Lost

Diese Tage, an denen ich mich selber verliere, mich nicht richtig spüren kann. Innerlich zappelnd und hektisch, der Kopf dreht ohne Unterlass, äusserlich kaum etwas von den Dingen auf die Reihe bekommend, die ich tun müsste. So, als hätte ich vergessen, wie das überhaupt alles geht und funktioniert. Aufgewühlt, aufgebracht, in einer gefühlsmäßigen Achterbahn unterwegs. Immer, wenn das Kopfkarusell zwischen den Runden Pause macht, frage ich mich, was das überhaupt ist, was da gerade so in mir rumort, aber die Antwort ist mir so fern, wie ich mir selber bin.

Diese Tage, an denen ich mir selber davondrifte. Es ist kein Fallen, mir geht es nicht wirklich schlecht, eigentlich nur dauernd anders, seltsam. Es ist mehr so ein seitliches mir-selber-Entgleiten. Wo ich mich nicht richtig wahrnehmen kann und das, was ich wahrnehme nicht leiden kann, weil es so zappelnd und gar nicht in sich ruhend ist und weil ich so nicht bin, zumindest nicht sein will.

Weiterlesen

Im Ballon

Dieses Gefühl, als würdest du in einer Gummihülle, ähnlich einem unaufgepustetem Luftballon, leben. Die Wände liegen nicht so eng an, dass du nicht atmen könntest und du kannst dich auch, zwar eingeschränkt aber doch, voranbewegen aber wohin du auch gehst, die Hülle bleibt stets erhalten. Deine Arme und Beine drücken beim Versuch vorwärts zu kommen, Ausbuchtungen in die dehnbare Gummihaut und du kommst auch voran – aber so sehr du dich auch bemühst, es gelingt dir nicht, die Begrenzung endgültig zu überwinden. Dazu bräuchtest du einen spitzen oder scharfen Gegenstand, um die Hülle ein für allemal zu durchtrennen, abzustreifen – doch davon gibt es keine innerhalb dieses kleinen begrenzten Raumes. Und wenn du nicht aufpasst und die Körperspannung in einem erschöpften Moment kurz aufgibst, dann zieht das Gummi sich wieder eng zusammen, just wie bei einem Luftballon, der noch nie aufgepustet war und es fällt so viel schwerer und kostet so viel zusätzliche Kraft, diesen Anfangswiderstand zu überwinden.

Katja

Die Sache mit A.

Unverdautes.

Ich lernte A. im Rahmen einer der Ausbildungen, die ich machte, kennen. Sie stieß ein halbes Jahr später dazu und war aber direkt nach einem ersten Kennenlernen immer mit unserer ‚Clique‘ zusammen. Diese Clique, die sich selber nie als solche bezeichnet oder angesehen hätte und der ich jetzt hier nur aus Vereinfachungsgründen diesen Namen aufgedrückt habe, bestand aus 6 mehr oder minder jungen Frauen, mit A. dann aus sieben. Zwei von uns kannten sich schon von Kindergartentagen an, alle anderen lernten sich erst mit Beginn dieses Ausbildungsteiles kennen. Wir unternahmen viel zusammen, kochten gemeinsam, veranstalteten Spieleabende, bastelten, schlürften Kaffee, gingen auf Konzerte, feierten Silvester zusammen. Mal alle, mal in wechselnder Zusammensetzung, mal mit unseren Freunden, sofern vorhanden, mal nur unter Frauen – eine Gruppe von Mädels, die sich alle untereinander gerne mochten und befreundet waren.

Irgendwann gegen Ende dieser Ausbildung fuhren wir zusammen, in einer insgesamt größeren Gruppe, für eine Woche weg.

Ich kann mich gar nicht mehr an die genauen Umstände erinnern, aber es war während dieser Fahrt als ich mit der anderen A. (es gab zwei davon) und C. zusammensaß und mich danach erkundigte, wo A. sei, als die beiden sich anguckten und A. mich vorsichtig fragte „Sag mal, Katja, du weisst das gar nicht, oder? Dass die A. dich überhaupt nicht leiden kann. Die ist immer total von dir genervt.“ In mir ging nur ein Uffff. Wie meinen? vor als C. einstimmte und erzählte, dass A. sobald ich nicht dabei sei kein gutes Wort für mich fände und nur über mich lästern würde.

