Langfristige Planung ist alles oder Salut Strasbourg

Ich glaube, ich war selten längerfristig verabredet als für den Besuch am Straßburger Weihnachtsmarkt letzten Sonntag. Das Date mit Corina und Frau Leo stand schon fast ein Jahr lang in den Kalendern und wir haben es tatsächlich geschafft, es einzuhalten.

Straßburg hat wunderschöne Ecken und die Weihnachtsmärkte – mehrere, denn sie sind dort in der ganzen Altstadt verteilt, überall ein paar Buden, wo ein größerer freier Platz ist – haben mir besser gefallen als deutsche und wenn es dunkel ist, glitzert und blinkt und leuchtet die ganze Stadt und das ist vielleicht ein klitzekleines bisschen kitschig alles, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich ansonsten den Dezember über krank zu Hause verbracht habe, anstatt über Weihnachtsmärkte zu flanieren oder Weihnachtsbeleuchtung zu gucken, war das genau die richtige Überdosis, damit ich jetzt nicht wehmütig werde, dass es draussen zwar noch dunkel und grau ist, aber der Lichterzauber wieder vorbei ist.
Das alles in Straßburg wäre schon toll gewesen, wurde aber noch getoppt von der großartigen Begleitung der beiden! (Das schreit ja wirklich nach Wiederholung, ihr zwei! :))

Und weil ich mich wieder mal (*soifz*) nicht gut einschränken kann – dieses Mal nicht, was die Menge der Worte, sondern die Auswahl der Bilder angeht – gibt es hier einen ganzen Batzen Fotos und dafür nicht mehr Text. Fahrt einfach selber mal hin, falls ihr die Stadt nicht kennt (und natürlich die Gelegenheit dazu habt)! Echt schön da. 🙂

Klick macht groß.

Das war ein wirklich toller Tag (auch wenn ich abends zwei Blasen am Fuß hatte :mrgreen: )! 🙂

Katja

Guten Morgen!

Sonnenaufgang vom 31.10.2010 aus dem Hotelfenster in Orléans-Saran und wenig später auf der Suche nach Kaffee und Croissant ein vor’s Auto gehüpfter Regenbogen.

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Wenn alles gut geht, ist dieser letzte Sonnenaufgang vom letzten Jahr am 19. Oktober zu sehen und mit ein wenig Glück habe ich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade meine Kaffeetasse in der Hand und den Blick auf’s Wasser gerichtet oder vielleicht auch die Zehen im Sand oder vielleicht ja sogar die Zehen im Sand und den Kaffee in der Hand.

Aber vielleicht wisst ihr das auch längst alles, weil ich doch zwischenzeitlich aus Spanien gebloggt habe. 😀

Merkwürdig das, einen Beitrag so lange im voraus zu schreiben – der 24.9. ist gerade. (Und für solche Zwecke wie diese ganzen sehr ähnlichen Beiträge ist die wp-Funktion zum Artikel kopieren wirklich praktisch.)

Bis gleich oder in ein paar Tagen oder so!

Katja

(Was es mit den ollen Fotos auf sich hat, kann man hier nachlesen.)

Und dann war da noch…

…der Typ, der auf dem Weg vom Hotel in Burgos zur Autovia mit einem Gewehr in der Hand über’n Graben sprang und dann am Strassenrand stand und das Teil notdürftig hinterm Rücken verbarg während wir vorbeifuhren.

…der Surfertyp mit bezaubernden Hunden, ebenso bezaubernden blonden rückenlangen Rastas und eindeutig ein Gesichtszwilling von Robbie Williams, der auf dem, etwas oberhalb des Atlantiks gelegenen Parkplatz, in der Nähe von Biarritz, neben uns stand und ebenso fasziniert wie wir, allerdings mit eindeutigem Kennerblick, die gigantischen Wellen und die darauf rumreitenden Surfer beobachtete.

