Füße vertreten

Unsere letztjährige Suche nach einem möglichst bezahlbaren Hotel, möglichst dicht bei der Alhambra führte uns nach Santa Fe.

[Falls ihr da also in den nächsten Jahren alle hinfahren wollt ( 😀 ) : das Casa del Trigo in Santa Fe ist wirklich empfehlenswert – die Zimmer bezahlbar, die Betten bequem, Frühstück ab 7 (oder war’s sogar halb 7?), was sehr praktisch ist, wenn man den frühesten Timeslot für den Eintritt in die Nasridenpaläste hat); nur Abendessen sollte man woanders. Das Essen war eher mittelprächtig, dafür aber um einiges teurer als das Zimmer.]

Bei Santa Fe muss ich irgendwie immer an die alte Westernserie denken und erst als ich (angeregt durch das Lesen von Mondlaub) viel zu dem Thema nachlas, ging mir auf, dass wir da an einem Ort mit großer historischer Bedeutung übernachtet hatten. Santa Fe entstand 1491 aus einem befestigten Heerlager der katholischen Könige bei der Belagerung Granadas, also ganz kurz vor dem endgültigen Untergang des Emirats von Granada, der das Ende der etwa 700 Jahre währenden maurischen Zeit in Spanien bedeutete.

Was aber noch viel entscheidender und geschichtsträchtiger ist, ist dass in Santa Fe das Königspaar (Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón), Christoph Kolumbus die Erlaubnis erteilte, einen Seeweg nach Indien zu suchen, nachdem der fast 10 Jahre lang bei diversen Königshäusern Unterstützung gesucht hatte.
Das erklärt dann vermutlich auch, weswegen es in vielen südamerikanischen Ländern gleichnamige Orte gibt.

Nach dem Einchecken im Hotel und vorm Essen waren wir in der Stadt spazieren, um uns die Füße von der langen Autofahrt zu vertreten.

Was mir davon primär in Erinnerung geblieben ist:

  • trotz der Nähe zu Granada ist die Stadt überraschend und erfreulich untouristisch
  • überall Strukturen und Muster! Entweder es gab dort viel mehr als sonstwo oder mein Blick war an diesem Tag ausgerechnet darauf fixiert. Die ganze Stadt wimmelte von schmiedeeisernen verschnörkelten Balkongittern und Co.
  • die ersten orangen Orangen (für diesen Urlaub) an den Bäumen, aber als wir endlich eine pflückten dann die große Enttäuschung, weil die Schale komplett hohl und fruchtlos war. Dabei hatte ich den süßen Saft schon fast auf den Lippen geschmeckt.
  • in der Stadt extrem viele Läden, wo es ausschließlich bunte Plastikblumensträuße gab. Dass das in Spanien scheinbar sehr verbreitet ist, wusste ich da noch nicht. Dort, wo wir im Vorjahr waren, haben wir keinen davon gesehen. In dem Urlaub sollten wir denen aber noch überall begegnen. Ob die nun eine tiefere Bedeutung haben und irgendwelchen Ritualen dienen oder ob die Spanier tatsächlich dahingehend einfach einen hmm etwas seltsamen Geschmack haben, habe ich leider immer noch nicht rausfinden können. Falls das jemand weiss, bitte melden. 🙂
  • alles, wirklich alles, sieht irgendwie wunderschön aus, wenn es in dieses warme rotgoldene Licht kurz vor Sonnenuntergang an einem sonnigen Tag getaucht ist!
  • ein paar Impressionen:

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Katja

Der Garten des Architekten

…, der Generalife war der Sommersitz der Nasriden Herrscher und ist der Teil der Alhambra, der noch fehlt in meinen Reiseerinnerungen und -fotos. Obwohl das nicht ganz korrekt ist, denn er gehörte nicht direkt zur Alhambra und zur eigentlichen Festungsanlage. Heute macht das aber keinen Unterschied mehr beim Besuch, denn das Eintrittsticket gilt für beides (öh, ich glaube zumindest, dass wir die nicht extra so geordert hatten, sondern dass das generell so ist) und man ist nach einigen Minuten Fußweg schon dort.

