Jetzt gucken Sie doch mal!

„Jetzt gucken Sie doch mal!“, sagt die kleine Frau und dann legt sie mir den Arm um die Schulter und dreht mich in die von ihr gewünschte Richtung, wo ich hingucken soll. „Ist das nicht wunderschön geworden?“, fragt sie während sie mit dem freien Arm, der nicht um meine Schulter liegt, in Richtung der Tomaten fuchtelt. „Gucken Sie! Ich hab da erst rechts die Tomaten eingeräumt und wollte schon die anderen direkt daneben packen, aber dann dachte ich „machste erst noch was Gelbes dazwischen, für den Kontrast“ und dann hab ich die gelben Zucchini entdeckt und dann wieder Tomaten und da noch ein grüner Streifen aus Frühlingszwiebeln und sehen Sie das, dass ich die sogar mit den Wurzeln abwechselnd sortiert habe?“ und während sich dieser Wortschwall in meine Richtung ergießt und ich zwar immer noch völlig irritiert bin, über die spontane und andauernde Berührung einer Fremden, merke ich doch, dass mich das Anfassen gar nicht so sehr stört, wie es eigentlich in einer solchen Lage der Fall wäre, denn diese kleine, ältere Frau ist ganz und gar entzückend in ihrer Freude und Begeisterung über ihr Werk – die farblich und auch ansonsten ansprechende Sortierung des Tomatenregals im Rewe. Und statt mich also unangenehm zu winden und aus ihrer Umarmung zu befreien, drehe ich mich zu ihr um, strahle sie ebenso breit an, wie sie mich und versichere ihr, dass das wirklich wunderschön aussieht und dass sie das wirklich gut gemacht hat.

Und dann gehe ich grinsend weiter – nicht ohne welche von den hübsch drappierten Tomaten und den Frühlingszwiebeln zu kaufen – aber auch ein bisschen betrübt, weil ich selber diese Fähigkeit nicht habe, mich so ausgelassen über etwas zu freuen oder stolz darauf zu sein, was ich selber gemacht habe und das auch laut herauszulassen. Aber Mitfreuen, das kann ich gut!

Katja

Freudemultiplikator

„Lass dich überraschen“ (stellt euch das bitte mit Rudi Carrell Stimme gesungen vor) lässt sich die Blogaktion sinngemäß zusammenfassen, bei der Anne mitmacht und die ich von ihrem Blog – da ich dort kommentiert habe – jetzt herschleppe und euch als Angebot unterbreite:

Die ersten 3 Kommentare unter diesem Beitrag bekommen von mir im Laufe des Jahres 2017 irgendwann per Post eine Überraschung ins Haus. Die einzige Bedingung, die daran geknüpft ist: ihr müsst im Gegenzug auf euren Blogs euren Lesern das gleiche Angebot machen und Überraschungen verteilen. Auf dass sich vielleicht ein bisschen Freude in Kleinbloggersdorf verbreitet! 🙂

Falls ihr mitmachen wollt (und ich eure Adresse nicht ohnehin schon habe), achtet bitte darauf, dass ihr beim Kommentieren eine eMail-Adresse angebt und/oder schickt mir, wenn ihr eine*r der ersten 3 seid, eure Adresse einfach direkt per Mail an ajtak33(arroba)gmail(punto)com.

Ich paste nochmal die Originalregeln, die Anne von dem Blog kopiert hatte, wo sie die Aktion aufgegabelt hat:

„Die ersten drei Menschen, die mir einen Kommentar hinterlassen, erhalten irgendwann dieses Kalenderjahr eine Überraschung von mir. Etwas Gebackenes, Gebasteltes, eine Postkarte oder irgendwas anderes Schönes… Auf jeden Fall etwas, das mit Liebe gemacht oder ausgewählt wurde. Wann die Überraschung kommt, steht noch nicht fest und wird auch nicht verraten. Nur, dass es dieses Jahr ankommt ist sicher. Der kleine Haken? Diese drei Leute müssen das gleiche Angebot in ihrem Blog machen. So lasst uns 2017 nette Dinge tun, ohne ersichtlichen Grund, einfach weil’s schön ist und Spaß macht!“

Da Anne mich erst vor kurzem mit einer ziemlich coolen Sache überrascht und bei mir genau ins Schwarze getroffen hat, bin ich schon gespannt und freue mich ein bisschen vor.

