Gegen die Schreibentwöhnung und die Bildgewöhnung

Soviel hab ich im Kopf in diesen Tagen, aber irgendwie gelingt es mir gerade nicht, den Kanal über die Finger in die Tastatur zu nutzen. Ich merke, dass es wirklich eine Übungssache ist, dieses (Auf-)Schreiben, dass es mir schwer fällt, Gedanken zu fassen zu bekommen, wenn ich aus der Übung bin. Und das ist eigentlich doof, weil ich merke, dass es mir nicht gut tut, den ganzen Kram im Kopf zu behalten anstatt ihn rauszulassen. Und ich merke wieder einmal, dass ich mir bewusst die Zeit nehmen sollte, Dinge aufzuschreiben – erst recht dann, wenn ich das Gefühl habe, keine Zeit dafür zu haben.

Die Zeit zieht gerade rasend schnell an mir vorbei. Eben noch war Mitte November und jetzt ist schon der zweite Advent vorbei. Und wie sehr sie rauscht, die Zeit, merke ich daran, dass ich nicht einmal daran gedacht habe, dem Blog für den Dezember einen neuen Hut zu verpassen. Das will ich jetzt aber endlich doch noch tun, obwohl – oder vermutlich gerade weil – ich merke, wie ich mich an den Sonnenuntergang und die warmen Farben gewöhne, wie sich das hier vertraut anfühlt. Aber genau darum ging es ja in meinem kleinen Loslass-Projekt mit dem Headerwechsel. Die Übung darin, Vertrautes aufgeben, loszulassen, Platz für Neues zu schaffen. Und deswegen jetzt auch der neue ‚Hut‘.

Das neue Headerfoto stammt vom Wochenendtrip ans belgische Meer Ende Juni/Anfang Juli, genauer gesagt aus Brügge, dieser wunderschönen Stadt mit ihren Kanälen und Brücken und faszinierenden Häuser, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt habe.

Katja

Meine zugehörige Brüggeschwärmerei gab es hier zu lesen. Alle alten Hüte finden sich auf dem Hutständer.

Im Vorbeifahren

…ist der neue Header entstanden. Und zwar in Belgien, auf der Fahrt von Wenduine, wo das Hotel war, nach Brügge. Ich hatte, was ich recht gerne mache, wieder mal die Kamera während der Fahrt in der Hand und habe vom Beifahrersitz aus drauf losgeknipst. Meist entsteht da ein großer Teil Ausschuss, aber gelegentlich ein, zwei, drei schöne Aufnahmen.

Das Bild oben mag ich deswegen gerne, weil es ganz typisch für die Landschaft dort war. Grüne Wiesen, vieles davon Weiden mit Kühen oder Schafen (die Bilder sind leider alle nichts geworden), immer mal ein Hof auf weiter Flur und diese Tuffiwolken, die es fast die ganze Zeit über gab, während wir dort waren.

Und weil es mir so schwer fiel, mich zwischen zwei sehr ähnlichen Aufnahmen zu entscheiden, ich aber nicht zwei Monate lang zwei so ähnliche Header haben wollte, gab’s das eine Bild seit Anfang August (das findet sich jetzt noch auf meinem ‚Huständer‚) und jetzt das zweite.

Katja

Rewind

Seit Tagen, nein eigentlich seit Wochen, übe ich mich jetzt in wunderbarster Vermeidungsstrategie, mich endlich damit auseinanderzusetzen, was auf diesem dussligen Turm mit mir passiert ist. Ich weiss nicht, wie häufig ich mir in diesen Wochen vorgenommen habe ‚So, jetzt gehste an den Rechner und schreibst es einfach auf‘ – aufschreiben, um endlich mal zu versuchen, Struktur reinzubekommen. Hinsetzen und Schreiben, weil ich dann nicht rumhüpfen und einfach was völlig anderes machen kann, sondern die Gedanken wirklich zulassen muss. Sie kochen ja ohnehin täglich hoch, lassen sich nicht wirklich verdrängen. Und bis ich dann am Rechner saß, musste ich erst mal gucken, was im Feedreader, bei Twitter, google+ und wer weiss wo noch passiert ist und hier lesen und dort gucken und dann war’s ‚Huch!‘ ja schon so spät und ich musste mich dringend um Kochen, Tomaten gießen, Wäsche aufhängen und wer weiss was noch kümmern – nur um eben das nicht zu tun, von dem ich mir eigentlich erhoffe, dass es mir gut tut. Wie beknackt kann man eigentlich sein?

