Gelesen im November 2014

Ich glaube, mit 7 (naja, eigentlich 6 1/3) Büchern, war der November mein lesereichster Monat des Jahres und dabei habe ich noch nicht mal mit Tee auf dem Sofa gesessen, sondern einfach sehr viel abends im Bett gelesen. Oder morgens. Fix einen Kaffee gemacht und dann nochmal für eine halbe Stunde vorm Aufstehen die Nase ins Buch stecken. Es gibt schlechtere Arten, den Tag anzufangen…

Donna Leon – Auf Treu und Glauben, Commissario Brunettis neunzehnter Fall

Es war Rüdiger, der mich vor ein paar Jahren mit der Brunetti-Serie angefixt hatte und damit hatte er sehr nachhaltigen Erfolg, denn das war jetzt schon der 19. Roman der Reihe, den ich gelesen habe. Der letzte davon ist allerdings eine ganze Weile her, denn das habe ich auch irgendwann im Laufe dieser vorher 18 Bände gemerkt, dass ich die Brunettis nicht zu dicht hintereinander weg lesen darf, weil sie mir sonst zu sehr verschwimmen.

Das, was die Serie für mich ausmacht, sind nicht in erster Linie die Kriminalfälle, sondern vielmehr die Charaktere. Ich mag es, mit Brunetti über Venedigs Brücken und Plätze zu gehen und ich mag es, dass es in den Büchern wahnsinnig oft um Essen geht. Bei den Brunettis wird dauernd gekocht und gegessen und auch ansonsten erörtert der Commissario ganz gerne die neuesten Zeugenaussagen mit seinem Kollegen Vianello in einer der zahlreichen Bars Venedigs, auf ein paar Tramezzini und ein bis drei Gläser Wein. Ich mag es, wenn Brunetti nach dem Essen mit seiner Frau Paola auf einen Grappa auf der Terrasse sitzt oder auf dem Sofa, mal in trauter Eintracht, mal ordentlich am streiten – oft über Geschichte oder Politik oder Umweltbelange.

Und ich merke, wie ich der Serie auch verzeihen kann, dass man das alles nicht so genau hinterfragen darf. Wie zB eine Universitätsprofessorin für englische Literatur es schafft, jeden Tag mehrgängige Mittagessen und Abendessen für die Familie zu kochen, ihrem Unijob nachzukommen und ausserdem jede freie Minute mit der Nase in einem Henry James Buch zu verbringen – und das müssten zahlreiche sein, also freie Minuten, wenn man den Büchern so glauben darf. Entweder Paola kennt da jede Menge Tricks, wie man all diese zeitaufwändigen Tätigkeiten unter einen Hut bekommt oder die Geschichten sind an diesen Stellen einfach deutlich unscharf.

Aber ich kann das echt gut verzeihen, dafür mag ich die Brunettis zu sehr.

In vielen der Fälle gibt es nicht nur den Mordfall an sich, sondern Brunetti und Vianello kommen irgendeiner Art von Korruption auf die Spur und oft gehen die Fälle so aus, dass zwar die Wahrheit gefunden wird, aber niemand vor Gericht landet. Wie realistisch das im italienischen Rechtssystem ist, kann ich nicht ausmachen. Unterhaltsam zu lesen ist es trotzdem, auch dass der Commissario trotzdem nie aufhört, nach der Wahrheit zu suchen und wenigstens zu versuchen, die Täter ihrer Strafe zuzuführen.

In ‚Auf Treu und Glauben‘ ermitteln Brunetti und Vianello auf eigene Faust, was es mit einem Wahrsager auf sich hat, zu dessen Adresse Vianellos Tante die Familienersparnisse trägt und ausserdem lösen sie den Mord an einem Gerichtsdiener, der von allen als sehr korrekter und freundlicher Mensch beschrieben wird und der trotzdem auf irgendeine Art in eine Korruptionsangelegenheit verwickelt zu sein scheint.