Ich weiss nicht mehr genau, wie dieser Abend weiterging. Ich weiss nur noch, dass ich danach versuchte, mich A. gegenüber möglichst unauffällig zu verhalten und den Rest der Woche rumzubekommen. Da sie schon vorher die Ausbildung abgebrochen hatte und nur noch mit auf dieser Fahrt war, begegnete ich ihr danach zumindest nicht mehr täglich.

Heutzutage würde ich sie vermutlich darauf ansprechen anstatt ihr danach aus dem Weg zu gehen, zumindest glaube ich das. Damals konnte ich nur fliehen. Vor ihr, aber wohl hauptsächlich vor meiner Wahrnehmung, die mich so im Stich gelassen hatte. Das kannte ich nicht. Sympathie war für mich meist etwas irgendwie gegenseitiges. Man kann mit jemandem oder eben nicht. Hinterher zu erfahren, dass nur ich mit A. konnte, aber A. nicht mit mir und das nicht gemerkt zu haben, das verfolgt mich nachhaltig und lässt mich – auch nach 15 Jahren – nicht wieder los.

Jahrelang hatte ich, sobald mir diese Geschichte in den Sinn kam, das Gefühl, ich hätte das merken müssen. Und dann hätte ich mich entsprechend verhalten müssen, mich von ihr zurückziehen müssen – eben um ihr nicht auf die Nerven zu gehen, wie ein lästiges im Hosenbein festgebissenes Hündchen. Erst jetzt schaffe ich es (manchmal) auch diese andere Seite zu sehen, dass ich mich nur so täuschen konnte, weil A. mich bewusst so getäuscht hat. Dass meine Wahrnehmung vielleicht gar nicht so ‚kaputt‘ ist, nur einfach mit so guten Lügnern nicht klarkommt, weil diese Unaufrichtigkeit mir so fern ist.

Ich möchte das gerne endlich loslassen können, nicht mehr aus heiterem Himmel losheulen müssen, wenn mir jener Abend zufällig in den Sinn purzelt und diese Gefühle von dem Abend wieder heraufbeschwört. Ich möchte einmal denken können ‚Was für ’ne doofe Kuh‘ anstatt ‚weia, du hast dich so sehr aufgedrängt und es nicht gemerkt. Mit dir stimmt doch was nicht‘.

Schnitt.

Hier. Jetzt. Der Versuch diese Dinge, die vielleicht eigentlich einfach nur banale Kleinigkeiten sind, nur Episoden, mich aber seit Jahren nachhaltig belasten und in ein Vermeidungsverhalten* zwängen durch die irrationale Angst, die sie bei mir hochschwemmen, aufzuschreiben. Aufschreiben, in der Hoffnung, ihnen dadurch ihren Schrecken zu nehmen. Sie loszulassen. Rational weiss ich lange, mache mir immer wieder klar, dass diese Dinge den Stellenwert, den sie bei mir haben, überhaupt nicht verdienen. Und trotzdem komme ich aus diesem Fühlen nicht raus, kann nicht loslassen. Ungeklärtes. Unverdautes.

Katja

(*anderswann mehr über den Zusammenhang)

 

