Unstrukturiert

Das, was den Kopf dauernd schwer macht, fasse ich im Moment immer nur in Gedanken in Worte, formuliere Sätze, bleibe hängen, überlege, dass ich mir eigentlich längst die Zeit nehmen müsste, diese Dinge mal aus dem Kopf raus in die Tastatur zu denken, weil das doch so oft dieses gedanklich Holpern wegnimmt und dann bleibt es bei diesem eigentlich und ich mache es doch nicht. Dabei rede ich mir die ganze Zeit ein, dass mir ja sowohl Zeit als auch Ruhe fehlen, um mich wirklich mal länger hinzusetzen – immerhin komme ich ja auch so gerade zu viel zu wenig – aber ich glaube in Wahrheit verstecke ich mich wieder mal nur vor mir selber, verstecke mich vor diesen Gedanken und weiss auch gar nicht, wo ich neben der Zeit und Ruhe gerade die Kraft hernehmen soll, mich diesen Dingen zu stellen. Aber sie sind ja dauernd da, pieksen mich und lassen mir keine Ruhe. Und für so Fälle ist Aufschreiben in den letzten Jahren für mich ein guter Weg gewesen, weil es dieses Pieksen sanfter macht und das Gedankenkarussell abbremst. Und so wie das in meinem Kopf durcheinander geht, wie kein Gedanke länger ausharrt bevor schon der nächste von hinten kommt und ihn beiseite schubst, so weiss ich auch gar nicht, wo ich anfangen soll. Da ist gerade keine Struktur. Deswegen sollte ich vielleicht einfach irgendwo anfangen, vielleicht gerade hier und mit diesen ersten wirren Gedanken darüber, dass ich ja eigentlich diese wirren Gedanken aufschreiben müsste. Aber vielleicht nicht gerade jetzt und heute, wo ich so müde bin und dann schiebe ich es wieder einen Tag weiter und bekomme den Kram einfach nicht zu fassen, trete auf der Stelle und der Kopf wird immer schwerer. Aber es drängt mich ja auch nichts und niemand, ausser mir selber, die ich jetzt endlich glaube, den Schlüssel in der Hand zu haben, um zum Kern vorzudringen. Aber was, wenn das gar nicht der Kern sondern die Büchse der Pandora ist? Und kann man das überhaupt von aussen sehen ohne sie aufzumachen? Das ist diese Grenze, diese Linie vor der ich immer zurückschrecke.

Wirr. Wieder mal. Und ich seufze und bin von mir selber genervt, weil ich – statt endlich einfach eines dieser verworrenen Gedankenknubbelknäuel zu nehmen und aufzuschreiben (aufzudröseln) nur darüber schreibe, dass ich das eigentlich tun sollte.

Katja

Wirre Träume

Heute Nacht habe ich sehr wirr geträumt. Das passiert ja häufiger mal und oft kann ich danach nicht wieder einschlafen. Es passiert aber trotzdem selten, dass mir der Kram auch etliche Stunden nach dem Aufwachen (was heute um kurz nach 5 war) noch so präsent ist. Daher schreibe ich den schrägen Kram heute mal auf:

Ich war in einem Krankenhaus, aber nicht weil ich krank war, sondern weil ich Medizin studierte. Wie absurd der Gedanke war, war mir selbst im Traum klar. Ich kann nämlich weder Blut sehen ohne umzukippen noch Nadeln, die sich menschlicher Haut nähern, um reinzupieken. Also war ich in diesem Krankenhaus, um mich abzuhärten. Und meine Kommilitonen waren auch alle da. Wir waren in einem großen Krankenzimmer untergebracht und saßen in Krankenhaushemdchen, die hinten offen waren, auf den Betten. Zwischen den Betten gab es bodenlange weisse Vorhänge, die teils zurückgezogen waren, teils geschlossen. Ein junger Arzt kam und ich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass ich hier völlig falsch bin, weil ich gar nicht Medizin studieren sollte, aber er hörte mir gar nicht richtig zu. Als er mir dann mit einer Spritze in die Armvene pieksen wollte, wurde ich ohnmächtig.