 

Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

Wie schon im Oktober den Nordwind, habe ich jetzt die sieben Wellen nochmal gelesen. Ich verlinke mal auf meine ursprüngliche Einschätzung beim ersten Lesen. An diesem Lobgehudel hat sich nichts geändert, mich hat das Buch – obwohl ich den Ausgang kannte – auch beim zweiten Lesen völlig in seinen Bann gezogen.

 

Janne Teller – Nichts, Was im Leben wichtig ist

Der Siebtklässler Pierre Anthon aus einer kleinen dänischen Stadt, beschließt, dass nichts im Leben wichtig und von Bedeutung ist. Und weil nichts von Bedeutung ist, braucht man auch erst gar nichts zu machen. So geht er nicht mehr zur Schule sondern sitzt im Pflaumenbaum, von wo aus er seinen ehemaligen Klassenkameraden vor Augen führt, wie sinnlos ihr Leben und Streben ist.

Der Rest der Klasse fürchtet, dass Pierre Anthon insgeheim recht haben könnte und dass wirklich nichts von Bedeutung ist – also fangen die Kinder an, Dinge von Bedeutung zu sammeln und in einem alten, stillgelegten Sägewerk als Berg aus Bedeutung aufzuschichten. Zuerst wandern dort nur alte Fotos und kaputte Spielsachen hin, doch dann beginnen die Kinder gezielt, bedeutungsvolle Dinge von ihren Klassenkameraden zu fordern. Die ich-Erzählerin muss ihre nagelneuen und heissgeliebten grünen Sandalen abliefern und aus Rache verlangt sie von der Mitschülerin, deren Idee das war, deren Hamster. Je mehr der Kinder an die Reihe kommen, desto ‚teurer‘ werden die geforderten bedeutungstragenden Dinge.

Das Sammeln scheint immer mehr ausser Kontrolle zu geraten, die Klassenkameraden von Pierre Anthon geraten in eine Art Sog und werden in ihren Forderungen immer grausamer und einander gegenüber immer brutaler in der Durchsetzung.

Es ist schwierig, inhaltlich noch mehr ins Detail zu gehen, ohne den kompletten Inhalt des ohnehin recht dünnen Büchleins zu verraten. Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen und weiss immer noch nicht recht, was ich davon halte. Beim Lesen wird irgendwann recht früh die Richtung klar, in die das geht. Das Schlimme ist, ich weiss tatsächlich nicht, welche Botschaft das Buch letztendlich vermitteln möchte bzw. welche bei mir ankommt. Das Ausmaß an Gewalt und der Sog dorthin ist verstörend. Der Ausgang des Buches legt nahe, dass tatsächlich nichts von Bedeutung sein könnte, zumindest in der Wahrnehmung der ich-Erzählerin. Ausser jenem allerletzten Schritt, aber ich kann nicht glauben, dass das wirklich die Intension der Autorin ist und vielleicht verstehe ich auch nur einfach nicht den Parabelschluss, der aus der Geschichte folgt.

Ein sehr krasses Buch ist ‚Nichts‘ auf jeden Fall. Ich hätte mir, speziell bei der Thematik und speziell, weil es ein Jugendbuch ist, eine deutlichere und positivere Auflösung gewünscht und ich bin nicht sicher, ob es tatsächlich für Jugendliche so gut geeignet ist, speziell schädlich halte ich es für solche in Phasen, wo sie ohnehin auf der Suche nach einem Sinn im Leben sind.

 

Leonie Swann – Garou

Ich wollte hier eigentlich etwas über Leonie Swanns Fortsetzung ihres grandiosen Schafskrimis Glennkill schreiben, den ich im Januar schon gelesen hatte (hier mehr darüber), aber dann fiel mir ein, dass Cloud, das wolligste Schaf der Herde, sicher blöken würde, dass vielleicht ein Schaf wollt(e), aber doch keine Katja.

Also schreibe ich nur, dass alles, was ich Anfang des Jahres über Glennkill geschrieben habe, auch auf Garou zutrifft, nur dass mir Garou noch ein bisschen besser gefallen hat als Glennkill und dass das Winterlamm im Laufe der Jagd auf den Garou – den Werwolf – endlich einen Namen bekommen und dass Moppel den Mond gefressen hat.

