Gelesen im Mai 2015

Huch! Eigentlich fühlte es sich so an als wäre ich im Mai kaum zum Lesen gekommen, aber dadurch, dass ich wieder oft morgens vorm Aufstehen gelesen habe, sind es am Ende tatsächlich so viele Bücher geworden.

John Green – Eine wie Alaska

Miles ist Aussenseiter an seiner Schule und hat keine Freunde. Das ändert sich schlagartig als er auf das Internat Culver Creek wechselt und dort den ‚Colonel‘, Takumi und Alaska kennenlernt und wo er sich Hals über Kopf in Alaska verliebt, die ebenso schön wie launisch ist.

Das ist zugegebenermaßen ungeheuer knapp, aber ich finde es immens schwierig, viel über den Inhalt des Buches zu schreiben ohne zu spoilern, daher lieber etwas über meinen Eindruck beim Lesen.

Nach ‚Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)‘ war das innerhalb kurzer Zeit der zweite Roman von John Green, den ich verschlungen habe. Alaska merkt man deutlicher die eigentliche Zielgruppe an, das ist schon recht deutlich ein Jugendbuch. Trotzdem hat es mir enorm gut gefallen. Ich mag Greens Stil, der sich sehr gut und flüssig lesen lässt und ich mag seine Figuren, die ich bisher durch die Bank weg sympathisch fand. Manchmal stört mich so etwas bei Büchern, wenn irgendwie alle zu den ‚Guten‘ gehören, aber gerade bei diesen Jugendbüchern mag ich es irgendwie, weil das Lesen ein bisschen eine Flucht in eine ‚bessere‘ Welt ist. Gerade in dem Alter, das die Protagonisten haben (so 16, 17) hätte ich mir damals ein bisschen mehr heile Welt gewünscht, von daher passt es für mich gut als Abtauchmöglichkeit. Das mag aber auf andere möglicherweise nervig wirken und ein bisschen zu glatt.

Dafür bietet die Geschichte hier jede Menge Drama, da landet man als Leser*in erst mal genauso unsanft, wie die Charaktere inmitten der Handlung es tun.

Was ich an Green ausserdem gerne mag, ist die Schrulligkeit, die seine Hauptpersonen aufweisen. Colin, der Protagonist der ersten Liebe hatte die Angewohnheit, im Kopf aus allen Worten / Sätzen Anagramme zu bilden. Miles kennt eine große Sammlung letzter Worte berühmter Personen auswendig, der Colonel die Hauptstädte aller Länder (und ab später im Buch auch die Einwohnerzahlen). Sowas mag ich, solche Besonderheiten und dass Green seinen Figuren so nahe ist, dass er ihnen solche Eigenarten andichtet.

Und jetzt wiederhole ich mich bewusst, denn das schrieb ich auch schon nach Lesen des ersten Buchs von ihm: Tolles Buch. Mehr von John Green bitte!

 

Viktor Staudt – Die Geschichte meines Selbstmords

Es ist kompliziert.

Auf der einen Seite hat die Lieblingscorina mir eine vom Autor signierte Ausgabe des Buchs geschenkt, weil sie ihn kennengelernt hatte und sehr beeindruckt von ihm war und signierte Ausgaben sind ja von Haus aus eher so „yeah! \o/“.
Auf der anderen Seite finde ich das Buch leider alles andere als „yeah“, bin aber geneigt anzunehmen, dass es möglicherweise eine andere Wirkung hat, wenn man den Menschen hinter dem Buch kennenlernt.

1999 warf Viktor Staudt sich in seinem damaligen Wohnort Amsterdam vor einen Zug, um sein Leben zu beenden. Er überlebte, allerdings verlor er seine Beine und sitzt seitdem im Rollstuhl. In dem Buch erzählt er, chronologisch ein bisschen durcheinander, mit stetigen Rückblenden von seinem Leben. Was ihn in diese Situation auf dem Amsterdamer Bahnhof gedrängt hat, von den anschließenden Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten und „wie ich das Leben wiederfand“, was auch Untertitel des Buches ist.

In Kürze zusammengefasst waren es Depressionen und Panikattacken, die ihn soweit brachten und die richtigen Medikamente zur Behandlung seiner Borderline-Störung, die am Ende die Lösung brachten.

Und – das ist für mich das eigentlich Schlimme an dem Buch – das war’s auch quasi schon. Da leidet einer 15 Jahre lang an Angstattacken und statt sich mal damit auseinanderzusetzen, was da überhaupt passiert, sucht er immer neue ‚Kicks‘, weil es solche Situationen sind (zB er in einer Bar strippend oder bei einem Fotoshooting,…) die ihn die Angst vergessen lassen. Schließlich schnürt ihn die Angst so vom Leben ab, dass er im Internet aktiv wird, aber auch hier nicht auf der Suche nach Hilfe oder um erst mal zu verstehen, was da mit ihm los ist und passiert, sondern in einer Newsgroup, die das suicide schon im Namen trägt und wo, wenn ich ihn richtig verstanden habe, eher über mögliche Methoden als über Hilfemöglichkeiten diskutiert wird.

Und dann, und das hat mich vermutlich am meisten an dem Buch angekotzt (bitte entschuldigt die derbe Formulierung) – schreibt er immer wieder, wie sehr ihn Menschen bewundert hätten. Für seinen Mut, sich vor den Zug zu werfen. Für seine Stärke und den Mut nach der Amputation weiterzumachen.

Wer mich eine Weile kennt oder hier liest, weiss, dass es auch in meinem Leben eine lange Phase gab, die so dunkel war, dass ich dachte, es gäbe keinen anderen Ausweg und ja, auch ich habe mir damals den „Mut“ gewünscht, meinem Leben ein Ende zu setzen und fühlte mich feige, weil ich das nicht schaffte.

Möglicherweise ist diese Haltung in jenen dunklen Phasen auch verbreitet und üblich. Aber, großes ABER spätestens irgendwann, wenn ich nach eigener Aussage ins Leben zurückgefunden habe, finde ich es merkwürdig, das so unreflektiert aufzuschreiben (noch dazu in einem Buch), denn letztendlich ist dieser letzte Ausweg, der Weg der Verzweifelten und, sich dem Leben zu stellen und sich bewusst dafür zu entscheiden und all den Mist, der einen dadurch erwartet, anzunehmen ist mMn der eigentlich mutige Weg.

Mich hat gestört, dass der betroffene Zugführer zwar insofern thematisiert wird, dass Viktor Staudt fast schon in beleidigtem Ton darüber berichtet, dass dieser nichts mit ihm zu tun haben wollte, obwohl er ihm ja sogar einen Entschuldigungsbrief geschrieben hätte, aber mir fehlt die Selbstkritik, dass er da möglicherweise einen anderen Menschen stark traumatisiert hat. Mir fehlt die Einsicht, dass von allen Möglichkeiten, sein Leben freiwillig zu beenden, die beschissenste Idee ist, andere, unbeteiligte Menschen da mitreinzuziehen.