Als ich wieder aufwachte, stand ich im Badezimmer des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin und tuschte mir die Wimpern. Meine Schwester war auch da und auch ihr zweiter Exmann. Der war aber viel jünger, hatte eher das Alter, das er vor deren Ehe hatte. Meine Schwester war auch jünger als sie heute ist, aber älter als P. Ich war aber, glaube ich, so alt wie ich tatsächlich bin. Irgendwann hörte ich Lärm im Haus, obwohl eigentlich niemand hätte da sein sollen. Ich ging los, um nachzusehen, wo das herkam und fand in meinem früheren Wohnzimmer meinen Onkel mit irgendwelchen Leuten, die ich nicht kannte. Ich regte mich furchtbar darüber auf, dass er einfach in das Haus eingedrungen war, aber noch mehr, dass er in diesem Raum war, obwohl ich ihm doch früher schon deutlich gesagt hätte, dass er dort nichts verloren hätte. Das Zimmer hatte aber nur die Lage im Haus und die Wandfarbe mit meinem ursprünglichen Wohnzimmer gemeinsam, die Möbel darin kannte ich nicht. Da standen nur eine ganze Menge Sofas und die standen alle mitten im Raum und mit der Sitzfläche aneinander geschoben, sodass man nur über die Rückenlehne in die Sofaburg reinklettern konnte. Mein Onkel saß dort ganz entspannt mitten drin und trug einen grauen Anzug. Meine Aufregung über sein Eindringen tat er einfach ab.

Dann hörte ich es wieder poltern, dieses Mal aus der unteren Etage und dort fand ich an die 20 Leute, die rund um eine große festlich gedeckte Tafel saßen. Sie behaupteten alle zu meiner Familie zu gehören, aber ich kannte überhaupt nur 2 meiner Tanten, die sich auf einmal schrill kreischend und keifend vor mir aufbauten, aber ich wusste gar nicht, was sie von mir wollten. Ich ging zurück nach oben, um meine Schwester für Unterstützung zu holen, aber die war nicht mehr da. Stattdessen hatte eine junge Frau, die ich nicht kannte, die aber behauptete, die Frau eines meiner Cousins zu sein, angefangen, in meinem Schlafzimmer aufzuräumen und meine Sachen, in Schränke und Kartons zu stopfen. In echt war das allerdings nie mein Schlafzimmer, sondern ganz früher jenes meiner Eltern und als ich die Wohnung alleine bewohnte, habe ich den Raum nie genutzt. Im Traum war mir bewusst, dass das eigentlich gar keinen Sinn machte, dass meine Sachen in dem Zimmer waren, aber ich wusste nicht weswegen. Und ich wusste auch, dass ich die gar nicht so wüst in der Gegend herumgeworfen hatte und für die Unordnung verantwortlich war und versuchte das dieser Frau zu erklären, weil es mir irgendwie peinlich war, für so unordentlich gehalten zu werden.

Dann war ich plötzlich wieder unten, ohne dass ich mich daran erinnern könnte, runtergegangen zu sein und ich weiss noch, dass ich mich völlig hilflos fühlte, weil diese Menschen einfach in meine Wohnung eingedrungen waren und mich wie ein Kind behandelten, obwohl ich längst erwachsen war und dass ich mich furchtbar bedrängt und deren Verhalten als übergriffig empfunden habe, obwohl ich gar nicht so genau wusste, was sie dort überhaupt wollten und dass ich mich völlig ohnmächtig fühlte, aber auch empört, weil ich wusste, dass sie sich nicht korrekt verhielten und nicht einfach dort sein durften. Aber ich wusste nicht, wie ich mich zur Wehr setzen sollte. Alle Versuche, mit denen zu reden und ihnen zu sagen, dass sie gehen müssten und gar nicht einfach hätten eindringen dürfen, schlugen fehl, weil mich niemand ernst nahm und alle so taten als seien sie im Recht und ich ein kleines, freches Gör. Mit diesem Gefühl der Ohnmacht wachte ich auf und konnte dann auch nicht wieder einschlafen.

Das eigentlich erschreckende an diesem wirren Mist ist, dass ich ihn sogar verstehe…

Katja

 

 

 

 

Nicht genug.

Vor ein paar Jahren war ich relativ eng mit einer Frau befreundet, die ein wahres Energiebündel war. Sie hatte ein unheimliches Talent, sich in Dinge, die sie für sich entdeckte und die sie interessierten, Hals-über-Kopf und mit Vollgas reinzustürzen. Dann machte sie diese Sache für eine Weile und dann stürzte sie sich mit der gleichen Energie wieder in etwas Neues. Sie probierte alles aus, war dahingehend extrem mutig und forsch.

