Hessisch für Fortgeschrittene

Jawoll! Ihr habt richtig gelesen im Titel. Nach 5 Folgen ‚Hessisch für Anfänger‚, in denen es um eher leichte Vokabeln meines früheren Heimatortes ging, widmen wir uns heute einem etwas komplexeren Thema: der hessischen Grammatik oder zumindest einem Teil davon, nämlich dem Possessiv, jenem grammatischen Kasus, der Besitz anzeigt.

Im Grunde genommen ist das nicht kompliziert und ganz einfach zu lernen.

a) Die Frage nach der Besitzerin / dem Besitzer wird im Hessischen durch den einfachen Satz

„Wem is der / die / das?“

oder im Plural:

„Wem sin die?“

ausgedrückt. Wenn nicht klar ist, auf welches Objekt sich die Frage bezieht, hängt man das einfach an:

Bsp.:

Wem is das Audo?
Wem is der Gadde?
Wem sin die Kinner?

b) Die Anzeige von Besitz erfolgt auch im Hessischen über die Possessivpronomen:

mein Fernseh / mei Mudder / mei Audo – Plural: mei Sogge
dein Fernseh / dei Mudder / dei Audo – Plural: dei Sogge
*die jeweils dritte Person bildet eine Ausnahme und wird weiter unten erklärt
unser Fernseh / unser Mudder / unser Audo – Plural: euer Sogge
euer Fernseh / euer Mudder / euer Audo – Plural: euer Sogge

3. Person Singular:

dem sein Fernseh / dem sei Mudder / dem sei Audo – Plural: dem sei Sogge
dere ihr Fernseh / dere ihr Mudder / dere ihr Audo – Plural: dere ihr Sogge

3. Person Plural:

dene ihr Fernseh / dene ihr Mudder / dene ihr Audo – Plural: dene ihr Sogge

Ihr seht, das ist alles kein Hexenwerk und mit dem Wissen seid ihr dann fast so weit, dass ihr in der Hessischen Provinz überleben könntet. 😀

Katja

 

 

 

Hessisch für Anfänger, Teil 5

Heute habe ich beim Besuch bei der Familie festgestellt, dass der Mitdings gar nicht weiss, was ein ‚Biebche‘ ist. Das geht natürlich gar nicht, das ist ja quasi ein Wort meines aktiven Wortschatzes – zumindest bei Aufeinandertreffen mit meiner Familie.

Deswegen jetzt hier die Frage in die Runde: was ist ein Biebche?

Übrigens gab es heute ausnahmsweise bei meiner Mutter mal keinen ‚Mattekuche‘, aber was das ist, wisst ihr sicher alle, nein? 🙂

Katja

(Mehr Hessisch für Anfänger)

Hessisch für Anfänger, Teil 4

Es gibt nicht so sehr viele Dinge, für die ich die Bezeichnung im Dialekt meines ursprünglichen Heimatortes verwende. Eines der Dingse, dessen Namen ich im Dialekt viel lieber mag als im Hochdeutschen und das ich deswegen immer nutze, ist

Hietraabread.

Jemand Lust zu raten, was das ist? 🙂

Katja

(Hier gab’s schon mehr Hessisch für Anfänger: Teil 1, Teil 2, Teil 3)

kurz zitiert #37

„[…] Un nu: Kiek mool! Kannst du dor günt de Weetenkampen sehn? Ik spies keen Broot. De Weeten is mi to niks nütt. Bi de Weetenkampen, dor fallt mi niks to in. Un dat is truuri! Man du hest güllen Hoor. Jungedi, dat warrt wunnerscheun, hest du mi ierstmool toom mookt! De Weeten, de is güllen, und dor warr ik jümmers an di bi denken. Un ik warr dat denn giern hebben, wenn de Wind öber den Weeten strieken deit…“
De Voss sweeg still un keek en lang Tiet op den lütten Prinzen:
„Wenn du dat magst … mook mi toom!“ see he.
„Ik wull jo to giern“, anter de lütte Prinz, „man ik heff ni veel Tiet. Ik sall Frünnen finnen un en Barg Soken kennenliehrn.“
„Du kannst bloots Soken kennenliehren, de du ook toom mookt hest“, see de Voss. „De Minschen hebbt dor keen Tiet miehr för öber, dat se jichtenswat kennenliehren doot. Wat se sick bi’n Hööker käupen doot, dat’s glieks fardi. Man dat gifft keen Höökeri’en för Frünnen, dorüm hebbt de Minschen ook keen Frünnen nie miehr. Wenn du en Fründ hebben wullt, denn mook mi man toom!“

