pech ist es noch dazu einer der ganz wenigen richtig großen Steine. Es dauerte bis April bis mein Zehennagel keine schicke Blaufärbung mehr aufwies, der Schmerz ließ zum Glück schon zwei Tage nach der Begegnung mit dem Stein des Anstoßes nach. Aber zum Glück war ja Sandalen- und Barfußwetter. 😀

Und so sah’s vor der Haustür aus:

Eingangstor

Vorm Tor - Blick nach links

Blick nach rechts

da wird selbst Müll raustragen zum Vergnügen

von der anderen Straßenseite

Haus!

Dachterasse (links mit Geländer)

unter Palmen

Später am Tag dann der erste Einkauf im spanischen Supermarkt. Ich liebe es ja sehr, in fremden Ländern einkaufen zu gehen. Was hier ein schnödes Wagen durch bekannte Gänge schieben und Kram in den Wagen laden ist, ist dort ein Erlebnis. Gucken und mit großen Augen staunen. zB über die Frischfischabteilung, die aus einer mehr als 10 Meter langen Reihe von Körben mit Eis besteht, auf denen man die Fische direkt, ohne Absperrung oder Glas dazwischen, in Augenschein nehmen kann. Oder die riesige Wand, an der ganze Schweinebeine samt Hufen (was zur Bestimmung der Qualität über die Farbe der Hufe wichtig ist, wie ich später gelernt habe) hängen und die in einem hiesigen Supermarkt eine komplette Wandgröße einnehmen würde. Oder die Abteilung, wo es das, was man hier als Kaffeestückchen zu ‚Apothekenpreisen‘ kaufen kann, als Kiloware zum Abwiegen gibt – das Kilo günstiger als hier 2 Stück davon, ohne Geiz bei Marzipan oder Schokoladenüberzug oder Blätterteig. Mein absolutes Highlight waren aber natürlich die Obst- und Gemüseabteilungen. Wenn einem schlagartig klar wird, dass die Orangen, die man zuhause mit dem Etikett ‚Herkunftsland Spanien‘ erwirbt, an diesem Ort das gleiche Etikett tragen könnten – nur dass es hier um einige wenige und nicht einige tausende Kilometer Distanz zum Ort geht, wo sie gewachsen sind. Gemüse aus der Region mal anders und um ein vielfaches exotischer. Yay!

Freitag, 23.10. die nähere Umgebung

Am nächsten Morgen dann den ersten Kaffee an dem Ort, der in Folge mein Lieblingsort für den ersten Kaffee des Morgens werden sollte – die Tasse vorsichtig zum Mäuerchen balanciert, das nur 10 Meter von der Haustür entfernt lag:

Lieblingskaffeeort

Dann irgendwann mittags der Ausflug nach Sancti Petri, dessen Castillo auf der vorgelagerten Insel wir vom Strand aus im Blick hatten. Eine Geisterstadt sollte uns in der vor vielen Jahren verlassenen Ansiedlung von Fischern rund um eine längst verlassene Thunfischfabrik laut Reiseführer erwarten. Von der ganz besonderen Stimmung und dem Charme konnten wir allerdings keinen Eindruck gewinnen. Fast die ganze Stadt war nämlich von einem Bauzaun eingeschlossen und man konnte nicht durch die Strassen schlendern sondern nur einmal aussenrum.

Das Sehenswerteste an Sancti Petri

Also lieber weiter – nach Chiclana de la Frontera. La Barrosa, wo unser Ferienhaus lag, ist einer der zu Chiclana de la Frontera gehörenden Strände (samt Ansiedlung) und die eigentliche Attraktion der kleinen Stadt. Der Stadtkern ist irgendwas um 10 km entfernt und das erste, was mir schon am Anreisetag bei der Durchfahrt aufgefallen war, waren auch hier die vielen Plätze, die es überall gab. Ich glaube, das war für mich der offensichtlichste Unterschied zwischen deutschen und spanischen Städten. An jeder Ecke gab es einen Platz, oft mit tollem Pavillon und Sitzmöglichkeiten und auf fast all diesen Plätzen herrschte eine bunte Lebendigkeit.

Beim Schlendern durch die Stadt fällt mir schnell der Kontrast auf, der an vielen Stellen zu Tage tritt. Auf der einen Seite sieht alles nach Verfall aus und furchtbar ungepflegt, zwei Ecken weiter gibt es prunkvolle Fassaden mit herrlichen Zinnen zu sehen.