Dieses egozentrische Weltbild bestimmt für mich das ganze Buch. Natürlich kann er mit Bestimmtheit nur aus eigener Sicht und eigenem Empfinden schreiben, aber wo bleiben Verständnis und Empathie für sein Umfeld und wenigstens der Versuch, mal den eigenen Blickwinkel zu verlassen? Mir fehlt in weiten Teilen eine Art Reflexion, eine Auseinandersetzung mit dem, was er in den Jahren so gemacht hat. Das steht einfach alles so da, so war das eben.

Die Diagnose der Borderlinestörung bekommt er Jahre vorher und zerreisst den Behandlungsbericht? Und dann am Ende ist die Lösung und der Ausweg so einfach, dass es nur um die passende Medikation ging, die in den ganzen Jahren einfach gefehlt hat? Und natürlich hat das die ehemalige Hausärztin verbockt, die die falschen Medikamente verordnet hat als er zuerst wegen der Angstattacken bei ihr war. Im Epilog fragt er sich, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn er da keine Beruhigungsmittel sondern schon die richtigen Medikamente von der Hausärztin bekommen hätte. Er fragt sich aber nicht, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn er selber etwas anders gemacht hätte und zB zu einem weiteren Arzt gegangen wäre, der dann möglicherweise schon passende Medikamente verordnet hätte. Ihm blieb kein anderer Ausweg als der mit dem Zug…
Als jemand, der die Schuld quasi immer bei sich selber sucht, sich selber wegen alles möglichen zerfleischt und sich selber für verantwortlich hält, kann ich eine solche Sichtweise auf die Welt echt nur ganz schwer aushalten.

Mir ist es verflucht wichtig, dass wir möglichst offen über psychische Erkrankungen reden und mit ihnen umgehen können. Ich wünsche mir sehr, Depressionen seien kein Tabuthema mehr, weil ich daran glaube, dass es dann auch einfacher würde, sich Hilfe zu holen.

Vielleicht ist dafür auch Aufmerksamkeit in jeglicher Form gut und auch dieses Buch hat seinen Platz. Mich macht es allerdings wütend, denn es rührt ja auch in mir als seit Jahren an Depressionen und Angst Erkrankte (und ich schreibe bewusst nicht darunter Leidende) etwas an, weil das Thema an sich mir so vertraut und nahe ist. Vielleicht bringt es mich so auf, weil man ja unter ‚Leidensgenossen‘ immer hofft, sich selber irgendwie wiederzufinden, die eigenen Gedanken und Probleme und auch Lösungswege. Vielleicht regt es mich so auf, weil Viktor Staudts Weg so völlig anders ist als meiner, weil ich nur schwer verstehen kann, wie das ist, wenn der Wechsel zwischen Suizidalität und alles irgendwie cool & froody nicht ein hartes Stück Arbeit mit sich selber und die Auseinandersetzung mit sich selber, sondern vor allem die Einnahme der richtigen Tablette ist. Das erscheint mir, ein so falsches Bild nach ‚aussen‘ vermittelt, als wäre es tatsächlich so einfach („Du musst doch einfach nur….“ in diesem Fall dann die richtige Tablette einwerfen. „Guck, bei dem klappt’s doch auch.“). Aber – und das ist ja eigentlich klar, so verschieden wie Menschen nun mal sind – auch wir Depressiven ticken auf völlig unterschiedliche Art und Weise und es gibt kein objektives Richtig oder Falsch, sondern jede muss irgendwie ihren eigenen Weg finden und das ist eben Viktors Staudts Weg. Und vielleicht ist es für manche so einfach und es geht nur um die richtigen Pillen. Entschuldigung also für die Wut, die mir gar nicht zusteht. Ausser vielleicht in der Sache mit dem Reinziehen von Unbeteiligten.

Es ist kompliziert.

 

Doris Wolf, Rolf Merkle – Gefühle verstehen, Probleme bewältigen

Wir fühlen das, was wir denken. So lässt sich wohl in aller Kürze die Kernthese des Buchs zusammenfassen. In loser Zusammenstellung von einzelnen Aufsätzen betrachten Wolf und Merkle einzelne Gefühls-Themenbereiche und geben Tipps, wie man selber die Verantwortung für’s eigene Fühlen übernehmen und sich durch positivere Denkweisen besser fühlen kann.

Nach einem ersten Lesen bin ich noch recht unschlüssig. Dass viele Gefühle von meiner eigenen Wahrnehmung, meinem Blick auf Situationen abhängen, ist nichts neues für mich, aber es ist trotzdem interessant zu lesen, wie das im Buch aufgedröselt wird. Trotzdem, da wo es an die Arbeit und das Umdenken / Umlernen geht, erscheint es mir auf den ersten Blick deutlicher an der Oberfläche zu bleiben als jener Selbsthilferatgeber zum Thema Selbstachtung, was natürlich bei der Themenvielfalt kein Wunder ist.

Muss ich mich noch ein bisschen mit beschäftigen und sicher noch ein-, zweimal lesen und auch tatsächlich damit arbeiten, bis ich etwas darüber sagen kann, ob es für mich persönlich hilfreich war. In jedem Fall ist es aber ein weiterer Schritt beim Verständnis der Zusammenhänge des Denkens und Fühlens.

Insofern: lesenswert. Wenn man sich allerdings zum Arbeiten mit nur einem Buch entscheiden möchte oder müsste, wäre meine Empfehlung eher ‚So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen‘ von Rolf Merkle.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl, Die Akte

Das war jetzt leider der wirklich allerletzte Band der grandiosen Artemis Fowl-Reihe von Eoin Colfer, wobei „Die Akte“ eigentlich gar kein echter Band mehr ist, sondern eine Sammlung, die zwei (Kurz-)Geschichten enthält (in einer davon erfährt man, wie Holly Short der erste weibliche ZUP-Officer wurde), Aufzeichnungen Artemis, wo er die verschiedenen Wesen des Erdvolks charakterisiert, sowie geheime Interviews mit den Hauptcharakteren der Reihe. Also alles in allem eine Materialsammlung, an der kein echter Fan vorbeikommt. Der einzige Haken: es ist viel zu kurz und zu schnell gelesen.

 

A. Lee Martinez – Der Mond ist nicht genug

Als Diana ihre neue Wohnung bezieht, ahnt sie nicht, dass im Schrank das buchstäbliche Monster wohnt, das sie fressen will, sobald sie den Schrank öffnet und auch nicht, dass ihre Realität nie wieder so sein wird, wie sie einmal war.  Doch sie bekommt das wirklich gut hin, arrangiert sich mit der neuen Wirklichkeit und auch mit dem gefräßigen Vorm, ‚adoptiert‘ dann ratz fatz noch ein, zwei, drei weitere Monster, die ja auch nur hilflose Wesen sind, die sich in dem Paralleluniversum, in dem sie unbeabsichtigt gelandet sind, zurechtfinden müssen und hilft nebenbei noch dem skurrilen Hausverwalter das Universum am Laufen zu halten.