Das ’schon‘ ist allerdings an heissen Tagen und wenn man stundenlang durch die Alhambra gelaufen ist und die Füße schon recht platt sind, ziemlich relativ. Ich war froh als wir endlich da waren – und diese wunderbaren Gärten entschädigen wirklich für jeden Schritt, den man dorthin machen muss.

Der Palast im Garten, der ‚Palacio de Generalife‘ ist im Vergleich zu den Nasridenpalästen eher unscheinbar, aber das ist gar nicht schlimm, denn um die Gärten geht es und um’s Wasser. Überhaupt das Wasser! Überall dort begegnet man ihm und alleine das Rauschen und Betrachten bringt Abkühlung im Kopf. Immerhin war es in der zweiten Oktoberhälfte noch so heiss, dass wir mit ausgewachsenem Sonnenbrand rauskamen.

(Klick macht groß!)


So beim Betrachten der Bilder und beim Schwelgen in Erinnerungen fällt es mir echt schwer, nicht dieses Jahr direkt wieder hinfahren zu wollen, sondern mir das für in ein paar Jahren irgendwann vorzunehmen. So wunderbar hat mir die Alhambra gefallen.

Unbedingt alle hinfahren, wenn ihr in die Nähe kommt! (Ich weiss, ich wiederhole mich.)

(Hier und hier gab’s auch schon was über die Alhambra zu lesen und zu gucken und hier geht’s zu meinem Album mit Alhambra-Fotos bei Picasa.)

Qal’at al-Hamra

(Für alle Fotos gilt: Klick macht dick)

Die Alhambra von den Generalife aus gesehen

In der Mitte das Motto der Nasriden Dynastie (Banu Nasr), das einem dort überall an den Wänden begegnet. ('Es gibt keinen Sieger ausser Gott.')

„Die Alhambra ist wunderschön, manchmal fällt es jedoch vor lauter Menschen nicht leicht, dies auch zu würdigen.“ ist einer der ersten Sätze, die ich seinerzeit in meinem Reiseführer (übrigens, weil ich den schon gelegentlich erwähnte: Andalusien von Thomas Schröder im Michael Müller Verlag erschienen und sehr empfehlenswert) über die Alhambra gelesen habe und den ich während des Besuchs dort ein paarmal im Kopf nach vorne kramen musste, um mich dazu zu bringen, die vielen (vielen, vielen, vielen!) Menschen bewusst zu übersehen, um manchmal so ‚dicht‘ im Kopf zu machen, dass es sich anfühlte als sei ich alleine dort, die Wahrnehmung nur auf die Umgebung gerichtet, nicht auf die Menschen darin.

Und so kommt es auch, dass ich selten Menschen im Foto eingefangen habe, weil ich den Blick auch oft so halb schräg nach oben gerichtet hatte, über die Köpfe hinweg, um nicht dauernd im Bewusstsein zu haben, wie viele Menschen da waren.

Ich habe das Gefühl, ich könnte mit noch so vielen Worten nicht einmal ansatzweise ausdrücken, wie wunderschön die Alhambra ist. Nach 2 oder 3 – ich weiss gar nicht mehr wie vielen – Stunden in den Nasridenpalästen – jenem prachtvollen Teil, dessen Wände fast überall reich verziert sind mit Mosaiken

Mosaiken (müsste im Mexuar (Verwaltungstrackt) sein)

und Ornamenten,

stuckverzierte Wände

wo es Wasserbecken gibt, deren Zuläufe so raffiniert konstruiert sind, dass die spiegelnde Wasseroberfläche völlig unbewegt bleibt,

Wasserbecken im Myrthenhof

wo man bei jedem Innenhof (und überhaupt jeder Wand und jedem Ornament) auf’s neue erstaunt ist, was sich hinter der äusseren schlichten Fassade verbirgt (was ich übrigens hoch interessant finde: die ganze Pracht und Zier gibt es nur nach innen, wo die Herrscher lebten und selber etwas davon hatten, nach aussen ist alles unbeeindruckend schlicht gehalten),

