Tag 18/44

Es gibt ja Leute, die haben Mauern um ihre Herzen errichtet, gut befestigt, manche sogar mit Wach- und/oder Wehrtürmen in regelmäßigen Abständen. Bei meinem denke ich oft, dass es von einer semipermeablen Membran begrenzt ist, was einer der etwa 3 Fachbegriffe ist, die bei mir aus dem Biologieunterricht überhaupt hängen geblieben sind, weil ich das Wort semipermeabel so schön finde, damals schon so schön fand als ich es zum ersten Mal gehört habe. Halbdurchlässig. Rein geht alles zack zack, raus kommt so gut wie nichts mehr, was erst mal drin ist. Oder wer erst mal drin ist. Das ist es ja, was dann so oft Leid verursacht, dieses wieder loslassen müssen und eben oft auch dann nicht können, selbst, wenn ich es eigentlich will und nicht nur muss oder müsste. Da ist dann diese Barriere, dieses nur Halbdurchlässige, nur in die Reinrichtung. Ist ja auch genügend Platz drin, groß genug ist es ja mein Herz. Vielleicht sollte ich mal über die Einrichtung einer herzinternen Rumpelkammer nachdenken, wo ich das verstauen kann, was nicht wieder rausgeht. Oder wer. Damit ich nicht dauernd darüber stolpere und damit auch über meine eigene Unfähigkeit des Ausmisten, Aufräumens, Loslassens. In Herzensangelegenheiten zumindest. In der Küche oder im Kleiderschrank klappt das deutlich besser. Ein Riegel muss natürlich an diese Rumpelkammertür, damit der Kram auch drinnen bleibt und nicht mir nix dir nix wieder rausmarschiert. Rumpelkammertür auf, Dings rein, Tür zu, Riegel vor. Und dann erst mal schweissgebadet von außen dagegenlehnen und durchatmen. Und dann langsam rückwärts von der Tür wegbewegen und hoffen, dass man so erst mal davon kommt. Dass das herzinterne aus-den-Augen-aus-dem-Sinn irgendwie funktioniert. Das wär’s.

Katja