Ich ahne, wenn das so weitergeht, kann ich irgendwann nicht mehr glaubhaft versichern, dass ich Fantasy nicht mag. A. Lee Martinez Buch hat mir viel Spaß gemacht. Das ist keine tiefschürfende Geschichte (und die muss es ja wahrlich nicht immer sein), aber eine ordentliche Gaudi, die sich gut runterlesen lässt. Schön. Ich bin gespannt auf weitere seiner Bücher.

 

Juli Zeh – Corpus Delicti. Ein Prozess.

In einer Zukunft, in der es kaum noch Krankheiten und Schmerzen gibt, überwacht der Staat seine Bürger vollständig, damit diese nach der ‚Methode‘ leben, einer Ideologie, bei der es keine individuellen Interessen mehr gibt, sondern das gesunde Leben des einzelnen bis ins kleinste Detail protokolliert wird.

In dieser Welt muss sich die junge, schöne und bis dato erfolgreiche Mia Holl vor Gericht verantworten, zunächst nur weil sie ihr Sportpensum nicht erfüllt hatte, doch das steigert sich immer weiter bis ihr terroristische Handlungen und Staats- bzw. Methodenverrat zur Last gelegt werden.

Nuuu ja.

Der Gedanke an diese vollständige Überwachung ist – wie bei all diesen Überwachungsstaatdystopien – erschütternd und doch ist das Buch mir nicht zu recht nahe gegangen. Zu wenig greifbar blieb die Protagonistin für mich. Zunächst ist sie zu rational, dann der plötzliche Wandel und sie handelt nur noch noch ihren Emotionen, um sich am Ende selbst zur Gallionsfigur einer Bewegung hochzustilisieren, mit deren Handeln sie eigentlich nichts zu tun hat oder haben will. Interessantere Figur ist ihr Gegenspieler. Der tut alles, um die Methode zu schützen und schreckt auch nicht davor zurück, Zeugen unter Druck zu setzen und Beweise zu fingieren. Trotzdem kam mir das alles beim Lesen nicht nahe, blieb mir fern und abstrakt, was bei einer Dystopie keine gute Voraussetzung ist.

 

Ernest Cline – Ready Player One

Noch eine Dystopie, angesiedelt von hier aus ca. 50 Jahre in der Zukunft. Die Energiekrise ist weit fortgeschritten, die Städte zerfallen, die Umwelt ist kaputt, die Menschen flüchten vor der realen Welt in eine riesige Online-Welt – die Oasis – die quasi alle Funktionen des Internets übernommen bzw. integriert hat. Der Zugang ist kostenlos und man bewegt seinen Avatar durch die virtuellen Welten.

Als der Multimilliardär James Halliday, Kind der 1970er mit einer großen Leidenschaft für die Computerspiele, TV-Serien, Kultfilme und Musik der 80er Jahre und Schöpfer dieser gewaltigen Simulation,  in der es sogar ein offizielles Schulsystem und einen eigenen Planeten voller öffentlicher Schulen gibt, stirbt, startet er ein großes Spiel. Der Spieler, dem es zuerst gelingt, anhand von Rätselaufgaben, die sich auf Hallidays Leidenschaften beziehen, 3 Schlüssel zu finden, durch die 3 Portale zu gehen, die dort gestellten Aufgaben zu meistern und so das von Halliday in der Oasis versteckte Easter-Egg zu finden, soll die Oasis und Hallidays gesamtes Milliardenvermögen erben.

Wade Watts, im echten Leben jugendlicher Waise, der im Trailerpark bei seiner Tante lebt, benennt seinen Avatar nach dem gleichnamigen Gralssucher um in Parzival und macht sich mit mehreren Tausend weiteren Jägern auf die Jagd nach den Schlüsseln. Als er – als allererster – den ersten findet, ist sein Avatar plötzlich in der ganzen Oasis berühmt und darüber hinaus auch in zunehmender Gefahr, denn die Sechser, die gleichförmige Avatararmee der Firma IOI wollen natürlich auch die ersten sein, die das Ei finden, um die bis dahin kostenlose Oasis in ein, für die Firma, lukratives Geschäftsmodell umzuwandeln. Dafür schrecken sie auch nicht davor zurück in der realen Welt auf die Menschen hinter den Avataren zu machen. Es geht also nicht mehr nur darum, selber zu gewinnen, sondern auch zu verhindern, dass einer der Sechser gewinnt und es geht um’s Überleben.

Das für mich wirklich unglaubwürdigste an der Geschichte ist, dass es Wade so dermaßen drauf hat. Er ist nicht nur in sämtlichen Computerspielen überlegen gut, er hat auch sämtliche Lieblingsfilme und Serien Hallidays teils über 100 Mal angeschaut, um die gestellten Rätsel zu knacken _und_ dabei hat er sich dann auch noch den ganzen Kram gemerkt. Also nicht nur, was da passiert, sondern auch in welcher Folge das der Fall war. Das ist einfach komplett unrealistisch, dass man so viele Details im Gedächtnis nicht nur gespeichert sondern auch abrufbar hat.

Wenn man das aber ausblendet ist das eine tolle Geschichte. Ich mag die popkulturellen Referenzen, auch wenn ich bei den amerikanischen Serien der Zeit und bei vielen der vorkommenden Spiele weniger Bezug habe als zu Musik und Filmen. Aber ich finde die ganze Idee dieser virtuellen Welt und auch der Jagd sehr faszinierend. Cline mag die 80er, das merkt man beim Lesen und hat ihnen hier ein tolles Denkmal gesetzt, das ich in den letzten Tagen oft am liebsten gar nicht aus der Hand gelegt hätte. Interessante Ideen, schön erzählt und flüssig lesbar – ich musste häufig an die Zeiten denken, als ich viele Adventures gespielt habe und wie es sich anfühlte, wenn man tagelang an der gleichen Stelle festhing und dann plötzlich eine Eingebung hatte, wie es weitergeht. Gutes Buch.

Katja

Gelesen im März 2015

Ohne lange Vorrede, weil ja tatsächlich schon der 5. des Monats ist, hier die März-Bücher. 5, naja eigentlich nur 4, denn an Frau Freitags Buch habe ich schon seit Oktober immer mal wieder (vor-)gelesen. Irgendwie habe ich es im letzten Monat nicht hinbekommen, weiterhin so konsequent früh ins Bett zu gehen, um genügend Zeit zum Lesen zu finden. Mal sehen, ob das im April wieder besser klappt.

Ute Hagehülsmann – Transaktionsanalyse – wie geht denn das?

