Nur noch 2 km!

Im Kopf gerade so viele offene Baustellen, dass sich die Gedanken aufstauen, wie die langen Schlangen von Kraftfahrzeugen auf bundesdeutschen Autobahnen an Sommerferienwochenenden. Als ich das Bild im Kopf habe, fällt mir schmerzlich auf, dass in meinem Kopf die ‚Nur noch 2 km. Vielen Dank für Ihre Geduld‘-Schilder fehlen und auch die großen Tafeln am Baustellenanfang und Ende, auf denen verkündet wird, wann mit einem zeitlichen Ende der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen zu rechnen ist. Wie schön wäre es, wenn man wüsste: da jetzt nochmal 2 Wochen intensiv drüber nachdenken und dran arbeiten und dann ist der Asphalt aber wieder tippitoppi und die Gedanken können nur so drüberflutschen und holpern nicht mehr durch jenes Schlagloch aus Angst, das da seit Jahren bestand.

Stattdessen immer mehr Baustellen, immer mehr Dinge, über die ich nachdenken will/muss/sollte und ich bin wieder mal total davon überfordert, wie und wo ich damit anfangen soll. Und dann gerade jetzt beim Aufschreiben wird mir klar, dass es vermutlich wieder mal darum geht, erst mal den ganzen alten Shice noch weiter aufzugraben und auszubaggern und freizulegen, was da überhaupt drunter liegt. Dieser Gedanke, die Idee ereilt mich alle paar Wochen oder Monate und ich verstehe nicht, wieso sie mich jedes Mal wieder auf’s neue überrascht als hätte ich sie gerade zum ersten Mal.

Also erst mal atmen, dann weitergucken. Wieder mal. Immer noch. Immer weiter.

Katja

 

 

Dünne Pappe

Dann fällt dir auf einmal der Zusammenhang auf, dass es immer passiert, wenn du müde/erschöpft bist. Immer dann, wenn Kopf/Körper nach Ruhe verlangen, merkst du, wie dünn die Fassade des ‚es geht mir gut‘ gerade ist. Da ist kein festes Fundament, kein Gebäude im Rücken, das die Fassade trägt. Nur dünne Pappe, die Vorderseite schön bemalt, aber es kostet dich immer einen Teil der Kraft, die Pappe festzuhalten, damit sie nicht zusammensackt. Immer schön von hinten dagegenlehnen, damit nichts beult. Immer schön festhalten und hochhalten, damit man nicht drüber schauen kann. Und dann, immer wenn die Kraft schwindet und die Arme vom ewigen Hochhalten schwer werden, braucht es nur einen unaufmerksamen Moment. Dann knittert hier was und dort bildet sich eine Falte und wenn das erst mal passiert ist, kommst du nicht mehr hinterher, das alles wieder glatt zu zupfen und in Ordnung zu bringen und dann gibt es den ersten Riss und dann kommen die Tränen und es ist sowieso schon egal und auch zu spät. Zuerst verläuft nur ein bisschen der bunten Farbe auf der Vorderseite, aber dann weicht es bis nach hinten durch.

Und du merkst, wie groß die Angst vorm Fallen wieder mal ist. Verbietest dir jeden einzelnen dieser Gedanken, die das auslösen können. Versuchst es zumindest. Nur nicht näher darüber nachdenken. Nur nicht zu nah an dich ranlassen. Denk an was anderes. Was Gutes. Guck da nicht hin. Halt dir die Augen zu. Nicht das. Was Schönes. Das ist hier alles gerade zu instabil, zu wacklig, zu eingerissen, zu durchgeweicht. Halt das trotzdem fest, lass nicht ganz los! Sonst wird es noch schwerer werden, das soweit neu aufzubauen.

Aber du bist müde und es wird mit jedem Mal ein bisschen schwieriger, das abzufedern, die Gedanken umzulenken. Du willst dich so gerne einfach in die Dunkelheit und Traurigkeit fallen lassen. Wenn da nicht. Wenn da nicht. Wenn da nicht dieser fucking Kontrollfreak in dir wäre, der genau weiss und dir einredet, dass das nicht gut für dich wäre. Dass das nur den Moment einfacher machen würde, aber nicht das Leben. Und du kommst dir vor wie ein Flummi, der einfach nicht auf dem Boden liegen bleiben darf, der jedes Mal wieder hochschnellen muss. Nur, dass er die Kraft für das Hochschnellen ganz alleine aufbringen muss. Sich mühevoll vom Boden abstoßen. Volle Konzentration. Volle Kraft.