Ein großes Lesevergnügen! Ich hoffe, es wird irgendwann noch weitere Teile geben.

 

Chris Carter – Der Kruzifix-Killer

Robert Hunter ist Detective bei der Morddezernat der LAPD und ist dort zuständig für besonders gewalttätige Verbrechen und Serienkiller. Just als er einen neuen Partner – Grünschnabel Garcia – bekommt, wird eine grausam zugerichtete Frauenleiche gefunden. Hunter verliert die Fassung, denn die Leiche trägt zudem das ‚Erkennungszeichen‘ eines Serienkillers, gegen den er vor Jahren ermittelt hat und der zum Tode verurteilt und längst hingerichtet wurde.

Hunter holt die alten Akten aus dem Keller und die Jagd auf den Mörder, der ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint, beginnt von neuem.

Spannend! Und das durchgängig und ohne irgendwelche Längen mittendrin bei fast 500 Seiten. Beim Fund der ersten Leiche war ich skeptisch, ob es mir die Gewaltbeschreibungen nicht zu explizit wären. Ich kann da nicht viel ab und da ich oft abends vorm Schlafen lese, meide ich lieber Thriller mit zu viel Gewalt. Ich weiss nicht so genau, ob es hinterher tatsächlich ein wenig besser geworden ist und nur der Anfang so ein Paukenschlag, aber der Gedanke, das Buch wegzulegen kam mir später gar nicht mehr. Ganz im Gegenteil fiel es mir schwer, es aus der Hand zu legen.

Bei der Figur des Robert Hunter hatte ich manchmal den Eindruck, das sei alles ein bisschen zu arg dick aufgetragen. Als Kind schon mehrere Schulklassen übersprungen, hochintelligent, belesen, gut aussehend, sportlich, ein Doktortitel in Kriminalpsychologie, wobei die Doktorarbeit als Lehrbuch bei der Ausbildung von FBI-Agents verwendet wird.

Dann habe ich aber gelesen, dass der Autor, Chris Carter selber forensische Psychologie studiert und für die Staatsanwaltschaft gearbeitet hat (das Fachwissen fließt auch erfreulicherweise häufiger ins Buch ein, zB wenn Hunter den Unterschied zwischen Schizophrenie und einer multiplen Persönlichkeitsstörung erklärt), danach hat er alles hingeworfen und hat Karriere als Gitarrist gemacht und war da mit etlichen bekannten Künstlern unterwegs, um dann nochmal alles hinzuwerfen und Bücher zu schreiben. Wer selber so umfassend talentiert ist, darf auch bei seinen erfundenen Charakteren ein bisschen dicker auftragen, finde ich.

Und ich bin ganz froh, dass der nächste Hunter-Band – insgesamt gibt es mittlerweie 6 Teile – schon auf mich wartet.

 

José Saramago – Die Stadt der Blinden (abgebrochen auf Seite 107 von 316)

Da mag das Thema noch so interessant sein, ich finde das Buch unlesbar. Und jenes Drittel, das ich gelesen habe, war mehr ein Durchquälen als dass ich irgendetwas davon gehabt hätte. Das liegt einzig und allein am – in meinen Augen – ganz furchtbaren Stil des Autors. Als gäbe es einen Mangel an Satzzeichen, reiht er wörtliche Rede einfach so, mitten in den Text mit ein, höchstens durch Kommata abgetrennt und auch ansonsten sind die Sätze lang und wahrlich nicht schön zu lesen. Im ganzen Buch gibt es so gut wie keine Absätze, man findet also zu allem Ärger auch keine guten Punkte an denen man aussteigen und Pause machen kann – auch das trägt für mich nicht zur Lesbarkeit bei.

Ich zitiere hier mal nur einen einzigen Satz, ganz vom Anfang, damit man sich ein Bild davon machen kann. Inhaltlich tue ich dem Buch sicher großes Unrecht, es geht nur vom Stil für mich überhaupt nicht.