Nachdem ich im letzten Monat Harris ‚Ich bin o.k. Du bist o.k.‘ gelesen und einen Einblick in die Transaktionsanalyse gewonnen hatte, habe ich mir direkt das zweite Buch über das Thema besorgt. Bei Harris nervte mich vor allem, wie veraltet die Ideologien im Buch waren und das viele Geschwafel, das wenig greifbar war und das Buch für mich unnötig aufblähte. Ganz anders dieses Buch von Ute Hagehülsmann. Es trägt noch den Untertitel ‚Transaktionsanalyse in Aktion‘ und das trifft es sehr gut. Sie erklärt nicht nur die Grundprinzipien der Transaktionsanalyse, sondern zeigt anhand von Beispielen ihrer Patienten, wie sie in der Therapie praktisch damit arbeitet. Angenehmerweise beschränkt sie sich dabei auf zwei Fallbeispiele, die sich durch das ganze Buch ziehen und es werden nicht dauernd neue Patienten mit ihrer Geschichte eingeführt, sondern man kann die Arbeit und die Fortschritte als Leser nachvollziehen. Ich fand das Buch äusserst hilfreich. Es verzahnt mit den Dingen, die ich in letzter Zeit gelesen habe und fügt für mich eine weitere oder zumindest erweiterte Verstehensebene hinzu, wo meine Denkmuster, mit denen ich mir so oft selber schade, herkommen.

Anders als viele andere Literatur zu solchen Themen, gibt es mir aber auch eine konkrete Idee und Vorstellung davon, wie ich an meinen Themen arbeiten kann.

Auch für Menschen ohne psychische Probleme ist die Lektüre sicher empfehlenswert, denn die Transaktionsanalyse hilft primär, einen Einblick zu gewinnen in Kommunikations-/Interaktionsmuster zwischen Menschen (nicht nur die Dialoge im eigenen Kopf) und weswegen man auf bestimmte Reize anspringt und reagiert. Das ist alles ein sehr simples, leicht verständliches Modell und überaus interessant.

 

Horst Bosetzky (-ky) – Unterm Kirschbaum

Für mich ein Fehlgriff. Vielleicht, weil ich die Novelle Theodor Fontanes – Unterm Birnbaum – (noch) nicht kenne, die Bosetzky als Vorlage für seinen Krimi hernahm und für den der Protagonist eine gewisse Besessenheit in Bezug auf den Fall entwickelt. Eigentlich wollte ich den Birnbaum hinterherlesen, aber im Laufe der Lektüre des Kirschbaums ist meine dahingehende Motivation verpufft.

Diese Art von Buch, das – für mich, andere mögen das ganz anders empfinden – ohne irgendwie nachvollziehbare menschliche und vor allem natürliche Figuren daherkommt, sondern bei dem die Akteure nur verschiedene Maskeraden des Autors bieten, der überall durchscheint, die Figuren selber blieben für mich unecht und waren mir auch durchweg nicht besonders sympathisch. Die Geschichte nicht spannend, was ich auch gar nicht erwartet hatte, ich wusste, dass man den Täter von Beginn an kennt, aber für mich auch nicht interessant erzählt.

Möglicherweise hätte das ganz anders ausgesehen, wenn ich Fontanes Birnbaum gekannt oder zumindest vorher gelesen hätte – das kann ich nicht einschätzen. Mir hat’s nicht gefallen.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl (8), Das magische Tor

Nachdem ich erst vor kurzem den vorletzten Band der Serie gelesen habe, war ich jetzt doch zu ungeduldig, mir diesen Band noch länger ‚aufzuheben‘, ich wollte lieber wissen, wie es weiter geht und wie die Serie endet.

Und so endet Artemis Fowl auch mit einem ordentlichen Kracher: Opal Koboi, die wohl gefährlichste Verbrecherin der Unterirdischen kommt durch eine List aus dem Gefängnis frei, aktiviert ein uraltes magisches Tor der Berserkerkrieger und will die ganze Menschheit vernichten und in der Folge die Unterirdischen beherrschen. Doch natürlich hat Artemis einen Plan, wie er die Wichtelin aufhalten und die Welt retten kann – auch wenn es dabei dieses Mal für ihn um Leben und Tod geht…

Schöner und würdiger Abschluss der Serie und vor allem spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Artemis Fowl ist definitiv eine meiner Lieblingsserien! Ich mag die Geschichten, die nie langweilig geworden sind, aber vor allem liebe ich die Charaktere und die Entwicklungen, die sie im Laufe der Bände durchlaufen.

Die ganze Serie ist eine große Empfehlung – auch für Menschen, die eigentlich Fantasymuffel sind, wie ich einer bin.

 

Thommie Bayer – Das Herz ist eine miese Gegend

In Tommie Bayers Stil hatte ich mich im Dezember letzten Jahres durch „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ sehr verliebt. „Das Herz ist eine miese Gegend“ knüpft an meinen ersten guten Eindruck an, auch wenn es ein bisschen braucht bis es in Fahrt kommt und auch in der Mitte ein paar Längen hat. Andererseits sind es genau diese Längen, die wohl ausmachen, dass man den Charakteren so nah kommt. Die sind auch hier feingezeichnet, mit warmherzigem Blick – auch und gerade auf die Schwächen. Hinzu kommt die lange Dauer, die die Handlung umfasst, denn diese setzt in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein und reicht bis in die 80er. Kurze ‚Einspieler‘ vor jedem Kapitel verraten, wo in etwa man sich gerade zeitlich befindet, geben kurze Blicke auf die Zusammenhänge, auf das Weltgeschehen der jeweiligen Zeit. Erzählt wird die Geschichte von Freundschaft und Liebe, die sich in der ersten Begegnung ergeben, ihre Höhen und Tiefen erleben, sich unterwegs verlieren, aber sich doch immer wieder finden. Es ist die Geschichte von Giovanni, der eigentlich Paul heisst, Bo, der eigentlich Bernward heisst, Ilse, der eigentlich Roger heisst und Laura, die ganz ohne weiteren Namen auskommt. Es geht um die erste große Liebe und darum ob sie endet oder nicht und es geht um die ‚Körperfamilie‘, in die man geboren wird und um die ‚Herzensfamilie‘, die man sich selber wählt.

Schönes Buch. Mehr von Thommie Bayer bitte!

 

Frau Freitag – Chill mal, Frau Freitag

Als wir im Oktober auf dem Weg nach Spanien waren und der Mitdings am Steuer Ermüdungserscheinungen gezeigt hat, ich aber auf dem Beifahrersitz auch zu müde war, um ihn quatschenderweise wach zu halten, fing ich an, ihm ‚Chill mal, Frau Freitag‘ vorzulesen und weil ich das dann nicht alleine zu Ende lesen wollte, habe ich immer mal, wenn wir seitdem längere Strecken gefahren sind und ich daran gedacht habe, aus dem Buch vorgelesen. Das geht zum Glück recht gut, weil es keine wirklich fortlaufende Geschichte ist. Frau Freitag, bekannt durch ihr Blog ist Lehrerin und schreibt episodisch über den Alltag in der Schule.

Das ist manchmal schreiend komisch, manchmal ganz tragisch, aber fast immer sehr unterhaltsam und eignet sich als Vorleselektüre hervorragend, um müde Autofahrer auch auf langen Strecken, wachzuhalten. Kann man aber sicherlich auch sehr gut einfach für sich alleine lesen.

