(Neuer) Versuch macht kluch

Ich hab’s mal wieder getan. Habe mich bei einem (brandneuen) Portal angemeldet, um vielleicht/hoffentlich/möglicherweise doch irgendwann/irgendwie eine Freundin hier in der Gegend zu finden.

Ich weiss nicht, wieso mich das jedes Mal so viel Mut kostet und wieso ich mir so schwer damit tue. Im Grunde habe ich überhaupt gar nichts zu verlieren und kann nur gewinnen. Aber dann muss ich an die letzte Erfahrung denken, die ich dahingehend gemacht habe und wie sehr verletzt ich war als jene Frau, der ich meine Freundschaft geschenkt hatte, mir ein Ultimatum stellt und mir urplötzlich zu verstehen gibt, dass ich so wie ich bin, für sie nicht ok bin. Das nagt immer noch an mir. Vor einer Weile sah ich auf einem Parkplatz eine Frau mit einer Frisur, die ihrer glich aus einem Wagen steigen, der ihrem glich und ich war schlagartig wie gelähmt und wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Hingehen oder in Deckung gehen? Letztendlich war sie es nicht und ich war irgendwie heilfroh darüber. Dann habe ich aber hinterher doch überlegt, ob ich ihr mal eine Mail schreiben sollte, sie mal fragen wie es ihr geht. Aber das wäre ja murks, dieser Zug ist ja doch längst schon abgefahren.

Aber was ist das nur, was mir solche Angst macht und weswegen ich mir so schwer tue, überhaupt wieder aktiv nach jemandem in der Gegend zu suchen? Ich ertappe mich selber dabei, wieder einmal generalisierend negativ zu denken, mir jede Menge „aber was wenn?“-Fragen zu stellen. Aber was wenn es hier einfach keine gibt, die auf der gleichen Wellenlänge tickt? Aber was wenn ich mich wieder jemandem öffne und laufe damit vor die Wand? Aber was wenn sich von vornerein überhaupt niemand meldet? Aber was wenn ich einfach keine Freundin verdient habe…

Und dann kommt die neue Katja, quasi die 3.0, die mit dem Vorsatz, endlich anzufangen, sich selber zu mögen, endlich mutiger zu sein und sich nicht dauernd im Weg rumzustehen und boxt die mit den ganzen Bedenken in die Seite und während jene noch strauchelt hat sie ratzfatz das Profil und die Suchanfrage ausgefüllt.

Drückt ihr mir ein bisschen die Daumen? Ich liebe das Internet und den Austausch in Kommentarspalten oder bei Twitter, aber wenigstens ab und zu würde ich so unheimlich gerne mal jemandem an einem Tisch gegenübersitzen, eine Kaffeetasse in der Hand halten und reden, ohne dafür tippen zu müssen.

Katja

 

BÄMM.

Immer immer wieder ist es das Thema Freundschaft, das mich so nachhaltig beschäftigt, mir so zu schaffen macht. Und gerade nicht nur das Thema, sondern auch und vor allem die Definition selbiger.

Da ist diese Freundin, die ich hier in der Gegend habe (und ja, quasi Einzahl, so viele gibt es davon nicht), über die ich hier auch schon häufiger geschrieben hatte.

(Falls jemand nachlesen möchte: Hier, wie ich sie kennengelernt habe. Hier, als sie länger nichts von sich hat hören lassen. Und hier, nicht konkret über jene Freundin, sondern wieder mal Gedanken über Freundschaft generell und was mir fehlt.)

