Wirre Träume

Im Traum war ich Eigentümerin irgendeiner nicht näher bestimmbaren Firma. Die Geschäftsräume lagen in einem kleinen Wald am Rande eines Sumpfes und die Besonderheit war, dass lauter Leichen für mich arbeiteten. Mein direkter Untergebener war eine Art Frankenstein mit einer ganz hohen Stirn und er war auch für die Mitarbeiterbeschaffung zuständig. Wie er da genau vorging, wollte ich gar nicht so genau wissen.

Was die Firma machte, kam im Traum nicht näher heraus, aber ich sah häufig je zwei Leichen, alle männlich, gemeinsam Pappkartons tragen, die in etwa das Format von Türen hatten, also eher groß, rechteckig und im Verhältnis sehr flach. Die luden sie auf kleine Lastwagen mit offener Pritsche und manchmal entluden sie sie auch und trugen sie in einen Holzschuppen, der ein Teil der Firmengebäude war.

Ich weiss, dass die Geschäfte – was auch immer meine Firma machte – ganz gut liefen und plötzlich verschwanden immer mehr unserer Mitarbeiter bzw. kamen einfach nicht mehr zur Arbeit. Ich weiss noch, dass ich dachte, dass das ja echt komisch war, weil Leichen doch gar nicht krank werden und sie ja deswegen so gute Mitarbeiter waren. Gehalt wollten sie übrigens auch keines, ich kann mich erinnern, dass ich einem eines anbot und er fast empört ablehnte.

Auf jeden Fall blieben irgendwann die Arbeiter aus und wir brauchten dringend neue, die der Frankenstein-Untergebene besorgen sollte. Wir hatten das vorher nicht abgesprochen, wie er sich darum kümmert, aber dann erzählte er mir, er hätte (Namen vergessen) angerufen und ihm die Firmenanschrift gegeben und der hätte versprochen, zügig neue Leichen zu schicken. Und in dem Moment kippte die ganze Stimmung im Traum total um. Ich hatte den Namen gehört (an den ich mich jetzt blöderweise nicht erinnern kann) und kannte denjenigen und hatte Todesangst vor ihm. Weil mein Frankenstein-Mitarbeiter ihm noch dazu die Adresse gegeben hatte, rechnete ich jeden Moment mit seinem Auftauchen und auch die Leichen waren auf einmal gar nicht mehr friedliche, fleissige Mitarbeiter sondern furchteinflößend.

Ich hatte furchtbare Todesangst vor diesem Namen und dann wurde ich wach und auch im Wachen hallte diese Panik noch lange in mir nach, obwohl ich wusste, dass sie aus dem Traum kam. Irgendwie fühlte sich in dem Moment die Wohnung nicht mehr sicher an und ich hatte Angst, jemand könnte hier eingedrungen sein, obwohl ich genau wusste, dass diese Stimmung nur aus dem Traum nachklingt. Das war gegen 3 Uhr heute Nacht.

Irgendwann bin ich dann doch wieder eingeschlafen und hatte im nächsten wirren Traum schon wieder ein Geschäft. Dieses Mal aber ganz anders. Das war ein heller, freundlicher Laden irgendwo mitten in einer Großstadt. Eher schmal als tief und mit einer großen Schaufensterfront. Obwohl ich selber überhaupt keine Ahnung davon hatte (wie vorher ja auch schon) war ich die Inhaberin und machte einen Friseursalon auf, in dem es aber auch Kaffee und Gebäck gab. Das Gebäck stellte ich selber im Raum hinter dem Laden her, der eher einer Backstube in einer Bäckerei als einem Lager im Friseursalon glich. Gegenüber der Schaufensterfront gab es eine lange Reihe von Spiegeln vor denen die Frisierstühle standen und ich hatte ebensoviele Friseure unter Vertrag wie Stühle da waren. Die waren also durchgängig besetzt und mit dem Rücken zum Schaufenster stand da noch eine lange Reihe von schwarzen Ledersofas mit niedrigen Couchtischen, die auch immer komplett von Wartenden besetzt waren. Ich konnte mir das im Traum selber nicht erklären, aber irgendwie war das Ladenkonzept ungeheuer erfolgreich. Die ganzen einander fremden Wartenden freundeten sich in der Wartezeit bei Kaffee und Keksen an und waren alle glücklich, wenn sie den Laden verließen und versprachen, ihn weiterzuempfehlen. Und auch die Friseure waren immer alle gut gelaunt und glücklich.