…der Typ, der an der Raststätte auf der französischen Autobahn in Richtung Paris, auf dem Grünstreifen zwischen zwei Parkplatzreihen, seinen Teppich zum Gebet ausgerollt hatte und dort ungeachtet seiner Umwelt sein Gebetsritual durchführte.

…die Wolke in Form einer Schildkröte, die über die spanische Autobahn zog und von der ich absolut sicher war, sie zuhause am Himmel vor Monaten schon einmal gesehen zu haben. Gute Reise!

…der Jean Reno Doppelgänger an der französischen Raststätte, die ausserdem den coolsten Händetrockner ever vorzuweisen hatte.

Katja

Wenn einer eine Reise tut (1)

…dann kann er was erzählen. Zugegebenermaßen ist das für mich extremes Neuland. Normalerweise zeige ich nicht mal ungefragt Urlaubsfotos her und selbst gefragt nur recht zögerlich. Andererseits war dieser Urlaub für mich wirklich sehr besonders – nachdem ich jahrelang ausschließlich in Dänemark gewesen bin und dort Strandspaziergänge den Hauptanteil meiner Urlaube der letzten 12, 13 Jahre ausgemacht haben, war diese Reise für mich schon wirklich ungewöhnlich und so wunderbar, dass ich irgendwo ein paar der Erinnerungen festhalten möchte, damit sie nicht innerhalb kürzester Zeit im Alltag versinken.

Und auch wenn es mir fast immer gelingt, nur für mich zu schreiben und zu verdrängen, dass sonst noch wer, meine verschwurbelten Gedanken lesen könnte, habe ich gerade dringender als sonst das Bedürfnis, mich bei den Menschen, die sich gezielt oder auch planlos hierher verirren zu entschuldigen, wenn ich sie jetzt mit meinen „mein schönstes Urlaubserlebnis“ Erzählungen langweile. Kommt einfach später nochmal wieder. Dann gibt’s auch wieder das gewohnte Gedankenchaos. 😉

Montag, 19.10. Los geht’s

Als um 3 Uhr der Wecker klingelte, hatte ich, reisefiebrig wie ich war, noch kein Auge zugetan. Unter die Dusche, in die Klamotten und meine Petra einen letzten Kaffee zubereiten lassen, bevor ich sie ordentlich sauber gemacht und mit Tesafilm verklebt abreisefertig gemacht habe. Sie war dann auch so ziemlich das letzte, was noch an Gepäck fehlte. Und ja: ich weiss, dass es ganz schön verschroben ist, die eigene Kaffeemaschine mit in Urlaub zu nehmen. 😀

In meine wärmste Jacke und den kuschligen Schal gehüllt, war ich nach dem Eiskratzen um halb 5 beim Losfahren froh über die Sitzheizung.
Irgendwas rund um 7 rum passieren wir die französische Grenze. Ausser dass es im Slalom um irgendwelche Hütchen durch eine Baustelle geht, bekommt man nichts mehr davon mit, dass da früher Kontrollen durchgeführt wurden. Mir schießen Erinnerungen an Zolldurchsuchungen mitten in der Nacht auf irgendwelchen französischen Autobahnen in den Sinn, wo die Zollbeamten sich in fitzeliger Kleinarbeit durch unser Kofferraumchaos nach 2 Wochen Campingurlaub, wo quasi nichts mehr in irgendwelchen Taschen verpackt sondern alles lose im Kofferraum und restlichen Auto rumlag, quälten während wir, müde und frierend, neben dem Wagen standen, im Visier eines nur französisch sprechenden Beamten, der den Lauf der Waffe strikt auf uns gerichtet ließ. Urks. Amüsant ist das nur im Nachhinein. Damals – vor gefühlten 100 Jahren – habe ich mich ganz schön unwohl gefühlt.