Nun ist es so, dass wir uns schon wirklich länger nicht mehr gesehen haben. Mal ging es ihr nicht gut, wie zB im Winter als ich so lange keine Reaktion von ihr auf meine Mails bekam und dann auch später nochmal im Frühling und mal ging es mir nicht gut. Und dann noch das allgemeine dauernd-ist-was-anderes-und-man-kommt-zu-nichts, was mich in diesem Jahr wirklich heftig in den Fängen hat und das alles zusammen führte dazu, dass immer abwechselnd bei einer von uns irgendwas war, Zeitmangel oder Einigelungsbefinden und wir mailten sporadisch, versuchten uns ein paar Mal zu verabreden, was aber dann wechselseitig nicht hinhaute. So weit so blöd, aber so ist das Leben eben manchmal. Was mir die ganze Zeit schon ein bisschen Bauchweh gemacht hat ist ihre Wahrnehmung dieser Begebenheiten und dass sie für sich mit Selbstverständlichkeit (und das ist auch in Ordnung) in Anspruch nimmt, sich nicht zu melden, wenn es ihr nicht gut geht, mir das aber nur schwer nachsehen kann und mir da mit ihrer Reaktion mindestens ein schlechtes Gewissen macht. Ich weiss natürlich, dass meine Wahrnehmung auch nur subjektiv ist, aber ich glaube und hoffe zumindest, dass ich ziemlich frei von solchen ‚Schwiegermutterallüren‘ bin, Freunden ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie sich eine Weile nicht melden. Irgendwann ist mir aufgegangen, wie dämlich das nämlich ist ich das nämlich finde, weil das Erwachsenwerden vermutlich mitbringt, dass man nicht mehr so frei über seine Zeit verfügen kann, wie man gerne würde und dass ich mich lieber freuen möchte, wenn sich jemand die Zeit nimmt, sich bei mir zu melden, als erst mal rumzumiepen, dass das ja auch eher hätte passieren können. Mag ich auch nicht so gerne, wenn mir jemand ein schlechtes Gewissen macht, weil das Leben nunmal so ist, wie das Leben nunmal so ist. Wenn sie sich bei mir länger nicht auf meine letzte Mail hin gemeldet hat und ich habe dann wieder Kontakt aufgenommen, habe ich immer versucht, ohne Wertung anzuknüpfen („hey, ist ja schon eine Weile her, dass wir voneinander gehört haben“ und dergleichen) und wenn es umgekehrt war, dass ich mich nicht gemeldet habe (und von ihr zu lesen bekam, dass ich mich ja so lange nicht gemeldet hätte), habe ich mich entschuldigt und das so hingenommen und lächelnd darauf gehofft, dass sie vielleicht irgendwann merkt, dass ich ihr keine Vorwürfe mache. Und wenn nicht, dann eben nicht. Ich mag sie ja wirklich und das ist eben eine ihrer Eigenheiten.

Dann letzte Woche, habe ich versucht, mich spontan für diese Woche mit ihr zu verabreden und ihr auch freie Auswahl über Tag, Tageszeit und Ort gelassen, weil ich sie wirklich gerne endlich wieder mal sehen mag und das am liebsten auch noch bevor ich wegfahre, weil sonst der Juli quasi auch schon wieder rum ist. Und dann kam heute eine Mail zurück, die mich erst mal rat- und fassungslos zurückgelassen hat. Sie wisse nicht, ob das überhaupt noch Sinn machen würde, weil unser Kontakt so sporadisch geworden sei und immer, wenn sie dächte, wir könnten einen ‚Neustart‘ schaffen, würde ich mich länger nicht melden und das würde sie dann auch animieren mit der Antwort länger zu warten und dass sie solche losen Kontakte eigentlich nicht will und wenn ich nicht sicher wäre, dass ich hinbekäme, dass wir uns in Zukunft häufiger schreiben, dann lieber gar nicht. Und ohnehin stellt sie ihr Leben gerade um und würde sich lieber am Wochenende treffen, aber da würde ich ja nicht wollen, was sie verstehen könne.

BÄMM.

Ich gebe das hier nicht aus Respektlosigkeit ihr und ihrer Mail gegenüber so einigermaßen originalgetreu wieder, sondern weil ich Angst habe, beim Umformulieren, irgendetwas reinzubedeuteln, was nicht drin war, irgendwas falsch wiederzugeben oder zu interpretieren statt zu erzählen.

Und seit ich das gelesen habe, habe ich unzählige Tränen vergossen über eine Freundschaft, die vielleicht nie eine gegenseitige war, zumindest niemals das, was ich mir ersehnt hatte, weil unser Verständnis von Freundschaft anscheinend ganz unterschiedlich ist. Das macht mich so traurig, weil ich irgendwann in dieser Zeit dachte, wir ticken da ziemlich ähnlich. Unter anderem als sie sich beklagte, ihre andere Freundin, hätte überhaupt kein Verständnis dafür, dass sie nicht so unternehmungslustig sei, wenn es ihr nicht gut geht und das kenne ich ja von mir auch gut. Erst mal einigeln und mit sich selber ausmachen.