Das Skurrilste war, dass irgendwann Flix, mein Lieblingscomiczeichner, den Laden betrat. Ich bekam das erst gar nicht mit, weil ich gerade hinten am Backen war und von den anderen Menschen, schien ihn seltsamerweise niemand zu erkennen. Er saß eine Weile auf einem der Sofas (woher ich das weiss, obwohl ich am Backen war, weiss ich überhaupt nicht. Ich glaube, das was im Laden passierte, lief eher wie ein Film ohne meine Beteiligung ab, wenn ich nicht gerade dort war. Ich habe zumindest viele Szenen mitbekommen, an denen ich gar nicht beteiligt war), dann stand er auf, steckte kurz den Kopf durch die Tür der Backstube und sagte, dass er dann mal Kaffee kochen würde. Dann drehte er sich zu den anderen Wartenden um und sagte denen das gleiche und fragte, wer noch einen wolle.

Dann bin ich wieder aufgewacht.

Einzig die Friseurassoziation kann ich mir gerade gut erklären und auf was mein Unterbewusstsein da im Schlaf angesprungen ist.

Katja

52 Bücher, Teil 19, 20, 21

Ähem. Ich hinke ein wenig hinterher. Das, was mir gerade dauernd am dringendsten fehlt, ist Zeit und so kommt es, dass im Feedreader schon seit letzten Sonntag das 23. Thema (bisher noch ungelesen) rumliegt und ich hatte gerade mal die Nummer 18 abgehandelt.

Wäre ja gelacht, wenn sich das jetzt nicht innerhalb von einer halben Stunde aufholen ließe. Ähem. Ja. Ich fange dann mal an und gucke, wie weit die Motivation reicht, Zeit habe ich ausnahmsweise heute Abend. Naja zumindest keinen Nerv, irgendwas Wuseligeres zu tun als Bücher aus dem Regal zu ziehen.

Das 19. Thema hat Natira vorgeschlagen und es lautet:

„Wenn der Vater mit dem Sohne…“

Nachdem mir da erst mal lange gar nichts einfiel, brachte mir dann Guinans Beitrag endlich eine Idee ein. Sie schreibt nämlich über ein Buch, wo ein Vater gemeinsam mit dem Sohn im Kanu unterwegs ist, also quasi reist und dabei fiel mir dann eines meiner früheren Lieblingsbücher wieder ein, das ich vor Jahren einige Male gelesen habe und bei dem ich mal wieder überprüfen sollte, ob ich es immer noch mag – sowas wandelt sich ja immer mal.

„Das Kartengeheimnis“ von Jostein Gaarder handelt direkt von mehreren Reisen. Eine davon unternehmen der 12-jährige Hans-Thomas und sein Vater von Norwegen aus mit dem Auto nach Griechenland, um dort Hans-Thomas Mutter zu suchen, die die beiden vor Jahren verlassen hatte, um ihr Glück zu suchen. Unterwegs bekommt Hans-Thomas zuerst von einem seltsamen Zwerg an einer Tankstelle in den Alpen eine kleine Lupe geschenkt, hinterher stößt er in einem geschenkten Rosinenbrötchen auf ein winziges Buch – das Brötchenbuch (das eine Geschichte in der Geschichte öffnet, nämlich jene vom Bäcker Frode, der mit einem Kartenspiel im Gepäck auf einer Insel strandet), in dem er fortan während der Reise heimlich liest, wenn sein Vater ihn nicht gerade an seinen philosophischen Überlegungen teilhaben lässt.

Wem „Sofies Welt“ von Gaarder zu sperrig und theoretisch war, der könnte Gaarder mit dem Kartengeheimnis nochmal eine Chance geben. Hier wird viel mehr praktisch rumphilosophiert statt die Theorie zu erläutern und ich mag die Art, wie (ähnlich wie in Sofies Welt) die verschiedenen Ebenen der Geschichte immer dichter miteinander verwoben werden. Wer gar nichts von Gaarder kennt – meiner Meinung nach ist das viel weniger bekannte Kartengeheimnis viel unterhaltsamer und auch leichter lesbar.

*

Das 20. Thema ist sogar ein dreiteiliges (mimimi). Der erste Teil stammt vom Wurzelimperator und lautet:

Das Buch, das du als letztes verschenkt hast.

Als zweites möchte der Krötengeneral wissen:

Das Buch, das du zuletzt geschenkt bekommen hast.

Und weil aller guten Dinge drei sind, auch noch eine Frage von mir:

Das Buch, das ich am häufigsten verschenkt habe.