Unverdautes

Diese Dinge, 1000 Mal ins Bewusstsein hochgeschwemmt und darüber nachgedacht, einige wenige Male mit einigen wenigen Menschen darüber geredet. Der Verstand weiss so deutlich, dass es gut und richtig und wichtig wäre, sie loszulassen und im Bauch kochen sie doch wieder hoch. Immer wieder, immer mal wieder. Sie türmen sich auf, wie unerklimmbare Kletterwände, unverdaut, auch oder gerade weil sie ungeklärt sind. Es macht mich krank, Dinge nicht (er-)klären zu können, mir und anderen, mit mir und mit anderen. Klären, darüber reden, nur das bringt echte Klarheit. Da wo das nicht geht, schwappen die Dinge immer wieder über den Bewusstseinsrand und immer steht da ganz groß die Frage ‚Warum?‘. Ich würde so gerne verstehen. Mich. Die anderen. Was passiert ist. Auch oder gerade weil so viele Ängste aus diesem Unverdauten gewachsen sind. Von denen ich rational weiss, dass sie keinen Grund haben (müssen), von denen ich mich aber emotional nicht lösen kann. Aber was wenn? Was wenn das wieder passiert? Was wenn ich dann noch so einen unverdauten Brocken anhäufe?

So viele Dinge wage ich jetzt. Bei so vielen Dingen gelingt es mir, diese Ängste entweder nicht zuzulassen oder bis zu Ende durchzudenken, um zu sehen, dass eigentlich gar nichts wirklich Schlimmes passieren kann. Aber nicht bei diesen Dingen. Da nicht. Da kocht sofort immer das ‚Und was wenn doch?‘ hoch. Und ich weiss gar nicht, was ich mehr fürchte. Das, was dran hängt, was das bedeuten würde oder dass es in einem weiteren unverdauten Brocken münden könnte, der mich auch nach Jahren nicht wieder loslässt. Ich will nicht noch mehr solches Gepäck. Aber eigentlich ist mir der Vermeidungspreis dafür auch zu hoch. *soifz*

Vielleicht sollte ich auch diese Dinge einfach aufschreiben. Manchmal ist es ja wirklich magisch, wie sehr die Dinge ihren Schrecken verlieren, wenn ich sie erst mal schwarz auf weiss auf dem Monitor gesehen habe. Als würde dieses greifbarer machen, dieses realer machen ihnen ihre böse Zauberkraft nehmen.

Katja

Die Sache mit der Verantwortung

Vorhin bin ich beim Ausmisten meiner ältesten Entwürfe hier im Blog über einen Text gestolpert, den ich vor fast 2 Jahren geschrieben habe und damals aber aus irgendwelchen Gründen nicht fertig geschrieben und veröffentlicht hatte.  Gerade habe ich gemerkt, dass ich ihn aber auch nicht einfach löschen kann, weil ich wirklich noch häufig darüber nachdenke. Und weil ich ihn auch nicht noch länger in den Entwürfen liegen lassen will, findet er jetzt doch noch seinen Platz hier.

Ich bin vor einiger Zeit über das Blog eines jungen Mädchens gestolpert, das mit seiner Mutter zusammen lebt, zu der sie kein gutes Verhältnis hat, die einen Freund hat, der wenig Verständnis für sie aufbringt, von der eine ungeheuere Traurigkeit ausgeht. In unzusammenhängenen Blogeinträgen erzählte sie Fragmente aus ihrem Leben, erzählt von selbstverletzendem Verhalten, deutet Missbrauch an, schrieb sie immer dringlicher darüber, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Ich war froh über jeden einzelnen Eintrag, weil die – egal wie schlecht der Inhalt auch war – zeigten, dass sie keinen Blödsinn gemacht hatte.

In einer ähnlichen Situation, Jahre vorher, hatte ich in einem Chat Kontakt zu einem Mädchen, das eine ähnliche Geschichte erzählte. Ich redete den kompletten Tag mit ihr, setzte mich abends ins Auto und fuhr fast 300 km, um sie zu treffen – ohne eine Ahnung, ob sie „echt“ war, ohne eine Ahnung, ob sie wirklich käme oder mich einfach stehen ließe. Sie kam, sie war echt, wir hatten hinterher lange Zeit Kontakt. So gerne ich sie hatte, so sehr kraftraubend war der Kontakt für mich. Ich weiss nicht wie oft nachts um 4 mein Handy klingelte, weil sie nicht schlafen konnte – sie die Geister ihrer Vergangenheit plagten. Damals ging es mir gut, aber das zerrte ordentlich an meinen Kräften. Das im Hinterkopf habend, habe ich mich nicht getraut, einen Stein ins Rollen zu bringen und Kontakt zu dem Mädchen aus dem Blog aufzunehmen. Zum einen fürchtete ich die Hilflosigkeit und Machtlosigkeit (ich kann nicht gut damit umgehen, nicht helfen zu können und zerfleische mich dafür gerne selber), zum anderen habe ich in den letzten Monaten gelernt ein bisschen besser auf mich selber zu hören und zu achten und hatte schlicht Angst, ich könnte nochmal so vereinnahmt werden und die Grenze zwischen meinen eigenen Problemen und fremden könnte sich wieder einmal verwischen.

