Zum ersten Mal #2

…Bücher in einen Bücherschrank gebracht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd das fiel mir leichter als ich im Vorfeld befürchtet hatte.

Katja

Neulich beim Ausmisten

Beim Ausmisten findet man ja mitunter kuriose Dinge. Mein bisher abgefahrenster Fund ist ein Papier-Tablett-Aufleger einer großen Fastfood-Kette.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Klick macht extragroß und nur dann offenbart sich so richtig, wie alt das Teil sein muss. Ich glaube, das ist tatsächlich das gesamte Sortiment, das es seinerzeit in deutschen McDonald’s-Restaurants gab. Wikipedia verrät, dass der abgebildete Viertel-Pfünder schon in den 80ern in Hamburger Royal umbenannt wurde. Das Ding stammt also aus den 70ern oder frühen 80ern als es ausserdem statt Fanta noch schnöde Limo und ausserdem einen Sunny Drink gab, Happy Mäc Shakes und das Eis nur in ausgewählten Filialen.

Weswegen derjenige, dem es mal gehörte und zu dem es gerade auf dem Postweg unterwegs ist, es so lange aufbewahrt hat (denn in meinem Besitz ist es frühestens seit irgendwann in den 90ern) entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Aber vielleicht fällt’s ihm ja wieder ein, wenn er’s auspackt. 😀

Katja

492

Das ist die Anzahl der Dinge, die ich aus einem einzigen, zugegebenermaßen sehr großen, Schrankteil ausgemistet/aussortiert habe. Und das ist nicht nur sehr gut, weil dieses ziemlich große Schrankteil jetzt fast leer ist, sondern auch, weil es mein „Angstgegner“ war.

Fast alle Dinge in der Wohnung habe ich, seit dem Einzug hier, vor mittlerweile fast 8 Jahren, immer mal wieder in der Hand gehabt, durchsortiert, umgeordnet, aber um diesen Schrank habe ich dabei immer einen weiten Bogen gemacht. Beim Einzug ist da irgendwie alles reingewandert, das keinen sinnvollen anderen Platz hatte und zum großen Teil befanden sich die Dinge noch in den gleichen Schuhkartons, Kisten und Dosen, in denen sie aus der alten Wohnung hier angekommen waren. Oder noch schlimmer: ein anderer Teil ist dort schon, noch von einem Umzug vorher, verpackt gelagert gewesen und stand also seit insgesamt 14 Jahren noch in gleicher Verpackung rum und je länger ich das alles gemieden habe, desto schwieriger erschien es mir.

Jetzt bin ich, nach einigen Stunden, verteilt über 2 Tage, fertig und letztendlich war es deutlich weniger schlimm als die Hürde in meinem Kopf mich die letzten Jahre befürchten ließ, in denen ich die Aufgabe immer wieder von todo-Liste zu todo-Liste weiterschob. Natürlich war das (emotional) anstrengend, weil viele der Dinge erinnerungsgetränkt sind, aber trotzdem war es relativ einfach zu erspüren, wovon ich mich trennen kann und wovon lieber noch nicht.

Vor allem bin ich aber gerade stolz darauf, den Endgegner zuerst umgeboxt zu haben. Jetzt kann es eigentlich nur leichter werden, die anderen Schränke anzupacken.

Katja

Sitzungswiederherstellung

Heute Morgen beim Browserstart öffnete sich unerwartet nur ein einzelner bescheidener Tab mit der favorisierten Suchmaschine. Bei meiner dringendsten Suche – nämlich jener nach meiner letzten Firefoxsitzung – konnte mir das Sucheingabefeld natürlich nicht weiterhelfen.

Meine Sitzung.
Wenn ich meinen Browser morgens starte, dann lädt er dank Sitzungswiederherstellung direkt 2-3 Reihen, d.h. bei meiner Einstellung irgendwas zwischen 20 und fast 40 Tabs. Alles wichtiger Kram, vieles davon lange Texte, die ich schon länger lesen wollte, wozu ich aber noch nicht gekommen bin, einige youtube-Tabs mit je aktuellen Lieblingssongs – weswegen ich meinen Rechner auch nur mit ausgeschaltetem Sound starten kann, weil mich sonst bei der Rückkehr mit Kaffee aus der Küche ein brüllender Chor empfängt, der in Summe irgendwie gar nicht mehr nach Lieblingssongs klingt, dazwischen Tabs mit dem einen Browserspiel, das ich noch spiele, wobei ich da eigentlich seit Jahren nur rumdümpele und das nur, um mit jemandem in Kontakt zu bleiben, der’s ebenso hält, Informationen über Orte unseres letzten Urlaubs, lange Wikipediaeinträge mit Hintergrundinfos über ein Buch, das ich vor Wochen gelesen habe, mehrere Tabs mit Videos, die länger als die üblichen Aufmerksamkeitsspanne umfassenden 3 Minuten sind und deren Anschauen ich daher vor mir herschob bis ich einmal wirklich Zeit dafür hätte uswusf.