Und wenn ich oben unheimlich schreibe, dann tatsächlich im doppelten Wortsinne, denn mir war dieses energische Vorgehen oft nicht geheuer, weil ich so ganz anders bin und ticke. Ich bin feige. Ich kann nicht gut mit Veränderungen umgehen. Ich bin überhaupt nicht spontan. Ich muss bei den meisten Dingen erst ewig darüber nachdenken, mögliche Eventualitäten oder möglicherweise auftauchende Schwierigkeiten durchdenken, damit sie mich nicht überraschen. Ich stehe mir mit dem vielen Nachdenken oft selber im Weg und komme erst gar nicht bis zu dem Punkt, wo ich anfangen könnte.

Jene Freundin damals (und damals meint einen Zeitraum, wo es mir zB noch viel schwerer fiel, überhaupt rauszugehen) hat mich oft mit ihrer Energie überrollt. Immer, wenn ich über irgendetwas erzählte, das mir Spaß machte, kam sie mit Hau-Ruck-Plänen, wie ich daraus etwas machen könnte, mich reinstürzen könnte. „Du musst doch einfach nur…“. Mich hat das total überfordert und sie hat (glaube ich zumindest) nicht verstanden, wieso ich nicht einfach mit den Dingen loslegte, wo doch ihr Plan quasi direkt fertig war und ich nur hätte machen müssen.

Damals, das war auch der Zeitraum, indem ich zum letzten Mal bei einer Therapeutin war. Irgendwann im Laufe einer Sitzung erzählte ich von dieser Freundin und was sie alles an Ideen für mich hatte und wie sehr mich das überforderte und die Worte der Therapeutin werde ich vermutlich nie vergessen. Sie sagte mir „Na das ist ja ganz schön armselig von Ihnen.  Sie selber haben keine rechte Idee, was sie mit sich anfangen sollen und anstatt froh zu sein, dass Ihre Freundin das so energisch für sie anpackt, beklagen Sie sich, dass Ihnen das zu schnell geht.“

Zusammen mit noch ein paar Dingen, die sie in vorherigen Sitzungen gesagt hatte, sorgte dieser Spruch dafür, dass ich da eigentlich nie wieder hingehen wollte. Dann habe ich tagelang rumüberlegt, weil es eben unter anderem so furchtbar schwierig ist, überhaupt einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen und weil es so furchtbar schwierig ist, einen zu finden, der zu einem passt. Und weil ich nicht sicher sein könnte, dass es bei einem anderen besser werden würde, habe ich beim nächsten Termin all meine Angst überwunden und ihr gesagt, dass es mir schwer fällt, ihr zu vertrauen und ihr Dinge zu erzählen, wenn sie so darauf reagiert, was nach 30 Minuten Empörung ihrerseits, dass sie ja wohl die Expertin sei, dass sie diese Dinge nicht grundlos sagen würde und dass sie so viele Patienten hätte, denen sie geholfen hätte und bei denen ihre Zeit nicht so vergeudet wäre wie bei mir aufsässigen Person, dazu führte, dass sie mich rauswarf – aus der Sitzung und auch der Therapie.

Einem lieben Freund habe ich zu verdanken, dass ich das hinterher richtig einzuordnen gelernt habe und nicht die Schuld bei mir gesucht habe. Und auch, dass ich dieser ‚Chance‘ nicht hinterher getrauert habe sondern letztendlich froh und auch ein bisschen befreit war, nicht mehr dort hinzugehen.

Aber eigentlich fiel mir das alles gerade wieder ein und auch, dass ich schon längst mal erzählen wollte, weswegen ich seitdem so zögerlich darin bin, mir einen neuen Therapeuten zu suchen, als ich über eine liebe Bekannte nachdachte, ebenfalls eine sehr aktive Frau, die ich gelegentlich treffe und die, ähnlich wie jene Freundin damals, ganz häufig zu mir sagt, ich müsse aber doch etwas aus all dem machen, was ich gut könne und was mir Spaß macht und dass mich das regelmäßig überfordert, weil ich gar nicht weiss, wie ich das genau anpacken soll, etwas ‚draus zu machen‘ und auch nicht, ob ich das hinbekäme, weil mir der Gedanke so wahnsinnige Angst macht. Alleine mich damit auseinanderzusetzen. Und ich habe fast jedes Mal nach einem Treffen ein schlechtes Gewissen – auch wenn ihr das sicherlich furchtbar fern liegt, das auszulösen und sie das nur in bester Absicht sagt. Aber diese ständige Aussage, ich müsse etwas daraus machen, löst bei mir immer das Gefühl aus, dass es so wie es momentan ist, falsch ist. Dass Machen alleine nicht genügt, sondern ich muss etwas daraus machen. Etwas Sinnvolles. Nur so für mich ist ja nicht ausreichend sinnvoll.

