Dinge aus dem Bauch raus machen

Ich fotografiere wahnsinnig gerne und jedesmal, wenn ich an die Grenzen meiner kleinen Kamera oder meiner Fähigkeiten im Umgang damit stoße, ärgere ich mich und nehme mir vor, mir wenigstens endlich mal das Kamerahandbuch, das ich seit über 2 Jahren lesen will, anzuschauen. Eigentlich ist ja mein Plan, dass ich irgendwann mal von meiner kleinen Kompaktkamera weg und hin zu einer ‚vernünftigen‘ Kamera möchte – immerhin ist fotografieren eines meiner liebsten Hobbies. Aber weiter als bis zu diesem Vorsatz komme ich nicht.

Ich wurschtele gerne im Garten rum und immer, wenn mal wieder irgendwas nicht so wächst, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte, denke ich, ich müsste überhaupt erst mal anfangen und mich besser informieren und irgendwo lesen, wie man das alles eigentlich und überhaupt macht, aber dann lasse ich es doch bleiben und mache die Dinge einfach so, wie ich es mir denke.

Ich backe gerne Brot (und muss das jetzt mit dem neuen Backofen endlich endlich mal wieder machen) und seit ich mal begriffen (im Wortsinne durch Spüren) hatte, wie sich der Teig anfühlen muss, hat das auch immer gut funktioniert. Trotzdem bin ich ein bisschen neidisch auf den besten Freund, wenn er mir von seinem Backen vorschwärmt, das er, im Gegensatz zu mir, seit ein paar Jahren mit immer mehr Fachwissen anpackt, mit zig alten Getreidesorten hantierend und die Zusammensetzung der Teige bis auf’s Gramm genau auslotend bis er das Ergebnis optimiert hat und etwas neues ausprobiert.

In letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, dass es genau diese Dinge sind, die ich am liebsten mache und die mir gut tun, weil sie mich erden (darüber habe ich hier vor ein paar Jahren schonmal ausführlich gebloggt), bei denen ich – obwohl ich sie gerne total gut können würde – eine innere Sperre dagegeben habe, mich intensiver mit dem Fachwissen zu dem Gebiet auseinanderzusetzen. Ich glaube, dahinter steckt tatsächlich die Furcht, mir könnte diese erdende Eigenschaft verloren gehen.

Diese Tätigkeiten, die mir gut tun, haben alle gemeinsam, dass ich sie intuitiv anpacke und wahrscheinlich ist das der Trick dabei, weswegen sie so kopfleerende Wirkung haben. Im Kopf sind nur wenige (Fach-)Informationen dazu gespeichert und ich muss nicht permanent darüber nachdenken, was ich mache oder wie ich es mache.

Wenn ich fotografiere, dann brauche ich mir überhaupt keine Gedanken über Belichtung, Blende und wie die Dinge alle heissen mögen, zu machen, weil ich nichts darüber weiss. Ich gucke einfach nur auf meine Kamera und versuche das einzufangen, was ich sehe. Ich versuche, die richtige Perspektive dafür zu finden und den richtigen Bildausschnitt und dann bange ich, bis ich zu Hause am Rechner das Bild in groß sehen kann, ob es mir gelungen ist.

Wenn ich Hefeteig knete, dann ist es genau das Nichtwissen, was mich dazu bringt, hinzuspüren und das Hinspüren ist genau das, was mir gut tut.

Und wenn ich was im Garten mache, dann ist dieser natürliche Prozess: Samen in Erde, Licht und Wasser dazu und dann entsteht ein duftendes Blümchen das, was es für mich so großartig macht.

