Tag 3/44

Und dann gibt es diese Tage, da musst du dir Worte bei anderen ausborgen, weil die das, was du fühlst, schon vor langer Zeit und viel besser, als du es je könntest, in Worte gefasst haben.


Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer

(Erich Fried)

 

Worteausborgekatja, die kaum glauben kann, dass sie diese Spuren erst vor 4 Monaten im Sand hinterlassen hat. An manchen Tagen erscheint es derzeit, als sei das in einem ganz anderen Leben gewesen.

Treasure

Und dann, als du wach liegst und die Hand auf’s Herz legst, spürst du auf einmal, dass da was anders ist. Da, wo vorher immer dann, wenn du nicht am Meer warst, sofort ein stechender sehnsüchtiger Meerwehschmerz einsetzte, fühlt es sich auf einmal an, als wäre alles angefüllt mit dem Rauschen und den Wellen des Atlantiks und du weisst, dass die Verbindung die du dieses Mal mit dem Ozean eingegangen bist, eine andere ist. Die Windsbraut, die Wellentochter, das girl of the sea hat das Meer im Herzen mit nach Hause genommen.

Und du hoffst, dass es da bleibt, wenigstens für eine Weile, und bist in diesem Moment unendlich froh. Und dankbar.

Katja 🌊

 

Einfach da.

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Morgens aufstehen, ein bisschen kaltes Wasser ins Gesicht, die Sneaker an die Füße und noch vorm ersten Kaffee erst mal aus der Wohnung, den Aufzug rufen, 10 Etagen nach unten, aus dem Haus, über die Straße und dann rechts, immer in Richtung der Altstadt, der „echten“ Stadt und es ist total egal, wenn die Haare trotz Kämmens noch wüst in Bettfrisur abstehen, weil um diese Zeit fast nur Jogger und Walker und Wiesienichtalleheißen auf der Promenade unterwegs sind. Den Blick mal vor die Füße gerichtet, vorsicht, da kommen gleich zwei Stufen, aber meist auf’s Meer. Den Wind im Gesicht, in den Haaren, die Leute, die entgegenkommen oder überholen, alle irgendwie in Sportklamotten, fast alle mit Händies am Oberarm festgeschnallt und Stöpseln im Ohr, eine Frau mit Kinderwagen joggend, zwischen allen, da wo die Stadt näher kommt, der alte Mann im weißen Hemd und schwarzen Anzug, Leute die vorbeigehen, ihn respektvoll grüßen, das sind die Einheimischen, die kennen sich, kennen ihn, der Bus, unser Bus, die 7, vorbeifahrend Richtung Stadt, Wellen, Surfer, einer davon mit Surfbrett über die Promenade joggend, nur schnell zum Strand, nur die nächste Welle nicht auch noch verpassen, wo sie gerade so schön sind…

Ich glaube, das ist es, was mir seit einer Woche am meisten fehlt, dieses morgens rausgehen, losstapfen und das Meer ist immer einfach so da. Kein spezielles an den Strand gehen, einfach nur raus vor die Tür, Richtung Stadt und es gehört völlig normal zum Leben dazu. Es müsste ja viel häufiger im Leben einfach so Meer da sein…

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Katja (mit viel Meerweh)

Ich bin dann mal weg

Jetzt nochmal einen Wimpernschlag lang hinlegen und dann in etwa 3 Stunden aufstehen, duschen, Kaffee kochen, Reste einpacken, Kaffeemaschine putzen und los geht’s.

Meerluft schnuppern, Sonnenuntergänge am Atlantik bestaunen, die Zehen in warmen Sand graben, tinto de verano und vino tinto trinken, Tapas futtern, Zeux angucken, Gambas pulen, Spanisch üben, den Sommer noch ein bisschen verlängern,…

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Mal sehen, ob ich Lust habe, direkt von unterwegs aus ein bisschen live zu bloggen. Ansonsten bis in etwa 3 Wochen!
Lasst’s euch gut gehen!

