Gewohnheit, die

Substantiv, feminin
Worttrennung: Ge|wohn|heit
durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes

(Quelle: Duden)

Der Kopf so voll und doch fällt es mir so schwer wie seit Jahren nicht, ihn hier auszukippen. „Alles eine Frage der Gewohnheit“ habe ich selber oft genug gedacht und auch gesagt, wenn es darum ging, die (Schreib-)Hemmung abzulegen und Gedanken einfach in Worte zu fassen. Jetzt bin ich selber die mit der Entwöhnung und finde nicht so richtig rein und merke doch dauernd wie sehr mir das (Auf-)Schreiben fehlt. So viele Gedanken im Kopf, so vieles, was sich in mir tut und was dringend aufschreibens- weil festhaltenswert wäre und dann nehme ich mir doch wieder nicht die Zeit dafür.

Also jetzt erst mal wieder anfangen, hinsetzen, die Finger auf die Tastatur und los. Das, was gerade durch den Kopf schwirrt, damit sich der Kopf und die Hände wieder daran gewöhnen, was das hier alles soll. Und das jetzt gleich, ungeachtet des „aber es ist doch schon wieder so spät und ich hab ja gar nicht richtig Zeit und müsste doch eh dringend mal ins Bett“ im Kopf. In der Zeit bis ich das zu Ende gedacht und mich über mich selber geärgert habe, weil ich es nicht mehr hinbekomme, mit dem Gedanken sortieren und aufschreiben, hab ich die 3, 4 Sätze auch tatsächlich aufgeschrieben. Jetzt. Hier.

Für’s erste überhaupt was. Genug. Ich muss nämlich tatsächlich ins Bett.

Schlaft gut!

Katja

Tiefsitzend

Wirste doch bekloppt.

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Seit ich in den 90ern mein erstes Handy hatte, habe ich keine Armbanduhr mehr getragen. Trotzdem habe ich seit Samstag etliche Dutzend Male den linken Arm gedreht und draufgeguckt, um die Uhrzeit abzulesen. So tief sitzt diese alte Gewohnheit am Arm nach der Zeit zu suchen und wird sofort unterbewusst reaktiviert sobald ich etwas* ums linke Handgelenk trage.

(Da wundere ich mich dann auch wieder ein bisschen weniger, dass ich so lange brauche, um alte Denkmuster abzulegen und umzulernen.)

Katja

 

[*Das ist übrigens so’n Schrittzähler-Dingsi, um hoffentlich ein bisschen aktiver zu werden. Kennt ihr vermutlich eh alle längst.]

Auch eine Art Loslassen

Manchmal muss nur erst mal der Groschen* fallen** und dann ist es irgendwie ganz einfach.

Eine meiner Eigenheiten, die ich eigentlich nie in Frage gestellt habe, ist (oder hoffentlich bald ‚war‘), Bücher, die ich einmal angefangen habe, auch zu Ende zu lesen. Zwar habe ich das nicht immer in einem Rutsch gemacht und manche lagen dann entsprechend auch mehrere Monate und teilweise sogar Jahre auf dem Nachttisch, aber alle musste ich sie irgendwann fertig lesen, weil angefangene Bücher mir, wie auch andere ‚unerledigte‘ Dinge, im Nacken sitzen und dort rumkrakelen und pieksen.

Gestern, als ich mich beim Lesen wieder mal über ein langatmiges Buch geärgert habe, an dem ich, obwohl es nicht besonders viele Seiten hat, schon wieder seit 2 Wochen lese, fiel mir auf, wie bescheuert dieses zwanghafte zu Ende Lesen eigentlich ist und wie einfach ich das ändern könnte.

Das Ding ist nämlich ausserdem, dass ich, wenn ich gerade wieder mal ein Buch lese, das mir nicht besonders gefällt, dann auch insgesamt kaum Lust zu lesen habe. Abends im Bett vorm Einschlafen ist eigentlich meine Hauptlesezeit. Wenn ich aber gerade so ein mäßiges Buch auf dem Nachttisch habe, dann neige ich dazu, viel länger vorm Rechner sitzen zu bleiben, weil das Internet viel unterhaltsamer ist als das Buch. Und auch für mein gelegentliches Luxuslesen – morgens den ersten Kaffee im Bett trinken und dabei lesen – fehlt mir dann die Muße. Und wenn ich dann insgesamt viel seltener und weniger lese, zieht sich die Zeit, die ich mit schlechten oder mäßigen Büchern vertrödele, noch länger hin. Und das, wo es doch so viele gute Bücher gibt, die gelesen werden wollen und für die ohnehin nie genügend Zeit da ist.

Deswegen gestern der Entschluss, das jetzt mal anders zu probieren und um mich selber ein bisschen in Zugzwang zu setzen, formuliere ich das auch direkt als Vorsatz für 2014, dass ich Bücher nicht mehr zwanghaft auslesen möchte, wenn sie mich auf den ersten 100-150 Seiten noch gar nicht begeistert haben. Ich glaube, das ist eine gute Übung für mich, denn auch dabei geht es ja irgendwie ums Loslassen. Etwas, das ich nicht besonders gut kann.

Katja

*Sagt man das eigentlich heutzutage auch zu den 10-Cent-Münzen so wie früher zu den 10-Pfennig-Münzen? Mir ist das zumindest noch nie untergekommen.

**Die Redewendung „Endlich ist der Groschen gefallen“ kommt übrigens daher, dass, wenn man Münzen in die früheren mechanischen Automaten eingeworfen hat, um Süßigkeiten, Getränke oder Fahrkarten herauszuholen, man darauf warten musste, dass der Groschen gefallen und auch eingerastet – und nicht durchgefallen – ist, um an die begehrte Ware zu kommen.