Was ich gut kann: durchhalten

„Ich hätte echt nie gedacht, dass ich eine Sache so lange am Stück jeden einzelnen Tag durchziehen könnte.“ sagte ich eben am Telefon und wurde darauf hingewiesen, dass es ja noch viel mehr als 1000 Tage sind, die ich jetzt nicht geraucht habe. Aber das ist nicht das selbe, dafür musste ich nur etwas nicht tun. Das ist, nach den anfänglichen Höllenmonaten, sehr einfach gewesen und nichts, was mich noch täglich beschäftigen würde. Aber dieses tägliche Fotografieren seit 1000 Tagen, das ist etwas, was ich wirklich jeden einzelnen dieser Tage aktiv getan habe. Und ich habe nicht nur jeden Tag geknipst, ich habe auch das jeweilige Foto jeden Tag direkt hochgeladen und gebloggt. Von zu Hause, von unterwegs in Deutschland, aus Holland und Belgien und Frankreich und Spanien und Österreich und Italien. Ein einziges Mal war es kurz nach Mitternacht, aber das war nach einem überaus gemütlichen Abend mit Freunden bei Essen und Wein in Karlsruhe und einer lausigen UMTS-Verbindung auf der Heimfahrt, die mir das Hochladen des Bildes von unterwegs verweigert hat.

1000 Tage, 1000 Fotos und das ist gerade eines der wenigen Dinge, wo ich mal ohne gleich ein ‚aber‘ hinterherzusetzen, um das direkt wieder zu relativieren, sagen kann, dass ich stolz auf mich bin. Ich wusste vorher nicht, dass ich so gut darin sein kann bin, eine Sache (komplett frei von äusseren Zwängen, die mich dazu bringen) durchzuziehen, konsequent und kontinuierlich. Das macht an manchen Tagen viel Spaß, an manchen kommt nicht mehr als ein Foto von der Rauhfasertapete im Schlafzimmer dabei heraus. Aber ich bin stolz darauf, dass jetzt an jedem einzelnen dieser 1000 Tage überhaupt ein Foto dabei herausgekommen ist.

Und besonders mag ich das Projekt, weil es mich zum Hingucken bringt, weil ich immer auf der Suche nach einem Motiv viel aufmerksamer durch die Welt gehe und weil es mich zB auch oft dazu bringt, einen Schlenker am Rhein vorbei zu machen. Oder überhaupt an manchen Tagen rauszugehen, an denen ich mich eigentlich lieber drinnen verkriechen würde.

A big shout-out an Corina und Tanya mit denen zusammen das überhaupt erst so richtig Spaß macht! 🙂

A picture a day – so lange es Spaß macht, knipse ich weiter!

Katja

Heute vor zwei Jahren…

machte ich etwas anders: statt nämlich lange weiter zu grübeln, fing ich einfach an und knipste drauflos.

Und weil’s nach 2 Jahren immer noch jede Menge Spaß macht und weil ich ausserdem irre stolz darauf bin, diese eine Sache, dieses eine Foto pro Tag auch an den allerdunkelsten Tagen in diesen zwei Jahren hinbekommen zu haben, mache ich einfach auch jetzt noch weiter damit. So lange das eben so bleibt und so lange ich weiterhin Spaß daran habe.

Vielleicht erwische ich ja auch in irgendeinem Jahr nochmal die eingeschaltete Weihnachtsbeleuchtung über jenem Tor, das ich vor 2 Jahren zum ersten Mal knipste und hinter dem sich, wie ich seit letztem Wochenende endlich weiss, weil ich drinnen war, das hiesige Feuerwehrmuseum befindet.

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16.12.2010

16.12.2011

16.12.2012

Katja

(a picture a day)

 

 

Heute vor einem Jahr

…hatte ich nachmittags einen Termin bei meiner Friseurin. Während ich auf dem Stuhl saß und sie mir die Haare schnitt, konnte ich das Schneetreiben vorm Fenster beobachten und sie erzählte mir, dass sie Heiligabend in aller Herrgottsfrühe in ihr Auto steigen wolle – sie hatte gerade so den Führerschein – und bei Wind und Wetter loswollte, um Weihnachten in Hamburg zu verbringen, da hat sie einen Onkel. Sie hätte den schon so lange besuchen wollen und ihre Eltern wären zwar traurig, wenn sie über die Feiertage weg wäre und ihr selber sei auch ordentlich mulmig beim Gedanken an die Fahrt beim angekündigten Wetterchaos, aber sie müsse das jetzt einfach machen. Sonst wird das nie was.

Und als ich den Salon verließ, 20 cm weniger Haare auf dem Kopf, und zu meinem Auto ging, holte ich mein Handy aus der Tasche und knipste jenes Foto oben. So lange hatte ich schon vor, ein Jahr lang ein tägliches Foto zu knipsen und die ganze Zeit stand ich mir mit meinen zwanghaften alle Eventualitäten vorher zu bedenken und alle Hättewärewenns zu wälzen und mir Gedanken über die möglichen Gefühle zu machen, wenn ich’s nicht schaffen würde das ein Jahr lang durchzuhalten und wie sehr mich das runterziehen könnte und… und… und…

Manche Dinge muss man einfach anfangen und gucken wo sie hinführen. Sonst wird das nie was. Und so kam es zu dem Foto.

Und jetzt können alle Bedenken und Befürchtungen und Hättewärewenns mal brav die Klappe halten und sich in die Ecke verziehen. Ich hab’s nämlich geschafft. Ich habe seit 16.12.2010 an jedem einzelnen Tag (mindestens) ein Foto geknipst und es am gleichen Tag direkt in mein Blog zu diesem Projekt hochgeladen. Fotos ohne großartigen künstlerischen Anspruch (ein paar davon sind trotzdem ganz hübsch geworden), aber dafür konsequent täglich. Und wenn’s ein Foto der Schlafzimmerlampe, wacklig mit dem Handy geknipst und hochgeladen, an kranken Tagen war. Dass Corina vom 1. Januar an mitgemacht hat, war sicherlich mit einer der Gründe, weswegen mir das Durchhalten letztendlich sogar viel leichter als gedacht fiel. Gesellschaft motiviert und es war einfach spannend zu sehen, wie unterschiedlich unsere Motive an den meisten Tagen waren, aber wie ähnlich dann doch zufällig an einigen anderen. Macht Laune!

Und ich bin stolz auf mein ‚a picture a day – a year‚ – es fühlt sich gut an, das durchgezogen zu haben.

Und weil ich das Gefühl habe, dass ich, seit ich täglich knipse und ein Motiv suche, viel aufmerksamer durch die Welt stolpere, mag ich das auch weiterhin tun. Mal sehen, ob immer noch mit dieser mir selber gegenüber strengen Konsequenz, die mich im Urlaub an einigen Tagen ziemlich Nerven gekostet hat, weil das spanische UMTS Netz des spanischen Anbieters, von dem ich – primär für diesen Zweck – extra eine Prepaidkarte hatte, oft nicht so wollte, wie es sollte. Aber weitermachen will ich auf jeden Fall.

Und irgendwie musste das heute sein. Ein Jahr später:

Und zum Friseur müsste ich auch dringend mal wieder. 😀

Katja