Dumpfizität

Tage, die sich anfühlen wie Kaugummi. Nicht, dass sie so lange wären und sich so ziehen wie Kaugummi, also so, wie man das im klassischen Sinne verwendet, das wäre ja fast wünschenswert, wieder (überhaupt!) mal das Gefühl zu haben, dass die Zeit langsam vergeht statt im ICE vorbeizurasen. Ja, ok, vergesst was ich gerade sagte, Präsenztage können das leider nur zu gut, dieses Ziehen und Ausdehnen und nicht zu Ende gehen. Aber diese Art von Kaugummigefühl meinte ich trotzdem nicht, sondern eines, bei dem man sich so fühlt als sei man in einer Kaugummiblase gefangen und man kann sich zwar mitsamt der Blase fortbewegen, aber alles um einen rum bleibt dumpf und unklar und egal wie doll man sich abmüht, man kann dem zähen Zeug nicht entrinnen und kommt nicht raus aus der Blase. Vielleicht liegt es an der Wärme, vielleicht begünstigt die diese nichtentrinnbare Dumpfizähtät und vielleicht denke ich doch nochmal über ein zweites (wo ist eigentlich mein erstes?) Standbein als Worterfinderin nach.

Bleibt heute nur noch: meh!

Katja

Vom Springen

Und dann unter der Dusche das altbekannte Gefühl. Du merkst, wie der Blick zum Tunnel wird, wie die Beine sich nicht mehr anfühlen als würden sie zu dir gehören, die Knie machen, was sie wollen. Du lehnst dich an, hältst dich fest, hast Angst auszurutschen, hinzufallen. Atmen. Langsam. Aus und ein. Und nochmal. Du wusstest ja vorher, dass du Angst bekommen würdest, dass das in der Situation total normal ist, dass es nicht mal an dir liegt, wahrscheinlich den meisten Angst machen würde. Atmen. Irgendwo in deinem Kopf erklingen die ersten Zeilen von Lady Angst „Ich mache heute meinen Frieden, vollgedacht und leer geschrieben. Ich nehm‘ meine Dämonen bei der Hand und kämme ihnen ihre Mähnen, putz‘ die blutverschmierten Zähne, sollen sie gut aussehen, wenn wir heute auf die Bühne gehen und allen präsentieren. Wir sind bloß die Gefolgschaft, Vorhang auf für die Königin. Lady Angst bittet zum Tanz.“ Atmen. Was kann schon passieren? Du wendest den alten Trick an. Erst mal im Kopf katastrophisieren, überlegen, was tatsächlich passieren kann. Fällt dir überhaupt was ein? Gibt es da was konkretes? Oder ist es wieder mal einfach nur diese diffuse Angst, die deswegen so fies ist, weil du sie nicht konkret zu greifen bekommst? Also was kann passieren? Und wie wahrscheinlich ist das? Und außerdem: was kannst du überhaupt ausrichten, wenn du jetzt Angst hast? Wird dadurch irgendwas leichter? Eine der Katastrophen unwahrscheinlicher? Dein Verstand zückt die Vernunft wie ein Schwert! Bei der Vorstellung musst du lachen, Lachen ist gut, Lachen löst Angst. Singen auch fällt dir ein und die Band schwenkt von von Brücken zu Sarah „Dipdapdudadingding dipdapdudadingding…“ Dipdap uffff. Atmen.

Und dann hast du auf einmal das Bild vor Augen. Vor dir, unter dir das kühle nasse Blau. Du schaust. Atmest. Dann schließt du die Augen und du atmest tief durch. Ein. Aus. Luft anhalten.

Und springst.

Katja

Ich vermeide es hier ganz bewusst, dem Blogtext den gleichen Titel zu geben, den ein von mir sehr verhasster Song aus dem Jahr 1985 trägt und der sich trotzdem leider als Ohrwurm aufdrängt

Der Kirschbaum hing in diesem Jahr noch voller als in den letzten Jahren, aber im Gegensatz zu den letzten Jahren, hab ich in diesem Jahr auch endlich wieder mal richtig Motivation, Marmeladen einzukochen. So gab es schon diverse Kombinationen mit Erdbeeren, Aprikosen, Rhabarber und Blaubeeren und jetzt eben mit den Kirschen aus dem eigenen Garten.

Mit (Süß-)Kirschen hab ich es *eigentlich* gar nicht so, die mag ich nur frisch vom Baum richtig gerne – das dachte ich zumindest immer, weil ich gekauften Kirschmarmeladen tatsächlich nichts abgewinnen kann. Aber ich muss gestehen, dass ich jene, die dieses Jahr meinen großen Topf verlassen haben, alle recht gerne mag. Zum Glück hing der Kirschbaum also ziemlich voll. 😀

Rezepte!