Ich habe ganz viele Jahre immer dieses Gefühl gehabt, dass das Leben irgendwo draussen ohne mich stattfindet, dass ich meines irgendwo auf einem Wartegleis geparkt habe.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was die meisten anderen Menschen machen, wenig.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was ich vor ein paar Jahren machen konnte, wahnsinnig viel.
Und manchmal fühlt es sich auch immer noch nach zu viel an und nach Überforderung. Und meistens fühlt es sich an, als könne ich, zumindest momentan, auf keinen Fall noch irgendetwas weiteres – und schon gar nichts mit einer festen Verpflichtung – zusätzlich bewältigen.

Und ich empfinde mich eigentlich auch nicht mehr auf dem Wartegleis, sondern mitten in meinem Leben.

Aber ich schaffe es nicht / traue mich nicht, das genau so zu sagen. Fast niemandem gegenüber. Weil ich immer das Gefühl habe, dass alle anderen von mir erwarten, dass ich mehr schaffen müsste, mehr machen müsste, etwas aus den Dingen machen müsste, die ich kann und nicht nur die Dinge selber machen.

Und diese, oft nur unterschwellige Erwartungshaltung, diese Tatsache, dass andere mich auf dieses Wartegleis setzen, mich dort sehen, obwohl ich mich selber eigentlich gerade gar nicht dort sehe, weil ich erst mal die Kämpfe am Status Quo im Leben besser im Griff haben muss, setzt mich so massiv unter Druck, dass es mir noch schwerer fällt und noch mehr Angst macht, mich damit auseinanderzusetzen, ob und wie und was ich machen könnte oder wollte.

Und niemand fragt mich. Wie ich bin, wie ich ticke, was ich will. Aber alle scheinen zu wissen, dass das, wie und was ich gerade bin, nicht ausreicht. So sehr, dass ich mir den Schuh, nicht auszureichen, natürlich direkt wieder oft genug selber anziehe und nur auf das gucke, was ich nicht kann, statt auf das zu gucken, was ich (schon wieder) kann.

Katja

 

Die Sache mit A.

Unverdautes.

Ich lernte A. im Rahmen einer der Ausbildungen, die ich machte, kennen. Sie stieß ein halbes Jahr später dazu und war aber direkt nach einem ersten Kennenlernen immer mit unserer ‚Clique‘ zusammen. Diese Clique, die sich selber nie als solche bezeichnet oder angesehen hätte und der ich jetzt hier nur aus Vereinfachungsgründen diesen Namen aufgedrückt habe, bestand aus 6 mehr oder minder jungen Frauen, mit A. dann aus sieben. Zwei von uns kannten sich schon von Kindergartentagen an, alle anderen lernten sich erst mit Beginn dieses Ausbildungsteiles kennen. Wir unternahmen viel zusammen, kochten gemeinsam, veranstalteten Spieleabende, bastelten, schlürften Kaffee, gingen auf Konzerte, feierten Silvester zusammen. Mal alle, mal in wechselnder Zusammensetzung, mal mit unseren Freunden, sofern vorhanden, mal nur unter Frauen – eine Gruppe von Mädels, die sich alle untereinander gerne mochten und befreundet waren.

Irgendwann gegen Ende dieser Ausbildung fuhren wir zusammen, in einer insgesamt größeren Gruppe, für eine Woche weg.

Ich kann mich gar nicht mehr an die genauen Umstände erinnern, aber es war während dieser Fahrt als ich mit der anderen A. (es gab zwei davon) und C. zusammensaß und mich danach erkundigte, wo A. sei, als die beiden sich anguckten und A. mich vorsichtig fragte „Sag mal, Katja, du weisst das gar nicht, oder? Dass die A. dich überhaupt nicht leiden kann. Die ist immer total von dir genervt.“ In mir ging nur ein Uffff. Wie meinen? vor als C. einstimmte und erzählte, dass A. sobald ich nicht dabei sei kein gutes Wort für mich fände und nur über mich lästern würde.