Und so sieht mein Browser beim Starten immer aus. Seit Jahren. Und einige der Tabs sind auch schon seit mehreren Jahren offen gewesen ohne sie zwischendrin mal zu schließen. Selbst bei der Rechner- und damit auch Browserneuinstallation rette ich die aktuelle Sitzung immer mit irgendwelchen Sync-Tools in die neue Version rüber.

Und jetzt ist alles weg. Dass die Sitzung nicht direkt beim Start geladen wird, ist schon ein paarmal vorgekommen. Aber auch der üblich funktionierende Trick die vorherige Sitzung über die Chronikoption wiederherzustellen funktioniert dieses Mal nicht. Und über die Browserhistory kommt man nur an jene Tabs ran, in die man am jeweiligen Tag auch geklickt hat. Natürlich habe ich das nicht bei pdf-Files über Gärten in Andalusien oder Videos, von denen ich wusste, dass ich eh nicht dazu komme, sie anzusehen. Also ist der Kram weg. Und das fühlt sich erst mal ganz schön schräg nach Verlust an.

Aber, wenn ich mal wirklich ehrlich zu mir bin, dann ist das eigentlich gar nicht so schlimm. Die Dinge, die mich wirklich interessieren – auf diese oder andere zum jeweiligen Thema werde ich sicher bald wieder stoßen. Und über alle anderen rede ich mir gerade selber ein, dass es kein Verlust ist, sondern Gewinn an Freiheit und Zeit. Da ist nicht mehr dieser große Berg unerledigter Kram, der eigentlich danach verlangt, dass ich mich ihm mal widme. Der hat sich ausnahmsweise ganz von selber abgetragen.

Und immer wieder die Erkenntnis, dass es sich hinterher gut anfühlt, wenn ich etwas (wenn auch dieses Mal zwangsweise) ausgemistet habe und mir Platz und Luft verschafft habe. Festhaltenswert. Vielleicht merke ich mir das dann irgendwann mal und habe erst gar nicht vorher solche Probleme, mich ranzuwagen ans Ausmisten. Und wenn das bei äusserem Kram erst mal klappt – vielleicht schaffe ich’s dann irgendwann auch mit dem Kram in mir und lerne es endlich auszusortieren, wegzuwerfen, was nicht aufhebenswert ist.

Katja

An Dingen hängen

In meinem Küchenschrank stehen die alten Emailschüsseln (das hat nix mit elektronischer Post zu tun ;)) meiner Oma, an denen ich heiss und innig hänge und die ich fast täglich in Gebrauch habe. Das ist ein schönes Stück Erinnerung, das ich jedesmal beim Benutzen in der Hand halte und es ist völlig in Ordnung sie aufzuheben, weil sie immer noch ihren Zweck erfüllen.

In meinem Geschirrschrank steht ein komplettes Gläserset, das nach dem Tod meines Vaters in meinen Besitz übergegangen ist. Das steht da seit 23 Jahren, so lange liegt sein Tod nämlich schon zurück. Also eigentlich hatte ich es schon, als ich noch nicht mal einen eigenen Geschirrschrank besessen habe. Das Gläserset ist ungewöhnlich hässlich (das waren einfach preisgünstige Gläser, die er sich damals kaufte als er zuhause auszog) und ich benutze es nie. Also wirklich nie. Zum einen, weil es so hässlich ist, aber viel mehr noch, weil ich Angst habe, eines der furchtbar hässlichen Gläser könnte zerbrechen. Im Regal hinter mir liegen auch ein paar ganz furchtbare Westerngroschenromane, die aus dem Nachlass meines Vaters stammen. Ich würde die nie lesen, aber ich kann sie einfach nicht hergeben.

Ich glaube, ich hab da wirklich eine Macke. Für mich hängt die Erinnerung an einen lieben verstorbenen Menschen so eng mit den Dingen zusammen, die er besessen hat. In meinem Küchenschrank steht auch die Lieblingskaffeetasse meines Opas, die ich nie benutzen würde, aber von der ich mich ebensowenig trennen könnte.

Meine Schränke sind so angefüllt mit solchen Erinnerungsdingen, die überhaupt keinen Zweck erfüllen ausser Platz wegzunehmen. Aber alleine der Gedanke, diese Kaffeetasse wegzuwerfen, fühlt sich wie Verrat an meinem Opa an. Oder zumindest an meiner Erinnerung. Dabei ist es nicht mal so, dass ich diese Dinge brauche, um an diese Menschen zu denken. Aber sie gehörten ihnen. Und den Kram wegzuwerfen, fühlt sich an als würde ich meine Verbundenheit aufgeben.

Dabei belastet mich das Zeug. Es steht rum, ich habe Angst, es könnte Schaden nehmen. Es füllt die Wohnung, es nervt bei Umzügen. Es hat keinen praktischen Zweck (bis auf die Schüsseln und wenige andere unzerbrechliche Dinge) und es ist nicht mal so, dass ich die Dinge an sich in einem verklärten Sinne als hübsch ansehen würde. Viele davon sind hässlich. Aber aus irgendwelchen Gründen gelingt es mir nicht, da mal auszumisten.

Katja