Jetzt habe ich einen frischen Kaffee vor der Nase und mir vorgenommen, erst dann wieder vom Rechner aufzustehen oder auch nur den Browsertab zu wechseln, wenn ich fertig geschrieben habe. Ich weiss natürlich jetzt schon, dass das spätestens sobald ’ne Mail ankommt, nicht mehr funktionieren wird, aber wenigstens sitze ich hier und habe schon ‚dussliger Turm‘ geschrieben. Super.

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Maßlos

Ich habe wirklich probiert, die Fotos von Brügge (Klick für Wikipedia) zu reduzieren – teilweise ja auch mit dem ‚Trick‘, dass ich euch die Aufnahmen im Dunklen einfach schon in einem extra Eintrag untergejubelt habe und auch noch ein paar gerade raussortiert habe, von denen ich noch nicht weiss, ob ich darüber noch schreiben werde.

Je intensiver ich mich mit dem Aussortieren beschäftigt habe, umso klarer wurde mir, weswegen mir das bei den Brüggebildern noch schwerer fiel als es mir üblicherweise ja schon fällt. Da sind verdammt viele Fotos von schönen Häusern und sehenswerten Eckchen dabei, weil Brügge verdammt viele schöne Häuser und sehenswerte Eckchen hat. Natürlich könnte ich mich darauf beschränken dann eben jeweils 2, 3 schöne Häuser und sehenswerte Eckchen zu zeigen, aber genau damit würde ich das nicht transportieren, weswegen Brügge mich so sehr beeindruckt hat. Das hat es nämlich, weil es quasi überall so schön war. Weil es nicht nur mal 2, 3 schöne Häuser irgendwo zwischendurch gab, sondern weil die komplette Innenstadt und fast jedes fucking Haus einen vor Begeisterung juchzen lassen könnte  und auch bedauern, dass die Zeit so kurz ist, dass man sich nicht jedes dieser wunderschönen und ungeheuer detailverliebt gestalteten Häuser in Ruhe anschauen kann.

Es ist so schön da, dass einen die Fülle der Schönheit, die Üppigkeit glatt erschlagen kann. Und deswegen gibt es hier gar keine Brügge-Fotos, sondern nur den Link zum Picasa-Album mit den 71 Bildern, wo ich es bei keinem einzigen mehr fertig gebracht habe, es auszusortieren, weil es diese riesige Sammlung braucht, das Erlebnis dort wirklich würdig zu teilen.

Und alle, die ich jetzt noch nicht mit den langen Erklärungen oder der Aussicht auf solche Fotomassen, die zugegebenermaßen an gruselige Diaabende im Kreise von Verwandten erinnern, abgeschreckt habe, klicken bitte auf das Bild.

Brügge 2011

Katja

verrauscht, berauschend

Verrauscht sind meine Brügge bei Nacht Bilder leider allesamt. Bei Dunkelheit fotografieren ist etwas, was mit meiner Kamera gar nicht gut geht (also zumindest nicht mit meinen beschränkten Kenntnissen), den ISO-Wert regelt sie automatisch astronomisch hoch und das Bildrauschen ist gigantisch.