Also hielt ich die Füße still und war lediglich über jeden Eintrag im Blog froh. Bis zu dem Punkt, wo sie sehr eindringlich über ihren Suizid schrieb, beschrieb, dass sie nur noch ihre Spuren verwischen wolle, ihre Accounts in VZ und Co. löschen, alles sehr entschlossen wie über eine beschlossene Sache.

Ich kannte sie nicht, kannte nur die paar Beiträge von ihr, wusste nicht, wie ernst das zu nehmen war, wie ich das einschätzen sollte. Da ich mir echt keinen anderen Rat wusste, habe ich bei der Polizei angerufen. Völlig gehemmt, mich zig Mal entschuldigend, erklärend, dass ich nicht weiss, ob und wie ernst es ist, dass ich aber lieber einmal zuviel die Pferde scheu machen möchte als nichts getan zu haben.
Spätestens, wenn die Beiträge im Blog ausgeblieben wären, hätte ich mir sonst wohl ewig vorgeworfen, nichts unternommen zu haben. Und die hätten ja aus was-weiss-ich-denn-für-Gründen ausbleiben können.

Der Anruf damals war eine Katastrophe. Ich rief zuerst bei der Polizei in Darmstadt an, weil ich eigentlich die Hoffnung hatte, dass die mehr Erfahrung mit solchen Dingen hätten als die in meiner kleinen Stadt. Da ich ja ihren Wohnort nicht kannte, dachte ich, es sei nicht wichtig, welche Dienststelle ich verständige – Hauptsache überhaupt jemandem Bescheid gesagt. Der Beamte war ziemlich unfreundlich, weil ich mich nicht an meine örtliche Polizei gewendet hatte und ließ mich nicht mal ausreden, um meine Gründe zu erklären, sondern verwies mich nur an die örtliche Dienststelle.
Damals fiel mir Telefonieren noch schwerer als heute (und das ist weiss Gott heute noch nicht leicht), aber ich habe es dann doch noch geschafft, hier anzurufen. Und völlig entgegen meiner eigentlichen Befürchtung, war der hiesige Beamte sehr einfühlsam und freundlich und vor allem nahm er meine Sorge ernst. Schon ein paar Stunden später rief er mich zurück (Schock! Ohne dass ich ihm die Nummer gegeben hatte.) und sagte mir, dass sie das Mädchen ausfindig gemacht hätten und dass seine Kollegen an ihrem Wohnort, dort vorbeifahren würden.

Am nächsten Tag war ihr Blog gelöscht. Ich weiss nicht, ob sie das selber getan hatte oder der Bloganbieter. Aber seitdem kommt das bei mir immer wieder hoch. Immer wieder die Frage, was wohl aus ihr geworden ist. Und ich grüble, ob das nun richtig war oder ob ich ihr damit eher noch den Boden weggezogen habe, weil ich ihr die Sicherheit des anonymen Bloggens genommen habe.