Und jetzt?

Wieder mal zurück auf Anfang.

Atmen. Durchhalten. Weitermachen.

Katja

 

Zoomstufen

Wie klein und unbedeutend die eigenen Probleme und Sorgen wieder werden, wenn die Welt so sehr verrückt spielt.

Und doch sind es manchmal genau diese Momente, in denen sich diese ‚kleinen‘ und ‚unbedeutenden‘ Dinge schlimmer anfühlen, denn da ist auch der Gedanke und die Frage im Hinterkopf, wie zur Hölle das denn im Großen alles in Ordnung kommen soll, wenn es nicht mal im Kleinen gelingt. Müsste sich das eigene kleine Chaos nicht wie von selber ordnen im Angesicht des riesigen Irrsinns aussenrum? Und wäre das nicht auch der erste Schritt, den Mensch vor sich hat? Erst mal bei sich selber anfangen, vor der eigenen Haustür?

Ratlose. Mutlose. Hoffnungslose. Jedes Los gewinnt.

Katja

Reaktionsgeschwindigkeit

Katalysator (von der Katalyse – griechisch: κατάλυσιςkatálysis „Auflösung“ mit lateinischer Endung) bezeichnet in der Chemie einen Stoff, der die Reaktionsgeschwindigkeit durch die Senkung der Aktivierungsenergie einer chemischen Reaktion erhöht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Er beschleunigt die Hin- und Rückreaktion gleichermaßen und ändert somit die Kinetik chemischer Reaktionen, nicht deren Thermodynamik.

Ein Katalysator nimmt an einer chemischen Reaktion unter Bildung einer intermediären Stufe mit den Reaktanten teil, aus dem der Katalysator nach Entstehung des Produkts unverändert freigesetzt wird. Ein Katalysator kann diesen so genannten Katalysezyklus viele Male durchlaufen.

(Quelle: Wikipedia)

Schlaue Menschen in meinem Umfeld geben mir schlaue Denkanstöße. Einer in der letzten Zeit handelte von Katalysatoren. Ich glaube, das ist schon ein paar Wochen her und trotzdem lässt der Gedanke mich seitdem nicht los und ich komme immer wieder an den Punkt zurück…

Ist es vielleicht tatsächlich so einfach? Aber, wenn es nur um die Katalyse geht, warum ist es dann gleichzeitig so schwierig? Chemisches Gleichgewicht geht anders… Irgendein Gedanke, eine Idee fehlt mir noch zum Verständnis der Reaktionsgleichung.

(Und wie traurig, wenn das wirklich stimmt.)

Katja

[Entschuldigung für das hohe Kryptolevel]

 

de nuevo

Tun. Machen. Ablenken.
Nur bloß nicht denken.
Nur bloß nichts sagen.
Nur bloß nichts fragen.

 

 

Und life goes on.
Und irgendwie mach ich das schon!
Schlimmer wird’s von ganz allein…
Schlimmer wird’s von ganz allein…

Und trotzdem bleibt es immer gleich,
ich schlage auf und stell mir vor,
was wäre wenn’s noch schlimmer wird,
den immer gleichen Satz im Ohr:
Das Atmen sich wohl trotzdem lohnt,
das Schicksal niemals wen verschont,
die Straße ist nicht immer eben und grad‘ deswegen:
Auf das Leben!

 

Also wieder zurück auf Start: ich atme!
(Manchmal muss das wohl genügen, manchmal ist das mehr als man denkt.)

Katja

Wie auf’s Stichwort…

Dieses Gefühl, wenn es manchmal nur eines Stichwortes oder ein paar weniger Sätze bedarf und ganz unerwartet fängt es an, in dir zu purzeln. Da fallen Puzzleteile plötzlich wie von selbst an die richtige Stelle vor deinen Füßen und dann siehst du auf einmal die Linien und Muster und Zusammenhänge, die dir vorher verschlossen waren und die teilweise nicht mal nur vom Verstehen her verschlossen waren sondern von deren schierer Existenz du bis zu jenem Stichwort und den folgenden Gedanken nichts gewusst hast.