Katja

Gelesen im Februar 2015

Auch im Februar habe ich’s geschafft, ziemlich konsequent abends nicht so lange rumzutrödeln, sondern einigermaßen früh ins Bett zu gehen und lieber noch ein bisschen zu lesen. So bin ich schon bei erstaunlichen 14 Büchern in 2015. 2014 waren’s Ende Februar gerade mal 4,5.

Jostein Gaarder – Die Frau mit dem roten Tuch (abgebrochen)

„Das Kartengeheimnis“ von Jostein Gaarder war lange eines meiner Lieblingsbücher, das habe ich etliche Male gelesen, jetzt wollte ich endlich wieder mal etwas von ihm lesen, das ich noch nicht kannte. „Die Frau mit dem roten Tuch“ habe ich auf Seite 35 von 222 entnervt aufgegeben. Das ist großer Mist das Buch.

Steinn und Solrun waren vor über 30 Jahren ein Paar. Jetzt treffen sie sich zufällig in einem Hotel wieder, genau dort, wo ihre Beziehung damals durch eine mysteriöse Begebenheit ein Ende fand. In der Folge dieser erneuten Begegnung beginnen sie einen eMail-Wechsel und das Buch besteht nur aus den Mails (ich vermute, das bleibt auch bis zum Ende so). Nun ist es aber nicht so, dass da zwei Menschen, die sich einmal nahe standen, beginnen zu erforschen, ob und was sie noch voneinander kennen, wie man annehmen könnte, stattdessen nutzt Gaarder die beiden nur, um zwei Weltanschauungen aufeinanderprallen zu lassen.

Sie, die spirituelle Eso-Tusse mit Glauben an Übersinnliches. Er, der knallharte Faktentyp, ohne Glauben an Schicksal, Zufall oder dergleichen. Die Mails, die die beiden sich schreiben verkrampft ohne Ende, es geht nur darum die beiden Ideologien zu präsentieren und aufeinander treffen zu lassen. Die Charaktere hinter den Mails bleiben völlig blutleer, sind nichts weiter als Hülsen oder Projektionsflächen für die unterschiedlichen Weltanschauungen. Das ist so durchschaubar nur darauf ausgelegt einen Rahmen für diesen Streit zu bieten, dass ich beim Lesen in keinem Moment vergessen kann, dass hier nur der Inhalt, die Denkweisen vermittelt werden soll. Keine Lust, damit noch mehr Zeit zu verplempern, bevor ich am Ende dann wieder aus dem Gedanken raus, eh schon die Hälfte gelesen zu haben, nun auch noch den Rest lesen könnte.

 

Joy Fielding – Sag, dass du mich liebst

Die erfolgreiche Privatermittlerin Bailey Carpenter wird bei einer Überwachung überfallen und brutal vergewaltigt. Danach ist nichts mehr wie vorher, Bailey ist ein nervliches Wrack. Das merkt auch ihre Halbschwester, zu der sie bis dato kaum Kontakt hatte und zieht kurzerhand vorübergehend bei ihr ein, um sich um Bailey zu kümmern. Die verlässt die Wohnung kaum mehr und zweifelt bei jedem Mann, ob es möglicherweise ihr Vergewaltiger sein könnte. Durch ihr Fernglas beobachtet sie immer wieder die Nachbarn im gegenüberliegenden Gebäude und wird so auch auf jenen Nachbarn aufmerksam und beobachtet ihn in der Folge fast schon zwanghaft, der die gleichen physischen Merkmale wie der Täter hat. Irgendwann scheint dieser zurückzuschauen, doch die Polizei nimmt Bailey nicht mehr ernst, die mittlerweile fast jeden Mann in ihrem Umfeld verdächtigt hat.

Spannend, gut lesbar und Joy Fielding schafft es wirklich, die Verzweiflung und Paranoia unter der die stark traumatisierte junge Frau nach dem Überfall leidet, eindrücklich zu vermitteln. Ich war ganz froh, als ich es ausgelesen hatte, weil das Buch für mich eigentlich keine gute Lektüre für abends vorm Versuch einzuschlafen war. Das kann man aber dem Buch nicht zum Vorwurf machen, sondern liegt daran, dass ich nicht gut darin bin, solche Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen.

 

Kerstin Gier – Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner

Kati ist mit Felix verheiratet und dabei eigentlich auch sehr glücklich – bis zu dem Tag, an dem sie Mathias kennen lernt und sich Hals über Kopf verliebt. Das schlechte Gewissen nagt an ihr, doch was, wenn das Schicksal eingreifen würde und ihr die Möglichkeit gäbe, nochmal von vorne anzufangen und Mathias kennenzulernen, ohne Felix das Herz brechen zu müssen?

Das in aller Kürze der Inhalt, hoffentlich ohne zu viel zu verraten.

Von Kerstin Gier hatte ich im letzten Jahr schon die Edelsteintrilogie gelesen und wusste, dass ich ihren Schreibstil ganz gut leiden kann. Das ist bei diesem Buch nochmal deutlicher geworden. Sie schafft es wirklich, selbst kitschige Szenen so mit feiner Ironie anzupacken, dass ich das gut lesbar und aushaltbar finde und nicht das Bedürfnis habe, da irgendwen an den Schultern zu packen und zu schütteln, wie es mir zB bei Stephenie Meyers Bella andauernd ging. Das ist ihr hier mMn noch besser gelungen als bei der Edelsteinserie – so kann ich tatsächlich auch mit Liebesgeschichten und das Buch hat mir überraschend viel Spaß gemacht.

 

Jon Krakauer – In die Wildnis

Vor ein paar Jahren habe ich die Verfilmung der Geschichte von Christopher McCandless gesehen, der nach seinem Collegeabschluss sein komplettes Geld spendet, den Kontakt zu seiner Familie abbricht und sich auf Reisen durch die USA begibt, um schließlich nach fast 2 Jahren in die Wildnis Alaskas aufzubrechen, um dort eine Zeit lang völlig ausserhalb der Zivilisation zu verbringen. Chris – der sich selber Alexander Supertramp nennt – Abenteuer endet damit, dass vier Monate nach seinem Aufbruch in die Wildnis seine Leiche gefunden wird. McCandless war verhungert. Ich kann das hier aufschreiben, ohne zu spoilern, weil man diesen  Ausgang auch schon im Klappentext des Buches erfährt.

Als ich damals den Film, der auf Krakauers Buch beruht, gesehen habe, war ich hinterher für eine ganze Weile gleichermaßen verstört und auch fasziniert von diesem kompromisslosen Jungen und ich verschlang vieles, was ich über die Umstände im Netz finden konnte. Seitdem wollte ich auch unbedingt das Buch von Krakauer lesen.

