Muss ja.

„Schreibste morgen eben: ich hatte gestern keinen Bock mehr zu bloggen. Und um 22.28 Uhr muss ja auch niemand mehr bloggen.“, sagt er und dann sagen wir noch Gute Nacht, was eine Weile dauert und legen auf, was ja genau genommen gar nicht mehr so heißt, weil man gar keinen Hörer mehr auflegt, sondern nur einen blöden Knopf drückt, aber bei mir wird das wohl auf immer und ewig Auflegen heißen und ehrlich gesagt fand ich das richtige Auflegen auch immer viel schöner, weil jetzt kann man zum Beispiel nicht mal mehr wütend den Hörer auf die Gabel knallen, sondern höchstens wütend auf den roten Knopf drücken, der ja noch nicht mal ein echter Knopf ist, sondern nur als solcher auf dem Display angezeigt wird, aber das wütende Knopfdrücken kann man auch gleich bleiben lassen, weil der andere gar nicht merkt, ob man wütend oder traurig oder betrunken oder fröhlich gedrückt hat, also zumindest nicht am Drücken und obwohl das mit dem Telefonieren ja alles ein bisschen einfacher ist, auch dadurch, dass man nicht mehr angeleint ist, sondern volle Bewegungsfreiheit hat, ist es doch auch komplizierter.

Und jetzt ist es sogar noch deutlich später als zweiundzwanziguhrachtundzwanzig und ich sitze doch wieder mit den Fingern auf der Tastatur, weil es gar nicht mehr so ist, dass ich keinen Bock mehr habe zu bloggen, sondern eigentlich sogar das dringende Bedürfnis, jetzt doch noch aufzuschreiben, dass dieser durch und durch besch…eidene Tag noch ein so versöhnliches Ende findet. Yukon Jack und Tee trinkend, in der schummrigen Küche telefonierend und statt weiterheulend ganz schön viel lachend, dann auflegend, eine Nachricht findend und direkt weiterfreuend.

In diesem Internet gibt’s ganz schön großartige Menschen und ich bin froh, ein paar davon zu kennen. Heute wieder mal besonders. ❤

Katja

Grenzgänge

Vielleicht braucht es manchmal diesen harten Aufprall an den Grenzen, um das innere Aufbäumen, das Bishierhinundnichtweiter auf den Plan zu rufen und die Selbstbewusst(seins)losigkeit zu überwinden. Vielleicht braucht es manchmal das Bishierhinundnichtweiter, um Grenzen – nicht zu überschreiten, sondern zu überwinden und das ist ja nicht nur eine Frage der Perspektive sondern auch der Intention. Überschreiten. Überwinden. Schreiten. Winden. Schreie im Wind, die je nach Windrichtung ungehört verhallen, verzerrt oder verstärkt ankommen und von denen man sich wünscht, ein Flüstern oder ein Blick würde stattdessen genügen. Ein Blick. Ein Augenblick. Ein Blick aus Augen. In Augen. Augenblickkontakt aus blickdichter Nähe. Hineinblicken um herauszufinden. Oder wieder herauszufinden.

Come, let yourself be wrong
Come, it’s already begun

Come, come alone
Come with fear, come with love
Come however you are
Just come, come alone
Come with friends, come with foes
Come however you are
Just come, come alone
Come with me, then let go
Come however you are
Just come, come alone
Come so carefully closed
Come however you are
Just come

(Damien Rice – Trusty and True)

Katja

Sinuosität

Der Knoten wird nicht kleiner. Der im Kopf nicht. Der im Hals nicht. Der im Herz nicht. Und du warst lange nicht mehr so ratlos darüber, wo und wie du anfangen sollst, anfangen kannst, sie zu ent-knoten. Bei aller Traurigkeit, die gerade in dir ist, musst du dann doch lachen, weil ent-knoten, sich so nach End-Knoten – wie in End-Gegner – anhört und du fragst dich, wer dir hier gerade dein Endgegner ist. Dabei wird dir aber schon mitten im dich selber fragen klar, dass du es _wieder_ _einmal_ selber bist, nur du alleine. Alleine, das bist du gerade viel zu selten und das Alleinsein ist das, wonach du dich gerade tatsächlich am meisten sehnst. Und nach dem Meer. Aber diese Sehnsucht ist ja all- und allzeit gegenwärtig und immerhin diese wird in baldzeit gestillt werden, denn heute in genau 4 Wochen fährst du los in Richtung Meer, bist zu dieser Uhrzeit gerade in einer Stadt am Mittelmeer und 3 Tage später dann am Atlantik angekommen und vielleicht, hoffentlich, wenn es bis dahin nicht klappt, kommst du dann dort, mit Blick in die blaue Weite, wo dein Inneres zuhausener ist als zu Hause, endlich wieder an.

Bei dir.

Du hast dich betrunken und die
Nacht ist verschwunden bis du dir
irgendwann sicher bist, dass du
dich jetzt verlaufen hast, hoffnungslos
und du hast Angst, 
dass du nie mehr so fühlen kannst.

(Lukas Meister – Wenn es vorbei ist)

Katja