Aussen und innen

Aus der Therapiesitzung raus und nur ein kleines Stück vom Haus des Therapeuten entfernt über die Brücke auf die Insel. Alles im Nebel und Dunst, einfach loslaufen, in den Wald rein und dann nach einer Weile auf einmal die ersten hell leuchtenden Flecken auf dem Boden und die Sonne, die sich anfangs nur kurz durch ein kleines Loch im fahlen Dunst zeigt, wird immer kräftiger und der Wald wird immer bunter und passend dazu verzieht sich auch ein wenig von dem Nebel im Kopf.

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Das, was da in der Therapie passiert ergibt für mich noch kein Gesamtbild (vermutlich wäre das auch viel zu viel erwartet). Bisher sind das einzelne Episoden und jede davon macht mich ein bisschen reicher (Ich glaube, ich habe dieses Mal endlich [Ich würde das am liebsten mit 36 Punkt Schrift, kursiv, fett und gesperrt schreiben.] einen Therapeuten gefunden, der zu mir passt.), aber sie fügen sich für mich noch nicht zusammen. Da sind bisher nur einzelne Ideen im Kopf, eine lose Folge von Akkorden, die noch keine Melodie ergeben. Mein aktuelles ‚Grundthema‘ hat er mir in der 3. Sitzung mit großer Klarheit ins Gesicht gesagt und ich konnte nur mit offenem Mund nicken, denn auf einen solch einfachen Nenner konnte ich das nie runterbrechen.

Da sind gerade so viele offene Baustellen in mir und ich habe das Gefühl, es kommen andauernd noch neue hinzu, anstatt dass irgendwo mal eine abgeschlossen wird. Aber vielleicht ist es genau das, vielleicht muss erst mal alles noch viel mehr durcheinander geraten, damit es hinterher in Ordnung kommt. Wenn ich von der Anordnung in meinen Küchenschränken wieder mal sehr genervt bin, weil ich die Sachen, die ich selten brauche, immer rausräumen muss, um an die ranzukommen, die ich in der Phase häufig brache, mache ich’s ja ähnlich. Erst mal alles raus, Riesenchaos, dann gucken, was wo wie am besten passt.

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Es ist ganz still im Wald und wenn ich kurz stehenbleibe um zu Lauschen, kann ich hören, wie laut in dieser Stille das Geräusch von herabfallenden Blättern ist, die auf der schon dichten Laubdecke am Boden landen. Dann beim Weitergehen bloß nicht die Füße anheben – eines der besten Dinge am Herbst ist es, laut raschelnd durch Laub zu laufen. Und die bunten Fotos. Nochmal richtig viel Farbe tanken, bevor alles nur noch grau und braun ist.

Hier nochmal bunte Beute:

(Klick macht groß)

Katja

still

Es ist nicht diese dumpfe und schwere Stille, wie jene, wenn man den Kopf unter Wasser hat, sondern eine ganz leichte und luftige Stille, die diesen Ort erfüllt. So still, dass der eine einzige Vogel auffällt, dessen Ruf irgendwann aus der Ferne erschallt. Und er ruft nur ein einziges Mal. So still, dass man die Richtungsänderung der Schwäne hören kann. Ein ganz leises und kurzes Plätschern nur, das ihr ansonsten perfekt lautloses Gleiten über das Wasser unterbricht. So still, dass ich mich irgendwann umdrehe, als es hinter mir raschelt, weil ich nachsehen will, wer dort ist. Doch es ist nur ein Blatt, das sanft zu Boden segelt und das mit einem leisen Seufzen auf seinen bunten Kollegen, die schon am Boden liegen, landet.

Katja

Farbsüchtig

Ich kenne das schon länger von mir, allerdings eigentlich aus einer ganz anderen Zeit des Jahres. Üblicherweise, sobald sich draussen nach dem Winter die erste Farbe zeigt, sobald die Wiesen sich von schmutzig blass bräunlich-grünlich in noch zaghaft saftige Grüntöne verwandeln, sobald die ersten Blüten rauskommen und sich die ersten Blättchen und Knospen an den Bäumen zeigen, kann ich gar nicht anders als all diese Farbtupfen mit den Augen in mich aufzusaugen, so intensiv es nur geht. Und so frisch und wach und bunt, wie die Natur dann nach und nach wieder wird, fühle ich mich in dieser Zeit des Jahres auch immer.

Dieses Jahr geht mir das zum ersten Mal ganz bewusst auch mit den Herbstfarben so.
Nachdem ich in den letzten beiden Jahren jeweils genau zu der Zeit, zu der zu Hause die Blätter bunt leuchten, im sommerlich buten Spanien war, war der Farbzauber hier bei meiner Rückkehr meist schon vorbei, der Großteil der Blätter gefallen und die, die noch hingen, eher braun als noch gelb, orange und rot leuchtend.

Das ist dieses Jahr anders. Wir waren fast 2 Wochen früher mit dem Urlaub dran und der hessische Herbst hat sich dieses Jahr auch freundlicherweise Zeit gelassen und mit viel Sonne von seiner besten Seite gezeigt. Und ich war jetzt fast jeden Tag draussen unterwegs, die Farbpracht mit den Augen tief in mich reinsaugend, mich von den warmen Blätterfarben im Sonnenschein wärmen lassend.

Und zum ersten Mal seit Jahren fühlt sich der Novemberanfang nicht so gemein an, fühle ich mich sowohl mit dem wahnsinnstollen Wetter in Spanien als auch mit der Farbpracht nach der Rückkehr reich beschenkt und gerade sehr mit dem Herbst versöhnt, für den ich in den letzten Jahren nicht so viel übrig hatte.

Ich mag mir das gerne erhalten, hoffe, dass ich, wenn es denn jetzt tatsächlich kalt und nass und dunkel wird, ein bisschen von dem Sonnen- und Farbvorrat zehren kann.

Im letzten Jahr habe ich in der ersten Februardekade schon die ersten Gänseblümchen im Garten zu sehen bekommen (wofür so ein tägliches Fotoprojekt nicht alles gut ist!), das ist doch gar nicht so lange hin. Die Zeit bis dahin muss sich doch irgendwie aushalten lassen!

Bis dahin ein paar Farbsüchteleien:

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Mittlerweile sind die Bäume viel brauner und auch schon viel kahler, aber der Übergang vom Sommer zu dieser farblosen Jahreszeit, fühlt sich in diesem Jahr sehr viel sanfter an als der Sprung ins Kalte in den letzten Jahren.

Katja