Ich weiss nicht mehr genau, wie dieser Abend weiterging. Ich weiss nur noch, dass ich danach versuchte, mich A. gegenüber möglichst unauffällig zu verhalten und den Rest der Woche rumzubekommen. Da sie schon vorher die Ausbildung abgebrochen hatte und nur noch mit auf dieser Fahrt war, begegnete ich ihr danach zumindest nicht mehr täglich.

Heutzutage würde ich sie vermutlich darauf ansprechen anstatt ihr danach aus dem Weg zu gehen, zumindest glaube ich das. Damals konnte ich nur fliehen. Vor ihr, aber wohl hauptsächlich vor meiner Wahrnehmung, die mich so im Stich gelassen hatte. Das kannte ich nicht. Sympathie war für mich meist etwas irgendwie gegenseitiges. Man kann mit jemandem oder eben nicht. Hinterher zu erfahren, dass nur ich mit A. konnte, aber A. nicht mit mir und das nicht gemerkt zu haben, das verfolgt mich nachhaltig und lässt mich – auch nach 15 Jahren – nicht wieder los.

Jahrelang hatte ich, sobald mir diese Geschichte in den Sinn kam, das Gefühl, ich hätte das merken müssen. Und dann hätte ich mich entsprechend verhalten müssen, mich von ihr zurückziehen müssen – eben um ihr nicht auf die Nerven zu gehen, wie ein lästiges im Hosenbein festgebissenes Hündchen. Erst jetzt schaffe ich es (manchmal) auch diese andere Seite zu sehen, dass ich mich nur so täuschen konnte, weil A. mich bewusst so getäuscht hat. Dass meine Wahrnehmung vielleicht gar nicht so ‚kaputt‘ ist, nur einfach mit so guten Lügnern nicht klarkommt, weil diese Unaufrichtigkeit mir so fern ist.

Ich möchte das gerne endlich loslassen können, nicht mehr aus heiterem Himmel losheulen müssen, wenn mir jener Abend zufällig in den Sinn purzelt und diese Gefühle von dem Abend wieder heraufbeschwört. Ich möchte einmal denken können ‚Was für ’ne doofe Kuh‘ anstatt ‚weia, du hast dich so sehr aufgedrängt und es nicht gemerkt. Mit dir stimmt doch was nicht‘.

Schnitt.

Hier. Jetzt. Der Versuch diese Dinge, die vielleicht eigentlich einfach nur banale Kleinigkeiten sind, nur Episoden, mich aber seit Jahren nachhaltig belasten und in ein Vermeidungsverhalten* zwängen durch die irrationale Angst, die sie bei mir hochschwemmen, aufzuschreiben. Aufschreiben, in der Hoffnung, ihnen dadurch ihren Schrecken zu nehmen. Sie loszulassen. Rational weiss ich lange, mache mir immer wieder klar, dass diese Dinge den Stellenwert, den sie bei mir haben, überhaupt nicht verdienen. Und trotzdem komme ich aus diesem Fühlen nicht raus, kann nicht loslassen. Ungeklärtes. Unverdautes.

Katja

(*anderswann mehr über den Zusammenhang)

 

Unverdautes

Diese Dinge, 1000 Mal ins Bewusstsein hochgeschwemmt und darüber nachgedacht, einige wenige Male mit einigen wenigen Menschen darüber geredet. Der Verstand weiss so deutlich, dass es gut und richtig und wichtig wäre, sie loszulassen und im Bauch kochen sie doch wieder hoch. Immer wieder, immer mal wieder. Sie türmen sich auf, wie unerklimmbare Kletterwände, unverdaut, auch oder gerade weil sie ungeklärt sind. Es macht mich krank, Dinge nicht (er-)klären zu können, mir und anderen, mit mir und mit anderen. Klären, darüber reden, nur das bringt echte Klarheit. Da wo das nicht geht, schwappen die Dinge immer wieder über den Bewusstseinsrand und immer steht da ganz groß die Frage ‚Warum?‘. Ich würde so gerne verstehen. Mich. Die anderen. Was passiert ist. Auch oder gerade weil so viele Ängste aus diesem Unverdauten gewachsen sind. Von denen ich rational weiss, dass sie keinen Grund haben (müssen), von denen ich mich aber emotional nicht lösen kann. Aber was wenn? Was wenn das wieder passiert? Was wenn ich dann noch so einen unverdauten Brocken anhäufe?

