Das Mädchen und die Frau.

Das kleine Mädchen auf Rollschuhen, lachend, strahlend, ungestüm rumrasend, stolpernd, weinend, aufstehend, lachend, strahlend, ungestüm rumrasend. Immer wieder ein ganzes Stück nach vorne auf der Promenade und zurück zu ihrem Vater. Der, ebenfalls lachend, strahlend, sie immer wieder und wieder anfeuernd, ihr Mut zusprechend.

Die Frau, die die Szene beobachtet, zuerst denkend „Ufff, das geht doch hier niemals gut, die tut sich gleich ernsthaft weh, wie leichtsinnig das alles ist“, dann auf einmal erkennend, woher diese Gedanken kommen. An ihre eigene Kindheit zurückdenkend „Komm da runter, du fällst. Mach das nicht, du tust dir weh. Nicht so schnell. Nicht so hoch. Nicht so weit. Nicht so, nicht, nicht, nicht. Du tust dir weh. Du kannst das nicht. Du fällst hin.“. Die Frau, die die Szene beobachtet, auf einmal wissend „So geht das. So er_mutigt_ man sein Kind, so bestärkt man es, gibt ihm Selbstvertrauen.“.

Die Frau auf der Promenade, Tränen in den Augen, zum ersten Mal nicht voller Selbsthass wegen ihrer Feigheit vor allem, vorm Leben, sondern voller Mitgefühl mit dem kleinen Mädchen, das sie vor so vielen Jahren war und das eine ganz andere Lektion zu lernen hatte als jenes auf den Rollschuhen, sich fragend, was für ein Leben sie hätte führen können, wenn jemand da gewesen wäre, der sie lachend und strahlend angefeuert, ihr Mut gemacht hätte.

Die Frau mit den Fingern auf der Tastatur, „besser spät als nie“ denkend, sich endlich mehr trauend, sich endlich Dinge zu_trauend_.

Katja

Und es hat „Klack“ gemacht…

Heute Morgen irgendwann, konnte ich das innere „Klack“ fast hören, als ein paar meiner neueren Erkenntnisse und Errungenschaften und Fortschritte, was mich und mein Denken und Fühlen angeht, die bisher eher getrennt voneinander und nebeneinander standen, auf einmal irgendwie im Kopf einrasteten und sich zu einem neuen Bild zusammenfügten.

Das ist gerade sehr großartig für mich, weil es mich hoffen lässt, dass es mir in Zukunft helfen und das Leben ein Stück weit erleichtern wird, es ist aber zugleich großartig², weil es mir gerade retrospektiv endlich eine Erklärung liefert, wieso ich in einer ganz bestimmten Sache auf eine ganz bestimmte Weise ticke, was ich mich tatsächlich schon seit Jahren frage, ohne dass ich bisher eine Erklärung dafür fand.

Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich das hier weiter aufdröseln möchte, aber vermutlich kommt das doch noch; alleine schon, damit mir das neue Wissen nicht wieder entgleitet. Aber dafür müssen sich die Sätze erst finden und formen.

Katja

Und wichtig ist der Weg dahin

Und wenn die Frage jemals fällt
Was ist es, was am Ende zählt?
Dann wird die Antwort immer sein
Dass man nicht solche Fragen stellt

Doch wenn ich ehrlich zu mir bin
Dann macht nur die Erkenntnis Sinn
Das Ende ist nur’n Meilenstein
Und wichtig ist der Weg dahin

(von Brücken, Die Parade)

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Den Song (also eigentlich die ganze Platte) habe ich heute, nachdem ich aus der Therapie raus bin und spazieren war, gehört und musste unterwegs gnadenlos losheulen und ich weiss nicht mal genau, was es war, was das – zusammen mit der Sitzung heute – in mir angestoßen hat, was mich so tieftraurig gemacht hat. Dann später hat es schon gereicht, dass ich das Lied immer noch im Kopf/Ohr hatte, ich musste es nicht mal anhören und direkt wieder losweinen.

Es war anstrengend, heute nach 3 Wochen die erste Therapiesitzung zu haben. Es war inhaltlich anstrengend. Es war anstrengend, was da wieder mal an Erkenntnissen über mich selber in mir hoch- und bei mir ankam. Wenn ich nur daran denke, wird der Atem flach und ich ziehe die Schultern voller Angst hoch… So viel Weg. So viel.