Verfall

Prunk

Der Pfarrkirche San Juan Bautista sieht man erst auf den zweiten Blick die Kirche an, so klobig wie sie am Rande eines großen Platzes, beim Verlassen des Parkhauses vor uns aufragt. Lediglich der Glockenturm (der seinen eigenen bezaubernden, wenn auch vermutlich nicht geplanten Dachgarten beherbergt) lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um besagte Kirche handelt.

San Juan Bautista

Kuppel

Glockenturm

Wirklich überrascht hat mich allerdings das Innere. Vergleichsweise nüchtern und schlicht, aber der Blick nach oben war beeindruckend.

Kuppel

Kirchenkuppel

Und überall bin ich gefangen von dem faszinierenden Mix, dem Aufeinandertreffen von Orient und Okzident, der in der ganzen Gegend in den Bauwerken gegenwärtig ist und kann mich gar nicht sattsehen.

Sattsehen kann ich mich auch nicht an den abenteuerlichen Elektroinstallationen, die mich ein ums andere Mal den Fotoapparat zücken lassen, sobald ich mein Kopfschütteln überwunden habe.

Verkabelt

keine Wäscheleine

überall Kabel

Das für mich wirklich Großartigste an Chiclana de la Frontera war allerdings der Blick in einige (zum Glück offenstehende) Eingangstüren. Ich weiss nicht mehr wie wir überhaupt in diese Nebenstrasse geraten waren, aber dass das wirklich Glück war, merkten wir schnell. Prachtvolle Fließen, Marmorböden, geschmiedete Türen. Einfach wow.

Hauseingang

noch einer

Chiclana de la Frontera

Am nächsten Tag dann: Sevilla! Aber das ist ein andermal dran, wenn ich noch Energie zum Schreiben habe und ihr vielleicht noch welche zum Lesen meiner Monstertexte. 😀

In Urlaubserinnerungen zu schwelgen ist übrigens eine herrliche Art sich auf einen bevorstehenden Urlaub vorzubereiten, stelle ich gerade fest. Hachz! Am liebsten würde ich morgen losfahren.

Katja

Wenn einer eine Reise tut (3)

Nachdem ich mich jetzt seit über einem halben Jahr ärgere, wage ich, obwohl es schon so lange her ist, doch noch einen Versuch, den Rest der letztjährigen Reise hier mit ein paar Worten und ein paar mehr Bildern (oder umgekehrt) hier festzuhalten. Nach fast einem Jahr dürfte das allerdings nicht mehr so einfach sein, viele Worte zu machen. Mal gucken, wie weit ich komme. 🙂

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2)

immer noch Mittwoch, 21.10. So bergig ist Spanien?

Nach zwei Tagen mit je über 1000 Kilometern auf deutschen, französischen und spanischen Autobahnen waren wir nicht so arg böse, dass es für die letzten etwa 500 vor uns liegenden Kilometer keine sinnvolle Mautstrecke gab und haben das Landstraßen zuckeln in Kauf genommen, anfangs gerne, die letzten 150 km haben dann doch genervt. Nach 3 Tagen ist es gut, auch mal anzukommen.

Genau führte der Weg von Ciudad Real über Cordoba, an Sevilla vorbei, nach Chiclana de la Frontera, La Barrosa – da lang: Klick zu Google-Maps.

Ich wusste vorher zwar grob, dass es in Spanien mit den Pyrenäen im Norden und der Sierra Nevada im Süden ordentliche Gebirge hat, aber dass Spanien insgesamt so bergig ist, hat mich echt überrascht. Unsere Straße stieg schon nach einiger Zeit und vielen Serpentinen auf etwa 1000 m über NN an (hoch lebe das Navi mit Höhenanzeige) und wir machten direkt Halt, um die Aussicht zu genießen.
Faszinierenderweise bekamen wir auf diesem Parkplatz auch eine ganze Kolonie von Mistkäfern zu sehen, die tatsächlich kleine äh Kügelchen vor sich herrollten. Die Fotos erspare ich euch aber lieber. 😉

Die Landschaft, durch die wir fuhren, war atemberaubend. Rote Felsen, rote Erde und in herrlicher Symmetrie angepflanzte Olivenbäume. Dazwischen Einöde, immer wieder unterbrochen von zugehörigen Gebäuden (Olivenbauern?), denen man den maurischen Einfluss deutlich ansah. Nur 2 oder 3 Ortschaften lagen abseits der Strecke, eines davon abenteuerlich an einen steilen Berghang gebaut (leider gab es da keine Chance zum Fotografieren anzuhalten).