Die erste französische Raststätte bringt die Erkenntnis / Hoffnung, dass sich an der Hygiene seit meinem letzten Frankreichurlaub vor 13 oder 14 Jahren echt viel getan hat und dass ich französische Kaffeeautomaten mag, weil sie so viele verschiedene Kaffee- und Cappucchinosorten im Angebot haben, dass die Knöpfe nicht ausreichen und Untermenüs hermüssen. Nicht, dass ich was anderes als zuckerfreien Milchkaffee bräuchte, aber kaffeeaffine Menschen / Nationen  sind mir von Haus aus sympathisch. 😀

Wir fahren durch die Berge. Geographiedau wie ich bin, habe ich keine Ahnung welche es sind. Wikipedia verrät mir jetzt im Nachhinein, dass es sich ums Zentralmassiv handeln muss. Gegen halb 11 verzieht sich endlich der dichte Nebel und urplötzlich herrscht herrlichster Sonnenschein. Da wird mir dann endgültig klar, dass ich wieder mal in Frankreich bin. Wow! Der Weg führt uns durch’s Rhônetal und ich kann mich gar nicht an der vorbeiziehenden Landschaft satt sehen. Je weiter in den Süden wir kommen, desto mehr flammt meine alte Liebe zu Frankreich auf. Wie anders sehen die Orte, rechts und links der Autobahn doch im Vergleich zu deutschen Gegenden aus. Die Häuser kleiner, die Dächer flacher und ohne Überhang, die Kontraste zwischen Dächern und Gebäuden schwächer. Alles fühlt sich „weicher“ an und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, eine Fahrt nicht nur als lästige Anreise, sondern als wirkliche Reise zu empfinden. So viele Eindrücke gibt es zu sammeln.

Aussicht vom Hotelzimmer

Aussicht vom Hotelzimmer

Gegen 15 Uhr erreichen wir Gruissan, das erste Etappenziel, früh genug um dem winzigen Hotelzimmer mit prächtiger Aussicht direkt wieder zu entfliehen und die vom langen Sitzen müden Beine bei einem Spaziergang durch Gruissan zu bewegen. In die falsche Richtung losgelaufen haben wir uns allerdings in Gruissan Port verheddert.

Gruissan Port

Palme!

Knuddelig, aber sehr touristisch und eindeutig nach Retorte aussehende Häuschen, die sich in Farbgestaltung und Formen immens gleichen. Beim Knipsen der ersten Palme erscheint das Eiskratzen keine 12 Stunden früher sehr unwirklich.

Rückseite des Hotels

Rückseite des Hotels

Einige Stunden später dann machen wir uns nochmal auf die Socken, um das „echte“ Gruissan anzuschauen, die Festung zu erklimmen, die man vom Hotelzimmer aus sehen kann.

Wow! Obwohl alles zusammen Gruissan ist, sind der Hafen-(Touri)teil und der alte Ortskern komplett unterschiedliche Welten. Frankreich at its best! Enge verwinkelte Gässchen, die sich kreisförmig um den Berg mit der alten Festung winden und bei denen man kaum glauben kann, dass sie befahren werden dürfen – so eng wie sie aussehen.

verwinkelte Gassen

verwinkelte Gassen

Gruissan Village

Gruissan Village

Miez!

Miez!

Die Häuser bieten einen wilden Mix von total verfallen bis zu liebevoll restauriert und gepflegt, mittendrin die wimpelgeschmückte Kirche, an deren Seite die Treppen hoch zur Ruine vorbeiführen. Ganz nach oben kommen wir leider nicht mehr. Um 18 Uhr wird das eiserne Tor bei der Kirche geschlossen und versperrt den Weg zur Ruine.

Kirche Gruissan

Kirche Gruissan

Ruine

Ruine

Wirklich böse bin ich nach dem langen Tag nicht drum. Ein letzter Umweg am Etang de Gruissan vorbei, Fischernetze und Möwen gucken, und dann endlich schlafen.

Etang de Gruissan

Etang de Gruissan

Katja (die selber gerade sehr gespannt ist, ob die Schreibenergie für den Rest des Urlaubs auch noch ausreicht :D)