Ich weiss gerade gar nicht mehr was wahr ist bzw. war. Wir haben ähnliche Tendenzen uns einzuigeln, wenn was ist. Ihre Freundin, die das nicht akzeptiert, versteht sie nicht und nervt. Ich, die ich das nachvollziehen kann, mir aber auch für mich die gleiche Akzeptanz wünsche, bin in ihren Augen die, die es nicht hinbekommt, den Kontakt weniger lose zu haben. Aber für mich ist loser Kontakt oder Freundschaft gar keine Frage der Kontakthäufigkeit sondern eigentlich eine der Wellenlänge und des Verstehens. Meine Freunde bleiben das für mich auch dann und das Gefühl ihnen gegenüber ändert sich für mich nicht, wenn ich länger keinen Kontakt habe. Bei ihr scheint das anders zu sein und mit Verfügbarkeit zusammenzuhängen. Das ist in Ordnung, ich will das gar nicht (be-)werten, es macht mich nur traurig, weil das, was ich für eine gemeinsame Wellenlänge hielt, jetzt so wenig kompatibel zu sein scheint.

Und das, was ich ihr wirklich übel nehme ist, dass sie mir quasi ein Ultimatum stellt, denn die Mail geht weiter, dass ich mir das überlegen soll und ihr dann mitteilen. Das hat etwas von ‚entweder du biegst dich jetzt so, dass du in mein Freundinraster passt oder das war’s dann‘. Ich hätte es fair(er) und ehrlich(er) gefunden, wenn sie die Entscheidung einfach getroffen hätte, denn im Grunde hat sie das mit ihrem Ultimatum. Aber so bin ich diejenige, die sagen muss, dass ich nichts versprechen kann, weil das Leben nunmal so ist, wie das Leben nunmal so ist. Ich weiss nicht, ob ich mich beim nächsten Depressionsschub bei ihr melden kann. Ich weiss nicht, ob ich es schaffe, alle paar Tage lange Mails zu schreiben, wenn mir sowohl äussere Zeit als auch innere Ruhe dafür fehlen. Ich weiss, dass dafür jetzt ausserdem denkbar schlechte Voraussetzungen bestünden, wenn ich das Gefühl habe, das jetzt machen zu müssen, weil ich irgendein ominöses Versprechen dafür abgegeben hätte und mich damit selber unter Druck gesetzt hätte (was üblicherweise ein guter Garant dafür ist, dass ich in reglose Starre verfalle).

Ich bin traurig, weil ich sie wirklich gerne mag und weil das aber anscheinend nicht ausreicht, was ich an Freundschaft geben kann.

Und seit ich die Mail gelesen habe, kämpfe ich damit und darum, mich nicht selber zu zerfleischen und nicht sämtliche Schuld bei mir zu suchen, weil ich einfach zu unfähig bin, eine echte Freundin zu finden, sondern ich sehe auch die Stellen, wo sie unfair mir gegenüber ist. Vielleicht kann ich irgendwann sogar mal stolz darauf sein, dass ich mich in solchen Situationen nicht mehr komplett selber fertig mache, aber momentan tut es einfach nur weh und die blöden Tränen hören nicht auf, mir über’s Gesicht zu laufen.

Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu.

(Hans Christian Andersen)

…und eine Freundin, die so nah wohnt, dass man den Kaffee ganz in echt zusammen trinken kann und nicht nur über Fotos im Web. Bitte. So sehr ich froh darüber bin, so viele großartige Menschen im Web zu kennen (ihr seid gemeint!), fehlt mir doch so sehr jemand, mit dem ich gelegentlich ohne Tastatur oder Telefon dazwischen, von Angesicht zu Angesicht reden kann.

Traurig.

Katja

 

 

Geschwurbel, wieder mal.

Manche Tage sind anders, sind schlimmer als andere. Manchmal lässt sich trotz all jenen Dingen, die ich mittlerweile gefunden habe und die mich froh machen nicht verdrängen, dass das, was mir am meisten fehlt, eine echte beste Freundin ist.