Die Ampel hatte schon wieder die Farbe gewechselt, einige neugierige Passanten näherten sich der Gruppe, und die Fahrer von hinten, die nicht wussten, was los war, protestierten gegen das, was sie für einen üblichen Verkehrsunfall hielten, eine kaputte Ampel, eine verbeulte Stoßstange, nichts, was dieses Durcheinander rechtfertigte, Ruft die Polizei, riefen sie, schafft die Trümmer beiseite.

(José Saramago, Die Stadt der Blinden, Seite 4)

 

Zoë Beck – Wenn es dämmert

Ganz anders ging es mir mit ‚Wenn es dämmert‘ von Zoë Beck. Das war insgesamt schon das dritte ihrer Bücher, das ich gelesen habe und bisher haben mir alle wirklich gut gefallen.

Ich lese ja Bücher aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr gerne, manche wegen ihrer Geschichte, manche einfach nur wegen der Spannung, die sie erzeugen, auch wenn die Geschichte gar nicht so überzeugt, manche wegen ihrer Sprache.

Bei Zoë Beck kommen mindestens zwei der Punkte zusammen. Ich finde ihre Bücher stets so spannend, dass es mir ab einem gewissen Punkt wirklich schwer fällt, sie überhaupt wieder aus der Hand zu legen, ich mag aber ausserdem auch ihre Sprache unheimlich gerne.

Sie öffnete vorsichtig die Augen. Ihre Lider waren so schwer wie der Samtvorhang einer alten Theaterbühne.

(und etwas später im Text:)

Sie wischte den beschlagenen Spiegel nicht frei, wozu auch, es war zu dunkel. Sie wusste nicht, wo hier ein Lichtschalter war. Wo hier überhaupt irgendetwas war. Wo hier war.

(Zoë Beck, Wenn es dämmert, Seite 8 bzw. 9)

Sehr lesenswert! Ich glaube, das hat mir von ihren Büchern bisher am besten gefallen.

Katja

Anflug von Meeressehnsucht

Jule überlegte bei meiner Sdfmsid-Aktion mitzumachen, wusste aber nicht so recht über was sie schreiben sollte und so wünschte ich mir einen Text über’s Meer von ihr. Hier könnt ihr das Ergebnis lesen. Vielleicht spürt ja der eine oder die andere beim Lesen auch den virtuellen Sand zwischen den Zehen. Vielen Dank für den Beitrag, Jule!

Jules Blog findet ihr hier.

Katja

(Was es mit den Gastartikeln auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Die Rechte an untenstehendem Text liegen natürlich alleine bei Jule.)

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katja möchte ihre zeit am meer genießen und bestimmt wird sie auch wieder wuuuuuunderwunderschöne traumhafte bilder von wellen mitbringen.

damit sie ihren urlaub ohne schreiberei genießen (und auch ein paar schöne photos machen) kann, hat sie darum gebeten, ihr mit einem gastartikeln zu helfen.

und weil ich mir katja gut am meer vorstellen kann, dürft ihr heute von mir etwas meeriges lesen.

kennt ihr das buch „alle sieben wellen“ von daniel glattauer?

darin beschreibt herr glattauer in einem bezaubernden briefroman die wachsende liebe zweier email-schreiber.

und während der männliche hauptakteur zuhause sitzt, bekommt er von der hauptakteurin eine mail aus dem – na, ahnt ihr es? – urlaub am meer.

“Warum ich Dir schreibe? Weil mir danach ist. Und weil ich nicht wortlos auf die siebente Welle warten will. Ja, hier erzählt man die Geschichte von der unbeugsamen siebenten Welle. Die ersten sechs sind berechenbar und ausgewogen. Sie bedingen einander, bauen aufeinander auf, bringen keine Überraschungen. Sie halten die Kontinuität. Sechs Anläufe, so unterschiedlich sie aus der Ferne betrachtet auch wirken, sechs Anläufe – und immer das gleiche Ziel.

