Gegen die Panik anschreiben

Vor einer Woche haben wir DIE Wohnung entdeckt.

Nachdem wir jetzt seit Anfang des Jahres die Augen offen halten, waren wir uns bisher noch bei keinem Inserat so schnell einig. Dabei gab es nicht mal viele Fotos, von innen gar keines, nur je eines, das das Haus von vorne und eines, das das Haus von hinten zeigt. Dafür aber erfreulicherweise ein Grundriss und der hat es, man möge mir das schlechte Wortspiel verzeihen, tatsächlich gerissen! Hammer. Etwas größer als unsere aktuelle Wohnung und die zusätzlichen Quadratmeter sind genau so verteilt, dass es uns attraktiv erscheint. Die Küche ist 30% größer als meine aktuelle, es gibt eine Abstellkammer (die wir hier so schmerzlich vermissen, dass wir quasi seit wir hier vor 8 Jahren eingezogen sind, das Gästeklo umfunktioniert haben), wieder Erdgeschoss (yeah!), das Bad etwas größer als hier, die Terrasse genauso riesig wie hier (aber ohne Plexiglas-Überdachung, die zwar super ist, damit man an lauen Sommerabenden auch bei Regenwetter grillen kann, unter der sich die Hitze aber so dermaßen staut, dass dort an heissen Tagen das Thermometer bis zum Ende seiner Skala bei 50°C klettert, was sie tagsüber unbenutzbar macht), Garten, große (!) Garage… Irgendwie passt alles, vermutlich ist dann die Lage Mist.

Weil der Mitdings, der beste Mitdings ist, fing er an anhand der Fotos in der Satellitenbildansicht der Karte des Ortes zu suchen und es dauerte nicht lange, bis er das Haus gefunden hatte. Das musste es einfach sein und die Lage einfach perfekt. Ufff. Und wäre das nicht alles schon ’schlimm‘ genug, ist sie noch dazu spürbar unter unserem Limit und sogar günstiger als die aktuelle Wohnung.

Bis dahin hatten wir längst schon beim Inserenten Interesse bekundet und um einen Besichtigungstermin gebeten. Das ging nur via Kontaktmöglichkeit auf dem Immobilienportal, es war weder ein Name noch eine sonstige Kontaktmöglichkeit angegeben. Dann großes Warten. Und warten, warten und immer noch warten. Ich bin ja an sich gar nicht so ungeduldig oder neugierig, aber wenn es um etwas für mich so essentiell Wichtiges wie ein mögliches neues Zuhause geht, dann drehe ich gerne innerhalb kürzester Zeit hohl. Das ging bei dieser Wohnung so weit, dass ich längst Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe ausgelotet habe, den kürzesten Weg an den Rhein, die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde, wo ich mein Auto ummelden kann, das mit den Hopfenstangen undund…und immer noch keine Antwort.

Nach vier Tagen des Wartens haben wir dann nochmal freundlich nachgefragt, weil es einfach zu ärgerlich gewesen wäre, wenn ausgerechnet diese Nachricht im Kommunikationssystem des Portals verloren gegangen wäre. Dann, noch einen Tag später endlich eine Antwort und die Einladung zur Besichtigung mit vorgegebenem Termin. Heute. 18 Uhr.

Aus-ge-rech-net! Der Mitdings hat einen Geschäftstermin in Köln, an dem nicht zu rütteln ist. Mit open end, ungewiss wie lange das dauern wird. Also direkt nochmal zurückgeschrieben, entschuldigt, erklärt, um einen Ersatztermin gebeten, direkt signalisiert, dass es ansonsten jederzeit möglich wäre. Antwort bekommen, dass sie (die Vermieterin der Wohnung) Donnerstag zwei Besichtigungstermine hätte und sich dann nochmal melden würde, falls sich daraus keine Vermietung ergäbe.

Orrrrr!

Nochmal hingeschrieben, wirklich großes Interesse, ich komme auch alleine. Das war Dienstag Abend, seitdem ist mir schlecht und ich merke, wie die Panik in mir immer größer wird. Ich kenne diese Angst, (er-)kenne die körperlichen Symptome, merke wie der Nacken immer steifer wird, das Schlucken weh tut, das Sichtfeld sich immer mehr zum Tunnel verengt.

Mich machen solche Termine, ach eigentlich ALLE Termine immer nervös. Ich bin ja selbst nach 5 Jahren noch fast jeden Dienstag nervös, wenn ich zum Spanischkurs aufbreche. Ich ertappe mich seit Dienstag andauernd dabei, wie ich mit den Zähnen knirsche oder an der Nagelhaut rumknibbele.