Haaapuh! Ach so ist das? Aber das bedeutet ja…

Und du verstehst an einer neuen Stelle, bei einem neuen Gebiet, bei einer deiner ‚Macken‘, deiner Eigenarten was es damit auf sich haben könnte, lernst etwas über dich, an einer Stelle, an der dir gar nicht bewusst war, dass es dort gerade etwas zu lernen gibt, weil du dir die (dazu passende) Frage nie gestellt hattest.

Ach so ist das!

Dann fällt dir auf einmal die frisch gefundene Erkenntnis wieder aus den Händen, rollt über den Boden, auf die offene Kellertür zu, kullert hopsend die Treppe runter, springt ein letztes Mal und landet im Regal zwischen all dem Kram, der dort schon rumliegt, zielsicher, genau in einer Lücke, die dir vorher nicht mal aufgefallen war. Du merkst: ach da kommt das her und da passt das rein? Und du hoffst, dass auch diese Erkennen-Verstehen-Bemerken-Umlernen-Kette sich irgendwann schließen wird. Den Anfang davon hast du gerade zumindest in den Händen und den nimmt dir erst mal keiner mehr…

(Und du denkst dir: Krasser Shice! Was kommt denn da noch alles?)

[A big shout-out to the one with the keyword! Again.]

Katja

Falsche Fährte

Wo kann man einen Anfang finden, auf dem Weg sich selber zu mögen und wertzuschätzen? Wo nur? In einem Buch habe ich als Aufgabe gelesen, eine Liste zu machen, 10 Dinge aufzuschreiben, die man an sich selber mag. Anfangs hat mich das das Buch weglegen lassen, mehrfach immer an der gleichen Stelle, weil mich diese Aufgabe so überfordert hat. Da ist nichts Liebenswertes, da gibt es nichts, was ich mag. Dann, wenn ich versucht habe, nicht direkt vor lauter Panik dichtzumachen, konnte ich nur an die Dinge denken, von denen ich wusste, dass andere sie an mir schätzen. Weil diese anderen mir das irgendwann gesagt hatten. Katja ist soundso, Katja kann dasunddas besonders gut. Irgendwann, vor noch nicht gar so langer Zeit, habe ich mich, Jahre nachdem ich zum ersten Mal diese Aufgabe in diesem Buch gelesen habe, hingesetzt, um eine solche Liste zu machen, mit Dingen, die ich an mir mag. Und zum ersten Mal sind mir tatsächlich ein paar Punkte – längst keine 10 – eingefallen. Immerhin ein Anfang auf dem Weg, mich irgendwie gut zu finden.

Aber eben kam mir der Gedanke, dass das alles vielleicht genau die falsche Herangehensweise ist. Ich bin mir gegenüber oft unerbittlich und streng. Wenn ich eine Eigenart an mir entdecke, die ich für wenig erstrebenswert und wünschenswert halte, dann zerfleische ich mich gerne selber dafür, werte mich selber ab. Und genau da ist vielleicht das Problem mit dieser Positivliste. Auf die schreibe ich nämlich nur ‚gute‘ Dinge, Eigenschaften. Wie aber kann ich anfangen, mich als ganzen Menschen zu mögen und wie kann ich aufhören damit, mich selber in so vielen Situationen abzuwerten, wenn ich dieses interne ‚gut‘ vs. ‚böse‘ Ranking immer weiter betreibe, wenn ich mich nur meiner guten Eigenschaften wegen mag und annehme, und mich für alles andere selber fertig mache?

Sollte ich nicht genau dann, wenn ich etwas an mir entdecke, bemerke, was mir nicht gut tut, nicht gut gefällt, weniger streng und mehr verständnisvoll mit mir umgehen, um endlich zu einem positiven Selbst(wert)gefühl zu kommen? Gerade erscheint mir das so logisch, dass es ja eigentlich nur besser werden kann, wenn ich anfange, mich als ganze zu mögen, auch meine Macken und die Dinge, mit denen ich noch zu kämpfen habe und auch die Tatsache, dass ich noch zu kämpfen habe, weil das alles zu mir gehört.

Ich glaube, das liest sich alles sehr wirr, irgendwie fühlt es sich auch noch recht wirr an und ich habe natürlich überhaupt keine Ahnung, selbst wenn es so richtig ist, wie ich das dann anpacken soll, aber ich musste das jetzt dringend so ins Unreine hier festhalten, bevor mir der Gedanke wieder wegglitscht.

Katja