Das letzte Buch, das ich verschenkt habe, war – wenn ich mich gerade nicht sehr täusche – zum Geburtstag einer büchervernarrten Freundin und es war das wunderbare „Erledigungen vor der Feier“ von Tilman Rammstedt, über das ich hier schon ausgiebig geschwärmt hatte. Das war auch eines meiner Top 5 Bücher aus dem letzten Jahr.

Das letzte Buch, das ich geschenkt bekommen habe war der Ferdinand von Ralph Ruthe und Flix, den mir die Lieblingscorina zu einem streng geheimen Anlass geschenkt hat. Wie überaus praktisch für mein Vorankommen, dass ich auch darüber schon geschrieben hatte. 😀 Nämlich hier.

Das Buch, das ich am häufigsten verschenkt habe ist „Das heimatlose Ich“ von Holger Reiners. Und das ist jetzt wirklich Zufall, dass ich auch darüber schon ausgiebig geschwärmt/-bloggt hatte. 🙂

*

OK, das 21. Thema ist dann wirklich schwierig. Sarah möchte wissen:

Ein bestimmtes Genre.

Eigentlich sollte das ja durch die offene Fragestellung sehr einfach sein, aber ich finde es immens schwierig, mich auf ein Genre festzulegen. Dafür lese ich zu sehr querbeet und meist versuche ich sogar, nicht zwei Bücher des gleichen Genres nacheinander zu lesen, sondern da immer durchzuwechseln, wenn es sich denn nicht gerade um Trilogien oder so handelt.

Zu meinen bevorzugten Genres gehören sicherlich Krimis bzw. Thriller, gerne spannend (wobei das kein Muss ist – wenn ich die Charaktere mag wie zB bei Donna Leon die Brunettis, ist die Spannung der Geschichte an sich nicht so wichtig), aber nicht so blutig oder gewalttätig. Ich mag einige Jugend- und auch Kinderbücher sehr gerne, zumindest lese ich relativ häufig aus diesem Genre.

Die Kategorie, die mir am liebsten ist, kann ich aber nicht mal beim Namen nennen. Oben schon erwähnter Tilman Rammstedt gehört zB dazu. Das sind Bücher, die etwas in mir ansprechen, die gar nicht mal zwingend eine Handlung haben, aber die mich mit ihrer Sprache und ihren Gedanken berühren. Elisabeth Ranks „Und im Zweifel für dich selbst“ gehört auch mit dazu und auch Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“, um nur ein paar aufzuzählen. Ich weiss nicht so genau, ob und welchen Genres diese Bücher angehören (der Glattauer ist wohl ein eMail-Roman), wichtig ist hier für mich nicht das Label, sondern das, was die Bücher mit mir machen.

Was ich nicht so gerne mag sind Horror und Fantasy und auch keine seichten Liebesschnulzen – schöne Liebesgeschichten aber schon.

So, mir reicht’s jetzt erst mal. 3 geschafft, 2 fehlen noch – naja, bis ich wieder mal dazu komme, vermutlich eher wieder 3, weil es Sonntag ja schon ein neues Thema gibt, aber ich hab mich wieder mal quasi so gut wie in die Nähe des aktuellen Standes gebracht. 3 sind ja dann nur noch ein Klacks! 😀

Alle Projektbeiträge sammelt Katrin in ihrer mittlerweile schon über 500 Einträge starken Projektmuddi-Sammelliste.

Katja

 

Gelesen im April 2013

An der wenigen Zeit, die mir im April zum Lesen blieb, merke ich, dass es endlich endlich Frühling geworden ist. Und für den Garten lasse ich ja dann doch die Bücher ganz gerne im Regal stehen – die warten ja zum Glück geduldig bis ich wieder mehr Zeit für sie aufbringen kann/möchte. 🙂

 

Robert Wilson – Die Toten von Santa Clara

„Hier draußen könnte man glauben, man sei gar nicht in Spanien“, sagte Falcón.
„Sie meinen, wir purzeln nicht übereinander wie ein Korb voller Welpen.“

(Goldmann Verlag, Seite 49)

Ich habe ja schon im März ausgiebig über den vierten und den ersten Band von Wilsons Sevilla Tetralogie geschwärmt und der gute Eindruck hat sich auch im 2. Band bestätigt. Ich mag den Stil und ich mag die wenigen Bilder, die er verwendet, weil ich sie so herrlich treffend finde. Wer Sevilla mal besucht hat und einen Eindruck von der bunten, geschäftigen, lauten, fröhlichen Lebendigkeit mitbekommen hat, muss vermutlich auch bei dem Gedanken an die übereinanderpurzelnden Welpen grinsen.