Blick auf den Comares-Palast

wo es unendlich viele Säulen

Ein paar der Säulen des Löwenhofs (leider gerade ohne Löwenbrunnen und in Restaurierung als wir dort waren)

und Muquarnas zu geben scheint,

Tropfsteinhöhlenartige Wandnischen

wo die Fenster prachtvolle Ornamente aufweisen,

Fenster im Sala de los Embajadores (Saal der Gesandten)

wo es unglaublich geschmückte Kuppeldecken gibt,

Decke im Sala de los Abencerrajes

wo man zwischendurch immer wieder auf üppige Gärten mitsamt Brunnen blickt (bzw. durch kommt),

schattige Gärten

wo es immer wieder offene Durchgänge gibt, wo man ganz unvermittelt auf Granada schauen kann, das der Alhambra zu Füßen liegt

Blick auf Granada

und wo – als wäre das alles noch nicht genug – auch noch fast alle Fußböden verziert waren

Jeder Fußboden mit anderem Muster

– war ich irgendwann erleichtert, in einem schattigen, kühlen Raum zu landen, dessen Wände schlicht weiss gekalkt waren und ich habe eine ganze Weile nur diese weissen Wände angeschaut, um meine Augen wieder mal zu resetten, um gegen die Reizüberflutung anzukommen, die in den vorangegangenen Stunden über mich hereingebrochen war. So wunderschön das alles ist, als so anstrengend habe ich es empfunden. So viel Pracht, so viel Schönheit, so unfassbar viele Details, dass ich völlig überfordert davon war, das alles in der kurzen Zeit in mir aufzunehmen. Ich hätte da wirklich Wochen verbringen können und langsam an den Wänden entlanglaufen, die Ornamente und Schriftzeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne, mit den Fingern langfahren – das hätte mir besser gefallen als diese kurze Zeit für so viel Information. (A propos Information: Die offizielle Webseite (ich glaube zumindest, dass sie das ist) ist ungeheuer inforamtiv!)

Nach den Nasridenpalästen waren die groben Mauern des Alcazaba, der eigentlichen Festung und auch dem ältesten Teil der Alhambra fast erholsam.

Wachturm des Alcazaba

Blick auf den Waffenplatz

Und nach so viel ‚kleinteiligem‘ Anschauen, war es wunderbar, vom Waffenturm aus, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

Aussicht vom Wachturm auf Granada

Und auch die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada konnte man von dort aus sehen.

Von dort aus ging es dann weiter zu den Generalife, aber das verschiebe ich auf einen anderen Eintrag, weil es hier schon genug zu sehen gibt. Ich will hier ja nicht für die gleiche Reizüberflutung sorgen. 😀

Und weil das Kurzfassen mir nie so gut liegt und das Fotos aussortieren schonmal gar nicht, habe ich noch einige Bilder mehr gerade bei Picasa hochgeladen – für alle, die noch mehr sehen mögen. Ein Klick auf’s Albumbild hier unten, bringt euch dort hin.

La Alhambra

Katja

Ich mag…

…Themen, die ich so spannend finde, dass ich pro Browsertab mit Infos, den ich schließe, mindestens 3 neue öffne und mich immer tiefer ins Thema eingrabe und immer mehr wissen will. Streng abzugrenzen von jenen Dingen, wo man die Infos aus 3 neuen Tabs braucht um jene des offenen zu verstehen. So ein wirkliches Festlesen aus Interesse.

Gerade geht mir das so mit allen Informationen zur Alhambra, zur Geschichte Andalusiens, zur Zeit der Nasriden Dynastie in Granada, zum letzten Emir von Granada und und und…

Ausgelöst wurde dieser Schub durch ein Buch, das ich gerade lese – Mondlaub von Tanja Kinkel, wo es um jene letzten Züge von al-Andalus geht. Ich hatte vor einiger Zeit schon die Puppenspieler von ihr gelesen und diese Autorin schafft, was keiner meiner Geschichtslehrer je geschafft hätte – ich entwickle Interesse an geschichtlichen Dingen und bekomme durch das Lesen ihrer Bücher immer Lust auf mehr Informationen über die Zeit und die Hintergründe, vor denen sie ihre Geschichten platziert. Herrlich echt. Richtiger kann man es kaum machen.