(Antoine de Saint-Exupéry, De lütte Prinz (Plattdüütsch), vmn, S. 68f)

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Mit der plattdeuschen Ausgabe ist, nach Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch, Fränkisch, Spanisch und Latein das Buch jetzt in der 8. Sprache bei mir eingezogen – und lediglich die dänische und die lateinische Ausgabe sind ungelesen.

Ich mag norddeutsche Sprachfärbung wahnsinnig gerne hören und fand es schon als Kind furchtbar faszinierend, wenn die alten Männer in dem Ort, in dem wir über Jahre hinweg den Urlaub verbrachten, mich auf platt anschnackten – auch wenn ich nicht viel davon verstehen konnte.

Man bannig goot, dass ich den Text so gut kenne, so hat das Lesen auf Plattdüütsch mir unheimliches Vergnügen bereitet. Auch wenn ich vor manchen Vokabeln nicht weniger ratlos saß als bei der spanischen Ausgabe, die ich vor ca. 1,5 Jahren gelesen habe.
An kaum einer Stelle des Buches musste ich so schallend lachen wie an jener oben, wo ich erst mehrfach hingucken musste, bis ich in den „Barg Soken“ keinen Sockenberg mehr reingelesen habe. 😀

Dass ich den Prinzen mag, hatte ich schon häufiger kundgetan (zB hier und hier und hier). Ich bin schon gespannt auf die nächste Sprache (oder den nächsten Dialekt), die hier einziehen werden. Mit den Sprachen bin ich fast am Ende jener, die ich verstehen kann – wobei ich irgendwann unbedingt noch eine holländische und eine italienische Version haben muss – aber durch die zahlreichen Dialektausgaben gibt es ja sogar noch jede Menge lesbare Ausgaben, die nicht nur aus Gründen des Sammeldranges im Regal landen.

Katja

Hessisch für Anfänger, Teil 3

Das spukte mir gerade durch den Kopf, also frage ich hier mal wieder in die Runde:

Wer kommt darauf, wofür die Worte ‚innigneecht‚ und ‚iwwermoan‚ stehen? (Also die stehen nicht für das gleiche, passen aber thematisch zusammen und machen das Rätseln vielleicht etwas einfacher. :D)

Lust zu raten, anyone?

Katja

Hessisch für Anfänger, Teil 2

Fragt nicht, wie ich gerade drauf komme, aber wer weiss, was

innischt de ewerscht

und/ oder

hinnerscht de verrerscht

heisst?

Lust zu raten? Anyone? :mrgreen:

Katja

Hessisch für Anfänger

Ich fand es sehr faszinierend, dass in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, fast jedes Dorf – und wenn es nur 3 km vom nächsten entfernt war – einen eigenen Dialekt hatte, der sich in gewissen Worten von jenem des Nachbardorfes unterschied.

Fließend konnte ich das richtige Platt aus meinem Heimatort nie sprechen (und manchmal, wenn sich meine Großeltern sehr schnell unterhielten nicht mal verstehen). Mehr als einige Sätze und Wörter habe ich nicht gelernt, aber die mag ich umso lieber, je länger es zurückliegt, dass ich sie mal gelernt oder gehört habe.

Was ein Kneipchen oder ein Kolter ist, weiss mittlerweile sogar die Wikipedia, aber was ist eigentlich ein Nautnetzer?

Jemand Lust zu raten? :mrgreen:

Katja