Ach und trotzdem.

Und dann merkst du irgendwann, du kannst das nicht, nicht so, merkst wie die Wunde jedes Mal wieder aufplatzt, wie es jedes Mal wieder weh tut und dass du dich nicht mehr darüber freuen kannst, sondern nur noch traurig bist.

So funktioniert das nicht. Du dachtest, es ginge ok so und dass du damit klar kommen könntest, aber diese Sache, da geht das nicht, da geht kein Ungleichgewicht, da geht nur Augenhöhe, sonst ist es irgendetwas anderes und ganz anders als das, wie es für dich (ge)passt (hat).

Aber dann merkst du, bei all den Tränen, immerhin, dass es hier um Selbstschutz geht, vielleicht zum ersten Mal überhaupt und dass der gerade wichtig für dich wird, du ihn dir zugestehen kannst und scheinbar doch endlich anfängst, auf dich achtzugeben.

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Katja

 

Shaka, als die Mauern fielen.

Dann, wenn der Groschen gefallen ist, irgendwann viel viel […] später, wenn der Zusammenhang zum ersten Mal vor dir offen liegt, die Frage der Fragen zum ersten Mal eine Antwort gefunden hat und wenn dir genauso unerwartet wie beim vorigen Mal und in der gleichen Situation wie beim vorigen Mal der nächste Zusammenhang, das, was da an dieser Antwort ja auch noch dran hängt, wie eine fehlgeleitete Silvesterrakete dicht an den Ohren vorbeisaust.

„Was passiert jetzt gerade mit Ihnen? Was löst diese Tränen aus?“ Und du willst, aber kannst vor lauter Schluchzen gar nicht sprechen, merkst, wie dein Kinn zittert, kein Laut über deine Lippen kommt, weinst, weinst, weinst, weinst… erst mal einfach weiter. Und er lässt dich, lässt dir die Zeit und du brauchst nicht hinzugucken, weißt auch so, dass dieser leicht besorgte, verständnisvolle, (ab-)wartende Blick auf dir ruht, den du in den letzten Monaten schon so häufig gesehen hast.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, als du endlich wieder sprechen kannst, ohne dass dich das Schluchzen erneut erschüttert, erklärst du stockend. Wenn das alles gar nicht an dir gelegen hat, eigentlich gar nichts mit dir zu tun hatte und es doch DAS war, das dich, das dein Leben am allermeisten geprägt hat. All der Selbsthass, all die Lebenszeit, die du damit zugebracht hast, und dann auf einmal bricht die Ursache dafür weg. Es liegt nicht an dir, du bist vielleicht gar nicht, nicht liebenswert. Und du weißt nicht weiter, weißt nicht, wie du mit diesem neuen Gedanken klar kommen kannst und sollst, weißt gar nicht, was das jetzt mit dir macht. Die Grundlage auf einmal weg. Es hatte nie mit dir zu tun.

Auch Wochen später weißt du immer noch nicht, wie du damit umgehen sollst, was das jetzt eigentlich verändert. Wie sich die Dinge dadurch ändern können. Endlich. Ändern. Können.

Ratlos. Überfordert.

Und doch. Irgendwo in dir ist auch eine ganz neue Erleichterung. „Es liegt nicht an mir.“, sagst du dir immer wieder, schließt die Augen, spürst wie die Tränen wieder in dir aufsteigen, aber andere, trotzigere, mutigere.

Katja

 

Kryptisches Gedankengeschwurbel über Gefühlswirrwarr / 23 to go

Alles anders. Da ist auf einmal Wut, ganz viel davon. Nie gekannt. Nie geahnt. (Natur-)Gewaltig. Sie bahnt sich ihren Weg nach aussen, drängt, poltert, wird laut, weiß noch nicht, wie das mit dem geordneten Ausbruch geht oder ob es das überhaupt gibt, einen geordneten Ausbruch. Ein bisschen ist das ja als wollte man einem Vulkan vorschreiben, wann und wo lang er gefälligst ausbrechen soll. Da ist auf einmal ein Selbst, das sich behauptet, für sich fordert, gar nicht mehr zaghaft, mit zartem Stimmchen bittend.