Bei Mondlaub geht mir das ganz extrem so, weil ein guter Teil der Geschichte in der Alhambra spielt – zwischen all den Säulen, Wasserläufen und in den Gärten, wo ich vor nicht mal einem Jahr gewesen bin. Das macht das Lesen so faszinierend, weil ich die Schauplätze vor Augen habe.

Wenn im Buch steht:

Am nächsten Tag gingen die Feierlichkeiten weiter, aber sie brauchten nicht mehr daran teilzunehmen. Also wanderten sie ungewohnt ziellos durch die Alhambra und beschäftigten sich damit, ihre Lesekünste an den zahllosen Gedichten und Suren zu erproben, die überall an den Wänden geschrieben standen.

(Tanja Kinkel, Mondlaub, Seite 54)

dann kann ich diese beschriebenen (haha, im doppelten Sinne) Wände vor meinem inneren Auge abrufen und Tariq und Layla auf ihrem Weg begleiten und ich weiss, dass das ‚zahllos‘ nicht übertrieben ist, weil ich es mit eigenen Augen gesehen und bestaunt habe (und mir gewünscht habe, ich könnte lesen, was dort überall geschrieben stand).

Und auch die anderen Schauplätze des Buches kenne ich wenigstens dem Namen nach, hab sie teilweise besucht. Diese Mischung aus spannender Geschichte und eigenem Erinnern hat mich gerade ganz tief in diese Welt eingesogen und ich kann mich voll Begeisterung vertiefen und mehr und mehr und mehr darüber lesen.

Und die Faszination (und auch das Wissen, dass mein nächster Spanienurlaub quasi vor der Tür steht und ich noch so viel vom letzten erzählen wollte) hat auch dazu geführt, dass ich endlich mal den Riesenbatzen Alhambra-Fotos sortiert habe, um euch einige davon zu zeigen.

Mal sehen, wie ich das mache, es sind trotz allen Sortierens immer noch ganz schön viele übrig. Ihr wisst vermutlich mittlerweile, kurz und knapp und eingeschränkt ist nicht so meines. *soifz*

Für den Anfang gibt es heute ein paar erste Bilder, nämlich jene von der Wassertreppe im Bereich der Generalife (dazu später mehr). Über die Wassertreppe gelangt man zum höchsten Punkt der (des? Ich glaube, ‚der‘ klingt richtiger für mich) Generalife, von wo aus man eine wunderbare Aussicht hat.

Wasserbecken, Wasserrinnen und Springbrunnen gibt es überall in der Alhambar und den Gärten des Generalife – die Treppe hat mich wohl am meisten beeindruckt. Dort, wo sich normalerweise die Handläufe einer Treppe befinden, befinden sich bei der Wassertreppe Wasserrinnen, unterbrochen von etlichen Stellen, wo das Wasser sprudelnde Schlenker hinlegt und man steigt unter einem Blätterdach (ich glaube Lorbeer, man kann die Blätter auf einigen Fotos sehen, kann jemand verifizieren, dass das Lorbeer ist?) nach oben. Nach einem extrem heissen Tag, mit glühender Sonne, extrem vielen Menschen und vom vielen Laufen schmerzenden Füßen, kam mir die kühle Treppe mit den rauschenden und glucksenden Wasserläufen sehr beruhigend und kühlend vor.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und das direkt schonmal: Solltet ihr je auch nur Ansatzweise in die Nähe Granadas kommen, nehmt euch einen Tag Zeit und besucht die Alhambra! Wirklich! (Und plant das vorher und besorgt euch die Karten, Spontanbesuche sind pure Glückssache, weil alle dorthin wollen.) Das ist eines der beeindruckendsten Dinge, die ich je im Leben gesehen habe. ♥

Katja