Katja

Heute im Angebot: Meerblick im 12-er Pack

Irgendwann in der letzten Woche, habe ich mir selber immenses Meerweh gemacht, ich war so leichtsinnig, durch die Wellenfotos aus dem Spanienurlaub 2012 zu scrollen. Ich ärgere mich ein bisschen über mich selber, dass ich es in den letzten Jahren so wenig hinbekomme, Reiseerinnerungen hier sinnvoll und zeitnah festzuhalten. Eigentlich finde ich es nämlich ziemlich toll, da später drin lesen und stöbern und damit die Erinnerungen heraufbeschwören zu können. Diesem Geschludere ist es auf jeden Fall geschuldet, dass ich euch bisher fast keine meiner allerallerallerliebsten Meerfotos gezeigt habe von dem bisher allerallerallertollsten Strand an dem ich war.

Das Schlafzimmer hatte nur zur Seite hin Meerblick, aber morgens, wenn ich aufgestanden und die Treppe runtergegangen bin, war ab etwa halber Höhe der Treppe, durch die große Glasfront der Atlantik mit seinen tollen Wellen zu sehen und ich blieb jeden Morgen erst mal andächtig einen Augenblick lang stehen und starrte ins tiefe Blau des Meeres, bei jeder Welle fest davon überzeugt, dass das nun wirklich die allerallerallerschönste war, die ich je gesehen habe. Bis zur nächsten und dann von vorne.

Und wo ich eh schonmal am Wellenfotos durchgucken war, gibt es hier auch ein paar für euch. Alle vom Strand von Atlanterra, alle aus Oktober 2012, genauso wie der neue Blogheader. 🙂

Sehnsucht on. (Klick macht groß.)

 

Katja

Back to life

Merkwürdig, wie fremd die eigene Wohnung erst mal riecht, wenn man ein paar Wochen nicht zu Hause war und dann zum ersten Mal wieder reinkommt. Und ich weiss nicht, ob es so ist, dass das Fehlen des eigenen Geruchs die Fremdartigkeit ausmacht oder ob da ein zusätzlicher Geruch in den Räumen liegt, der normalerweise nicht hingehört. Ich muss auf jeden Fall erst Mal für eine ganze Weile alle Fenster weit aufreissen und gründlich lüften, damit die Wohnung und ich dann wieder was Gemeinsames anfangen können, damit wir wieder unseren Zuhausegeruch entwickeln können.

Da bin ich also wieder!

Gestern Abend kurz vor halb 12 angekommen, die erste Nacht im eigenen Bett fast komplett durchwacht, weil ich über diesen toten angestrengten Punkt der Rückreise lange drüber war und nur das Aufgekratzte übrig blieb und trotzdem bin ich heute nicht völlig tot und fertig, sondern habe schon so gut wie alles ausgepackt und wieder verräumt und im Keller läuft gerade die Waschmaschine zum vierten Mal für heute.

Im Dekollete schält sich noch die Haut vom Sonnenbrand und ich sitze hier mit warmen Socken und einer heissen Tasse Tee und kann gar nicht greifen, ob sich das jetzt wie zu Hause oder einfach alles nur sehr unwirklich anfühlt.

Ich bin wieder hier. Aber ich muss nur die Augen schließen und da ist noch das Rauschen der Atlantikwellen im Ohr und der salzige Geschmack auf den Lippen und wäre ich nicht ohnehin schon ein großer Fan dieses wunderbaren Ozeans gewesen, dann hätte er mein Herz spätestens in den letzten beiden Wochen im Sturm erobert.

Wind und Wellen – die beiden waren mir schon immer lieber als die spiegelglatte Wasseroberfläche und für beides war ich zur genau richtigen Zeit am genau richtigen Ort. Ich hab mich am Meer überhachzt, ich konnte nicht aufhören, in die Wellen zu schauen und die Wellen zu fotografieren und irgendwann stand ich heulend vor Glück am Wasser, weil das Meer mich in diesen Tagen völlig überwältigt hat. Nie fühlte sich der Begriff Naturgewalt greifbarer für mich an als bei dem wahnsinnigen Wellenschauspiel, das sich an den meisten Tagen direkt vor unserer Nase bot.

Ich bin wieder da, aber so ein kleiner Teil von mir bleibt jedes Mal in Spanien und stattdessen bringe ich ein passendes Stück Sehnsucht mit nach Hause.

Toll war’s. Sehr. Sehr!

Katja

(no text)

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Katja