Aber Achtung vor der siebenten Welle! Sie ist unberechenbar. Lange Zeit ist sie unauffällig, spielt im monotonen Ablauf mit, passt sich an ihre Vorgängerinnen an. Aber manchmal bricht sie aus. Immer nur sie, immer nur die siebente Welle. Denn Sie ist unbekümmert, arglos, rebellisch, wischt über alles hinweg, formt alles neu. Für sie gibt es kein Vorher, nur ein Jetzt. Und danach ist alles anders. Ob besser oder schlechter? Das können nur jene beurteilen, die von ihr erfasst worden sind, die den Mut gehabt haben, sich ihr zu stellen, sich in ihren Bann ziehen zu lassen.

Nun sitze ich seit gut einer Stunde hier, zähle die Wellen ab und beobachte, was jeweils die siebenten treiben. Noch ist keine von ihnen ausgebrochen. Aber ich bin im Urlaub, ich bin geduldig, ich kann warten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf! Hier über der Westküste bläst starker Südwind.”

– Daniel Glattauer.

die geschichte von leo und emmi ist eine ganz bezaubernde, die ich jedem nur ans herz legen kann, aber noch mehr reizt mich die geschichte der siebten welle.
während ich mich in gedanken ans brodelnde, schäumende meer setze und die nakten zehen im sand vergrabe, frage ich mich, ob die siebte welle wirklich so anders ist.
natürlich gibt es darüber auch ganz nüchterne betrachtungen, aber im herzen bin ich gern bereit, mich auf die suche der strände dieser welt zu machen und den wellen bei ihrem treiben zuzusehen.

ist es nicht für fast alle von uns etwas ganz erdendes, wenn wir uns einen platz am strand suchen können und einfach nur aufs grenzenlose meer schauen? werdet ihr nicht auch ganz ruhig, wenn der wind euch eure gedanken aus dem kopf pustet und das rauschen der heran nahenden wellen jedes innere selbstgespräch übertönt?
immer wieder versucht die eine oder andere welle, näher an den strand zu reichen als die vorherige.
sollte das dann eine der berüchtigten siebten wellen sein? eine derer, die es schafft, mutigen mit-schuhen-am-meer-entlang-gehern-aber-bloß-die-schuhe-nicht-nass-bekommend doch etwas wasser um die zehen zu spülen oder sie in höhere gefilde zu vertreiben? vielleicht versuchen die siebten wellen ja auch nur, den vorwitzigen oder unaufmerksamen ein wenig demut mitzugeben.
irgendwie achtet man ja doch eher auf seinen feuchten strandweg, wenn man die füße um haaresbreite doch nass bekommen hätte, obwohl man das eher nicht so wollte.. vielleicht sollten wir nicht so monoton im alltag herum laufen, sondern auch mal rebellieren? auch mal etwas neu machen..?

die siebte welle soll die macht haben, dinge umzuwerfen. sie soll verändern können.

mich begeistert sie. ebenso wie ihre sechs schwestern.
es erfreut mich, wie sie spielen und sand an den strand spült, den sie ja doch eigentlich viel lieber wieder mit zurück nehmen. sie bringen muscheln und kleine steine und lassen uns kurz einen blick auf ihren glitzernden schatz werfen. für den fehlt mir im alltagsstress und gedankenchaos oft der blick. und auch die zeit nehme ich mir eigentlich viel zu selten.
dabei strahlen doch alle wellen so vor lebensfreude, nicht nur die siebte. die eine kommt etwas beherrschter daher, besonnen und würdevoll nur um dann ihrer heran nahenden schwester zu zeigen, dass sie sehr wohl vor ihr am strand sein kann. sie lassen sie von hunden und kindern jagen, genießen die sonne oder begeistern uns schäumend.

sie können uns beruhigen, uns ablenken und ja, ich glaube, wellen haben durchaus die macht, uns zu verändern.
ich würde es nur so gern öfter im hinterkopf haben, wie bezaubernd sie sind. wie erdend wie auf mich wirken können und wie belanglos manche meiner gedankengänge sein können..

genießt den moment, freut euch auf die sieben wellen die euch begeistern wollen, lacht mit ihnen und lasst euch vom alltag ein wenig ablenken.

ich hoffe, dass katja am meer sitzt mit den füßen im sand und der nase im wind. und vielleicht gibt es ja ein photo von einer ganz wunderbaren ersten, zweiten oder vierten welle, dass uns hier fernweh macht.