Sicher, ich habe mein Blog. Hier kann ich mir Dinge von der Seele und aus dem Kopf schreiben. Hier lesen mittlerweile einige Menschen, die sich für mich – auch wenn ich sie vielleicht nie getroffen habe und nur durch geschriebene Worte kenne – nahe anfühlen. Hier fühle ich mich oft aufgefangen, wenn ich wieder mal sehr ins Trudeln gerate. Und doch ist das etwas anderes, das mir fehlt. Weil ich nicht weiss, wo ich mit den Dingen hinsoll, die nicht blogtauglich sind. Die bleiben fast immer nur in mir, kreiseln in meinem Kopf und manchmal zerfrisst mich das so von innen, niemanden zu haben, dem ich mich anvertrauen kann. Niemanden, der einfach mal zuhört und still da ist und auch mal Zeit hat oder sie sich nimmt.

Sicher, ich kenne in der Gegend mittlerweile ein paar Leute, die ich auch gelegentlich treffe. Aber das ist es nicht, was ich meine. Da fehlt dieser spezielle Draht, diese gemeinsame Wellenlänge, die nicht krampfhaft Worte finden muss, um sich zu verstehen. Mir fehlt jemand, der zuhört ohne zu (be-)werten, ohne zu vergleichen. Eine, die mich, wenn ich gerade ansetze zu erzählen, wie es mir in einer Sache geht, nicht unterbricht und mir nicht sagt, wie ich mich doch eigentlich fühlen müsste, sondern die akzeptieren kann, wenn und dass ich mich in einer Sache nicht so fühle, wie diejenige, oder der Rest der Welt, denkt, dass ich mich eigentlich fühlen müsste. Und die mir überhaupt erst mal soweit zuhört, dass ich das rauslassen könnte.

Und wenn ich mich tatsächlich traue, solche Dinge jetzt, hier aufzuschreiben, dann fühle ich mich so undankbar den Menschen gegenüber, die ich ja habe und ich frage mich, ob es mein Anspruch ist, der zu hoch ist, ob meine Erwartungen einfach nicht mehr zu meinem Lebensabschnitt passen, ob es dieses Phänomen von Freundschaft vielleicht einfach nur in der Jugend gibt, ob später automatisch mehr Distanz da ist. Aber dann denke ich wieder, dass das doch eigentlich kein so wahnsinnig hoher Anspruch oder großer Wunsch ist, einen Menschen zu haben, bei dem man sich mal ausheulen kann, ohne dass man seinen Kummer via Tastatur an eine zumeist anonyme Menge rauslässt.

Und natürlich liest sich das gerade alles furchtbar egoistisch, weil ich es nur von meiner Seite aus betrachte – aber natürlich meine ich damit, dass ich eben das nicht nur ’nehmen‘ sondern selbstredend auch geben und erwidern möchte, weil es nur dann auf Augenhöhe funktionieren kann, weil es nur dann diesen Kern von Freundschaft enthält nach dem ich mich so sehne.

Katja

Nicht genug.

Vor ein paar Jahren war ich relativ eng mit einer Frau befreundet, die ein wahres Energiebündel war. Sie hatte ein unheimliches Talent, sich in Dinge, die sie für sich entdeckte und die sie interessierten, Hals-über-Kopf und mit Vollgas reinzustürzen. Dann machte sie diese Sache für eine Weile und dann stürzte sie sich mit der gleichen Energie wieder in etwas Neues. Sie probierte alles aus, war dahingehend extrem mutig und forsch.

Und wenn ich oben unheimlich schreibe, dann tatsächlich im doppelten Wortsinne, denn mir war dieses energische Vorgehen oft nicht geheuer, weil ich so ganz anders bin und ticke. Ich bin feige. Ich kann nicht gut mit Veränderungen umgehen. Ich bin überhaupt nicht spontan. Ich muss bei den meisten Dingen erst ewig darüber nachdenken, mögliche Eventualitäten oder möglicherweise auftauchende Schwierigkeiten durchdenken, damit sie mich nicht überraschen. Ich stehe mir mit dem vielen Nachdenken oft selber im Weg und komme erst gar nicht bis zu dem Punkt, wo ich anfangen könnte.