Ich weiss nicht, wie ich reagiert hätte. Ich weiss, wie shice es sich für mich anfühlte als ich bei meinem Blog einmal das Gefühl hatte, meinen Boden zu verlieren. Diese plötzliche Ratlosigkeit, weil das Kopf Auskippen mir so wichtig geworden ist. (Was mich heutzutage wohl nicht mehr so aus der Bahn werfen würde. Hoffe ich.) Aber ich hoffe einfach, dass sie es vielleicht als tröstlich empfunden hat, dass es irgendwo jemanden gibt, dem nicht egal ist, was mit ihr ist. *soifz*

Ich weiss nicht, ob das richtig war, ich hätte nicht anders gekonnt, musste handeln, konnte nicht wegsehen so wie ich damals bei dem Mädel aus dem Chat irgendetwas machen musste, mich sofort verantwortlich gefühlt habe. Ich hoffe echt so sehr, dass sie noch am Leben ist und dass es ihr besser geht. *grübel*

Hat zufällig jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? (Ich vermute/befürchte wirklich das Web ist voll von Suizidankündigungen…) Und wenn ja, hast du etwas und wenn ja, was denn unternommen?
Gibt es da überhaupt eine eindeutig richtige Lösung? Mir lässt das echt keine Ruhe.

Katja

Sorry seems to be the hardest word

Ich würde so gerne verzeihen können. Nicht den alltäglichen Kleinkram, da gelingt mir das ganz gut, sondern die richtig fies großen Dinge, die schief gelaufen sind. Und, so egoistisch das vielleicht auch sein mag, ich würde das primär gerne meinetwegen können, damit die alten Geschichten endlich ihre Macht über mich verlieren, die alten Wunden nicht immer wieder auf’s neue aufreissen können, mir nicht immer wieder der gleiche Mist zusetzen kann.

Und ich weiss nicht, wie häufig ich schon an der Frage/dem Gedanken hing, um seiner selbst willen zu verzeihen, ganz für sich alleine, damit man loslassen kann. In vielen Dingen gelingt mir das auch, aber nicht in den großen, nicht in dieser Sache. Ich trage das im Kontakt auch gar nicht nach aussen, sprech’s nicht/selten aus, lass mir’s nicht anmerken, spiele das ‚alles cool and froody‘-Spiel mit, aber in mir drin brodeln diese Dinge immer wieder hoch und immer ist da die Frage nach dem ‚Warum‘.

Und ich merke immer wieder, wie ich an meiner persönlichen Grenze des Verzeihens festhänge, nämlich jener, dass es mir verflucht schwer fällt zu verzeihen, wenn beim Gegenpart nichts passiert, kein Verstehen da ist, was noch viel schlimmer ist als kein Bedauern. Bei ihr weiss ich doch, dass sie das nie verstehen wird, gar nicht verstehen will, ja nicht mal hingucken will, weil es ihr Lebenskonstrukt zum Einsturz bringen würde. Warum kann ich also nicht aufhören, darauf zu hoffen, dass sie irgendwann zuhören wird und hingucken und anfangen auszuhalten. Ich musste auch aushalten, jahrelang. Und das hat mein Leben so wesentlich geprägt und Weichen gestellt. Klar, ich hätte vermutlich nie gelernt, die eigenen Verhaltens- und Gedankenmuster so gründlich einzusortieren, aber der Preis…

Und dann schrecke ich hoch und denke ‚waah. Diese verbitterte Frau, das bin ich nicht. Das will ich nicht sein.‘ Aber ich kann es und kann es und kann es nicht abhaken und vergessen. Das nicht. Und das spielt ja auch für niemanden ausser mich selber eine Rolle, sie lebt in ihrer bunten Glitzerwelt und alle Versuche, nachhaltig diese Themen anzuschneiden scheitern. Nix hören, nix sehen, nix sagen. Was in der zurechtgebogengen Erinnerungswelt nicht vorkommt, hat nie stattgefunden. Kann ja auch gar nicht sein. Sowas doch nicht. Sie? Nein!

Hmpf. Ich merke, wie der Versuch, mich mit den Gedanken auseinanderzusetzen, mit einer Möglichkeit des Verzeihens auseinanderzusetzen nur immer wieder zu noch mehr Bitterkeit führt. Ich bin da nicht mit durch. Vielleicht ist es schlicht zu früh? Aber Herrje, wie lange soll das denn noch wie Kaugummi an meiner Sohle kleben? Ich will da irgendwann mit durch sein. Also weitersuchen, weitergrübeln, weiterforschen, was es dazu braucht. Hmpf.