..und uns ein wenig verändert..
= )

schöne meeressehnsucht wünsche ich euch
jule

Gelesen im März 2013

In den März passten wirklich gute Bücher rein, nachdem ich anfangs des Jahres ja auch etliche erwischt habe, die eher geht so waren.

Robert Wilson – Andalusisches Requiem

Diesen Roman hatte ich zufällig in einem Stapel reduzierter Bücher im Supermarkt entdeckt und eigentlich halte ich mich dann zurück und kaufe nicht mehr, weil ich ohnehin so viele Bücher auf der Wunschliste habe. Aber hey, ein Blick auf den Klappentext verrät, dass die Hauptfigur – Javier Falcón – ein Inspektor aus Sevilla ist und ich konnte nicht widerstehen.

Dass das eine gute Entscheidung war, war schon nach wenigen Kapiteln klar. Sehr spannend, viele Verwicklungen, aber erstaunlicherweise alle im Bereich des Möglichen und nicht zu sehr absurd und unglaubwürdig konstruiert – naja gut, schon ein bisschen absurd, aber man nimmt’s ihm trotzdem ab, weil es in sich schlüssig ist. Dazu auch sprachlich (übersetzt von Kristian Lutze) schön zu lesen. Macht Spaß und ließ meine Wunschliste meinen SUB, dieer ja eigentlich eh schon lang hoch genug ist, um 3 weitere Bücher anwachsen. Es ist nämlich der letzte Teil der Sevilla-Tetralogie um jenen Inspector Jefe.

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Ich weiss nicht, wie lange es her ist, dass ich zum letzten Mal ein Buch aufgeklappt habe und es erst wieder zuklappen und weglegen konnte, als ich es bis zur letzten Seite durchgelesen hatte. Bei diesem ging es mir so. Und ich musste mich förmlich dazu zwingen, nicht nahtlos die Fortsetzung vom ungelesenen Stapel zu klauben, sondern erst mal durchzuatmen und mir einen Kaffee zu machen. Ja, nicht mal das ging während des Lesens, so sehr hatte mich die Geschichte von Emmi und Leo in ihrem Bann.

Mit einer fehlgeleiteten eMail fängt an, was zu einer wunderbaren atemlosen virtuellen Liebesgeschichte wird, zur vollendeten Nichtbegegnung der Illusionen dieser beiden. Wer schon virtuell geflirtet hat, kennt vermutlich dieses reizvolle Wechselspiel zwischen der physischen Distanz und der unheimlichen Nähe, die man ohne diese Distanz nie zu einem wildfremden Menschen aufbauen könnte. Dieses Gefühl transportiert Glattauer für mich meisterhaft durch seine Worte.

Wahnsinnig tolles Buch! ♥

Ich muss dann dringend mal weg vom Rechner, um die Fortsetzung zu lesen, die zum Glück schon hier liegt!

Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

‚Alle sieben Wellen‘ hatte ich zusammen mit dem Wilson von jenem reduzierten Stapel gegriffen und habe dann zu Hause beim Aufklappen gemerkt, dass es die Fortsetzung einer eMail-Geschichte ist. Ich konnte dann zum Glück nicht widerstehen, mir den Nordwind zu kaufen, um jenen zuerst zu lesen. Und dann nach dem Nordwind, war ich froh, die Fortsetzung schon hier liegen zu haben um fast nahtlos weiterzulesen, aber ich hatte auch ein bisschen Angst, der zweite Teil könne nicht an den ersten heranreichen und mich vielleicht nicht ebenso in seinen Bann ziehen. Alle Befürchtungen umsonst! Erstaunlicherweise wird die Geschichte von Emmi und Leo – und auch diese spezielle Art, wie Glattauer sie erzählt nämlich ausschließlich durch die Texte der eMails, die die beiden sich schreiben – auch im zweiten Teil nicht langweilig. Ich mag keine kitschigen Liebesromane, aber ich mag schöne Liebesgeschichten (die müssen dann nicht mal unbedingt gut ausgehen (was jetzt aber nicht zwingend in Bezug auf diese Geschichte zu verstehen ist – ob die gut ausgeht oder nicht, will ich natürlich nicht verraten)) und diese beiden Bücher sind ganz bezaubernd, weil die beiden Figuren, trotzdem sie sich (nur) schreibend begegnen, in der Geschichte wahnsinnig lebendig werden.

Auf dem Innendeckel der sieben Wellen steht zwar, dass man diese Geschichte auch lesen kann, wenn man den Nordwind nicht gelesen hat. Ich würde aber dringend empfehlen, das nicht zu tun. Und auch nicht in falscher Reihenfolge. Mit dem Nordwind fängt es an und muss es auch anfangen.

Der einzige Haken an den beiden Büchern: sie sind viel zu seitenschwach und zu schnell gelesen. Aber vermutlich macht genau das auch aus, dass sie mir so gut gefallen haben. Da ist kein Raum für Überflüssiges neben der Geschichte.

Elizabeth George – Auf Ehre und Gewissen

Vor zwei Jahren hatte ich zufällig „Gott schütze dieses Haus“ von Elizabeth George gelesen und weil es mir gefiel, nach weiteren ihrer Bücher gesucht und dabei festgestellt, dass es eine ganze Serie um das Ermittlerduo Inspector Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers von Scottland Yard gibt. Die beiden könnten verschiedener kaum sein. Lynley, reicher Nachkomme alten britischen Adels, gutaussehend, mit großem Haus samt Butler, Bentley und den entsprechenden Freunden wirkt nur auf den ersten Blick als Snob, das merkt auch Barbara Havers, Kind der Arbeiterklasse, die noch im Haus der Eltern lebt und sich dort nach Feierabend mehr schlecht als recht um ihre geistig verwirrte Mutter und ihren kranken Vater kümmert, recht bald. So verschieden die beiden sind, so gut ergänzen sie sich in ihren Ermittlungen der Fälle, bei denen auch häufig die Klassenunterschiede eine Rolle spielen.

Bisher war das der dritte Band der Reihe, den ich gelesen habe. Durchweg solide Krimis, die bis zum Ende spannend bleiben. Die Auflösung der Fälle bleibt bis zum Ende vorm Leser verborgen und trotzdem sind Motive und Täter nachvollziehbar und tauchen nicht in einer völlig absurden Wendung als neue Figuren auf, mit denen niemand hätte rechnen können. Gefällt mir gut und ich habe gerade freudig festgestellt, dass es sogar schon 17 Bände in der Serie gibt.

Robert Wilson – Der Blinde von Sevilla

Normalerweise, wenn ich Krimis mit haarsträubenden Geschichten lese, stolpere ich beim Lesen alle Nase lang an Stellen, wo man allzu deutlich merkt, hier wurde was zurechtgebogen, damit die Geschichte schlüssig wird oder noch schlimmer an Stellen, wo nicht mal gebogen wurde und wo man dauernd auf Widersprüche stößt. Aber Robert Wilson hat’s echt drauf! Die Geschichte wird zunehmend komplexer und verwickelter, ist aber in sich so schlüssig, dass das Lesen mir sehr viel Vergnügen bereitet hat. Wenn ich nicht gerade mit schreckgeweiteten Augen gierig die nächsten Zeilen verschlingen musste, weil die Umstände der Morde, um die es im ersten Band der Tetralogie geht, schon recht grauslig sind.