Jene Freundin damals (und damals meint einen Zeitraum, wo es mir zB noch viel schwerer fiel, überhaupt rauszugehen) hat mich oft mit ihrer Energie überrollt. Immer, wenn ich über irgendetwas erzählte, das mir Spaß machte, kam sie mit Hau-Ruck-Plänen, wie ich daraus etwas machen könnte, mich reinstürzen könnte. „Du musst doch einfach nur…“. Mich hat das total überfordert und sie hat (glaube ich zumindest) nicht verstanden, wieso ich nicht einfach mit den Dingen loslegte, wo doch ihr Plan quasi direkt fertig war und ich nur hätte machen müssen.

Damals, das war auch der Zeitraum, indem ich zum letzten Mal bei einer Therapeutin war. Irgendwann im Laufe einer Sitzung erzählte ich von dieser Freundin und was sie alles an Ideen für mich hatte und wie sehr mich das überforderte und die Worte der Therapeutin werde ich vermutlich nie vergessen. Sie sagte mir „Na das ist ja ganz schön armselig von Ihnen.  Sie selber haben keine rechte Idee, was sie mit sich anfangen sollen und anstatt froh zu sein, dass Ihre Freundin das so energisch für sie anpackt, beklagen Sie sich, dass Ihnen das zu schnell geht.“

Zusammen mit noch ein paar Dingen, die sie in vorherigen Sitzungen gesagt hatte, sorgte dieser Spruch dafür, dass ich da eigentlich nie wieder hingehen wollte. Dann habe ich tagelang rumüberlegt, weil es eben unter anderem so furchtbar schwierig ist, überhaupt einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen und weil es so furchtbar schwierig ist, einen zu finden, der zu einem passt. Und weil ich nicht sicher sein könnte, dass es bei einem anderen besser werden würde, habe ich beim nächsten Termin all meine Angst überwunden und ihr gesagt, dass es mir schwer fällt, ihr zu vertrauen und ihr Dinge zu erzählen, wenn sie so darauf reagiert, was nach 30 Minuten Empörung ihrerseits, dass sie ja wohl die Expertin sei, dass sie diese Dinge nicht grundlos sagen würde und dass sie so viele Patienten hätte, denen sie geholfen hätte und bei denen ihre Zeit nicht so vergeudet wäre wie bei mir aufsässigen Person, dazu führte, dass sie mich rauswarf – aus der Sitzung und auch der Therapie.

Einem lieben Freund habe ich zu verdanken, dass ich das hinterher richtig einzuordnen gelernt habe und nicht die Schuld bei mir gesucht habe. Und auch, dass ich dieser ‚Chance‘ nicht hinterher getrauert habe sondern letztendlich froh und auch ein bisschen befreit war, nicht mehr dort hinzugehen.

Aber eigentlich fiel mir das alles gerade wieder ein und auch, dass ich schon längst mal erzählen wollte, weswegen ich seitdem so zögerlich darin bin, mir einen neuen Therapeuten zu suchen, als ich über eine liebe Bekannte nachdachte, ebenfalls eine sehr aktive Frau, die ich gelegentlich treffe und die, ähnlich wie jene Freundin damals, ganz häufig zu mir sagt, ich müsse aber doch etwas aus all dem machen, was ich gut könne und was mir Spaß macht und dass mich das regelmäßig überfordert, weil ich gar nicht weiss, wie ich das genau anpacken soll, etwas ‚draus zu machen‘ und auch nicht, ob ich das hinbekäme, weil mir der Gedanke so wahnsinnige Angst macht. Alleine mich damit auseinanderzusetzen. Und ich habe fast jedes Mal nach einem Treffen ein schlechtes Gewissen – auch wenn ihr das sicherlich furchtbar fern liegt, das auszulösen und sie das nur in bester Absicht sagt. Aber diese ständige Aussage, ich müsse etwas daraus machen, löst bei mir immer das Gefühl aus, dass es so wie es momentan ist, falsch ist. Dass Machen alleine nicht genügt, sondern ich muss etwas daraus machen. Etwas Sinnvolles. Nur so für mich ist ja nicht ausreichend sinnvoll.

Ich habe ganz viele Jahre immer dieses Gefühl gehabt, dass das Leben irgendwo draussen ohne mich stattfindet, dass ich meines irgendwo auf einem Wartegleis geparkt habe.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was die meisten anderen Menschen machen, wenig.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was ich vor ein paar Jahren machen konnte, wahnsinnig viel.
Und manchmal fühlt es sich auch immer noch nach zu viel an und nach Überforderung. Und meistens fühlt es sich an, als könne ich, zumindest momentan, auf keinen Fall noch irgendetwas weiteres – und schon gar nichts mit einer festen Verpflichtung – zusätzlich bewältigen.

