Das Mädchen und die Frau.

Das kleine Mädchen auf Rollschuhen, lachend, strahlend, ungestüm rumrasend, stolpernd, weinend, aufstehend, lachend, strahlend, ungestüm rumrasend. Immer wieder ein ganzes Stück nach vorne auf der Promenade und zurück zu ihrem Vater. Der, ebenfalls lachend, strahlend, sie immer wieder und wieder anfeuernd, ihr Mut zusprechend.

Die Frau, die die Szene beobachtet, zuerst denkend „Ufff, das geht doch hier niemals gut, die tut sich gleich ernsthaft weh, wie leichtsinnig das alles ist“, dann auf einmal erkennend, woher diese Gedanken kommen. An ihre eigene Kindheit zurückdenkend „Komm da runter, du fällst. Mach das nicht, du tust dir weh. Nicht so schnell. Nicht so hoch. Nicht so weit. Nicht so, nicht, nicht, nicht. Du tust dir weh. Du kannst das nicht. Du fällst hin.“. Die Frau, die die Szene beobachtet, auf einmal wissend „So geht das. So er_mutigt_ man sein Kind, so bestärkt man es, gibt ihm Selbstvertrauen.“.

Die Frau auf der Promenade, Tränen in den Augen, zum ersten Mal nicht voller Selbsthass wegen ihrer Feigheit vor allem, vorm Leben, sondern voller Mitgefühl mit dem kleinen Mädchen, das sie vor so vielen Jahren war und das eine ganz andere Lektion zu lernen hatte als jenes auf den Rollschuhen, sich fragend, was für ein Leben sie hätte führen können, wenn jemand da gewesen wäre, der sie lachend und strahlend angefeuert, ihr Mut gemacht hätte.

Die Frau mit den Fingern auf der Tastatur, „besser spät als nie“ denkend, sich endlich mehr trauend, sich endlich Dinge zu_trauend_.

Katja

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Neulich im Hauptquartier der NSA-Ortsgruppe Montecatini-Terme

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Denkste, die merken, dass wir hier sind?

Ach was! Ist doch alles gut getarnt, so mitten im Gemüsebeet.

Katja

Spielverderberin

Die ältere Dame, die ohnehin schon ziemlich winzig ist, bückt sich ein bisschen, um besser an den Schacht zu kommen, drückt den Knopf und bestellt „Eine Weizenkruste, bitte“. Ein Sonnenblumenbrot fällt in den Ausgabeschacht, sie schüttelt sanft den Kopf, murmelt „Das ist doch das falsche“, schiebt das Brot beiseite, drückt erneut den Knopf „Eine Weizenkruste wollte ich.“. Ein Sonnenblumenbrot fällt in den Ausgabeschacht, die Frau schüttelt den Kopf, bückt sich noch ein bisschen tiefer, um mit dem Mund noch dichter am Schacht zu sein, drückt den Knopf und ruft – jetzt schon ziemlich laut – „Eine Weizenkruste!“, doch entgegen kommt ihr wieder nur ein Sonnenblumenbrot.

Und ich stehe da, zwischen Grinsen und Hingerissensein über diese niedliche kleine Omi, die versucht mit einem Backautomaten zu reden und bei ihm ein Brot zu bestellen, das üblicherweise im benachbarten Regal liegt, aber gerade ausverkauft ist. Der Knopf, den sie zum Rufen des Bäckereipersonals, das sie hinter der Automatenfront vermutet, ist jener, mit dem man ein Sonnenblumenbrot anfordert. Und ein bisschen fühle ich mich, als würde ich einem Vierjährigen die Illusion an den Weihnachtsmann nehmen als ich sie sacht am Arm berühre und ihr den Automaten erkläre und auch, dass ihr gewünschtes Brot, leider gerade ausverkauft zu sein scheint, weil sich ja keines im Regal befindet.

Und nach einem ungläubigen „Ach da sitzt gar niemand drin? Das ist ja verrückt!“ grinsen wir uns an und sie beschließt dann doch lieber wieder zum Bäcker an der Ecke zu gehen, denn was soll sie denn mit so ’nem Automaten, wenn es da nicht mal Weizenkruste gibt und ihr nicht mal jemand antwortet und ich bin irgendwie froh, dass sie nicht mitbekommt wie der Automat dem nächsten Kunden ein freundliches „Das von Ihnen gewünschte Produkt ist in 2 Minuten erhältlich.“ entgegenruft, denn ich hätte nicht recht gewusst, wie ich ihr hätte erklären sollen, dass der Automat eben manchmal doch mit den Kunden spricht.