Macht doch mit und lasst euch von mir überraschen! 🙂

Katja

Neulich an der Spargelbude

„Hier die Erdbeeren und ein bisschen Spargel würde ich auch gerne noch mitnehmen, ungefähr ein Pfund.“
„Was wollen Sie denn mit dem Spargel machen?“
„Der wandert mit den Erdbeeren in den Salat, ich glaube, da tut’s auch…“
„Bruchspargel!“ beendet der neue Verkäufer an der Lieblingsspargelbude meinen Satz und wir müssen beide lachen, weil wir uns so einig sind.

„Ich pack Ihnen schönen ein!“ sagt er dann noch, aber was genau er einpackt bekomme ich nicht mit, weil wir uns in der Zwischenzeit angeregt unterhalten.

Die großen Augen kommen erst zuhause als ich einen Blick in die Tüte werfe, denn er hat wirklich nicht gelogen. Ich muss nachzählen, weil ich es nicht recht glauben will. Das Pfund Spargelbruch entpuppt sich als 21 wunderschöne drittel bis halben Stangen Spargel mit Kopf und einer halben Alibistange ohne. Hammer. Manchmal ist das wirklich schön mit Menschen.

Katja

Ein bisschen umständlich kann ich ja

Man nehme ein recht simples Rezept, für das 50g Mango-Chutney gebraucht werden und eine Katja.

Dabei heraus kommt eine Katja, die aus einem Laden 2 Mangos statt eines Gläschens Mango-Chutney schleppt und die eine halbe Stunde lang Zeug schnippelt und 2 Stunden lang in einem blubbernden Topf auf dem Herd rührt und dann am Ende strahlend 4 Gläser mit Mango-Chutney befüllt, nur um eines davon am nächsten Tag für das Rezept, um das es eigentlich ging, zu öffnen. 😀

Aber ich glaube, gerade das ist es, was mich seit einigen Jahren so am Kochen fasziniert. Dass ich bei solchen Zutaten zwar kurz darüber nachdenke, sie fertig zu kaufen, aber dann kopfschüttelnd ’nää‘ sage, weil selber machen so viel mehr Spaß macht.

Katja

(Hier gibt’s übrigens das Rezept dazu und den Soundtrack zum Rezept.)

OMG! #wtf (oder: sprachlose Freude!)

(Zum besseren Verständnis: WTF?)

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Katja

Distanzierung vom inneren Zensor

Schon vor einiger Zeit habe ich etwas gelesen, was mich aus Gründen sehr berührt, beeindruckt und froh gemacht hat. Mein erster Impuls war, dass ich diese Begeisterung und Freude mitteilen wollte, am liebsten in Richtung des Verfassers jenes Dingens, das mich so beeindruckt hatte.

Nur leider sprang dann prompt mein innerer Zensor von seinem Stuhl hoch, wedelte aufgeregt mit den Armen und gebot mir zu schweigen. „Kannste doch nicht machen„, sagte der und betonte, wie es so seine Art ist, total übertrieben sämtliche Satzenden, „das ist doch voll übertrieben, wie du dich wieder mal freust! Damit erschreckst du die Leute nur, schreckst sie ab und unangenehm ist das demjenigen bestimmt auch. Jetzt setz dich lieber mal hier zu mir und wir schämen uns ein bisschen zusammen über solche komischen Gefühlsausbrüche! Und dann behalten wir das mal schön für uns! Immerhin blamierst du hier uns beide und ich hab einen RUF zu verlieren! Einen Ruf!“

Hmja, der ist schon ein bisschen eitel und irgendwie stolz darauf, dass er mich oft so gut unter Kontrolle hat. Und wie das so im Internet läuft, das kommt ihm irgendwie total entgegen. Wenn einem was gefällt, dann drückt man mal kurz mit dem Zeigefinger auf die Maustaste und klickt auf eine ‚Likegefälltmiroderwasauchimmer‘-Schaltfläche und das reicht doch dann auch an Emotion! Da kann man nichts falsch machen, das ist hier alles genormt und geordnet mit dieser Freude! Klick, gefällt mir, ach und guck mal, den 2, 3, 14 anderen auch, die schon geklickt haben.