Und ich empfinde mich eigentlich auch nicht mehr auf dem Wartegleis, sondern mitten in meinem Leben.

Aber ich schaffe es nicht / traue mich nicht, das genau so zu sagen. Fast niemandem gegenüber. Weil ich immer das Gefühl habe, dass alle anderen von mir erwarten, dass ich mehr schaffen müsste, mehr machen müsste, etwas aus den Dingen machen müsste, die ich kann und nicht nur die Dinge selber machen.

Und diese, oft nur unterschwellige Erwartungshaltung, diese Tatsache, dass andere mich auf dieses Wartegleis setzen, mich dort sehen, obwohl ich mich selber eigentlich gerade gar nicht dort sehe, weil ich erst mal die Kämpfe am Status Quo im Leben besser im Griff haben muss, setzt mich so massiv unter Druck, dass es mir noch schwerer fällt und noch mehr Angst macht, mich damit auseinanderzusetzen, ob und wie und was ich machen könnte oder wollte.

Und niemand fragt mich. Wie ich bin, wie ich ticke, was ich will. Aber alle scheinen zu wissen, dass das, wie und was ich gerade bin, nicht ausreicht. So sehr, dass ich mir den Schuh, nicht auszureichen, natürlich direkt wieder oft genug selber anziehe und nur auf das gucke, was ich nicht kann, statt auf das zu gucken, was ich (schon wieder) kann.

Katja

 

Gedankengeschwurbel zum Einigeln und über Freundschaft

Ich kaue in der letzten Zeit viel auf Gedanken zum Thema Freundschaft und schlechten Zeiten und einigeln rum.

Das fing wieder mal damit an, dass sich eine Freundin länger nicht meldete, auch nicht, nachdem ich ihr mit einigem zeitlichen Abstand einige Mails nacheinander geschrieben hatte. Sie meldete sich nicht und ich bezog das sofort auf mich, dachte, ich hätte irgendwas falsch gemacht, was Falsches gesagt und hätte sie damit ‚vergrault‘. Da ist dieser Mechanismus in meinem Denken und noch viel mehr in meinem Fühlen, der irgendwie immer direkt in diese Richtung denkt. Menschen vergraulen. Keine Freundschaft aufrecht erhalten können. Und wenn ich mich sehr anstrenge und mein Denken bewusst lenke, dann weiss ich, dass meine Horrorvisionen nur einer von furchtbar vielen möglichen Gründen für ihr Schweigen sein könnten. Aber das kostet wirklich immer Kraft. Die automatischen Gedanken sind jene von Verlust.

Früher hätte ich vermutlich nicht mal mehr nachgefragt bei ihr. Nicht aus Kränkung, sondern weil ich mich nicht hätte aufdrängen wollen. Weil ich ihr die unangenehme Situation nicht hätte zumuten wollen, mir das offen sagen zu müssen, dass ich sie in Ruhe lassen soll.

Aber ich habe mittlerweile so viel über mich gelernt, dass ich weiss, dass mir das dann über Jahre keine Ruhe lassen würde, dass ich einfach keinen Abschluss finden könnte, wenn ich nicht mal weiss, was passiert ist.

Davon habe ich ja wirklich noch einige Baustellen, wo mich immer wieder mal die Frage plagt, was da überhaupt passiert ist. Zum Beispiel diese Sache mit A., über die ich hier erzählte, lässt mir – nach Jahren – erst ein bisschen mehr Ruhe, seit ich das damals endlich aufgeschrieben habe. Schräg, wie sehr Bloggen mir oft hilft, die Dinge zu sortieren.

Deswegen habe ich dieses Mal in der Tat nachgefragt und ich habe es sogar geschafft, meine Befürchtung ganz runterzuschlucken und einfach nur zu fragen, ob’s ihr gut geht und zu sagen, dass ich mich freuen würde, wieder mal von ihr zu hören. Ich glaube/hoffe, ich könnte die Zurückweisung eher wegstecken oder zumindest irgendwann dann wieder heilen als solches Unwissen und Unverstehen, was passiert ist. Weil ich wirklich schon wieder wochenlang darauf rumgekaut hatte, was wohl passiert sein könnte, was ich wohl falsch gemacht habe. Mal von ‚harmoniert irgendwie doch nicht‘ abgesehen (da vertraue ich ja auch nicht mehr auf mein Urteil, dass ich das tatsächlich merken würde), fiel mir als Offensichtlichstes ein, dass sie ein Problem damit haben könnte, dass ich mich gelegentlich, wenn es mir nicht so gut geht, ziemlich einigle. Wobei ich dann ja spätestens auch auf Nachfragen wenigstens kurz reagiere.