Weil Brügge bei Nacht aber so einen berauschenden Anblick bietet, zeig ich trotzdem ein paar der Nachtaufnahmen. Der Anblick des Marktes hat mich ja als wir in der Dämmerung ankamen für einen ersten Stadtspaziergang und um ein Restaurant zu suchen schon umgehauen, dann nach dem Essen im Dunklen zum Markt zurückzukehren hat mich einfach nur noch sprachlos staunen lassen. So so schön ist es da!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Katja

 

Onze-Lieve-Vrouwekerk

Auch wenn das so klingen mag, dabei handelt es sich nicht um eine neue Superstaubsaugermarke, sondern um den landessprachlichen Namen der Brügger Liebfrauenkirche, deren Turm als einer von dreien (zusammen mit jenem der Sint-Salvator-Kathedrale und dem Belfried) weithin sichtbar ist.

Eigentlich wollte ich ja bei einer Stadt, in der es soviel zu gucken gibt und noch dazu bei so schönem Wetter nicht unbedingt schon wieder Zeit in schummrigen Kirchen verbringen, aber als ich im Vorfeld las, dass es dort eines der wenigen, ausserhalb Italiens zu findenden, Werke Michelangelos zu sehen gibt, war das Grund genug, doch ein bisschen Zeit in der schummrigen Kirche zu verbringen.

Das Gebäude an sich fand ich – aussen wie innen – überraschend schnörkellos. Im Gegensatz zu vielen anderen (und soweit ich mich erinnere fast alles gotischen) Kirchen, die ich in den letzten Jahren besucht habe (zB die unglaublich aufwändig verzierte Kathedrale von Sevilla), ist die Liebfrauenkirche in Brügge mit ihren Backsteingewölbedecken sehr schlicht. Ich fand das aber recht angenehm, weil man mal nicht vom Pomp erschlagen wurde.

Und dann stand ich irgendwann vor Michelangelos Madonna und die war eingebettet in eine Art Altar, also zumindest umrahmt von vielen anderen (nicht von Michelangelo stammenden) Figuren und mir wurde zum ersten Mal klar, weswegen die Kunst, die dieser Mann vor 500 Jahren geschaffen hat, etwas so besonderes ist. Man musste sich dafür nämlich nur die direkt benachbarten Figuren anschauen und mit der Madonna vergleichen. Wie plump und leblos jene anderen wirken und wie zart und lebendig die Madonna daneben aussieht, bei der man fast erwartet, dass sie gleich aufsteht, dass sich die fließenden Falten ihres Gewandes neu bilden und dass sie davon geht.

Meine Vergleichsfotos sind leider alle ziemlich unscharf geworden. Ich habe bei den Aufnahmen in der dunklen Kirche (und auch sonstigen Aufnahmen im Dunklen) zum ersten Mal deutlich wahrgenommen, wo die Grenzen meiner kleinen Kompaktkamera verlaufen und beschlossen, dass es an der Zeit ist, mir das Handbuch mal vorzuknöpfen (anstatt wie bisher einfach drauflos zu knipsen) um rauszufinden, ob ich nicht doch irgendwo die ISO-Werte manuell einstellen kann. ISO 800, was die Kamera automatisch wählt bei solchen Dunkelaufnahmen rauscht einfach gewaltig.

Äh ja.

Aber eine Aufnahme zweier besonders hässlicher Putten (nee, gar nicht wahr, die waren alle gleichhässlich) ist einigermaßen scharf geworden und zeigt vielleicht ein wenig, was mich bewegt hat als ich die zum Heulen schöne Madonna betrachtete. (Klick macht übrigens alle Fotos größer und bei der Madonna lohnt es sich genauer hinzusehen.)


Unglaublich, dass das wirklich kühler Stein sein soll und kein echter Stoff, so fließend wie das aussieht.

Und nachdem ich die dann bestaunt hatte, habe ich mal gedanklich Rom auch noch zu den Orten addiert, die ich eigentlich gerne mal sehen würde. (Wobei mich da vermutlich erschlagen würde auszuwählen, was ich mir ansehen mag. Zeit ist ja immer so kostbar und die Aufnahmefähigkeit begrenzt.)