Manchmal, da schafft er es auch, der Zensor, dass ich dann selber denke „das kannste doch nicht machen, das ist für eine erwachsene Frau doch wirklich peinlich, sich so zu freuen“. Aber manchmal ist auch diese andere Seite in mir lauter, die unnachgiebig verlangt, genau das doch zu machen, weil da jemand viel Zeit (was man ja oft ahnen kann) und Herzblut (was man manchmal bei Texten zwischen den Zeilen raustropfen sehen kann, wenn man genau hinschaut) in eine Sache gesteckt hat und weil es sich einfach völlig falsch anfühlt, da schweigend und nur mit einem Klick wieder wegzugehen. Ganz zum Glück, gelingt es mir dann gelegentlich auch, nach zähen inneren Verhandlungen, den Zensor Zensor sein zu lassen und mit Superlativen um mich zu werfen, wenn ich das Gefühl habe, dass nichts darunter dem gerecht wird, was beim Lesen mit mir passiert ist.

So bequem und einfach das mit den Like-Knöpfchen im Web ist, so steril und fern kommt es mir oft vor. Wenn ein Text mich zu Tränen rührt – und ich habe verflucht nah am Wasser gebaut, das passiert also gar nicht so selten – oder wenn mich ein Text schallend zum Lachen bringt oder wenn ich während ich lese, permanent mit dem Kopf nicke oder auch, wenn sich beim Lesen etwas in mir sträubt – diese ganze Bandbreite an (Be-)Rührung durch einen Text kann ein und derselbe Knopf doch nie im Leben ausdrücken.
Wenn jemand viel Zeit und im Idealfall noch dazu Herzblut investiert hat und etwas Großartiges dabei herausgekommen ist, was mich auf eine dieser vielfältigen Weisen berührt, dann ist eigentlich das Mindeste, was ich an Gegenleistung dafür erbringen kann, genau das zu sagen. Nicht über einen Knopf, sondern über richtige Worte, die auch ausdrücken, was da mit mir passiert ist. Alles andere, fühlt sich irgendwo, tief in mir drin, wie eine Art ‚Diebstahl‘ an, denn ich bin so reich beschenkt worden und sage nicht mal „Dankeschön“.

Ich habe das mit Wochen Verspätung bei jenem eingangs erwähnten Beispiel getan und ich habe dafür wirklich länger innerlich mit mir gerungen. Bei diesem Ringen mit mir selber ist mir aber auch aufgefallen, dass das eigentlich völlig idiotisch ist. Wie zur Hölle kommt dieser Zensor in mir denn überhaupt auf die Idee, es wäre irgendwie doof, jemandem zu sagen, dass man etwas gut findet, was derjenige gemacht (im Internet häufig zu verstehen als: geschrieben) hat? Warum ist es so leicht, einen like-Knopf zu drücken, aber so schwierig, 2, 3 Sätze zu formulieren, die im Grunde etwas ähnliches aussagen, nur ausführlicher? Warum fürchte ich, ich könnte mich lächerlich machen, wenn im jemandem sage „Was du da machst, finde ich gut“? Wenn ich mir doch wünsche, dass das Internet ein warmer und kuschliger Ort ist (und oft fühlt es sich ja auch so an), warum fällt es mir dann manchmal so schwer, diese Distanz aufzugeben, die der Knopf so verführerisch bereit hält? Eigentlich will ich die doch gar nicht. Ich will hier Menschen nahe kommen und mich von Texten und Gedanken berühren lassen (und vielleicht auch manchmal das ganze in umgekehrter Richtung bewirken, das würde mich sehr glücklich machen).

Da ist vieles in mir passiert, auf dem ich noch ein bisschen herumdenken muss. Was ich aber jetzt schon weiss: ich will mich freuen, mit all dem Enthusiasmus, mit dem ich mich eben manchmal freue und ich will mich häufiger trauen, das auch auszudrücken, ohne Angst zu haben, damit zu nahe zu treten! Der, von dem ich mich ausdrücklich distanzieren will, das ist mein innerer Zensor und weil es hier ja nirgendwo Dislike-Knöpfe gibt, sage ich ihm das hiermit einfach ins Gesicht (und ihm den Kampf an)!

Katja

You make me smile like the sun

100

*Knicks mach*

In meinem ersten vollen Monat bei WordPress – das war der September 2009 – hatte ich hier knapp 150 Aufrufe und damals dachte ich, dass das unfassbar viele Leser sind, denn in meinem ersten kompletten Blogjahr bei Kulando hat kaum jemand ausser mir selber, das, was ich so zusammengetippt habe, gelesen und da waren es wohl eher 150 pro Halbjahr als pro Monat. Jetzt sind es manchmal so viele pro Tag, an manchen Tagen sogar noch mehr und das lässt mich immer noch ordentlich staunen.

Dankeschön für’s Herkommen, Lesen, Gucken, Kommentieren! 🙂

Katja