Ich versuche die ganze Zeit, mir selber gut zuzu- und einzureden, dass es überhaupt nichts zu verlieren, sondern höchstens zu gewinnen gibt. Aber ich fände es schon schwierig genug, dort zu zweit hinzufahren, zu gucken, zu fragen, loslassen zu können, dass ich mich schon seit Tagen in die Wohnung reingesteigert und gedanklich die Hälfte der Möbel im Grundriss rumgerückt habe und wirklich zu gucken. Auch und gerade auf die Haken zu achten. Ich weiss noch, dass diese Wohnung hier, in jenem Moment bei mir gewonnen hatte, als ich auf die Terrasse kam (und das war fast ganz am Anfang der Besichtigung). Riesige Terrasse mit gemauertem Grill und der Garten – wo wir zu der Zeit in einer Wohnung mit kleinem Balkon wohnten, mit Grillfreaks als Nachbarn in der Erdgeschosswohnung, die von März bis September quasi täglich grillten und uns mit dem Geruch folterten, ein Garten für Erdbeeren, die auch nach echten Erdbeeren schmecken – ich war im ersten Moment schon so verliebt, dass man mich vermutlich auch durch eine Tropfsteinhöhle hätte führen können und ich hätte einziehen wollen.
Weil der Mitdings und ich uns von recht unterschiedlichen Dingen so beeindrucken lassen, ergänzen wir uns da wunderbar und am Ende kommt meist ein Mix heraus, der für uns beide gut funktioniert.

Jetzt soll ich da (möglicherweise, es besteht immer noch die Hoffnung, dass er pünktlich zurück sein könnte) alleine hingehen, alleine herausfinden, ob DIE Wohnung dazu taugen könnte, unsere Wohnung zu werden und ich weiss nicht, wie gut ich mit meinem panischen Tunnelblick überhaupt in der Lage bin, besonders viel wahrzunehmen. Und nicht nur das. Ich muss auch alleine eine mögliche neue Vermieterin davon überzeugen, dass genau wir die idealen neuen Mieter sind und das ist der Punkt, vor dem mir noch viel mehr graut. Irgendwie ist der Gedanke, die Wohnung könnte doch nicht so toll wie erhofft sein – schließlich haben wir kein einziges Bild von innen gesehen – nicht so schlimm, wie der Gedanke, dass es genau DIE Wohnung ist, die wir wollen und sie dann nicht zu bekommen. Ich möchte noch gar nicht so farbenfroh über die Folgen nachdenken, die das für mein ohnehin fast nicht vorhandenes Selbstbewusstsein hat. Nicht mal ’ne Vermieterin kann sie für sich gewinnen… Und da schraubt sich die Panik zur nächsten Umdrehung hoch.

Jetzt hier der Versuch, mich – wie so oft – durch Aufschreiben zu sortieren. Heute zusätzlich auch noch einer, mich ein bisschen abzulenken. In 4 Stunden wird’s ernst. Uff. Uff. Ufffff.

Mein Wunsch- und Lieblingsausgang des Termins ist, dass sowohl die Wohnung super ist (und ich mich traue / mir zutraue, das alleine festzustellen und zu beurteilen), als auch, dass die Vermieterin eine sympathische Frau ist, die mich nicht so sehr einschüchert und die ich dann, noch dazu davon überzeugen kann, dass wir ebenso super sind wie die Wohnung und also genau dort rein passen.

Und am allerliebsten würde ich das zusammen mit dem Mitdings rausfinden und bewerkstelligen. Das Universum möge also bitte für ein zügiges Ende des Termins sorgen! Wenn er in den nächsten gut 2 Stunden in Köln in einen ICE steigt, klappt das noch! GoGoGo!

I can haz gedrückte Daumen, plz?

K thx bye!

Katja

(Wir sind übrigens heute auf den Tag genau vor 8 Jahren hier eingezogen. Das muss doch ein Zeichen sein!)

10 Dinge, die ich getan habe, die du vermutlich noch nicht getan hast

Das rebhuhn hat über 10 Dinge gebloggt, die sie getan hat und von denen sie annimmt, dass ihre Leser das gleiche noch nicht getan haben. Als ich das gelesen habe, fing der Kopf natürlich direkt an zu rattern und machte nach zwei Dingen Schluss und behauptete, mein Leben sei eben völlig unspektakulär und ereignislos. Der Ehrgeiz und rebhuhns Versicherung, dass sie glaubt, dass jeder solche 10 Dinge zusammen bekommt, ließen mir keine Ruhe. Ich finde immer noch nichts davon besonders spektakulär, aber das ist jetzt meine (dann doch recht spontan zusammengekloppte) Liste der 10 Dinge, von denen ich annehme, dass sie nicht unbedingt jeder schonmal getan hat.