Dann passiert das gänzlich Unerwartete. Keine Erklärung, dass sie natürlich alles richtig gemacht hat und ja gar keine andere Wahl hatte und das ja gar nicht wusste. Stattdessen eine Entschuldigung. Nicht verstehend, nicht einsehend, aber trotzdem von der Wut so beeindruckt, dass sie kommt. Und natürlich dann doch noch, dass sie ja keine andere Wahl hatte und das so machen musste. Aber immerhin. Ein kleiner Hauch von Genugtuung weht durch den Raum.

Später dann alles wie immer. Das Schuldgefühl klatscht mit dem schlechten Gewissen zum High Five ab. Der Selbsthass tanzt im Takt der Selbstvorwürfe. Das kleine Stimmchen wimmert, will doch nur lieb gehabt werden. Der Magen krampft.

Und dann irgendwo, fast als käme sie von außen noch eine Stimme. Die, die sagt, das war schon ok so. Du hast nichts falsch gemacht. Du hast nichts ruiniert. Sie musste das wissen. Sie hat es so herausgefordert. Damit, dass sie immer nur an ihre Belange denkt und alles auf einmal will, ohne auch nur das Risiko einzugehen, etwas nicht zu bekommen. Keine Rücksicht auf Verluste bei anderen. Es ist mehr als verdient, dass sie das endlich wenigstens einmal zu spüren bekommen hat. Und du, kleines Stimmchen, du weisst doch genau, dass sie diese Sehnsucht nie stillen wird, es gar nicht kann. Aber schau, ich passe jetzt ein bisschen auf dich auf. Ssshhht.

Alles anders. Gleich. Bald. Achwasweissichdenn.

Katja

Reaktionsgeschwindigkeit

Katalysator (von der Katalyse – griechisch: κατάλυσιςkatálysis „Auflösung“ mit lateinischer Endung) bezeichnet in der Chemie einen Stoff, der die Reaktionsgeschwindigkeit durch die Senkung der Aktivierungsenergie einer chemischen Reaktion erhöht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Er beschleunigt die Hin- und Rückreaktion gleichermaßen und ändert somit die Kinetik chemischer Reaktionen, nicht deren Thermodynamik.

Ein Katalysator nimmt an einer chemischen Reaktion unter Bildung einer intermediären Stufe mit den Reaktanten teil, aus dem der Katalysator nach Entstehung des Produkts unverändert freigesetzt wird. Ein Katalysator kann diesen so genannten Katalysezyklus viele Male durchlaufen.

(Quelle: Wikipedia)

Schlaue Menschen in meinem Umfeld geben mir schlaue Denkanstöße. Einer in der letzten Zeit handelte von Katalysatoren. Ich glaube, das ist schon ein paar Wochen her und trotzdem lässt der Gedanke mich seitdem nicht los und ich komme immer wieder an den Punkt zurück…

Ist es vielleicht tatsächlich so einfach? Aber, wenn es nur um die Katalyse geht, warum ist es dann gleichzeitig so schwierig? Chemisches Gleichgewicht geht anders… Irgendein Gedanke, eine Idee fehlt mir noch zum Verständnis der Reaktionsgleichung.

(Und wie traurig, wenn das wirklich stimmt.)

