Die mit Abstand wertvollsten Dinge beim Einkaufen gab’s gratis

… so viel Sonne und Wärme, dass es für die erste Fahrt mit heruntergekurbeltem* Autofenster reicht

… der im Laden telefonierende Typ mit der eindeutig norddeutschen Sprachfärbung, der sein Telefonat mit einem „Jou, kiek mo wedder in“ beendet #Dialektliebe

… das erste Gänseblümchen am Wegrand

… der mitgehörte „Gehen Sie ruhig vor.“-„Vielen Dank, aber ich habe heute jede Menge Zeit und gönne mir das Warten.“-Dialog an der Kasse

… der Vater mit seiner Tochter, der einen leeren Regalgang nutzt, um mit dem Einkaufswagen Geschwindigkeit aufzunehmen und die Kleine zum Juchzen zu bringen ❤

… das strahlende Lächeln, das mir der Mann auf dem Parkplatz zuwirft #aufgefangen_mitgenommen

Katja

[*und ich mag das immer noch so nennen, auch wenn man schon lange nicht mehr kurbeln muss, um die Fenster zu öffnen]

An manchen Tagen…

…freut man sich erst über liebe Mail, dann über liebe Post auf wahnsinnig knuffiger Bärchenkarte. ♥

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…hört der Regenguss exakt in dem Moment auf als man das Haus verlässt und die Sonne kommt raus.

…wird die Lieblingsparklücke beim Laden genau dann frei als man auf den Parkplatz fährt.

…wird man freundlich angelächelt.

…steht niemand vor einem an der Kasse als man seine Einkäufe auf’s Band räumt.

…bekommt man gerade noch das letzte Dings weswegen man in einem Laden war.

…sieht man draussen den ersten Nur-T-Shirt-keine-Jacke-Träger des Jahres, ist aber ganz froh, selber Winterjacke und Schal anzuhaben.

…hat man beim Einkaufen direkt zwei freundliche Begegnungen mit Fremden.

…wird man centgenau sein Kleingeld aus dem Geldbeutel beim Bäcker los und ist mit dem Abzählen genau dann fertig als man an die Reihe kommt.

…macht man ein Schnäppchen.

…glänzt der Rhein in der Sonne als wäre er aus flüssigem Silber.

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…kann man für einen halben Tag mal die Angst vergessen, die einen schon wieder in den Fängen hat.

Katja

Neulich beim Einkaufen

  • Das breite Grinsen der jungen Frau, die ein kleines komplett in rosa Tüll gehülltes Mädchen in den Kindersitz des Einkaufswagens hebt und es dabei mit ‚Euer Hoheit‘ anspricht.
  • Die Supermarktangestellte, der ich eine offene Tüte Tiefkühlblattspinat in die Hand drücke während ich ihr erzähle, dass die geöffnet in der Truhe lag und ich sie, ohne das zu merken schwungvoll in meinen Wagen und damit 3/4 des losen Inhalts zwischen die anderen Einkäufe befördert hätte und die dazu ganz pragmatisch ’na zum Glück waren’s keine Ersen‘ anmerkte.
  • Die ältere Frau, die an der Kasse, erst der Kassiererin und dann mir, ganz freudig erzählte, dass sie endlich Berliner bekommen hätte. Sie hätte ja schon so lange Lust darauf und immer waren die ausverkauft, aber heute hätte sie Glück gehabt.
  • Die Frau, mit der zusammen ich herzhaft lachen musste, als wir mit unseren Einkaufswagen aufeinander zu rollten und direkt zweimal hintereinander versuchten, einander auszuweichen, jeweils beide in die gleiche Richtung.
  • Die überraschte Freude des älteren Paares, das ich an der Kasse fragte, ob sie vorgehen wollten, weil sie nur wenige Einkäufe hatten und die Überschwänglichkeit, mit der sie sich mehrfach bedankten.
  • Auf dem Heimweg zum ersten Mal für dieses Jahr an der roten Ampel das Fenster ein Stück öffnen, weil die auf’s Auto knallende Sonne so wärmt und grinsend bemerken, dass der Fahrer im Wagen vor mir just im gleichen Moment das gleiche tat.