Und gerade als ich überlegte, am nächsten oder übernächsten Tag noch einen letzten (?) Versuch zu unternehmen, meldete sie sich, schrieb, dass es ihr nicht so gut ging und dass sie sich ziemlich eingeigelt habe.

Und seitdem muss ich über dieses Einigeln nachdenken. Ich dachte immer, das hätte bei mir angefangen, als ich krank wurde. Damals, längst bevor ich die Depressionen und die Angst als Krankheit sehen konnte, habe ich mich so sehr geschämt, habe mich so sehr als persönliche Versagerin gefühlt und habe vor allem nicht mal genau erklären können, was mit mir los ist und ich habe ja dieses fast schon zwanghafte Bedürfnis zu erklären und zu verstehen. Da war nur dieses große ‚ich kann nicht‘, das mein Leben über Monate beherrscht hat. Ich kann nicht aufstehen, mich melden, weiterstudieren, rausgehen, telefonieren, die Tür öffnen, reden, …, erklären.

Aber, wenn ich dann noch weiter zurückgehe, dann fällt mir ein und auf, dass ich eigentlich schon immer so war, dass ich nie reden konnte, wenn es mir schlecht ging. Ich war von meiner Kindheit an bis zu dem Punkt als ich zusammengeklappt bin, der Kummerkasten für jeweils die Menschen in meinem Umfeld. War die, die stundenlang zugehört hat und versucht hat, zu trösten. Und wenn es mir selber schlecht ging, dann habe ich die lächelnde Maske aufgesetzt und einfach genauso weitergemacht. Ich konnte nie besonders gut selber erzählen, was mit mir los ist. Ich konnte vor allem nie um Hilfe bitten. Und ich glaube, ich habe immer darauf gehofft, dass irgendwann mal jemand merkt, wie es mir geht. Aber eigentlich habe ich die Maske so perfekt gewahrt, dass niemand auf die Idee kommen konnte. Fragen und zuhören, nur bloß nichts erzählen, wie’s in mir drin aussieht. Alle irgendwie auf Abstand halten und mich nicht öffnen und ewig einsam fühlen und traurig, weil mir niemand nahe kam.
Und ich glaube, auch das ist wieder mal eine in der Kindheit gelernte Macke, deren ich mir jetzt erst bewusst geworden bin. Immer leise im Hintergrund halten, nicht auffallen, niemandem mit meinem ‚Gejammer‘ zur Last fallen.

Und ich glaube, ich will gerade gar nicht näher darüber nachdenken, dass man meine ganzen Gedanken zum Aufdrängen ja auch umgekehrt verstehen könnte, dass ich meinen Freunden nie zugetraut oder die Chance gegeben hätte, auch in schlechten Zeiten meine Freunde zu sein.

Mir fällt das gerade schwer, diese Dinge nicht nachträglich zu bedauern. Diese Erkenntnisse sind für mich so neu und dass sich da endlich Zusammenhänge ergeben. Ich versuche, mein Denken möglichst frei von ‚was wäre gewesen, wenn…‘ zu halten, aber gerade fällt mir das sehr schwer. Was wäre gewesen, wenn ich früher gelernt hätte, nicht alles in mir zu verschließen, sondern mir die Dinge von der Seele zu reden oder sie wenigstens aufzuschreiben, wie ich das jetzt hier dauernd mache?

Ich glaube, mein Blog – und damit ja irgendwie auch ihr, die ihr hier lest – ist (von einer Ausnahme abgesehen, die nur des Satzbaus wegen in Klammern steht, aber eigentlich in Großbuchstaben und Leuchtschrift, mit tanzenden Zirkuspferden davor, hier auftauchen müsste) meine erste Freundin, bei der ich nur selten zögere, meinen Kummer zu erzählen. Vielleicht, weil es zum ersten Mal das Gefühl ist, dass ich niemanden damit nötige oder mich aufdränge, dass hier ja nur liest, wer das selber möchte.

