Tag 15/44

„Und was würde dich heute glücklich machen?“ fragt mich die Häkelhexe auf Twitter und mir fällt auf, dass ich das gar nicht so genau beantworten kann. Die spontane Antwort umfasst eher die großen Dinge, die gerade im argen liegen. Die Aussicht, bald mal wieder ans Meer fahren zu können oder jene auf einen zeitnahen Impftermin, um meine Familie nach inzwischen schon 14 Monaten mal wiederzusehen und wieder Freunde treffen zu können. Oder so unmögliche Dinge wie kalorienfreier Alkohol und Schokolade. Und gerade im Bereich der unmöglichen Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, fallen mir spontan sicher noch ein halbes Dutzend mehr ein, für die hier nicht der richtige Rahmen ist. Aber an der Frage, was mich heute tatsächlich glücklich machen würde, scheitere ich erst einmal und dann fällt mir auf, dass das vielleicht nicht nur heute ein Problem ist. Die Sonne, die gerade endlich wieder häufiger scheint, macht mich glücklich und der nahende Frühling. Kochen macht mich glücklich und malen und dann stutze ich, weil es mir manchmal schwer fällt zu differenzieren, wo es aufhört, dass die Tätigkeiten an sich mich glücklich machen und wo es anfängt, dass mich daran glücklich macht, dass ich damit so leicht andere glücklich machen kann und ich merke, dass das überhaupt ein Problem ist. Dass ich sehr viel leichter weiß und mich sehr viel mehr damit beschäftige, wie ich andere glücklich machen kann – was mich dann wiederum ja auch wieder glücklich macht, also schon so ein win-win-Ding ist, als dass ich weiß, wie ich mich selber glücklich machen kann. Zumindest wenn ich mal solche Dinge wie gutes Essen, leckeren Kaffee, Wein, Whisky, Whatever ausklammere und das Meer, an das ich eben auch außerhalb von Pandemien ja nicht nach Belieben fahren kann. Und vielleicht ist einer der Punkte, wieso ich andere so gerne glücklich mache, weil ich mich dann nicht so mit dem eigenen Glück auseinandersetzen muss und was ich dafür überhaupt bräuchte. Und dann blitzt da auch noch dieser alte Gedanke auf, dass ich’s ja auch gar nicht verdient habe und auch wenn ein Teil von mir weiß, dass das nicht stimmt, bleibt doch das dumpfe Gefühl zurück.

Katja