Nur noch ein Band übrig! *schanüff*

 

Flix & Ralph Ruthe – Ferdinand; Der Reporterhund

Wer schon eine Weile hier mitliest (zB hier oder hier oder hier) weiss, wie sehr ich Flix Comics verehre. Und auch Ralph Ruthes Seite findet sich, schon seit ich blogge, unter meinen Lieblinks. Man stelle sich also meine großen Augen und mein ungläubiges Quieken vor als ich vor einigen Tagen Ferdinand überraschenderweise aus meiner Post fischen durfte. Und nicht, dass das schon großartig genug gewesen wäre – unter anderem, weil es eines der wenigen Werke ist, die ich noch nicht kenne, weil man die Ferdinand Strips (zumindest soweit ich weiss) nicht online lesen kann – beim Aufklappen fing das mit dem Hyperventilieren erst richtig an. Aber seht selbst:

IMG_9509

Danke, an die beste aller besten Lieblingscorinas, die mich ja letztens schon mit einem Foto der beiden beim Signieren zum Grinsen brachte! 🙂

Ferdinand ist ein Gemeinschaftswerk von Flix und Ruthe, das sich in erster Linie an Kinder richtet, wobei Ralph Ruthe sich wohl die Geschichten ausdenkt und Flix die Zeichnungen dazu anfertigt. Das ist ein erstaunlich guter Mix! Ferdinand ist ein etwas tollpatschiger Reporterhund, der von seinem meist recht cholerischen Chef oft kurz vor Terminschluss noch mal eben schnell auf ein Thema angesetzt wird und dann kann es schon mal vorkommen, dass er zur Eröffnung des Brotmuseums mit einer Ente erscheint, weswegen die Eröffnung dann doch wieder verschoben werden muss, weil die Ente die Exponate auffuttert. Ganz nebenbei wird immer mal ein bisschen Wissen vermittelt, wobei das nicht immer ganz ernst zu nehmen ist. Obwohl, so genau kann man das ja gar nicht wissen und vielleicht haben die großen Dinosaurier tatsächlich rosa Plüschhäschenschlappen getragen, weil es in ihrer Größe nicht so viel Schuhauswahl gab!

Schönes Kinderbuch und auch für Erwachsene (und erst recht für Fans von Flix und Ruthe) unterhaltsam!

Und zwischenzeitig wurde ich beim Lesen an meine Kindheit erinnert. Meine Großeltern kauften damals jede Woche die Zeitschrift ‚TV Hören und Sehen‘, auf deren letzten Seite immer gezeichnete Witze (so nannte man Cartoons damals noch :D) des Zeichners Sepp Arnemann abgebildet waren. Soweit ich mich erinnere waren das immer 6 oder sogar 8 schwarz/weiss Zeichnungen und in einer der Zeichnungen war immer eine kleine Maus versteckt.

In etlichen der Episoden von Ferdinand ist auch ein kleines Mäuschen zu sehen, aber ich glaube, nicht in jeder. Es sei denn, ich wäre wieder mal arg blindfischig beim Lesen gewesen. Nachdem ich das Mäuschen aber in ein paar der Kapitel entdeckt hatte, merkte ich, wie ich bei den folgenden Geschichten danach Ausschau hielt und das erinnerte mich an die alten Arnemann Cartoons, denn da hab ich auch immer zuerst die Maus gesucht bevor ich die Texte gelesen habe. :mrgreen:

 

Mariana Leky – Liebesperlen

Nachdem mir die Herrenausstatterin von Mariana Leky ausgesprochen gut gefallen hatte, war ich von den Liebesperlen nicht so wahnsinnig begeistert. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich alle mehr oder weniger um die Liebe drehen. Ich mag Lekys Sprache unheimlich gerne, das war schon bei der Herrenausstatterin so, aber ich konnte nur den wenigsten Geschichten viel abgewinnen. Die meisten ließen mich mit einem dumpf drückenden Gefühl zurück – was durchaus mal ok ist, aber schade, wenn es bei fast allen so ist.

Trotzdem fand ich die Liebesperlen insgesamt lesenswert, vor allem wegen solcher Sätze wie diesem:

Ich will dem Patienten klarmachen, daß ich Liebe verstehe und erzähle ihm von Patrick, dem ich Nachhilfe in Geschichte gebe, damit er nicht sitzenbleibt, sondern in meiner Nähe.