 

Kommt mir das nur so vor oder sind gerade alle an den Tagen, an denen die Sonne scheint viel fröhlicher?

Katja

Neulich beim Einkaufen

  • Der Mann mit Farbe an den Klamotten und Mörtelklümpchen im Haar an der Kasse. 4 Flaschen Bier und ein Stück Seife im mitgebrachten Stoffbeutel verstauend und ich frage mich, auf was davon er sich wohl mehr freut. Beides scheint er sich rechtschaffen verdient zu haben.
  • Der Benzfahrer der direkt vor dem Ladeneingang anhält, um seine Frau aussteigen zu lassen, und damit zwei Autos sowie 3 Leute mit Einkaufswagen zum Anhalten bzw. Ausweichen zwingt. Kaum hat er sie rausgelassen, läuft sie dem Auto hinterher zu der Parklücke wo er einparkt. Welchen Sinn das Rauslassen hatte, erschließt sich mir auch bei längerem drüber nachdenken nicht. Weder war sie wacklig zu Fuß, noch regnete es, noch war die Parklücke zu eng als dass man auf beiden Seiten die Türen hätte öffnen können, noch ging sie schon mal in den Laden vor.
  • Die Frau mit übervollem Einkaufswagen, die rücksichtslos den älteren Mann, der mit nur zwei Artikeln in der Hand auf die Kasse zugeht, überholt, um vor ihm dran zu kommen. Er trägt’s mit Fassung und einem Grinsen und nuschelt nur, dass er ja Zeit habe.
  • Das Paar, beide um die 30, scheinbar frisch verliebt, scheinbar zum ersten Mal zusammen einkaufen, um scheinbar hinterher gemeinsam zu kochen. Beide zögerlich auslotend, was der andere wohl mögen könnte, bevor sie einander Dinge vorschlagen. Er mutig beim Gemüse und man merkt ihm den Grünzeugnovizen an als er schwertgleich mit einer Salatgurke rumfuchtelt und meint ‚Wir könnten ja sowas hier mitnehmen.‘ und kurz drauf fragt, ob man ‚das‘ wohl abwiegen müsse.
    Später sehe ich sie noch vor dem Nudelregal und das ist ja ohnehin eine ganz eigene Philosophie.
  • Justin-Kevin (sprich Tsasstinn-Käwien) der, ausgestattet mit eigenem kleinen Kindereinkaufswagen jedesmal, wenn er auch nur ansetzt, etwas reinzupacken, lautstark mit einem ‚Tsasstinn-Käwien, die Mama hat nein gesagt.‘ ermahnt wird. Das ’nein‘ war allerdings nie zu hören und ich weiss beim besten Willennicht, weswegen der Kleine, dann überhaupt den eigenen Wagen bekommt, wenn er ihn komplett leer durch den Laden schieben muss und nichts einpacken darf. Und ich weiss noch weniger, weswegen er mit einem Namen gestraft ist, den die Mama, die immer nein sagt, nicht mal auch nur annähernd richtig aussprechen kann.
  • Die zwei älteren Frauen, plaudernd vorm Ladeneingang. Hätte ich eine davon nicht schon häufiger gesehen und gewusst, dass sie Deutsche ist, ich hätte mich gefragt, in welcher Sprache die beiden sich unterhalten, so fremdländisch klang das alles in meinen Ohren. Ich werde mich wohl nie an den Dialekt dieser Gegend gewöhnen.
  • Dieses doofe Gefühl, jemandem zu begegnen, demjenigen flüchtig zuzunicken, weil man weiss, man kennt sich und partout nicht drauf zu kommen, woher man den-/diejenige/n kennt und sich folglich auch zu fragen, ob man angemessen reagiert/gegrüßt hat oder vielleicht gerade total unhöflich war, weil man wenigstens etwas hätte sagen sollen. Passiert mir immer mal, wenn ich Menschen nur in einem bestimmten Kontext (Friseur, Werkstatt, Zahnarztpraxis,…) kenne und ihnen ausserhalb dessen begegne. Auf der Heimfahrt fiel’s mir dann ein, aber bis dahin hat mich das nicht wieder losgelassen.
  • Die Kassiererin, die mich als ich mein Bund Thymian auf’s Band lege fragt, ob’s 99 Cent kostet und ich entgegne, dass ich nicht ganz sicher sei, aber glaube, es wären 69 Cent und sie vertraut darauf, dass ich mich richtig erinnere und geht nicht nochmal los um das zu überprüfen. Und das obwohl nach mir niemand mehr an der Kasse anstand, der hätte warten müssen.
    Und hinterher frage ich mich dann, weswegen das nicht die Regel sein kann und weswegen es dieses entgegengebrachte Vertrauen ist, was mir als ungewöhnlich auffällt.
  • Der junge Mann, fast 2 Meter groß, mit der alten Frau, vermutlich seiner Oma, die ihm nicht mal bis an die Brust reicht. Beide mit ernsten Mienen und sie kaufen ausschließlich Grabgestecke. Viele.