Vom Buch war ich aber jetzt letztendlich enttäuscht. Ich hatte irrtümlicherweise angenommen, Krakauer hätte das Buch als eine Art Roman verfasst, weil auch der Film sehr chronologisch erzählend fortschreitet, doch es ist ein verworrener Mix aus zusammengetragenen Eindrücken Krakauers. Er hatte einige Menschen ausfindig gemacht, denen Chris auf seiner Reise, die in Alaska mündete, begegnet war, ausserdem ehemalige Klassenkameraden, Freunde, Familienmitglieder befragt und trägt eigentlich recht unsortiert eine Mischung dieser Eindrücke zusammen. Vieles davon sind auch nur seine persönlichen Eindrücke, die diese Menschen bei ihm hinterlassen haben. Dazwischen viele Zitate mehr oder weniger bekannter Naturromantiker und viel Rumvermute und Ruminterpretieren des Autors.

Als die Leiche Christopher McCandless im September 1992 gefunden wurde, veröffentlichte Jon Krakauer einen Artikel darüber. In der Folge erreichten ihn viele Zuschriften von Lesern, die überwiegend Kritik an McCandless enthielten, weil dieser mit an Dummheit grenzendem Leichtsinn ohne essentielle Ausrüstung in die Wildnis aufgebrochen war. Sein Buch liest sich für mich wie eine überwiegend unkritische Inschutznahme McCandless. Krakauer interpretiert und deutelt und nimmt an und erklärt. Und kurz vor Ende des Buches wird klar, weswegen er das tut. Er war als junger Mann, im ungefähr gleichen Alter, zu einer ungefähr genauso leichtsinnigen Tour aufgebrochen und nur mit Glück mit dem Leben davon gekommen.

Das Buch ist für mich vielleicht deswegen so schwer (be-)greifbar geblieben, weil ich diese Form überhaupt nicht zu greifen bekomme, diese Vermischung von tatsächlichen Begegnungen und die Romantisierung und Deutung Krakauers. Das ist wirklich schade. Ich vermute, Krakauer buhlt eigentlich mit dem Buch um Verständnis für Chris und weniger Strenge in der Betrachtung, bei mir erreicht er aber eher Widerstand statt Sympathie. Der ist aber eindeutig gegen den Autor gerichtet, nicht gegen McCandless und das ist für mich ein Problem, wenn der Autor selber so präsent ist in einem Buch über einen anderen.

Also: wer Interesse an der wirklich sehr berührenden und bewegenden Geschichte Chris McCandless hat, dem sei der Film ans Herz gelegt. Das Buch kann man sich mMn getrost sparen.

 

Thomas A. Harris – Ich bin o.k. Du bist o.k.

mit dem etwas längeren Untertitel: Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können – Eine Einführung in die Transaktionsanalyse

Ich bin nach Lesen des Buchs ein bisschen hin- und hergerissen. Die Transaktionsanalyse finde ich überaus interessant und auch gut als recht einfach anwendbares Erklärungsmodell tauglich. Harris erklärt die in der Transaktionsanalyse verwendeten Grundbegriffe ‚Eltern-ich‘, ‚Kindheits-ich‘, ‚Erwachsenen-ich‘ und auch die vier (ich glaube er nennt es) Grundzustände von denen ‚ich bin ok, du bist ok‘ der angestrebte sein sollte. Er geht auf komplementäre und nicht-komplementäre Transaktionen ein. Das alles ist sehr interessant und leicht verständlich und ließe sich problemlos aus vielleicht einem Drittel des Buches als Essenz herausziehen. Alles darüber hinaus empfinde ich als deutlich unstrukturierter und zwar durchaus philosophisch, aber wenig greifbar und für mich weniger hilfreich. Dazu kommt, dass man dem Buch deutlich anmerkt, dass es in den 60er Jahren veröffentlicht wurde als zB Homosexualität in den USA noch psychiatrisch behandelt wurde und als das Milgram Experiment erst einige wenige Jahre her war.

Was mir deutlich fehlt ist ein umfangreicherer Teil der eine Einführung gibt, wie man die Transaktionsanalyse für sich alleine anwenden kann, ohne dass ein dahingehend geschulter Psychiater mitsamt Therapiegruppe im Stuhlkreis sitzt. Dafür hätte ich auf die umfangreichen philosophischen Betrachtungen der ausgehenden 60er Jahre gerne verzichtet.

Und jetzt gucke ich mal, ob’s da nicht irgendetwas Moderneres und Hilfreicheres zum Thema gibt, das mehr praktische Hilfe zur Anwendung enthält.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl (7), Der Atlantik-Komplex

Artemis Fowl ist eine meiner Lieblingsserien der letzten Jahre und ich bin jetzt schon ein bisschen traurig, weil ich nur noch einen Band vor mir habe.

In diesem Band ist Artemis am Atlantik-Komplex erkrankt, was zwischenzeitlich dafür sorgt, dass der ansonsten unterdrückte Teil seiner Persönlichkeit, sein Alter Ego Orion, das Ruder übernimmt und der ist auf einmal gar nicht mehr steif und förmlich und zurückhaltend, sondern schmachtet seine Elfenfreundin und ZUP-Commander Holly Short gewaltig an und zeigt, dass irgendein Teil von Artemis ja doch zugehört hat, wenn sein Leibwächter Butler dem kleinen Anzugträger wieder einmal sinnloserweise versucht hat, ein paar Kampfkniffe beizubringen. Ausserdem versucht der mittlerweile 15-jährige frühere Meisterdieb die Welt zu retten, wobei ihm natürlich wieder einmal ein gefährlicher Verbrecher der Unterirdischen in die Quere kommt.

Ich glaube, ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich eigentlich kein Fantasyfan bin, aber diese wunderbare Welt der Unterirdischen, die Eoin Colfer in der Serie geschaffen hat, macht mir riesigen Spaß!

*

Übrigens: allen, die möglicherweise neugierig auf die Transaktionsanalyse geworden sind, sei jetzt schon mal lieber „Transaktionsanalyse – wie geht denn das?“ von Ute Hagehülsmann ans Herz gelegt. Das hatte ich mir direkt nach Beenden des Harris zugelegt und bin erst zur Hälfte durch, aber Hagehülsmann ist zum einen viel moderner in den Begrifflichkeiten, Ideologien und Beispielen und lässt zum anderen all dieses nicht greifbare Geschwurbel weg, was mich bei Harris so gestört hat. Mehr darüber dann bei den Märzbüchern.

Katja

Gelesen im Oktober 2014

Oktober, Urlaubsmonat. Man merkt es an der Menge und der Art der gelesenen Bücher. Dieses Mal alles gut lesbare Lektüre und – das ist neu – ich habe fast sämtliche Oktoberbücher auf dem elektrischen Buch gelesen. Das fühlt sich mittlerweile weniger ungewohnt an als anfangs und obwohl ich mir nie vorstellen konnte, das Gefühl von Papier zwischen den Fingern beim Lesen aufzugeben, muss ich gestehen: ich finde es – gerade auf Reisen – urpraktisch! Wir hatten zu zweit in den letzten Jahren immer eine große Klappbox zu zwei Dritteln mit Büchern gefüllt mit nach Spanien geschleppt; nur für den Fall, dass wir dort eventuell furchtbar viel Lust und Muße zum Lesen hätten und damit uns dann die Bücher nicht ausgehen. Das war dieses Mal herrlich viel einfacher und auch das Packen der Strandtasche ist viel einfacher, wenn das aktuelle Buch fast ausgelesen ist und man nicht weiss, ob man noch ein neues braucht. Vom Lesen im dunklen Auto während der langen Fahrt oder im dunklen Raum mit geöffnetem Fenster ohne die örtliche Stechmückengang anzulocken ganz zu schweigen. Ja doch, man könnte sagen, ich finde das mit dem eReader sehr viel praktischer und besser als erwartet. Und dabei hätte ich jetzt fast noch die vergrößerbare Schrift und individuell einstellbare Helligkeit vergessen, die den müden Augen gut tun.