Katja

 

Mich dunkel erinnernd, dass ich an diesem Thema schon häufiger rumgekaut habe, bin ich gerade wieder auf einen alten Artikel von fast auf den Tag genau vor einem Jahr gestoßen, wo ich schon in den fast gleichen Gedankenmustern hing und wo ihr mir schonmal ungeheuer wertvolle Kommentare hinterlassen habt, auf denen ich gerade wieder rumdenke.

Eigentlich ganz schön deprimierend, dass ich in dieser Sache in dem ganzen Jahr nicht wirklich voran gekommen bin und auch immer noch ziemlich ideenlos bin, wie ich damit umzugehen lernen kann.  *soifz* 😦

Innere Dialoge

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich laut mit mir selber rede. Meistens schimpfe ich mich dann grinsend (und natürlich auch laut) dafür. Meist geht es dabei nur um irgendeinen alltäglichen Kram und ich brabbele vor mich hin, was ich als nächstes erledigen muss.

Und manchmal – und das ist meist der Fall, wenn ich über irgendwelche ‚Grübeldinge‘ nachgrübele –  fällt mir auf, dass ich zwar nicht laut, aber doch in meinem Kopf richtige Dialoge stattfinden lasse. Was mich dabei immer wieder mal erstaunt ist, dass ich diese inneren Dialoge nicht (immer) mit mir alleine austrage. Häufig sind daran unterschiedliche Freunde beteiligt, die ich gut kenne und von denen ich (scheinbar) ahne, wie sie auf bestimmte Äusserungen von mir reagieren würden. Und bei den Gedanken, die den Standpunkt der jeweiligen Freunde (oder zumindest das, was ich annehme, was ich als Denkanstoß von ihnen bekäme) vertreten, habe ich die Stimme (und manchmal auch den Gesichtsausdruck) derjenigen im Kopf. Ganz als würde ich mich mit jemandem unterhalten – nur dass das ganze ausschließlich in meinem Kopf stattfindet.

Fiel mir letztens wieder mal auf als ich vor so ’ner ‚ich trau mich nicht‘-Schwelle hing und drüber nachgrübelte und mich durch gezielte Fragestellungen gedanklich angetrieben habe, an dieser Schwelle nicht hängenzubleiben, sondern weiterzudenken und genau aufzudröseln, was denn wirklich realistisch Schlimmes passieren könnte, um dann einzusehen, dass ich ja eigentlich gar nichts zu verlieren habe. Und dieses Antreiben und Weiterforschen passiert fast immer mit dieser Stimme, weil das etwas ist, was für Gespräche mit diesem Menschen ganz typisch ist, weil er diese Fragen, die mich dazu bringen, über diese Schwelle drüberzudenken, schon oft in echten Gesprächen gestellt hat.

Eine andere Stimme kämpft zB häufig meine Selbstzweifel nieder oder erklärt mir Zusammenhänge, wenn ich an meiner Wahrnehmung zweifle, so wie es der reale Freund auch häufig tut.
Kennt das jemand? Geht euch das auch so, dass ihr beim Grübeln – wenn ihr darüber nachdenkt, was ein bestimmter Mensch euch in diesem Moment sagen würde – das, was ihr denkt, was er sagen würde, auch in seiner Stimme denkt?
Oder ersatzweise, wenn man gedanklich ein bevorstehendes Gespräch durchspielt: Denkt ihr die Antworten dann auch in der Stimme des Gesprächspartners?

Wenn ich gerade in so ’nem Grübeln drin stecke, kommt mir das sehr normal vor. Wenn ich so losgelöst davon drüber nachdenke oder das jetzt nochmal durchlese, frage ich mich aber schon, ob das nicht doch ziemlich abstrus ist. 😯 (Getreu dem: 9 von 10 Stimmen in meinem Kopf streiten sich, eine summt.)

Katja