Katja

[Entschuldigung für das hohe Kryptolevel]

 

Unstrukturiert

Das, was den Kopf dauernd schwer macht, fasse ich im Moment immer nur in Gedanken in Worte, formuliere Sätze, bleibe hängen, überlege, dass ich mir eigentlich längst die Zeit nehmen müsste, diese Dinge mal aus dem Kopf raus in die Tastatur zu denken, weil das doch so oft dieses gedanklich Holpern wegnimmt und dann bleibt es bei diesem eigentlich und ich mache es doch nicht. Dabei rede ich mir die ganze Zeit ein, dass mir ja sowohl Zeit als auch Ruhe fehlen, um mich wirklich mal länger hinzusetzen – immerhin komme ich ja auch so gerade zu viel zu wenig – aber ich glaube in Wahrheit verstecke ich mich wieder mal nur vor mir selber, verstecke mich vor diesen Gedanken und weiss auch gar nicht, wo ich neben der Zeit und Ruhe gerade die Kraft hernehmen soll, mich diesen Dingen zu stellen. Aber sie sind ja dauernd da, pieksen mich und lassen mir keine Ruhe. Und für so Fälle ist Aufschreiben in den letzten Jahren für mich ein guter Weg gewesen, weil es dieses Pieksen sanfter macht und das Gedankenkarussell abbremst. Und so wie das in meinem Kopf durcheinander geht, wie kein Gedanke länger ausharrt bevor schon der nächste von hinten kommt und ihn beiseite schubst, so weiss ich auch gar nicht, wo ich anfangen soll. Da ist gerade keine Struktur. Deswegen sollte ich vielleicht einfach irgendwo anfangen, vielleicht gerade hier und mit diesen ersten wirren Gedanken darüber, dass ich ja eigentlich diese wirren Gedanken aufschreiben müsste. Aber vielleicht nicht gerade jetzt und heute, wo ich so müde bin und dann schiebe ich es wieder einen Tag weiter und bekomme den Kram einfach nicht zu fassen, trete auf der Stelle und der Kopf wird immer schwerer. Aber es drängt mich ja auch nichts und niemand, ausser mir selber, die ich jetzt endlich glaube, den Schlüssel in der Hand zu haben, um zum Kern vorzudringen. Aber was, wenn das gar nicht der Kern sondern die Büchse der Pandora ist? Und kann man das überhaupt von aussen sehen ohne sie aufzumachen? Das ist diese Grenze, diese Linie vor der ich immer zurückschrecke.

Wirr. Wieder mal. Und ich seufze und bin von mir selber genervt, weil ich – statt endlich einfach eines dieser verworrenen Gedankenknubbelknäuel zu nehmen und aufzuschreiben (aufzudröseln) nur darüber schreibe, dass ich das eigentlich tun sollte.

Katja

einatmen, ausatmen

Er macht mich schier wahnsinnig, dieser Gefühlsmix aus Überforderung und Hilflosigkeit, dabei ist es gerade nicht mal die eigene Situation, die mich überfordert und hilflos macht, sondern nur dieses aus der Ferne zusehen müssen und nicht wirklich helfen zu können. Mitbekommen, wie es ihr geht ohne das richten zu können. Wieso muss ich mir diesen Schuh des Verantwortlichfühlens eigentlich immer direkt anziehen, wenn irgendwo einer auch nur halbwegs aus einer Ecke hervorlugt? Warum verwischt dieses Trennlinie immer so sehr und fremde Probleme werden durch die simple Tatsache, dass ich denjenigen mit dem Problem gerne habe, direkt zu meinen eigenen? Ich hasse dieses Gefühl von Ohnmacht, das sich rund um die Augenhöhlen und die Stirn herum ähnlich anfühlt wie Angst. Und je tiefer ich mit in diesem fremden Gefühlswust versacke, desto weniger hilfreich kann ich tatsächlich sein. Zuhören kann ich, ja. Aber immer habe ich das Gefühl, dass das viel zu wenig ist, dass ich eine Lösung herbeizaubern muss, dass das meine Verantwortung ist. Mist das. Chaos. Kreiseldenken. Die eigene Gelassenheit zurücksehnen, die ich in den letzten Jahren endlich entdeckt habe, aber die mir völlig abhanden kommt, wenn diese (fremde) Ohnmacht von mir Besitz ergreift. Kommt Ohnmacht von Ohnmacht? Der Schwindel fühlt sich zumindest so an.

Tief durchatmen. Raus an die Luft. Mist das.

Katja