  • Ich habe mit über 100 Menschen in einer großen Halle im Kreis auf dem Boden gekniet und im Takt von We will rock you von Queen mit den Händen auf den Boden geklatscht.
  • Ich habe, obwohl ich ein kuschliges Bett in einem gemütlichen Ferienappartment hatte, eine Nacht auf einem heruntergekommenen Campingplatz auf Kreta im Freien und ohne Schlafsack oder Decke oder dergleichen, nur im Sand am erloschenen Lagerfeuer liegend verbracht, ohne zu Schlafen, weil ich Angst hatte, dass die Ratten, die dort überall herumliefen mir über den Körper laufen könnten.
  • Ich habe mehrere Jahre komplett (bis auf je etwa ’ne Hand voll Ausnahmen pro Jahr) in meiner Wohnung verbracht und mich nicht mal zur Waschmaschine oder zum Briefkasten getraut. 😦
  • Ich habe im Chemie-Leistungskurs in allen Klausuren – auch in der Abiklausur – 15 Punkte (das ist die Höchstpunktzahl) geschrieben und hatte auch in jedem Zeugnis die 15 Punkte.
  • Ich habe einen Döner komplett selber gemacht – vom selbstgebackenen Fladenbrot bis zur selbstgemachten Knobisoße.
  • Ich habe im Laufe eines Tages, Doro Pesch eine halbe Schachtel Zigaretten geschenkt und jedes Mal ein paar nette Worte mit der kleinen Powerfrau gewechselt.
  • Ich stand mit meinen beiden Füßen gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Meeren. (Und hätte das fast noch einmal mit zwei anderen Meeren gekonnt.)
  • Ich bin volltrunken kopfüber von einer Klippe auf 3 Meter tiefer liegende Steine gestürzt und musste mir am nächsten Tag erklären lassen, wo meine Verletzungen und Schmerzen herkamen, weil ich mich an nichts erinnern konnte. Das hätte mich um ein Haar ein Auge gekostet, seitdem habe ich eine kleine Narbe direkt unterhalb der Wimpern des linken Auges, die man aber kaum noch erkennen kann und eine am linken Knie. (Da war ich 15 Jahre alt und ich bin alles andere als stolz darauf…)
  • Ich habe einen Beruf aufgegeben, (auch) weil ich befürchtete irgendwann so verbittert und zynisch zu werden wie einige meiner älteren Kollegen.
  • Ich habe in einem Jahr und zwar dem letzten, 58 Bücher gelesen.

Rüdiger hat hier seine lesenswerte Liste gebloggt und wo ist deine? 🙂

Katja

10 Dinge

Bei Anke Gröner bin ich über eine Liste gestolpert, bei der ich als Kochwütige nicht widerstehen kann:

10 Dinge, die immer vorrätig sein müssen:

  • Kaffee – ohne geht gar nix (oder gehört der in die Kategorie Drogen und nicht Lebensmittel?)
  • Milch – gehört zwingend in ersteres
  • Mehl, Hefe, Körnergedöns *schummel* – müssen seit ich Brot und Brötchen (fast) nur noch selber backe immer im Haus sein
  • Rotwein – häufiger zum Kochen als dass ich ihn trinken würde, aber leckeren mag ich auch gerne im Glas
  • frischer Knoblauch – seit ich diesen Keim in der Mitte rausbibbele, kann ich den in rauhen Mengen verkochen ohne dass er mir auf den Magen schlüge oder ich das Gefühl hätte, hinterher immens zu stinken (ok, vielleicht rieche ich das auch einfach nicht mehr :mrgreen: ), gehört auf jeden Fall an die meisten Essen dran
  • frische Kräuter – auf meiner Küchenfensterbank finden sich gerade 2 Töpfe Basilikum (einer davon selbst gezogen) und ein Topf Rosmarin, im Kühlschrank liegt ein Strauss frischer Thymian. Zur Not gehen auch die getrockneten Brüder, aber wenn man einmal angefangen hat mit der frischen Variante zu kochen, fällt das Ausweichen schwer.
  • frische unbehandelte Zitronen und Zitronensaft – kommt quasi immer in irgendeiner Form an Fisch, verleiht Soßen und Dressings oft den letzten Pfiff, kommt in jede meiner Marinaden
  • Tomatenmark – gibt mit Zwiebeln angeröstet und Rotwein oder Sherry abgelöscht einen guten Anfang für ’ne Soße
  • Mineralwasser – hätte ich fast vergessen, muss aber zwingend im Haus sein. Im Sommer trinke ich fast nichts ausser Kaffee und Wasser, im Winter kommt noch Tee dazu, aber das Wasser muss trotzdem vorrätig sein, sonst verfalle ich in Panik.
  • Frischzeug *nochmal schummel* – mindestens eine Obstsorte muss immer im Haus sein, meist mehr, wobei ich nicht so festgelegt bin, was genau es sein muss. Ausserdem müssen immer Tomaten in irgendeiner frischen Variante im Kühlschrank liegen, meist auch noch Paprika, Gurke, Karotten, Zucchini und sonstiges Gemüsezeug, aber Tomaten als einzige davon zwingend und immer.

(via: Anke Gröner)

Katja