It’s the little things

Die Nachbarn haben gestern in ihrem Garten die Musik aufgedreht und Schlagerkaraoke gemacht. Das war sehr schief und es war sehr laut und vor allem war es nach 23 Uhr und ich seit einer Weile im Bett, wo ich zu schlafen versucht habe.

Bei den Temperaturen geht das nur mit geöffneter Terrassentür und Ventilator auf der Terrasse, was bedeutet: kurz vor 23 Uhr ist es schwierig. Dass wir hier relativ flughafennah wohnen, merkt man kaum, außer im Sommer, abends kurz vor elf. Ab 23 Uhr gilt das Nachtflugverbot am FRA, kurz vorher werfen die – ähnlich dem großen Knallfinale bei einem Feuerwerk – nochmal alles in die Luft, was Flügel hat und da der Tag dann ansonsten schon recht leise ist, fällt das enorm auf.

Wenn ich zu der Zeit schon im Bett liege, dann weiss ich ohne Blick zur Uhr haargenau: jetzt ist kurz vor elf, gleich ist Ruhe.

Also eigentlich. Wenn nicht die Nachbarn dann anfangen, im Garten lauthals Schlager mitzusingen. Es läuft irgendwas, was ich nicht kenne, dann Nino de Angelos Jenseits von Eden, von dem ich wünschte, es nicht zu kennen, denn so macht natürlich mein Kopf, nicht das, was er soll – nämlich abschalten – sondern versucht krampfhaft, sich an den Text zu erinnern…wenn selbst der Kopf nicht mehr ruht, wann er soll, dann sind wir jenseits von Eden. Das. Ist. Nicht. Schön.

Und weil es so unschön war, den gleichen Song direkt nochmal und dann einen anderen und noch einen und ich ertappe mich bei dem Gedanken, ob es vielleicht doch ginge, die Terrassentür zu schließen, um wenigstens wegen der Hitze nicht schlafen zu können, was in Summe nicht besser, aber wenigstens nervenschonender wäre und dann macht mein Kopf was und das ist völlig neu und 3 min später stehe ich, mit vom Gras im Garten ganz nassen Füßen, vor den Nachbarn und bitte sie freundlich, die Musik etwas leiser zu drehen und die nicken ebenso freundlich und sagen, dass sie sie ganz ausschalten, weil: ist ja schon spät.

Ich schlurfe durch’s nasse Gras zurück und brauche dann tatsächlich immer noch eine Weile zum Einschlafen. Jetzt aber aus Freude und ein bisschen stolz darauf, dass ich meine eigenen Bedürfnisse inzwischen oft spüren kann und sie auch ernst nehme und sie mir zugestehe und dass mich nicht mehr ganz pauschal hinter allen anderen einordne. Das ist neu und es fühlt sich gut an.

Und während ich das dachte, war es himmlisch ruhig.

Katja

Neulich in der Reinigung

Reinigungsmann: Tach.
ich: Guten Tag. Ich hab hier 10 Hemden zum Bügeln.
R.: Oh-oh! Das wird dauern! Die Frau war krank. Die ist heute den ersten Tag überhaupt wieder da. Und die macht das ja mit dem Bügeln.
ich: Na macht ja nichts, wenn’s dauert. Wie lange denn?
R.: Oh-oh! Das wird lange dauern!
ich: Ach. Und wie lange denn? So ungefähr?
R.: Oh-oh! Auf jeden Fall lange. Sehr lange.
ich: Vielleicht könnten Sie mir einfach sagen, wann ich sie abholen kann?
R. (empört): Das kann ICH Ihnen doch nicht sagen! Auf keinen Fall mehr in der Woche.
ich: Ja, das macht ja nichts. Es darf ruhig etwas dauern. Ich muss nur wissen, wann ich wieder vorbeikommen kann, um die Hemden abzuholen. Ich komme aus der kleinen Stadt und möchte ungerne umsonst bis hierher fahren. Deswegen wäre ein genauer Termin praktisch.
R.: Also diese Woche wird das auf keinen Fall was. Nächste Woche dann wohl irgendwann.
ich: Und an welchem Tag denn da? Ich möchte ja nicht auf Verdacht an irgendeinem Tag vorbeikommen und die Hemden sind noch gar nicht fertig.
R.: Das kann ICH Ihnen nicht sagen. Geben Sie mir Ihre Telefonnummer. Dann rufe ich an, wenn sie fertig sind.
ich: Das möchte ich nicht so gerne. Nennen Sie mir doch bitte einen Tag, an dem sie auf jeden Fall fertig sein werden.
R. schlurft in einen Nebenraum.
R.: Sie müssten dann am Mittwoch vor halb 1 kommen.
ich: Also ich kann sie dann irgendwann ab Mittwoch abholen, ja?
R.: Sie müssten dann vormittags kommen. Mittwochnachmittag haben wir nicht offen.
ich: Ich weiss. Ich weiss nur noch nicht, ob ich das Mittwoch schaffe. Ich komme ansonsten wann anders nächste Woche, nur nicht vor Mittwoch.
R.: Ja vorher sind sie auf keinen Fall fertig. Donnerstag haben wir dann auch wieder nachmittags offen. Nur Mittwoch nicht. Kommen Sie da vor halb 1.
ich: Mittwoch vor halb 1 oder dann Donnerstag oder Freitag! Vielen Dank, auf Wiedersehen.

Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich wohl einen Termin genannt bekomme, bevor seine Frau mit dem Bügeln fertig ist oder ob wir einfach so lange im Laden weiterdiskutieren werden bis alle Bügelwäsche, inclusive meiner erledigt ist.

Katja