Manchmal hadere ich mit mir, ob das wirklich der sinnvolle Weg ist – mich gerade mit den Dingen, die mir so gut tun, so wenig intellektuell zu beschäftigen, aber ich habe einfach so wahnsinnige Angst davor, dass mir genau diese Wirkung abhanden kommt, wenn ich dem Kopf gestatte, sich der Themen anzunehmen. Ich habe Angst, dass diese emotionalen Tätigkeiten vom Verstand übernommen werden, der ohnehin fast nie Ruhe gibt. Das Schlimme ist, dass ich das ja auch nicht gut, einfach nur mal testen kann. Ich glaube, es ist eine Einbahnstraße aus der es kein zurück gibt. Wenn ich weiss und verstanden habe, was die Einstellungen der Kamera können und bewirken, wird da immer diese Stimme im Kopf sein, die mir das zuraunt, wie es bei vielen anderen Dingen ist.

Ich bin so hin- und hergerissen, weil ich gerade in diesen, mir wichtigen Dingen, auch nie richtig gut werden kann – dafür reicht mein intuitives Machen dann doch nie aus – und dass ich mich gerade dort immer mit Geht-so-Ergebnissen zufrieden gebe(-n muss) und da ist dann auch noch dieser Zweifel, der mich plagt, ob nicht viel eher das der Grund dafür ist, dass ich diese Dinge nicht wissenschaftlicher angehe, weil ich fürchte, es auch mit mehr Wissen einfach nicht besser hinzubekommen, dann aber keine Ausrede für mich selber zu haben, dass es ja am bewusst gewählten Halbwissen liegt. *soifz*

Und dann ist da noch Kochen, was sicherlich für mich zu den erdenden (und Lieblings-) Tätigkeiten gehört. Da habe ich bis vor einigen Jahren immer nur ‚frei Schnauze‘ rumgebastelt und nie nach Rezepten gekocht. Auch da war, auch wenn mir das damals noch nicht so bewusst war, der Grund, dass ich dachte, ich würde den kreativen Anteil am Kochen irgendwie verlieren.
Mittlerweile koche ich mal einfach drauf los, mal nach Rezept und mir macht beides Spaß und es funktioniert auch beides nebeneinander. Durch die Beschäftigung mit Rezepten und auch mit einigen Techniken ist es sogar eher so, dass je mehr ich weiss, desto besser kann ich das (auch kreativ) umsetzen und desto mehr Lust habe ich auch bekommen, immer wieder neues auszuprobieren.

Was also, wenn ich mir da selber viele Möglichkeiten nehme? Und warum überhaupt grüble ich jetzt wieder genau über diese Dinge nach, über die ich eigentlich nicht so viel nachdenken möchte? Und weswegen kamen diese Gedanken mir ausgerechnet bei der Gartenarbeit, wo ich am liebsten gar nicht nachdenken möchte?

Man weiss ja so wenig!

Katja

 

Was ich gut kann: durchhalten

„Ich hätte echt nie gedacht, dass ich eine Sache so lange am Stück jeden einzelnen Tag durchziehen könnte.“ sagte ich eben am Telefon und wurde darauf hingewiesen, dass es ja noch viel mehr als 1000 Tage sind, die ich jetzt nicht geraucht habe. Aber das ist nicht das selbe, dafür musste ich nur etwas nicht tun. Das ist, nach den anfänglichen Höllenmonaten, sehr einfach gewesen und nichts, was mich noch täglich beschäftigen würde. Aber dieses tägliche Fotografieren seit 1000 Tagen, das ist etwas, was ich wirklich jeden einzelnen dieser Tage aktiv getan habe. Und ich habe nicht nur jeden Tag geknipst, ich habe auch das jeweilige Foto jeden Tag direkt hochgeladen und gebloggt. Von zu Hause, von unterwegs in Deutschland, aus Holland und Belgien und Frankreich und Spanien und Österreich und Italien. Ein einziges Mal war es kurz nach Mitternacht, aber das war nach einem überaus gemütlichen Abend mit Freunden bei Essen und Wein in Karlsruhe und einer lausigen UMTS-Verbindung auf der Heimfahrt, die mir das Hochladen des Bildes von unterwegs verweigert hat.