So viele Dinge wage ich jetzt. Bei so vielen Dingen gelingt es mir, diese Ängste entweder nicht zuzulassen oder bis zu Ende durchzudenken, um zu sehen, dass eigentlich gar nichts wirklich Schlimmes passieren kann. Aber nicht bei diesen Dingen. Da nicht. Da kocht sofort immer das ‚Und was wenn doch?‘ hoch. Und ich weiss gar nicht, was ich mehr fürchte. Das, was dran hängt, was das bedeuten würde oder dass es in einem weiteren unverdauten Brocken münden könnte, der mich auch nach Jahren nicht wieder loslässt. Ich will nicht noch mehr solches Gepäck. Aber eigentlich ist mir der Vermeidungspreis dafür auch zu hoch. *soifz*

Vielleicht sollte ich auch diese Dinge einfach aufschreiben. Manchmal ist es ja wirklich magisch, wie sehr die Dinge ihren Schrecken verlieren, wenn ich sie erst mal schwarz auf weiss auf dem Monitor gesehen habe. Als würde dieses greifbarer machen, dieses realer machen ihnen ihre böse Zauberkraft nehmen.

Katja

Wie teuer ist eigentlich Bauzaun?

Manchmal sind es einfach zu viele Baustellen, die da gleichzeitig in meinem Kopf offen sind, um die die Gedanken kreisen. Die Gedanken verirren sich, springen von A nach B, kommen nirgendwo richtig voran, ständig hektisch getrieben. Und je mehr gleichzeitig rumpiekst, desto schwieriger fällt es mir, mich überhaupt mit irgendetwas davon auseinander zu setzen. Stattdessen lenke ich mich ab, suche Zerstreuung, versuche die in diesem Fall lästigen Gedanken loszuwerden. Aber auch das funktioniert gerade nicht, alles brodelt und piekst und nervt, die Ablenkung lenkt nur äusserlich ab, die Gedanken kreiseln trotzdem weiter ohne nennenswert voranzukommen. Schreiben zum Fokussieren, das sollte ich dringend machen, aber auch damit tue ich mir gerade so schwer. Mich hinzusetzen, mir die Zeit zu nehmen, mich nicht ablenken zu lassen. Hundert und tausend andere Dinge. Flucht und Ablenkung.

Manchmal scheint es so mühelos, den Kopf hoch zu halten, aber manchmal kostet es so viel Kraft und Anstrengung und ich fürchte jeden Tag, die Nackenmuskulatur könnte einknicken.

Katja

Still

Immer wieder merke ich, wie Sachen, die diese ganz frühen Dinge bei mir anrühren, mir immer noch solche Angst einjagen, immer noch solche unberechenbare Macht über mich haben. Mein Kopf scheint dann so voll von chaotischem Gedankengeschwurbel wie er das früher fast immer war, bevor ich geübt(er) darin war, das Chaos zu entwirren. Aber bei diesen Dingen, Themen da merke ich, wie ich keinen Anfang finde, nicht weiss, wo ich mit dem Entwirren beginnen kann. Und statt einfach irgendwo anzufangen, werde ich stiller und stiller, dränge weg, überdecke, anstatt mich dem zu stellen. Angst hinzugucken. Angst mich zu erinnern. Angst, dass dadurch das einigermaßen stabile Fundament wegbröckeln könnte.

Angst. Immer wieder Angst. Aber nicht in dieser Form, in der sie mir mittlerweile oft als vertraute Begleiterin begegnet sondern jene blinde Panik, die gar nicht mal weiss, wovor genau sie überhaupt wegläuft. Weggucken, nur nicht hingucken. Nicht gegen den eigenen Schatten ankommen. Nicht jetzt zumindest.

Und vielleicht ist genau dieses nicht jetzt der Schlüssel zu dem ganzen. Das zu akzeptieren sollte ich lernen. Vielleicht ist diese Sache einfach noch nicht dran. Nicht jetzt bedeutet ja nicht nie.

Katja