Katja

Neulich beim Einkaufen

  • In der hinteren Ecke des Discounterparkplatzes ein Mann, breitbeinig und mit dem Rücken zum Parkplatz, Gesicht in Richtung Büsche, völlig klar, was er da macht. Ein zweiter (älterer) Mann mit Hund geht auf ihn zu, schimpft lautstark los. Der erste ist fertig, steigt in seinen Wagen und fährt weg. Der Hund des zweiten erledigt sein Geschäft mitten auf dem Parkplatz. Der eben noch lautstark den Buschpinkler Beschimpfende geht weiter als wäre nichts passiert, würdigt die Hinterlassenschaft seines Hundes keines Blickes und sammelt sie selbstverständlich auch nicht ein.
    Als ich ob der absurden Situation laut loslache guckt er mich nur verständnislos an.
  • Der Mann am Backautomaten, der für jedes Brötchen einzeln die Anforderungstaste drückt, wartet bis das Brötchen ins Entnahmefach fällt, es rausholt, in seine Tüte sammelt und nach jedem 2. oder 3. sämtliche Brötchen in zwei Tüten nachzählt und mich fast vorwurfsvoll anguckt als ich für 4 Brötchen die Taste viermal schnell hintereinander drücke, alle Brötchen auf einmal entnehme und samt Tüte schon in meinem Wagen verstaue während er, der vor mir dran war, noch nicht mal seine Tüten verschlossen hat und mit seinem Einkaufswagen immer noch den halben Gang versperrt.
  • Dann an der Kasse als ich schon in der Schlange stehe, aber noch schnell ein Netz Kartoffeln auswähle, die Frau, die eine Lücke, die durch das Vorrücken meines Vordermannes an der Kasse entsteht, nutzt und sich mitsamt ihrem Wagen und ihrer Tochter in diese Lücke quetscht und damit vor mich drängelt. Mein Wagen, vielleicht zu einem Viertel gefüllt mit weniger als 15 Artikeln, ihrer überrandvoll und hochgestapelt. Die Tochter bleibt mit dem Wagen stehen, die Mutter rennt noch 5, 6 Mal los um diverse Dinge in Nähe der Kasse einzusammeln.
    Und als ich mich gerade über die Dreistigkeit, mit der sie sich vor mich gedrängelt hat, aufregen will, muss ich einfach nur wieder loslachen über die Armseligkeit, die aus der Handlung eigentlich spricht.
  • Lichtblick: Der Mann hinter mir an der Rewe-Kasse, klug und freundlich, mit dem gemeinsam es sich, während der Wartezeit, über die Fehlkonstruktion der Kasse fachsimpeln und lästern ließ.

Und dann noch obendrauf die Erkenntnis, das jedes Mal, wenn ich denke, schon die absolut ungünstigste Zeit zum Einkaufen (weil da alle gehen) entdeckt zu haben, wird’s beim nächsten Mal garantiert noch schlimmer. Ich könnte wetten, dass samstags gegen Mittag die kleine Stadt einer Geisterstadt gleicht, weil jeder einzelne Einwohner sich in einem der wenigen Läden tummelt.

Katja