(Mariana Leky, Liebesperlen, Hilfestellung Seite 93, Dumont)

 

Robert Wilson – Die Maske des Bösen

In der Reihenfolge innerhalb der Tetralogie ist das der dritte Band, für mich war es aber der letzte, da ich ja mit dem vierten angefangen hatte. Dooferweise war das genau der Band, bei dem es sich doof ausgewirkt hat, den vierten zuerst gelesen zu haben, denn das, was in ‚Die Maske des Bösen‘ passiert wird nicht gänzlich dort aufgeklärt sondern zum Teil erst im vierten Band und somit kannte ich einige Auflösungen bevor ich die Fälle in ihrem ursprünglichen Zusammenhang kennengelernt habe. Vielleicht lag es daran, dass mir dieser Band insgesamt am wenigsten gefallen hat, vielleicht aber auch ein wenig daran, dass es hier nicht (nur) um verwickelte Mordfälle sondern auch um ein Bombenattentat ging. Die Dimensionen sind deutlich größer und auch die eingebundenen Ermittlungsbehörden. Speziell anfangs fand ich es schwer, bei den ganzen Kürzeln der unterschiedlichen Dienste und verwickelten Firmen nicht komplett durcheinanderzukommen. Und im Gegensatz zu den anderen Bänden, sind zwar hier die Zusammenhänge auch häufig sehr knifflig und verworren, wirken aber bemühter konstruiert. Folglich muss Falcon häufiger mal das Kaninchen aus dem Hut ziehen und ich konnte seine Gedankengänge und wie er sich der Lösung annäherte weniger gut nachvollziehen als bei den anderen Teilen.

Nichtsdestotrotz eine wirklich lesenswerte Serie für Krimi- und/oder Sevillafans und garantiert nicht der letzte Wilson, der auf meinem Nachttisch gelandet ist.

 

Cecilia Ahern – P.S. Ich liebe Dich

Vor Jahren sah ich den Film, von dem ich jetzt weiss, dass es eine sehr sehr freie Verfilmung des Romans ist, aber ich habe keine Ahnung mehr, wie das Buch mal auf meiner Wunschliste gelandet ist.

Gerry, Hollys Mann, ist sehr jung an einem Hirntumor gestorben und hat ihr 10 Briefe hinterlassen, von denen sie je einen pro Monat öffnen darf und an dessen Anweisungen sie sich akribisch hält. So bringt Gerry sie zB dazu, sich zur Karaoke zu überwinden und sich endlich einen Job zu suchen, der ihr Freude macht und schubst sie Monat für Monat mit seinen Botschaften wieder zurück ins Leben.

Was sich theoretisch (und wenn man den begeisterten Pressestimmen des Klappentextes glauben darf) nach einer gefühlsmäßigen Achterbahn und vielen vollgeheulten Taschentüchern und Gänsehaut anhört, blieb für mich beim Lesen völlig farblos. Die Charaktere bleiben flach und berühren mich nicht. Die Trauer, die Holly angeblich so sehr verschlingt, liest sich für mich als hätte da jemand über Trauer und ganz große Gefühle geschrieben, der sie selber nur aus Büchern oder Filmen kennt – nicht aber aus eigener Erfahrung.

Ich bin ja eigentlich schon empfänglich für solche herzzerreissenden und romantischen Ideen und die Idee der Briefe aus dem Jenseits, hat mir beim Film wirklich gefallen. Beim Buch bin ich gerade froh, dass der letzte Umschlag geöffnet ist und ich mit der Lektüre am Ende bin.

Ich muss demnächst den Film wieder mal sehen, um mich zu vergewissern, dass der wirklich so viel besser war als das Buch, bei dem ich nicht verstehen kann, weswegen es so hochgejubelt und gut bewertet ist. Wenn man natürlich bedenkt, dass Cecilia Ahern bei der Veröffentlichung erst 23 war, dann ist das vielleicht doch stimmig und schlüssig, vielleicht darf man nur einfach beim Lesen auch nicht älter sein.

Katja

 

52 Bücher, Teil 7 und 8

Das ist ja jetzt schon ein bisschen peinlich. 6 Wochen lang war ich ziemlich pünktlich mit dabei und habe meine Beiträge für’s 52-Bücher-Projekt geschrieben und dann ausgerechnet im 7. Teil, als Katrin ein Thema ausgewählt hat, das ich vorgeschlagen hatte, fange ich an so zu schwächeln. 😳

Im März ging bei mir echt überaus wenig, das war kein guter Monat und so richtig ist das auch noch nicht vorbei, aber ich will jetzt endlich mal anfangen, ein bisschen aufzuholen. Die Themen waren nämlich schon durchaus so, dass ich sie gerne beantworten möchte.