Katja

 

(Leider gibt’s (noch) keine Version des Songs, die ich hier einbinden könnte. Bei Deezer kann man’s aber anhören.)

out of the blur

Und dann nach dem Duschen stehst du vorm beschlagenen Spiegel im Bad und siehst nur einen schemenhaften Umriss, den du durch den Dunst nur deswegen als dich selber erkennst, weil du weisst, dass du es bist, die da steht und niemand anderes. Nur ein Wissen, kein Erkennen. Nicht mal, wenn du näher rangehst, die Nase fast ins Kondenswasser auf der kalten Scheibe drückst…

Doch dann. Der Griff zum Föhn. Und bevor du ihn auf die Haare richtest, zielst du auf den Umriss im Spiegel, zielst auf den Dunst, den Nebel, der den Schemen umgibt und ganz langsam löst sich die Unschärfe auf, du siehst deinen Hals, dein Kinn, deinen Mund, deine Nase, zuletzt deine Augen. Der Nebel lichtet sich und bei dem Gedanken musst du lachen, weil dir den Satz gestern erst einer gesagt hat und auf einmal ist da wieder diese ganz andere Assoziation von sich lichtendem Dunst und Nebel. Und du musst noch mehr lachen als dir auffällt, dass in beiden Fällen sogar das gleiche wieder darunter zum Vorschein kommt: Du selber.

Katja

Wie auf’s Stichwort…

Dieses Gefühl, wenn es manchmal nur eines Stichwortes oder ein paar weniger Sätze bedarf und ganz unerwartet fängt es an, in dir zu purzeln. Da fallen Puzzleteile plötzlich wie von selbst an die richtige Stelle vor deinen Füßen und dann siehst du auf einmal die Linien und Muster und Zusammenhänge, die dir vorher verschlossen waren und die teilweise nicht mal nur vom Verstehen her verschlossen waren sondern von deren schierer Existenz du bis zu jenem Stichwort und den folgenden Gedanken nichts gewusst hast.

Haaapuh! Ach so ist das? Aber das bedeutet ja…

Und du verstehst an einer neuen Stelle, bei einem neuen Gebiet, bei einer deiner ‚Macken‘, deiner Eigenarten was es damit auf sich haben könnte, lernst etwas über dich, an einer Stelle, an der dir gar nicht bewusst war, dass es dort gerade etwas zu lernen gibt, weil du dir die (dazu passende) Frage nie gestellt hattest.

Ach so ist das!

Dann fällt dir auf einmal die frisch gefundene Erkenntnis wieder aus den Händen, rollt über den Boden, auf die offene Kellertür zu, kullert hopsend die Treppe runter, springt ein letztes Mal und landet im Regal zwischen all dem Kram, der dort schon rumliegt, zielsicher, genau in einer Lücke, die dir vorher nicht mal aufgefallen war. Du merkst: ach da kommt das her und da passt das rein? Und du hoffst, dass auch diese Erkennen-Verstehen-Bemerken-Umlernen-Kette sich irgendwann schließen wird. Den Anfang davon hast du gerade zumindest in den Händen und den nimmt dir erst mal keiner mehr…

(Und du denkst dir: Krasser Shice! Was kommt denn da noch alles?)

[A big shout-out to the one with the keyword! Again.]

Katja

to puzzle

Manchmal bleiben die Informationen nicht mehr voneinander getrennt, sondern verzahnen urplötzlich und geben allem einen ganz neuen Sinn, ein anderes Verständnis, so als würde ein fehlendes und schon lange gesuchtes Puzzleteil an der, für es vorgesehenen Stelle einrasten. Und ich sehe es buchstäblich vor mir, wie es in Großaufnahme in Slowmotion von oben runterfällt, an seinen Platz, und der Klick beim Einrasten ist vorm inneren Ohr hörbar.

Ich fühle mich ein bisschen hilflos mit dieser neuen Erkenntnis, weiss wieder mal nicht so genau, wo genau der Weg langgeht, der vom Erkennen hin zum Umdenken führt. Und ich weiss auch gar nicht, wie ich das erproben und herausfinden soll, weil so vieles sich verändert hat.
Und auch wenn ich ja furchtbarer Verständnisjunkie bin und am liebsten immer alles verstehen möchte, wenn es um Menschen geht und erst recht um mich selber, bin ich gerade gar nicht froh über diese neue Erkenntnis, weil soviel schmerzhafte Erinnerungen daran hängen.

Ich merke, dass ich gerade wieder mal in einer Phase stecke, wo ich viele solcher Momente habe, wo ich Dinge auf einmal von einem anderen Blickpunkt aus betrachten kann, verstehe, weswegen ich auf eine bestimmte Art und Weise ticke, aber es fällt mir gerade wahnsinnig schwer, die Gedanken dazu konkreter in Worte zu fassen. Aber das kommt vielleicht auch wieder einmal aus der Angst heraus, missverstanden zu werden.