1000 Tage, 1000 Fotos und das ist gerade eines der wenigen Dinge, wo ich mal ohne gleich ein ‚aber‘ hinterherzusetzen, um das direkt wieder zu relativieren, sagen kann, dass ich stolz auf mich bin. Ich wusste vorher nicht, dass ich so gut darin sein kann bin, eine Sache (komplett frei von äusseren Zwängen, die mich dazu bringen) durchzuziehen, konsequent und kontinuierlich. Das macht an manchen Tagen viel Spaß, an manchen kommt nicht mehr als ein Foto von der Rauhfasertapete im Schlafzimmer dabei heraus. Aber ich bin stolz darauf, dass jetzt an jedem einzelnen dieser 1000 Tage überhaupt ein Foto dabei herausgekommen ist.

Und besonders mag ich das Projekt, weil es mich zum Hingucken bringt, weil ich immer auf der Suche nach einem Motiv viel aufmerksamer durch die Welt gehe und weil es mich zB auch oft dazu bringt, einen Schlenker am Rhein vorbei zu machen. Oder überhaupt an manchen Tagen rauszugehen, an denen ich mich eigentlich lieber drinnen verkriechen würde.

A big shout-out an Corina und Tanya mit denen zusammen das überhaupt erst so richtig Spaß macht! 🙂

A picture a day – so lange es Spaß macht, knipse ich weiter!

Katja

Heute vor zwei Jahren…

machte ich etwas anders: statt nämlich lange weiter zu grübeln, fing ich einfach an und knipste drauflos.

Und weil’s nach 2 Jahren immer noch jede Menge Spaß macht und weil ich ausserdem irre stolz darauf bin, diese eine Sache, dieses eine Foto pro Tag auch an den allerdunkelsten Tagen in diesen zwei Jahren hinbekommen zu haben, mache ich einfach auch jetzt noch weiter damit. So lange das eben so bleibt und so lange ich weiterhin Spaß daran habe.

Vielleicht erwische ich ja auch in irgendeinem Jahr nochmal die eingeschaltete Weihnachtsbeleuchtung über jenem Tor, das ich vor 2 Jahren zum ersten Mal knipste und hinter dem sich, wie ich seit letztem Wochenende endlich weiss, weil ich drinnen war, das hiesige Feuerwehrmuseum befindet.

P1290288-001

16.12.2010

16.12.2011

16.12.2012

Katja

(a picture a day)

 

 

Irgendwann dienstags

…war es, dass ich ernsthaft anfing darüber nachzudenken, mir eine handliche Kamera zu kaufen, die ich immer mitschleppen könnte. Fast jedes Mal, wenn ich zur Spanischstunde oder von dort aus wieder nach Hause fuhr – je nachdem zu welcher Zeit im Jahr die Sonne unterging – wurmte es mich, dass ich diese gigantischen Farben am Himmel nicht festhalten konnte.

Die Lumix zu kaufen, war eine der besten Anschaffungen seit langem und jetzt hab ich sie schon eine ganze Weile, bin so froh darüber und hab sie in der Tat fast immer dabei. Und gestern war wieder Dienstag und der erste Spanischdienstag in diesem Jahr, bei dem es nicht schon stockfinster war als ich zum Kurs fuhr und pünktlich als ich dort angekommen war und noch einige Minuten auf den Beginn wartete, flammte ein herrliches knallerosa am Himmel auf. Das ziert jetzt erst mal den Header. Gelbe Blümchen gibt’s ja mittlerweile auch draussen einige zu sehen. 🙂

Hmm, gerade sehr fotolastig hier. Langsam glaube ich, ich kann eh nur irgendwie lastig und es hagelt mal Zitate, mal Fotos, mal Rezepte, mal Befindlichkeiten,… Aber passt auch irgendwie zu meinem Leben, nachdem ich wochenlang extrem viel gelesen habe, ist gerade täglich der Garten irgendwie in der Mangel, dafür bin ich beim Kochen gerade nicht dran, viel neues auszuprobieren. *grübels*

Katja

Geht euch das auch so, dass ihr euch immer auf eine Sache konzentriert und die intensiv betreibt oder ist das bei euch stets ausgewogen und kommt alles nebeneinander vor?