Aber hach. Als nächstes muss ich mal wieder echte Seiten umblättern und an einem Buch schnuppern. Denn es ist schon anders und mir fehlt ganz speziell das letzte Zuklappen nach Auslesen eines Buches. Das hinterher nochmal in der Hand wiegen, nochmal durch die Seiten blättern. Das ist schon deutlich anders und für mich irgendwie nachhaltiger als das Tippen auf ein Display, um zum Überverzeichnis zu kommen…

Eoin Colfer – Artemis Fowl 5, Die verlorene Kolonie

Ich musste gerade nachgucken, es ist schon fast 1,5 Jahre her, dass ich den letzten Band von Artemis Fowl gelesen hatte. Dann ist es doch nicht ganz so verwunderlich, dass der mir inhaltlich so wenig im Gedächtnis ist. Vage beschleicht mich aber das Gefühl, dass ich die ohnehin grandiose Serie um den hochbegabten und gar nicht mehr so bösen, mittlerweile 14-jährigen Profiverbrecher aD, Artemis Fowl von Band zu Band lieber mag.

In der verlorenen Kolonie lernt er seinen weiblichen Counterpart kennen, rettet die im Zeitmeer schwimmende Dämoneninsel Hybras und ihre Bewohner vor dem Zerfall, staubt ein bisschen Magie ab, steckt einen Dämonenzauberer in ein geblümtes Kleid und wirft ein Auge auf seine elfische Freundin Holly. Was man eben so macht, wenn man Artemis Fowl ist und einen die Pubertät langsam plagt.

Das alles ist unglaublich gute Unterhaltung und ein großes Lesevergnügen. Wer Artemis Fowl nicht kennt, ist selber schuld. 🙂

 

Kerstin Gier – Rubinrot

Die 16-jährige Gwendolyn wächst in einem großen Londoner Haus in einer äusserst merwürdigen Familie auf, denn über die Generationen hinweg gibt es immer mal wieder einen Abkömmling, der das Zeitreisegen erbt, was dazu führt, dass der- oder besser diejenige – denn in Gwendolyns Familie gibt es nur weibliche Zeitreisende – in die Vergangenheit reisen kann oder besser gesagt muss, denn die Zeitsprünge erfolgen idR unkontrolliert.

Aber besonders viel weiss Gwendolyn überhaupt nicht darüber, das alles ist ein großes Geheimnis, in das nur Gwens gleichaltrige Cousine Charlotte vollständig eingeweiht ist, denn sie ist die nächste Genträgerin, kurz vor ihrem ersten Zeitsprung. Ihr ganzes Leben lang wurde sie auf die bevorstehenden Aufgaben und Gefahren vorbereitet, doch dann ist es plötzlich doch Gwen, die unversehens direkt von der Straße aus in die Vergangenheit purzelt, wodurch ihr ganzes Leben aus der Bahn gerät, denn schließlich wurde sie weder eingeweiht, noch auf die Zeitsprünge und was sie dort erwartet vorbereitet.

Zu Gwens zweifelhaftem Glück gibt es eine geheime Gesellschaft, ‚die Wächter‘, die nicht nur das Geheimnis um die Zeitreisenden wahren, sondern ausserdem ein geheimnisvolles Gerät – den Chronographen – hüten, mit dessen Hilfe man die Zeitsprünge kontrollieren kann. Und dann ist da auch noch Gideon, Ururur(vielleicht auch noch ein paar mehr urs)-Enkel des geheimnisvollen Grafen von Saint-Germain aus der Familie der de Villiers, aus der sämtliche männliche Zeitreisende stammen, und der ist zwar zunächst höchst arrogant, aber ausserdem auch haargenau Gwendolyns Typ.

Die Edelstein-Trilogie hatte ich vor ein paar Jahren schon auf meine Wunschliste gesetzt – damals alleine, weil mir die Namen der Bände und die Cover so gut gefielen. Jetzt nach dem ersten Band bin ich vor allem froh, dass ich die anderen beiden auch habe und direkt weiterlesen kann, denn Rubinrot ist keine wirklich abgeschlossene Geschichte. Handlungsmäßig passiert noch nicht viel mehr als dass man einen ersten Eindruck von den Charakteren bekommt und vom Mechanismus der Zeitreisen. Man erfährt die ‚Aufgabe‘, die Gwen und Gideon in der Vergangenheit bewältigen müssen, begegnet mit ihnen gemeinsam einigen ihrer Vorfahren und erfährt vor allem, dass es da ein großes Geheimnis gibt, das zu lüften es gilt. Jetzt hoffe ich sehr, dass das auch im Laufe der anderen beiden Bände geschehen wird und dass die sich ebenso kurzweilig lesen wie Rubinrot.

Das ist sicher ein bisschen flach, dafür ist es nunmal eigentlich an Teenies gerichtet, aber die Charaktere sind sympathisch, die Sprache gut lesbar und ich bin jetzt natürlich sehr gespannt auf das Geheimnis und wer nun die Guten und die Bösen im Spiel sind. Man ahnt es schon, doch wie sagte Gwendolyns Mutter Grace so schön: Vertraue niemandem hier.

 

Kerstin Gier – Saphirblau

Kerstin Gier – Smaragdgrün

Was ich an der Edelsteintrilogie am wenigsten verstanden habe ist, warum es drei Bände sind und nicht nur ein einziges Buch. Die Geschichte hängt so eng zusammen und knüpft so aneinander an, dass es mMn ohnehin am besten ist, die 3 Bände direkt hintereinander wegzulesen . Mich hätte das eher genervt als neugierig gemacht, wenn ich auf das Erscheinen der Fortsetzung hätte warten müssen, weil es hier keine abgeschlossenen Einzelgeschichten gibt. Aber OK, ich gucke auch Serien am liebsten erst dann, wenn sie komplett abgedreht sind und keine neuen Staffeln mehr dazu kommen und ich mir selber aussuchen kann, wann ich weitergucke und nicht von Dreh- oder Ausstrahlungsterminen abhängig bin.

Ansonsten hat sich aber an meinem guten Eindruck, den ich beim Lesen von Rubinrot hatte, nichts geändert. Kerstin Gier hat eine gute Grundidee in eine unterhaltsame, leicht lesbare Geschichte gepackt. Die Charaktere sind sympathisch und an manchen Stellen herrlich frisch. Immer wenn die Geschichte droht zu sehr ins Kitschige abzugleiten, dann ist das den Figuren mit leichter Ironie bewusst – alleine das mag ich sehr daran.

