Über Eswäresoschönwenns und Tränen

Der Anruf, den ich am Freitag hinter mich bringen wollte und den ich jetzt aber, weil die Gesprächspartnerin nicht erreichbar war, erst frühestens am Dienstag erledigen kann, lässt mich das ganze Wochenende über nicht wirklich zur Ruhe kommen. Zu viel hängt da gerade dran und zu dem ganzen großen Vielen auch noch eine kleine zarte Hoffnung und ich glaube mehr noch als das große Dings ist es dieser Teil, weswegen ich das Gespräch so fürchte. Und das, das mich nächsten Freitag – dann aber ganz in echt und ohne Telefon – erwartet, auch. Dieses Eswäresoschönwenn, das ich mich noch nicht weiter oder zu Ende zu denken traue, das ich aber auch nicht ruhig bekomme, weil ich ahne, wie groß meine Enttäuschung sein wird, wenn aus dem Eswäresoschönwenn ein Neegehtnicht werden wird und wie sich das auch auf den ganzen Rest auswirken könnte. Und so schlucke ich’s dauernd wieder runter oder versuche das zumindest, auch wenn es nicht wirklich gelingt und die glühenden Kohlen, auf denen ich sitze, werden jeden Tag ein bisschen heißer.

Einatmen. Ausatmen. Morgen noch abwarten, Dienstag dann der erste/nächste Schritt. Bis dahin das Atmen nicht vergessen. Ein. Und aus. Und gleich nochmal. Und dann merke ich, wie sehr mir der beste Therapeut fehlt und wie gut mir sein immer wohlwollender Umgang getan hat. Und dann fällt mir wieder das Video ein, das @net_marie mir nach meiner letzten Therapiesitzung dort verlinkt hatte und jetzt sitze ich gerade heulend vorm Monitor, weil es mich auch beim 3. Anschauen und mit Wochen Abstand wieder völlig zerlegt, was diese empathische Frau auf der Bühne erzählt.

Katja

Nimm das!

Und dann hab ich auf den Rat hin, das Für und Wider, das ich eh die ganze Zeit im Kopf hin- und hergewälzt habe, einfach aufgeschrieben. So richtig altmodisch mit Zettel und Stift, weil ich manche Dinge einfach mit der Hand auf einem Zettel notieren muss, damit sie sich wirklicher anfühlen. Und schon nachdem ich die ersten 3, 4 Punkte auf der Wider-Seite aufgeschrieben hatte wurde deutlich, dass sie fast alle mit „Angst“ begannen. Dadurch kam dann dieser Punkt auf der Für-Seite dazu, indem es darum ging, diesen ganzen verschissenen Ängsten ins Gesicht zu schauen, weil sie nur dann wirklich weg gehen. Wenn ich etwas über mich und die Angst gelernt habe in den letzten Jahren, dann das, dass sie nur weggeht, wenn ich ihr ins Gesicht sehe, früher oder später. Dass ich sie zulassen und aushalten muss, dass ich durch muss, um frei davon zu werden.

Und ich verpasste diesem Punkt noch ein großes Plus und ringelte ihn ein und mir wurde klar, dass eigentlich alle anderen Punkte auf dieser Seite völlig egal sind. Dass es doch (wieder mal) nur um die Angst geht und darum, etwas nicht trotzdem, sondern genau deswegen zu tun.

Und eigentlich war trotz allen Abwägens, was hinterher noch erfolgte, die Entscheidung, die ich treffen würde, mittlerweile getroffen habe, ab diesem Moment ganz klar und eindeutig, weil es nur eine richtige Entscheidung geben konnte, die mich nach vorne bringt.

Katja (mutig, manchmal)