Katja

Neulich beim Einkaufen

  • Der kleine Junge, Torben-Alexander, der – so sollte man meinen, mit seinem Namen schon ausreichend bestraft ist und der – vergnügt vor sich hinquietschend im Einkaufswagen saß und nach dem Einkauf partout nicht rauswollte, zusammen mit seiner Mutter, die meinte, das lautstark mit ihm austragen zu müssen. Sie mit ihrem Wagen quer vor drei Reihen Einkaufswagen im Weg stehend und ihn anmaulend, er würde alle Leute aufhalten.
  • Die Frau, die vergessen hatte, ihre Bananen zu wiegen, was ihr schon eingefallen war, während sie an der Kasse in der Schlange stand. Sie wollte aber ihren Warteschlangenplatz nicht aufgeben und hat stattdessen die Kassiererin, als sie dann an der Reihe war, zum Obst hetzen und die Bananen für sie abwiegen lassen. Und es war ihr nicht zu peinlich, das von selber zu erwähnen.
  • Der Mann im schwarzen Anzug mit Krawatte, der von mindestens 7 verschiedenen Wurstsorten je zwischen 70 und 120 Gramm verlangte.
  • Die Frau, die nur das günstigste Toilettenpapier und den teuren Champagner gekauft hat.
  • Wieder der Mann im Anzug, der vergessen hatte, seine Minimenge Weintrauben zu wiegen und dann eine Diskussion mit der Kassiererin, die das für ihn nachholte, über den Preis anfing.
  • Tochter, Mutter und Großmutter, alle drei in geblümten Leggings, alle drei am gleichen Einkaufswagen von je einer Seite festgeklammert und durch den kompletten Laden hindurch lautstark miteinander streitend.
  • Das Paar, beide im gleichen T-Shirt, beide in 7/8 langen Hosen, beide mit Flipflops, beide leicht humpelnd.
  • Die Frau, die auf dem Kassenband ihren Einkauf in zwei Teile aufgeteilt hatte, um sie getrennt zu zahlen und die dann zweimal minutenlang nach Kleingeld kramte, was allerdings beide Male keinen Erfolg hatte.
  • Der Mann im Auto, eine Hand mit dem Handy am Ohr, mit einer auf dem Beifahrersitz kramend, wo er auch hinguckte, der innerhalb weniger Sekunden erst um ein Haar mich samt Einkaufswagen erwischt hätte, wäre ich nicht beiseite gesprungen und kurz danach einen älteren Mann auf seinem Fahrrad. Und ich glaube, er hat das nicht mal bemerkt.

Katja

Amüsieren nach Plan

Der kleine Junge hüpft die Treppe hoch und runter und wieder hoch und wieder runter. Die Wangen glühen, die Augen leuchten, der Kleine juchzt, ruft etwas, das wie ‚Kändadu‘ klingt. Ganz klar, die hat er gerade gesehen in ihrem begehbaren Gehege, denn die Treppe, auf der er rumhüpft befindet sich im Tierpark.

Ich bleibe in etwas Entfernung stehen, beobachte ihn, muss grinsen. Man könnte kaum anders bei der Freude, die er so augenscheinlich ausstrahlt.

Die Mutter, am unteren Fuß der Treppe, guckt mit jedem Sprung sichtlich gequälter. Ihr Tonfall wird mit jedem Satz genervter.

‚Hör jetzt auf, Kevin!‘

‚Schluss jetzt!‘

‚Komm sofort her, Kevin!‘

‚Ich hab gesagt, du sollst sofort aufhören und herkommen!‘

‚Wir sind hier um Tiere zu gucken, nicht um auf Treppen rumzuspringen!‘

Der Kleine, anfangs noch ungerührt das Schimpfen ignorierend, gibt nach, trottet zur Mama und fügt sich in ihren Plan, der nunmal vorsieht, dass sie an diesem Sonntag Nachmittag beim ‚Tiere gucken‘ Spaß haben werden.

Katja