kurz zitiert #49

„Zieh dein Hemd aus!“

„Fuck! Ist das dein Ernst? Du siehst aus wie gephotoshopped.“

(Emma Stone als Hannah Weaver zu Ryan Gosling als Jacob Palmer in Crazy Stupid Love)

Chrchrchr.

Katja

kurz zitiert #48

Nur eines schaffte ich nicht: Mutter aus meiner Erinnerung und meinen Gedanken zu löschen. Ich wage zu bezweifeln, dass überhaupt ein Mensch das kann, wenn es um Eltern oder Geschwister geht. Das Band, das einen an die Familie bindet, kann durchtrennt werden, aber die abgeschnittenen Enden haben so eine Art, einem an windigen Tagen ins Gesicht zu flattern.

(Olivia Whitelaw – in den Mund gelegt von: Elizabeth George, Asche zu Asche, Seite 562)

 

(Ohne Worte)

Katja

kurz zitiert #47

Weinen fügte etwas hinzu: Weinen war man selbst, plus Tränen. Doch das Gefühl, das Colin hatte, war das grausame Gegenteil von Weinen. Es war er selbst, minus etwas. Die ganze Zeit musste er über dieses Wort nachdenken – ewig – und spürte dabei direkt unter dem Brustkorb ein brennendes Reißen.

*

Lindsey hustete, murmelte:
„Verdammt“, und hustete wieder.
Hollis zobg die Brauen hoch. „Lindsey Lee Wells, du steckst sofort einen Vierteldollar in die Fluchbüchse.“
„Verflucht“, sagte Lindsey, „Pimmel, Arsch.“ Dann schlenderte sie zum Kaminsims und steckte einen Dollarschein in ein Einmachglas. „Ich hatte es nicht kleiner, Hollis“, sagte sie.

*

Wenigstens die Bücher waren ihm geblieben. Bücher waren die ultimativen Sitzengelassenen: Leg es weg, und es wird immer auf dich warten; schenk ihm Aufmerksamkeit und es liebt dich immer zurück.

 

(Alle aus: John Green – Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen))

Eines der Bücher, das ich gar nicht sitzenlassen, sondern immer zurücklieben möchte. ❤

Katja

kurz zitiert #46

Leonard: „Und? Wie fanden Sie das Sushi, Mrs. Cooper?“

Mary Cooper: „Es war gut. Noch besser wäre es nur gewesen, wenn es gegrillt gewesen wäre. Und wenn es vom Rind gewesen wäre.“

(The Big Bang Theory, Staffel 5, Episode 6)

Auch, wenn sie so unterschiedlich sind, ist eindeutig, woher Sheldon seinen trockenen Humor hat. :mrgreen:

Wie sehr ich diese Serie dafür liebe, dass ich so oft und herzlich darüber lachen kann. ❤

Katja

(nicht ganz so) kurz zitiert #45

Mein ehemaliger Bankberater hatte ein feines Gespür für Abwesenheiten. „Heute regnet es sehr stark nicht“, konnte er zum Beispiel unvermittelt feststellen oder: „Die Leere dieses Bierglases ist zu groß“ oder auch: „Ich erinnere mich genau an all das, was ich jemals vergessen habe“, obwohl ich dabei vermute, dass es aus irgendeinem Lied stammte und mein ehemaliger Bankberater nur fand, dass es gut klang. „Aber mal im Ernst“, sagte er dann immer. „Es gibt viel mehr nicht, als es gibt.“
(Seite 24)

Dass ich unbedingt auch mal seinen Bruder kennenlernen müsse, sagte mein ehemaliger Bankberater, an den würde ich ihn nämlich erinnern. Dann suchte er in seiner Brieftasche lange nach einem Foto von ihm, fand aber keines und zeigte mir stattdessen einen entwerteten Fahrausweis, den der Bruder bei seinem letzten Besuch angeblich benutzt hatte. „Als ersten Eindruck“, sagte er.
(Seite 41)

Mein ehemaliger Bankberater war angeblich nie müde. Immer wenn er anfange, müde zu werden, denke er darüber nach, was für ein unglaublich faszinierendes Gefühl die Müdigkeit doch sei, wie rätselhaft, wie unerforscht, und dann sei er so aufgeregt über seine Müdigkeit, dass sie sofort verschwinde. Erst Stunden später komme sie zurück, sagte er traurig, aber da schlafe er immer schon.
(Seite 57)

Man könne das Wachstum gar nicht verhindern, erklärte mir mein ehemaliger Bankberater. „Wenn die Wirtschaft schrumpft, wachsen die Schulden. Wenn die Haare ausfallen, wächst die Glatze. Wenn die Handys kleiner werden, dann wächst halt die Fläche um die Handys herum.“ Auch mein Geld sei also nicht direkt weg, ich hätte dafür etwas anderes bekommen. „Nun müssen wir nur noch herausfinden, was das ist.“, sagte er und klopfte mir auf die Schulter.
(Seite 64)

Alles aus: Tilman Rammstedt, Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

 

Manche Bücher sind wahre Schatzkisten voller wunderbarer Formulierungen. Jene beiden von Tilman Rammstedt, die ich bisher las, gehören dazu und ich muss das hier mal in dieser epischen Breite festhalten, weil ich diese Satzschätze viel zu schön finde und sie nicht einfach wieder stumm ins Regal räumen mag.