Daher jetzt in ein bisschen gehetzt und knapp direkt 2 Themen auf einmal:

Woche 7:

Du betrittst zum ersten Mal die Wohnung deines neuen Schwarms. Welches Buch sollte auf dem Couchtisch (oder natürlich wahlweise auf dem Nachttisch) rumliegen, damit du dir sicher bist “Hier bin ich richtig!”?
(Bonusfrage: Welches Buch dürfte dort auf keinen Fall rumliegen?)

Das Thema fiel mir irgendwann nächtens ein, als ich nicht schlafen konnte und als ich mich morgens beim Aufstehen immer noch daran erinnerte, reichte ich es bei Katrin ein. Zugegebenermaßen sah das in der Theorie viel einfacher aus: ich war nämlich irre gespannt darauf, was da an Ergebnissen bei den Projektteilnehmern rauskäme, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, mal darüber nachzudenken, welche Bücher das bei mir wären. Dass das in der Praxis nämlich gar nicht so einfach ist, fiel mir auf, als das Thema tatsächlich bei Katrin auftauchte. 😀

Weil es natürlich feige wäre ausgerechnet beim eigenen Thema zu kneifen, lasse ich mir also trotzdem etwas einfallen. :mrgreen:

Früher, in Zeiten als ich noch mehr oder weniger regelmäßig zum ersten Mal in Wohnungen oder Zimmer von von mir Umschwärmten kam, hatte ich ehrlich gesagt gar kein Auge für Bücher. Mir fiel zwar auf, ob es welche gab und ich war misstrauisch, wenn es keine gab. Aber der eigentliche Anziehungspunkt war für mich immer die Schallplattensammlung. Die musste ich stets erst mal durchblättern, nach Gemeinsamkeiten suchen und auch nach Musik, die ich gar nicht kannte.

Weil das aber natürlich bei einem Buchprojekt nicht gilt, hier also eine Auswahl von Büchern, von denen eines zu finden, ich schon recht cool fände:

Dieter Moor und Sabine Schneider – ganz & einfach

Ja, ein Kochbuch, mein Lieblingskochbuch. Lustigerweise waren Kochbücher in der letzten Runde der 52 Bücher das 7. Thema und ich habe das Buch damals dort vorgestellt. Zum Thema passt es für mich, weil ich wahnsinnig gerne koche, weil ich kochende Männer mag und denke, wenn einer jenes Buch rumliegen hat, dann hat er vielleicht eine ähnliche Leidenschaft für’s Kochen. Aber nicht so chichi-mäßig, sondern ganz & einfach.

Flix – Don Quijote

oder auch ein anderes von Flix Büchern, weil ich es grandios finde, wie wahnsinnig viel dieser großartige Zeichner mit so wenigen Worten im Zusammenspiel mit seinen Zeichnungen sagen kann und dass die ganz textlosen Bilder und auch manchmal einfach nur weisse Seiten ganz ohne Text oder Zeichnung, häufig die tiefsten Aussagen enthalten – wirkungsvoll ohne effekthascherisch zu sein. Große Liebe hier. ♥

Ein (oder auch gerne mehrere) Reiseführer

weil Reisen für mich etwas ganz anderes ist, als irgendwo Urlaub zu machen und weil dazu natürlich gehört, dass man sich schon vorher oder auch hinterher mit der Gegend irgendwie vertraut macht. Weil Reiseführer ein gutes Indiz für Fernweh sind, das mich auch dauernd plagt, fände ich es gut, wenn in der Wohnung welche rumlägen.

Irgendwo in der Wohnung, am besten in einer unteren Ecke eines Bücherregals, auf keinen Fall irgendwo effekthascherisch auf einem Tisch oder Nachttisch liegend, würde ich ausserdem gerne den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry finden, am liebsten ein bisschen zerfledderd, weil er mehr als einmal gelesen wurde. Finden würde ich ihn gerne, weil er für mich besonderen (Stellen-)Wert hat, rumliegen sollte er aber auf keinen Fall, weil mir das zu kalkuliert wirken würde, zu manipulativ.

Das mit den no-go Büchern ist auch nicht so einfach, weil man da ja schon differenzieren muss, aus welchen Gründen sie gelesen werden. Da kommen bei mir auch die gleichen vor, wie bei einigen anderen auch schon, zB die Bohlen Biografie oder Thilo Sarrazin. Ein Parteibuch von der FDP würde mich wohl auch rückwärts zur Tür raustreiben.

Woche 8:

Klolektüre

Kurzes und knappes Thema von Lioman.