Nachdenklich.

Katja

 

Erkenntnis des Tages

Ich habe heute etwas Neues gelernt, das, wenn ich es vorher auch nur geahnt hätte, mir in den letzten 5 Wochen eine ungeheuere Menge an Frust, Ärger und Nerven erspart hätte. Und weil ich vermute, dass das jetzt nicht so zwingend zur Allgemeinbildung gehört, teile ich meine Erkenntnis hier mal. Vielleicht erspart es ja dem einen oder der anderen ein, zwei Nerven, falls sich jemand mal in ähnlicher Situation befindet.

Ich übernehme natürlich keine Garantie dafür, dass ich das alles so korrekt ausdrücke, wie es sein müsste, aber im Grunde genügt wohl auch, wenn man überhaupt eine Ahnung hat, dass da doch was war.

Ich bin gerade in einer Situation, die von mir erfordert, einen Notar für die Beurkundung einer Vollmacht zu konsultieren. Da ich darüber hinaus für die Situation noch einigen Klärungs-, Beratungs-, Vertretungsbedarf hatte, habe ich mich an einen Rechtsanwalt und Notar gewendet. Wie ich mittlerweile weiss, ist das nicht in allen Bundesländern so, dass es diese Mischberufe überhaupt gibt, in einigen Ländern sind die beiden Funktionen wohl voneinander getrennt und man kann nur eines davon sein.

Weil es in Hessen aber jede Menge Menschen gibt, die ‚Rechtsanwalt und Notar‘ auf dem Türschild stehen haben, war das für mich bisher immer eins und je nachdem, um was es gerade geht, ist der Rechtsmensch eben für mich als Anwalt oder Notar oder beides tätig.

Davon war ich auch in der aktuellen Situation ausgegangen und war mittlerweile ganz furchtbar genervt von meinem, weil ich mich extrem schlecht vertreten gefühlt habe. Ich war der Meinung, dass er eindeutig ‚auf meiner Seite‘ stehen/kämpfen würde bzw. kämpfen müsste, weil ich ihn ja beauftragt habe und er Geld dafür bekommt. Und das hat er denkbar schlecht getan. Statt mir aus meinem Schlamassel rauszuhelfen, hatte ich das Gefühl, dass er erst recht noch zusätzliche Verwirrung gestiftet hatte.

Heute dann beim Beurkundungstermin die Erkenntnis und das auch nur per Zufall: Ein Notar darf in einer Sache, wo er als Notar tätig ist, nicht auch gleichzeitig die Rechtsberatung bzw. anwaltliche Vertretung übernehmen. Ein Anwalt ist parteiisch für seinen Mandanten. Ein Notar muss wohl neutral sein. Auch wenn ich ihn beauftragt hatte, ist er nicht _mein_ Notar, sondern eben nur _ein_ Notar, der diese Vollmacht, die ja mich und denjenigen, dem ich sie erteile betrifft, beurkundet. Also wohl quasi für beide Seiten.

Dolle Wurst, echt. Ich hatte mich natürlich mit dem Anliegen der Beurkundung an ihn gewandt, woraufhin er vermutlich stillschweigend sein Notarkäppchen aufgesetzt hatte und für ihn ganz klar war, dass er mich dann nicht als Anwalt vertritt. Für mich war das aber überhaupt nicht klar, weil er ja nunmal beides ist und ich nichts wusste, dass er dann in dieser Sache gar nicht _mein_ Anwalt ist/sein darf. Dooferweise hatte er mir das auch zu keinem Zeitpunkt in diesen 5 Wochen kund getan und wir haben jetzt die ganze Zeit mehr oder weniger aneinander vorbeigeredet, was die Erwartung und den Auftrag an ihn betraf und ich war mittlerweile auch der Ansicht, ich hätte ausgerechnet den schlechtesten Anwalt der Gegend erwischt, weil er ja mal so gar nicht meine Interessen vertreten hat.

Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob das vielleicht ausser mir (und den Menschen in meinem Umfeld, die den Ärger mitbekommen haben) allen bekannt ist und erst recht nicht, ob es üblich ist, dass die Rechtsmenschen einem das nicht mal im Vorfeld erklären oder ob das ausgesprochenes Pech war, aber falls ich mit dem Beitrag hier nur einem von euch, der vielleicht mal in eine Lage gerät rechtliche Hilfe zu brauchen, den gleichen Frust und Ärger ersparen kann, den ich jetzt in den letzten Wochen hatte, dann hat sich das Teilen meiner Erkenntnis schon gelohnt.

Katja