Katja

 

kurz zitiert #43

Lars Knutsson stapfte durch den Regen, der Schotter knirschte unter seinen Füßen. Er hatte Hunger. Das war eigentlich nichts Besonderes, er hatte oft Hunger. Aber heute hatte er nicht einfach Hunger, sondern einen Sonntagshunger. Der unterschied sich von normalem Hunger nicht dadurch, dass er größer, sondern dass er anders war. Ein Sonntagshunger war ein Hunger auf Rinderklößchensuppe, auf Braten mit Soße und Kartoffeln, auf zwei Sorten Buttergemüse. Auf einen Nachtisch, zum Beispiel warmen Käsekuchen mit Sahne und Blaubeermarmelade. Lisa, seine Frau, kochte gerade jetzt, als er den Schotterweg hinunterstapfen musste, genau dieses Essen. Sie stand am Herd in der großen, warmen Küche in ihrem Haus in Åby. Ihr ältester Sohn Martin war mit seiner Erika zu Besuch, und Enkel Oskar hatten sie auch dabei. Nur er lief hungrig durch den Wald.
Natürlich würden sie an ihn denken. Sie würden von allem einen Rest übrig lassen und in Schälchen legen, mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen. Aber das war kein Ersatz. Ein Sonntagshunger galt nicht diesen kalten Tupperdosen im Kühlschrank, die man in die Mikrowelle stellte, um sie dann vor dem Fernseher leer zu essen. Zum Sonntagshunger gehörte eine gedeckte Tafel, gehörte Oskar, wie er auf seinem Schoß saß und quietsche und kleckerte. Im Grunde war Knutssons Sonntag jetzt schon gelaufen.

(Roman Voosen, Kerstin Signe Danielsson, Später Frost, Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss, KiWi Paperback, Seite 44)

 

Wie könnte ich mich nicht spätestens an der Stelle in das Buch verliebt haben? Ein Sonntagshunger! Wie schön beschrieben und ich kann das Essen fast riechen! Mittlerweile bin ich schon deutlich weiter und es gibt einige solcher warmherzigen Beschreibungen. Dazu ist der Fall spannend, bisher ist das Ende noch gar nicht vorhersehbar und die Charaktere sind alle fein gezeichnet. Obwohl es recht viele gibt, muss ich nicht hin und herblättern, weil ich mir nicht merken könnte, wer nochmal was war – das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen dafür, dass ich sie markant und erkennbar finde.

Schönes Buch bisher! Ich ahne, dass ich mir da ruckzuck den zweiten Band holen muss und dann losgrummeln werde, weil es noch nicht mehr davon gibt. 🙂

Katja

kurz zitiert #42

„Was ist denn überhaupt Realität?“

„Sie ist das, von dem die meisten glauben, daß sie so sein sollte. Nicht unbedingt besser, nicht logischer, doch den kollektiven Wünschen angepaßt. Sehen Sie, was ich da um den Hals trage?“

„Eine Krawatte.“

„Sehr gut. Ihre Antwort ist logisch, kohärent, die eines ganz normalen Menschen: eine Krawatte!
Ein Verrückter würde jedoch sagen, daß ich ein buntes, lächerliches, nutzloses, auf komplizierte Weise geschlungenes Stück Stoff um den Hals trage, das die Beweglichkeit des Kopfes einschränkt und uns zwingt, tiefer zu atmen, damit Luft in die Lungen gelangt. Wenn ich in der Nähe eines Ventilators bin und nicht aufpasse, kann dieses Stück Stoff mich erwürgen.
Wenn ein Verrückter mich fragt, wozu eine Krawatte gut ist, muß ich ihm antworten: zu überhaupt nichts. Nicht einmal zum Verschönern, weil sie heute zum Symbol der Versklavung, der Macht, der Distanz geworden ist. Die Nützlichkeit der Krawatte besteht darin, nach Hause zu kommen und sie abzunehmen und das Gefühl zu genießen, daß wir uns von etwas befreit haben, von dem wir nicht einmal wissen, was es ist.
Doch rechtfertigt dieses Gefühl der Erleichterung die Krawatte? Nein. Dennoch wird, wenn ich einen Verrückten und einen normalen Menschen frage, was das ist, derjenige als gesund erachtet werden, der mir antwortet: eine Krawatte. Gleichgültig, wer es richtig sieht oder wer recht hat.“

(Paulo Coelho, Veronika beschließt zu sterben, Diogenes, S.95f)

Alleine dafür liebe ich das Buch ja schon nach der Hälfte der Lektüre. Das ist so ein simples Beispiel und es zeigt so deutlich, wie verdreht Mensch manchmal ist – und am schlimmsten: oft ganz ohne es zu merken. Für mehr

Was ist denn überhaupt Realtität?
Was ist normal und was verrückt?
Und stimmt das wirklich so rum?

im Leben. Und in Büchern.

Katja