Kurze und knappe Antwort von mir: Hier gibt’s gar keine Klolektüre. In ganz ganz seltenen Fällen, wandert das aktuelle Buch mal mit ins Bad – aber nur, wenn’s gerade so furchtbar spannend ist, dass ich es auf keinen Fall aus der Hand legen kann. In die Badewanne kommt auch nur das jeweils aktuelle mit, kein spezielles Buch für’s Badezimmer.

Bonusantwort: mein Handy darf nicht mit in die Wanne oder auch nur an den Rand, weil ich viel zu viel Angst hätte, dass ich es in einem Schusseligkeitsanfall in der Wanne versenken würde.

Alle Projektbeiträge sammelt Katrin in ihrer tollen Liste! Zwei geschafft, fehlen noch 9 und 10, dann bin ich wieder auf dem Laufenden. Vielleicht auch 9, 10 und 11, wenn ich das nicht vor dem Wochenende erledige. Aber ist ja zum Glück alles ganz flauschig und puschelig hier! 🙂

Katja

Oops! I did it again.

Und ich würde es auch jederzeit wieder machen!

Was?

Na zu einer Lesung von Flix gehen!

Nachdem ich vor über zwei Jahren zum ersten Mal auf einer Comiclesung war und damals im Vorfeld und auch an dem Abend selber, noch sehr mit meiner Angst zu kämpfen hatte, war ich am Freitag zwar nervös, aber noch viel mehr vorfreudig zappelig. Wenn Flix liest, ist das nämlich sehr grandios! Soviel hatte ich trotz aller Nervosität, der vielen Menschen wegen, beim ersten Mal schon mitbekommen. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, war ich überrascht, wieviel grandioser das noch werden konnte.

Wer noch nie auf einer Comiclesung war, in aller Kürze muss man sich das so vorstellen:

In einem Raum – am Freitag war das in sehr imposanter Umgebung, die Lesung fand nämlich im Rahmen des Literarischen Herbstes in der Darmstädter Stadtkirche statt


gibt es eine Leinwand, auf die via Beamer die Bilder projiziert werden (natürlich ist es bei der eigentlichen Lesung ansonsten dunkel im Raum)

und seitlich davon einen Tisch, an dem Flix mit Laptop und Mikrophon sitzt und die Texte aus den Sprechblasen des Comics vorliest.

Und falls sich jetzt jemand fragt „Ein erwachsener Mann, der anderen Erwachsenen mit verstellter Stimme die Sprechblasen seiner Comics vorliest – ist das nicht furchtbar albern?“

Nein! Ist es nicht. Ganz und gar nicht. Weil man diesen nüchternen Rahmen, in dem Moment, wenn Flix anfängt vorzulesen, völlig vergessen kann. Und das geht, weil Flix in seiner Geschichte aufgeht und sie so vermittelt, wie er auch zeichnet. Mal aufgeregt kreischend, mal zaghaft und leise, mal wortlos nur mit seinen ausdrucksstarken Bildern und manchmal sogar ganz ohne Bild.

Dann zeigt er nur einen weissen Rahmen auf der Leinwand und man merkt den Kloß im Hals manchmal erst, wenn man versucht ihn runterzuschlucken. Und für mich zeigt sich genau darin, was für ein großartiger Künstler Flix ist und dass das viel mehr ist als Bilder mit Sprechblasen zu zeichnen. Flix detailverliebte Zeichnungen sind wahnsinnig berührend – schon beim Selberlesen. Wenn man ihm aber zuhören kann, wie er die seine Geschichten vorträgt, kommt noch sein gutes Gespür für die Wirkung der Geschichte und sein Timing dazu, an genau den richtigen Stellen, Worte und Bilder auszulassen und die Stille für sich selber sprechen zu lassen.

Und Flix Erzählung seines Don Quijote ist hervorragend dazu geeignet zu zeigen, was in der Geschichte und ihrem Erzähler steckt, weil die Bandbreite der Gefühle, die man beim Lesen oder Lauschen durchläuft so weit ist. Ich mag Geschichten, die mich gleichermaßen zum Lachen und Weinen bringen, die schreiend komisch und auch tieftragisch sind, ohne dass sich diese Gegensätze wie ein Widerspruch oder etwas Künstliches anfühlen.

Wenn man dann noch die Gelegenheit hat, hin und wieder, wenn Flix sich etwas weiter zum hell leuchtenden Laptop-Display vorbeugt, seine Mimik und Gestik beim Vortrag zu beobachten, spätestens dann weiss man, dass das hier mehr als simples Sprechblasen vorlesen ist.

Und als ob das alles noch nicht toll genug gewesen wäre, gab’s nach deutlich mehr als einer Stunde Don Quijote eine Pause währendder Flix Bücher signierte.