Katja

Windwach

Erinnerst du dich an den Wind? Jenen, der nachts über die Insel fegte. Der uns in jeder einzelnen Nacht, wenn wir nach langem Reden und Feiern in den Zelten in die Schlafsäcke krochen, in den Schlaf klapperte. Hier ein zu lockerer Riemen, dort ein loser. Geräusche, die sich nach nur wenigen Nächten so vertraut anhörten. Die so dazu gehörten.

Erinnerst du dich an die Waschräume mit den Gemeinschaftsduschen? Daran beim nächtlichen Duschen niemals zu vergessen, die Oberlichter zu schließen. Erinnerst du dich an den Schrecken als der Hausmeister eines Nachts in der Dusche auftauchte, geweckt von unserem lauten Lachen? Wie gut das heisse Wasser tat, nach einem Regentag in klammen Klamotten. Dieses spezielle Klamm, wie sie sich nur bei Regen in Zeltlagern anfühlen, wo sich nach mehreren Tagen solchen Wetters alles so anfühlt. Und an die Bierflaschen, die wir mitnahmen? Immer den Daumen über der Öffnung, damit kein Wasser reinläuft. Erinnerst du dich an den kleinen grünen Kaktus und die müden weissen Stühle?

Erinnerst du dich an unser Morgenritual? Wir beide nach dem Frühstück, mit Weizenbiergläsern in der Hand, in denen sich sprudelnd zwei Multivitamintabletten und eine Aspirin auflösten während wir gegen den Wind ankämpfend auf den Deich hochliefen. Erinnerst du dich, wie wir Arm in Arm auf dem Deich standen, die erste Zigarette des Morgens zusammen rauchend und so laut es unsere heiseren Hälse zuließen ‚Paradise City‘ gröhlend.

Erinnerst du dich an diesen ganz speziellen Sommer? Wir beide unzertrennlich, das Duo Infernal. Denkst du da auch manchmal noch dran?

Katja

Und ausserdem hab ich neue Schuhe, obwohl ich Schuhe kaufen gar nicht mag!

In den letzten 2 Tagen war ich mehr damit beschäftigt, hier in der kleinen Stadt irgendwo rumzubummeln, zu shoppen, Eis zu essen, draussen zu sitzen und Kaffee zu trinken, spontan zur anderen Rheinseite überzusetzen und noch mehr Kaffee zu trinken als vermutlich in den ganzen 3 Jahren, die ich hier schon wohne. Das fühlte sich ein bisschen so an wie im Urlaub, wo man in Läden geht, die man zuhause nie besuchen würde, ohne Zielstrebigkeit, guckend, mehr Geld ausgebend als üblicherweise. Cooles Gefühl.

Aber überhaupt gar nix im Vergleich zu dem Gefühl, dass die Distanz aus Monaten der Wortlosigkeit ganz einfach wieder weg ist, fast schon mit der Begrüßungsumarmung weg war und die Freundschaft darunter noch da ist, sich wieder anfühlt wie früher. Ich glaube, es ist wirklich die Chemie, die stimmen muss – in irgendeiner Weise. Ich glaube echt, sie ist es, die bestimmt, ob’s funktioniert, auf Dauer funktionieren kann. Sonst könnte ich mir gar nicht richtig erklären, dass nicht mal ein komisches Bauchgefühl übrig geblieben ist, dass die Vertrautheit einfach so wieder da ist, ganz ohne Vorbehalte. Die andere mögen, weil und auch obwohl man sie kennt.

Ich bin froh, dass Sonntag Nachmittag das Telefon geklingelt hat und noch froher, dass ich, all meinem Bedürfnis, mich auf Besuche einstellen zu können und rechtzeitig vorher Bescheid wissen zu müssen, zum Trotz, ein „Klar holen wir dich aus’m Off“ zustande gebracht habe.

Und morgen dann die nächste Runde von ‚mal gucken wie sich alte Freundschaft im Hier und Jetzt anfühlt‘. Wäre ich nicht fies müde, hätte ich vermutlich ordentlich Bammel davor, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass das noch kommt. :mrgreen:

Katja