Ich mochte den Inspector Jefe ja schon im vierten Band, den ich Anfang des Monats als erstes gelesen hatte, bevor ich mir die restlichen 3 Bände gekauft habe – in diesem Band erfährt man viel über seine persönliche Geschichte und seinen Hintergrund und ich mag den Charakter jetzt noch ein bisschen lieber. Unter anderem, weil er in diesem Band seinen ganz persönlichen Dämonen begegnet und nicht nur eine Panikattacke erleidet. Und das als stolzer Spanier, harter Ermittler, Chef der Mordkommission. Das macht ihn sehr menschlich, bringt ihn mir sehr nahe, weil es mir so vertraut ist. Wilson hat das gut beschrieben, auch mit all dem Leugnen, der Angst vor dem Gesichtsverlust.
Darüber hinaus tauchen in diesem Band noch ein paar mehr Bezüge zur Stadt (Sevilla) auf. Es gibt nicht so wirklich detaillierte Ortsbeschreibungen bei Wilson, aber wenn man die Stadt kennt und ihren Flair liebt, findet man das schon in den Büchern wieder. Besonders in seiner Beschreibung der Prozessionen der Semana Santa, in die Falcón zufällig gerät.

Ich bin äusserst gespannt, ob die zwei verbleibenden Bände da mithalten können. Die beiden, die ich bisher gelesen habe, haben mich wirklich beeindruckt.

Daniel Brühl – Ein Tag in Barcelona

Ich muss gestehen, ich musste erst mal googeln, wer genau dieser Daniel Brühl überhaupt ist, als ich das Buch als Geschenk (♥) aus meinem Briefkasten fischte. Wikipedia verrät mir, dass er nicht nur der Hauptdarsteller von ‚Good Bye Lenin‘ war, den ich irgendwann mal gesehen hatte, sondern auch noch, dass er mit vollständigem Namen Daniel Cesár Martín Brühl Gonzáles Domingo heisst und dann ist auch schon fast klar, dass das nicht nur ein deutscher Schauspieler ist, der eine spanische Stadt gerne mag, sondern dass da mehr dahinter ist. Daniel Brühl ist in Barcelona geboren und lebt mal dort, mal in Berlin. In dem Buch erzählt er Geschichten aus seinem Leben, die im Zusammenhang mit Barcelona stehen. Eingebettet ist das ganze in eine Art Spaziergang durch die Stadt, denn die Erinnerungen sind an bestimmte Orte geknüpft.

Soweit so gut (oder auch schlecht), denn genau letzteres ist es, was mich an dem Buch ein bisschen gestört hat. Dass es sich bei den Geschichten um ein ‚Medley‘ aus diversen Tagen und auch Jahren handelt, die er in der Stadt verbracht hat, erzählt er selber im einleitenden Text und ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, weswegen man das also zwanghaft in dieses „Ein Tag“-Muster pressen musste. All diese Erzählungen und Erlebnisse würden nämlich niemals Platz in einem einzigen Tag finden und so wirkt alles ein bisschen zwanghaft zurechtgebogen und in das Raster gepresst. Mir hätte es deutlich besser gefallen, wenn dieser Rahmen gefehlt hätte und die Geschichten wären einfach locker wegerzählt – mit ausreichend Zeit und Raum und ohne das Gehetze zum nächsten ‚Termin‘.

Unterhaltsam waren die Geschichten aber allemal, er erzählt wirklich viel aus seinem Leben. Vom ersten Kuss über das erste Spiel des FC Barcelonas, das er live im Stadion gesehen hat, bis hin zu durchgemachten Nächten in den Bars der Stadt mit berauschter Liebeserklärung an Barcelona. Für Daniel Brühl Fans ist das unbedingt ein must read, er ist sich da auch nicht zu schade, sich selber zum Horst zu machen, wenn er zB erzählt, wie er sich mit ein paar Freunden zusammen Zitronengras hat andrehen lassen als er eigentlich zum ersten Mal Gras kaufen wollte. Und weil ich so persönliche Erinnerungen gerne lesen mag, nehme ich es dem Buch auch nicht übel, dass man nicht gar so viel über Barcelona erfährt, wie ich dem Titel nach gehofft hätte.

Katja