Mein inneres Fangirl stürmte hyperventilierend und kreischend in Richtung Büchertisch während das äussere Ich, der Örtlichkeit angemessen, ruhig und gelassen hinterher schlenderte, um sich in die Signierschlange einzureihen und während Flix einen Alonso Quijano in meinen Schatsssssssss  Buch zeichnete, ein paar, vermutlich ziemlich gestammelte, Worte mit ihm zu wechseln.

Dann, nach der Pause, las Flix nochmal, etwa eine halbe Stunde, einige seiner anderen Geschichten vor und ich war freudig über seine ‚Fromme Helene‘ überrascht – die kannte ich nämlich noch gar nicht.

Toll war’s! Sehr! Dankeschön Flix!

Solltet ihr Flix Comics kennen und irgendwann die Gelegenheit haben, eine seiner Lesungen zu besuchen: unbedingt hingehen! Das lohnt sich sehr! 🙂

Solltet ihr Flix Comics nicht kennen: unbedingt lesen! Das lohnt sich sehr! 😀
Ganz vieles davon (u.a. aktuell noch den vollständigen Don Quijote wie er in der FAZ erschienen ist) gibt es auf seiner Webseite zu lesen und dafür muss man sich nicht mal direkt die Bücher kaufen.

Aber zumindest mir ging es so, dass ich früher oder später, unbedingt die Bücher besitzen wollte und fast alle davon haben hier auch schon einen Platz im Bücherregal bezogen.

Katja

Ohne Neid – verFLIXt

Würde ich diesen Beitrag jetzt nicht schreiben, sondern anderswo lesen, wäre ich wieder einmal wirklich neidisch und dächte soifzend „Ich will da auch mal hin!“. Und dann würde ich mich selber damit trösten, dass ich mich irgendwann bestimmt sowas auch trauen würde und dass er bestimmt irgendwann auch mal in erreichbarer Nähe lesen würde. Oder signieren.

Da ich es aber bin, die den Beitrag schreibt, fängt er ganz anders an, nämlich so:

Wooohooohooo! Ich war heute bei einer Flix-Lesung!!1elf

Seit geschätzten 2 Monaten prangte auf Flix-Seite der Termin für eine Lesung in seinem Heimatort – und der ist nur etwa 30 km von hier entfernt. Seitdem habe ich mindestens einmal wöchentlich geschluckt und seufzend überlegt, dass ich da unglaublich gerne hingehen würde. Und dann hab ich die Idee wieder weggeschoben, weil ich es ungeheuer schwierig fand, zu kalkulieren wieviele Menschen dort wohl sein würden und so eine Ungewissheit macht mich immer noch ziemlich nervös. Also schiebe ich solche Dinge beseite.

Aber immer wieder kam dann auch der Gedanke hoch: Ach verdammt! Jedesmal, wenn du was von Lesungen mitbekommst, bist du hinterher neidisch. Aber normalerweise sind die in Hamburg, Berlin und Co. – also ohnehin unerreichbar. Dieses Mal nicht. Keine 30 km. Seit gestern ernsthaft überlegt – heute Morgen den Entschluss gefasst. Jeeehaaa! Und äh: sagte ich schon „Yay!“?

Es war großartig. Flix hat eine Stunde lang gelesen – querbeet, so wie es angekündigt war. Es war lustig, bewegend, ergreifend, Gänsehaut machend. Eben das ganze Spektrum, das mich auch erwischt, wenn ich seine Bücher lese oder sein Comictagebuch.

Gerade hielt ich meinen neu erworbenen Faust in Händen (der fehlte mir noch) und damit habe ich eine ganz kostbare Erinnerung an den Tag (und irgendwie auch an meinen Mut) – der enthält nämlich eine Signatur!(nochmal einself und so)
Als wir ankamen stand Flix gerade neben dem Bücherverkaufstischchen und signierte im Stehen und bevor ich lange drüber nachdenken konnte, habe ich einfach beschlossen „Jau! Das jetzt auch noch!“

*hachz* Ick freu mir! Mir geht’s gut!

Katja

Aufwachen!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber:

Ich glaube, ich bin doch erwachsen geworden. So irgendwie.
(Klick – da ich keine Ahnung habe, ob ich das hätte direkt einbinden dürfen, es aber lieber nicht einfach machen mag.)

Edit (12.1.10): Ich vergaß zu erwähnen: Lest Flix! Falls ihr’s nicht eh schon tut. Los! Hopp! Der ist so grandios, dass man ihn auf keinen Fall versäumen sollte.