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Und dann sind da immer wieder die Momente, wo ich die Spanier nicht verstehe. Oder wen auch immer. Also jene Menschen, die dort lang kommen und achtlos ihren ganzen Müll an den Straßenrand, auf die wenigen Parkplätze am Straßenrand, in dieses wunderschöne Stück Erde werfen. Beinahe überall das gleiche traurige Bild. Müll einfach wegzuwerfen geht in meinen Augen nirgendwo, trotzdem hat er mich dort noch trauriger gemacht, weil der Kontrast ein noch krasserer war. Weil ich mich gefragt habe, was in einem Menschen vorgehen muss, der diese Schönheit, die so gegenwärtig ist, dass sie einem fast in die Nase beisst, einfach übersehen oder ignorieren oder ihr so gleichgültig begegnen kann, dass er seine leere Limodose nicht bis zum nächsten Mülleimer mitnehmen kann.

Am frühen Nachmittag erreichen wir endlich Cordoba – endlich, weil wir immer noch nicht gefrühstückt hatten und auch die Vorräte, die wir von zuhause mitgeschleppt hatten schon am Vortag vertilgt waren. Eigentlich wollten wir schon in Ciudad Real vor der Abfahrt frühstücken, aber dann wollten wir doch erst mal ein Stück fahren, in Gang kommen und dann war da nur Gegend und keine Möglichkeit weit und breit. Das Navi lotst uns zum Restaurant zu den goldenen Bögen, das am Stadtrand von Cordoba liegt und wir beschließen schweren Herzens, weil das Gegurke durch die Berge viel länger gedauert hatte als geplant, uns mit einem Foto der Mezquita vom McD-Parkplatz aus geschossen zufrieden zu geben und uns nicht im mittäglichen Stadtverkehr noch bis dorthin durchzuschlagen und reinzugehen.

Aber irgendwann will ich die 856 (von einstmals 900) Säulen schon noch sehen.

Der Weg von Cordoba bis an unseren Zielort scheint sich endlos zu ziehen – vorbei ist es mit der Strecke durch die herrlichen Berge, längs der Straße nur langweilige Einöde und wir bereuen es schon, uns nicht über Sevilla und über die Autobahn orientiert zu haben bis wir links der Straße ein äusserst bizarres Bauwerk sehen. Ein Stopp am Straßenrand, eine Orientierung, wo wir überhaupt gerade sind und hektisches Blättern im Reiseführer ergibt, dass wir vor der Kathedrale des Gegenpapstes der palmarianisch-katholischen Kirche bei Palmar de Troya stehen. (Wer, wie ich bis dahin, noch nichts davon gehört hat: es lohnt sich durchaus, da ein bisschen zu googeln bzw. durch Wikipedia zu klicken. Abstrus!)
Mitten im Nirgendwo, in der langweiligsten Pampa so unvermittelt vor einem so prunkvollen Protzgebäude zu stehen, hat uns so die Sprache verschlagen, dass wir sogar das Fotografieren vergessen haben. 😀

Irgendwann nachmittags kommen wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an, erkennen schnell, dass das Haus ebenso traumhaft ist, wie nach der Beschreibung und den Fotos im Web gehofft, dass das Meer tatsächlich nur 10 Schritte entfernt ist und dass es ganz schön schwierig ist, einer wortreichen Erklärung, wie man den Gasbrenner bedienen muss, der für warmes Wasser sorgt und den Herd betreibt, wenn sie komplett auf Spanisch erfolgt. Auch ansonsten haben wir nichts von all dem verstanden, was der Hauseigentümer uns erzählt hat oder uns gefragt hat. Lediglich sein in fragendem Ton vorgetragenes ‚bien?‘ bei allem, was er uns zeigte, haben wir mit einem ‚bien!‘ kommentieren können. Abgesehen davon, dass alles ‚bien‘ war, wäre uns auch sonst nichts übrig geblieben. Der konnte nämlich nur Spanisch. Und wir absolut kein Wort davon. Und trotzdem war eines ganz simpel zu merken, die Herzlichkeit und Freundlichkeit dieses kleinen Mannes, der uns mit strahlenden Augen sein wunderschönes Haus gezeigt hat.

Auto ausräumen, den Kram notdürftig auf die einzelnen Räume verteilen und dann endlich die ersten Schritte barfuß im Sand an diesem absoluten Traumstrand.

Angekommen!

Katja