Die Zeit im Dunklen hat sich dann doch gelohnt. 🙂

Katja

Nur 48 Stunden

…zumindest so in etwa waren es, die wir an der belgischen Küste verweilten und wenn ich jetzt so durch die Fotos gucke, will ich kaum glauben, dass es nicht länger war.

Fast 700 Fotos habe ich geknipst und habe doch das Gefühl nur die Hälfte dessen, was sehens- und fotografierenswert gewesen wäre, fotografiert zu haben und mit der Auswahl derer, die ich zeigen mag, tue ich mir noch schwerer als üblich. (Ihr habt nicht zufällig Zeit und Lust euch alle 700 anzugucken, nein? :D)

Belgien, das war für mich bisher (trotz der Nähe) ein echtes schwarzes Loch. Vor fast 20 Jahren bin ich einmal auf dem Weg nach Frankreich quer durchgefahren, nachts auf der Autobahn – auf der komplett beleuchteten Autobahn und das fand ich sehr bizarr. Ausserhalb der Autobahn war nämlich kein Licht von irgendwelchen Orten zu sehen. Neben dieser nächtlichen Autobahnfahrt verband ich mit Belgien primär Pommes, Brüsseler Spitze, Schokolade, Waffeln und Marc Dutroux. Und obwohl der Aufenthalt dort so kurz war, ist wenigstens noch dazu gekommen: Belgien ist stellenweise wunderwunderschön!

Was ich in der Zeit ansonsten noch so gelernt, erfahren, ge/bemerkt habe:

  • Die Strandbebauung der Belgier finde ich überaus bizarr. Was bitte haben die sich denn dabei gedacht, in erster Reihe an der Promenade solche hässlichen Betonklötze aufzustellen? Dicht an dicht. Das ist ja scheinbar nicht mal aus Tourismusgründen (und auch da fände ich es unverständlich) passiert – Hotels gab es in jenem Ort, in dem wir waren nämlich nur eines ganz vorne (und wir waren drin!1elf).
  • Bei manchen sprachlichen Wirrungen verliert sich mein Niveau unter albernem Gekicher.
  • Wenn man das Hotelzimmer fast nur zum Schlafen sieht und 3 Tage mehr oder weniger am Strand verbringt und 3 Tage mehr oder weniger in Brügge, fühlt sich das wirklich nach einem viel ausgewachseneren Urlaub an als es war.
  • Man kann problemlos in Brügge 40 Euro für 2 heisse Schokoladen und 2 Waffeln ausgeben – zum Glück muss man das aber nicht häufiger als einmal tun.
  • Eine Panikattacke (unerwartet und nach sehr langer Zeit wieder mal so schlimm) haut mir immer noch gewaltig die Knie weg und das ist alles andere als schön oder gut. (Vielleicht später mehr darüber.)
  • Die Nordsee ist am Anfang des Sommers noch ‚Scheisseistdaskalt‘-kalt!
  • Ich habe selten von einer Stadt so umfassend gedacht, dass sie sehenswert ist, wie von Brügge. Dort könnte ich Wochen damit verbringen durch die Straßen zu laufen und fast jedes Haus der Altstadt wäre es wert, es intensiv zu betrachten (und zu knipsen). Hammerhammerschön das alles!
  • Young. Old. Just words. (Kann man ja gar nicht oft genug lernen.)
  • Meer gucken macht glücklich! (Nicht neu gelernt, aber auch immer wieder wahr.)

Mehr Meer und mehr Brügge und mehr Belgien und vor allem viel mehr Fotos demnächst! Weil eigentlich wollte ich ja nur fix ein paar Worte schreiben und einmal hoch auf den neuen Header deuten. Ganz frisch mitgebracht und bei dem Knipsen natürlich ganz fest an die daheimgebliebene Meeressehnsuchtsselbsthilfegruppe gedacht! 🙂

Katja