Kannste mal halten?

Es gibt manchmal diese Tage, da wandern alle negativen Gedanken und Gefühle durch eine Art Verstärker oder Vegrößerungsglas und wecken dieses große Monster in meinen Inneren, das meine Ruhe verschlingt und ein brennendes Inferno in mir anrichtet. Das piekt und sticht und brennt sich Löcher in die Oberfläche, dringt nach aussen, nimmt mir auch nach aussen die Kontrolle und Fassung, lässt diese ganze Hölle, die in dem Moment in mir stattfindet, wasser- nein eher feuerfallartig, vulkanerupierend nach aussen dringen, stachelt damit dann noch den Selbsthass an, kocht noch höher, noch weiter, noch blubbernder. Alles in mir tut weh, fühlt sich an, wie innerlich ausgepeitscht, überall wunde Striemen, fühlt sich an wie verbrannt, versengte, brennende Wundheit, pieksende Messer- und Nadelstiche nach innen, Juckpulver nicht auf, sondern unter der Haut.

Wenn das passiert, entzieht es sich/ich mich ab einem gewissen Punkt meiner Kontrolle. Ich bin dann wie fremdgesteuert, von diesem inneren Monster, nehme mich selber wie durch einen Schleier wahr, kann mich nicht leiden, hasse mich, kann mich kaum aushalten, würde am liebsten vor mir selber weglaufen…

Vielleicht sind die wahren Freunde, die du im Leben finden kannst die, die dein Monster (aus-)halten, wenn es sich losreisst und du es selber gerade nicht halten kannst?!

Katja

 

zerrieben

Diese Tage, an denen es sich anfühlt als hättest du eine Schicht Sandpapier unter der Haut, an denen alleine das in deiner Haut stecken schmerzt oder zumindest ein kratziges unangenehmes Gefühl hinterlässt. Diese Tage, an denen es sich anfühlt als hättest du Stacheldraht in den Eingeweiden und auch in den Gliedern, an denen du erstarrst, nur nicht rühren, nur nicht atmen, damit der Draht sich nicht noch weiter windet. Alles schmerzt, alles ist wund, nach innen und nach aussen und du willst schreien, doch obwohl die Haut durch das Schmirgeln des Sandpapiers immer dünner wird, gelingt es dir nicht, mit dem Schrei die Oberfläche zu durchstoßen und so schreit es nur nach innen und wird als hohles Kreischen aus deinem Inneren reflektiert. Und auch die Worte kommen nicht aus dir raus und obwohl du weisst, dass (Auf-)Schreiben doch so oft die Lösung ist, zumindest die Akuthilfe, geht gerade das am allerwenigsten.

Stattdessen wahrst du, versuchst es zumindest, nach aussen den Schein, die Form. Versuchst, so gut wie möglich weiter zu funktionieren und bist doch des Funktionierens gerade so müde. Aber du kennst den Mechanismus des Fallens, des Fallen lassens mittlerweile auch gut genug um zu wissen, dass auch das nur eine Episode ist. Ein Fall, wie in tiefes Wasser, immer weiter runter, unter die Oberfläche, immer weniger Luft in den Lungen und dann irgendwann erreichst du den Boden und schaffst es, dich wieder hochzustoßen, irgendwann wieder die Wasseroberfläche zu durchstoßen und da weiterzumachen, wo du vorher innegehalten hattest. Warum also nicht die Abkürzung wählen und direkt einfach weitermachen, so als wäre überhaupt nichts. Weitermachen. Die Form wahren.

Nur im Inneren, da ist alles in Aufruhr. Da ist der Schmerz. Da fehlt die Ruhe. Angetrieben. Angepeitscht von jenen Dämonen, die irgendwann vor einiger Zeit, ohne dass du es bemerkt hättest, das Sandpapier und den Stacheldraht installiert haben.

Und sie nennen es Kunst. „Die in ihrer eigenen Haut zerrieben wird.“

Katja

*you can run but you can never hide
from the shadow that’s creepin‘ up beside you*
(Def Leppard – Two Steps Behind)