Kann man durchaus lesen. Auch, wenn man der eigentlichen Zielgruppe altersmäßig schon ein bisschen entwachsen ist.

 

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

„Ach“, dachte ich bei der Auswahl der Bücher für den Urlaub, „den Nordwind, den könnteste ja mal wieder inhalieren.“ Es gibt ja so Bücher, die sind nicht nur ganz bezaubernd, sondern auch noch so kurz, dass man sie in einem Rutsch durchlesen kann und – im Falle des Nordwindes zB – auch muss, weil man das Buch gar nicht aus der Hand legen kann. Das ist wie festgewachsen bis es ausgelesen ist, also zumindest bei mir ist es das.

„Oh wie dumm von mir!“, dachte ich dann hinterher im Urlaub nach dem Lesen. Wie blöd, dass ich nicht daran gedacht hatte, auch die 7 Wellen, den Fortsetzungsband einzupacken. Wie blöd, dass ich vergessen hatte, wie dringend das Bedürfnis beim ersten Mal lesen war, direkt weiterzulesen, am liebsten gar nicht zwischendurch aus der Geschichte aufzutauchen.

Inhaltlich hatte ich schon hier und hier über den Nordwind geschrieben und sobald ich das aktuell angefangene Buch fertig habe (oder vielleicht auch schon zwischendrin?) muss ich dringend die Fortsetzung auch noch einmal lesen.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl 6, Das Zeitparadox

Ich vermutete es Anfang des Monats weiter oben hier im Blogeintrag, als ich den 5. Band gerade ausgelesen hatte, dass mir die Reihe von Band zu Band noch besser gefällt und tatsächlich war es auch mit Band 6 so, dass ich ihn noch lieber mochte als den Band vorher.

Artemis Mutter ist krank und liegt im Sterben und Artemis bittet seine unterirdischen Freunde Holly und Foaly um Hilfe. Die sehen schnell, was der Mutter fehlt – sie ist an der Funkenpest erkrankt, einer unterirdischen Krankheit, die durch Magie übertragen wird. Glücklicherweise gab es schon ein Heilmittel dagegen, das aus der Gehirnflüssigkeit des Seidensifakas – einer Lemurenart – hergestellt wird. Unglücklicherweise war es gerade Artemis, der die Verantwortung dafür trägt, dass 8 Jahre zuvor, das letzte Exemplar des Seidensifakas getötet wurde.

Wie gut, dass Artemis im letzten Band die Dämonen aus dem Zeitenmeer gerettet hat und wie gut, dass einer seiner neuen Freunde – Nummer 1 – ein Dämonenmagier ist, der die Kunst des Zeitreisens beherrscht und kurzerhand Artemis und Holly 8 Jahre in die Vergangenheit schicken kann, damit sie den Lemuren vor Artemis jüngerem Ich retten können!

Die Geschichte macht großen Spaß! Zum einen, weil man die Entwicklung Artemis – vom skrupellosen „Verbrecher“ zum liebenswerten und gewissensgeplagten Teenager, dem an seiner Familie und seinen Freunden gelegen ist – sehr deutlich vor Augen hat, zum anderen weil die Verwicklungen in der Zeit eine große Sause sind. Und natürlich hat am Ende Artemis (aber welcher nur? :D) wieder die Nase vorn, weil er doch dieses kleine Quentchen schlauer war als alle seine Gegenspieler es so sind.

Ich schrieb es oben schon und kann es nur nochmal wiederholen: wer Artemis Fowl nicht kennt, ist selber schuld! 🙂

Katja

52 Bücher, Teil 3

OK, das ist jetzt wirklich ein kompliziertes Thema in der dritten Woche, des Fellmonsterschen 52-Bücher-Projektes:

Das nächste MUST-HAVE-Buch.

schlug Kerry vor und wählte Katrin aus, die in fitzeliger Handarbeit auch in dieser Woche wieder alle Projektbeiträge in ihrer Übersicht sammelt.

Nun ist es nicht so, dass ich keine Bücherwünsche hätte und dass mir die Aufgabe deswegen so schwer fällt. Ganz im Gegenteil, eine brandaktuelle Zählung ergab mehr als 400 Bücher auf der Wunschliste. Das würde wohl – auch wenn gar nichts mehr neu hinzu käme, was völlig illusorisch ist, es sei denn, man nähme mir für ein paar Jahre jeglichen Kontakt zur Außenwelt weg – für einige Jahre Lektüre genügen.

Die Herausforderung ist nur immer das Einkaufen von Büchern. Da ich fast alle Bücher gebraucht kaufe, bin ich völlig frei von dem unbedingten Wunsch, niegelnagelneu erschienene Bücher mein Eigen nennen zu wollen und die wenigen Ausnahmen kaufe ich sogar meist ohne dass sie vorher auf dem Wunschzettel landen. Aber was ich nicht kann ist, mich beim Kauf von Gebrauchten irgendwie zu entscheiden, was meist dazu führt, dass ich mich nicht mäßigen kann.

Immer, wenn der SUB (bei dem ich darauf achte, dass er nie zu hoch wird) fast aufgelesen ist, stürze ich mich also auf die Wunschliste und bestelle dann irgendwas zwischen 15 und 25 Büchern auf einmal. Die auszusuchen dauert nämlich auch nicht länger als ich dafür brauchen würde, mich auf nur 2 oder 3 von den über 400 festzulegen. Und der Lieblingspostbote weiss dann auch immer genau, woran er ist, wenn er mir einen ganzen Stapel Umschläge auf einmal überreicht. Dann begrüßt er mich nämlich stets mit den Worten „Katja, ich bring‘ dir Bücher.“

Ein ganz spezielles must-have gibt es dabei selten, aber ich kann mit einiger Zuverlässigkeit sagen, dass bei quasi jeder meiner Bestellungen mindestens ein neues Buch von Tanja Kinkel dabei sein muss, eine Fortsetzung von Elisabeth Georges Inspektor Lynley Serie, mindestens ein Buch von Minette Walters, ein Brunetti von Donna Leon (wobei das bald ein Ende hat, weil ich fast alle bisher erschienenen gelesen habe) und ein Band der Artemis Fowl Reihe von Eoin Colfer. Der Rest ergibt sich dann immer spontan beim Durchforsten der Liste.

Haaa! Eins fällt mir doch noch ein, um das ich wohl beim nächsten Großeinkauf unmöglich herumkommen werde, nachdem Corina mir da schon etliche Male den Mund mit wässrig gemacht hat:

„Der Tod ist ein bleibender Schaden“ von Eoin Colfer muss es werden.

Von der Artemis Fowl Reihe des Autors bin ich ohnehin hingerissen, weil Colfer es damit schafft, mir Fantasybücher schmackhaft zu machen, obwohl das eigentlich so gar nicht mein Genre ist.

Na super, am liebsten würde ich jetzt sofort Bücher shoppen gehen! 😀

Katja