Ich spare mir den Teil, in dem die Kirschen gepflückt, gewaschen, die angeranzten aussortiert und die guten entsteint werden. In sämtlichen Rezepten geht es um beste, reife, entsteinte Kirschen in der entsprechenden Menge.

Kirschlikör

Dafür braucht man:

500 g Kirschen
500 ml Wodka (wer mag nimmt Korn oder dergleichen, ich lande eher beim Wodka)
100 g (brauner) Kandiszucker
1 Vanilleschote
(1 Zimtstange)

Und so geht’s:

Die Vanilleschote längst aufschneiden, sämtliche feste Zutaten in ein großes Glas geben, mit dem Wodka übergießen, gut verschließen und mindestens 6-8 Wochen abwarten. Dabei gelegentlich mal das Glas schütteln. Dann absieben und den Likör in eine oder mehrere kleine Flaschen umfüllen. Die Kirschen in einem Behälter im Kühlschrank aufbewahren und alsbald zusammen mit Eis, Pudding, Grießpudding, sonstigem Dessert auffuttern.

Der Zimt steht in Klammern, weil er nach 8 Wochen Ziehzeit recht dominant wird und der Likör dann fast schon winterlich, weihnachtlich angehaucht schmeckt. Ich mag das ganz gerne, hatte aber letztes Jahr schon Zimt drin und probiere in diesem Jahr, was ohne Zimt dabei herauskommt.

 

Marmeladen

Die gehen grundsätzlich alle ähnlich:

Die Kirschen werden mit Gelierzucker und dem entsprechenden Alkohol gründlich vermischt und dürfen etwa eine Stunde darin baden und Saft ziehen. Dann wird zunächst langsam erhitzt, damit sie weich werden. Ich zerdrücke sie dann mit dem Kartoffelstampfer, damit keine kompletten Früchte drin bleiben. Wer mag lässt sie ganz, wer es ganz fein mag, püriert. Wer auch eher fein, aber mit Stückchen mag, nimmt den Stampfer. Wenn sie weich und in der gewünschten Konsistenz sind, erhitzt man – alles unter Rühren – so stark, dass sie kochen, lässt die Marmelade 4 min lang sprudelnd kochen und füllt die Marmelade dann in sterilisierte Gläser, die auf einem feuchten Geschirrtuch stehen. Die Gläser für 5 min kopfüber drehen und auf die Deckel stellen und dann wieder umdrehen.

Das gilt für alle Sorten. Wie man Gläser ganz einfach im Backofen sterilisieren kann, hatte ich hier beschrieben: *klick*

Wichtig: Der Alkohol dient hier wirklich primär der Aromatisierung. Versucht nicht, den erst nach dem Kochen reinzurühren, damit der Alkoholgehalt erhalten bleibt und man quasi eine beschwippste Marmelade rausbekommt. Das verhindert das Gelieren der Marmeladen und man hat dann etwas sehr Suppenartiges im Glas. (Been there, done that, vor Jahren beim Versuch ein Caipirinhagelee zu kochen.)

Kirschmarmelade mit Amaretto

Dafür braucht man:

1,5 kg Kirschen
500 g Gelierzucker 1:3
50 – 100 ml Amaretto

Und so geht’s:

Genau so wie oben beschrieben, mehr ist bei dieser Marmelade nicht zu tun.

 

Kirschmarmelade mit rotem Wermut und Tellycherry-Pfeffer

Dafür braucht man:

1,5 kg Kirschen
500 g Gelierzucker 1:3
50-100 ml roter Wermut (weil ich in letzter Zeit häufig mit Wermut koche, ist mir mein guter spanischer inzwischen zu teuer dafür und ich habe mir einen günstigen Martini rosso zum Kochen gekauft – trinken würde ich das Zeug lieber nicht, es hat mir dafür zu viel von Hustensaft, aber zum Kochen taugt er sehr gut)
1/2 EL Tellycherry-Pfefferkörner (es geht aber auch ein anderer schwarzer Pfeffer)

Und so geht’s:

Wie oben beschrieben. Außerdem werden die Pfefferkörner im Mörser zerstoßen – ersatzweise kann man direkt einen grob geschroteten Pfeffer verwenden (das ist dann allerdings weniger aromatisch). Der Pfeffer kommt rein, kurz bevor die Marmelade fertig gekocht ist und bevor sie in die Gläser gefüllt wird.

 

Kirschmarmelade mit Whisk(e)y und dunkler Schokolade

Dafür braucht man:

1,5 kg Kirschen
500 g Gelierzucker 1:3
50-100 ml Whisk(e)y (ich nehme zum Kochen, Backen etc. immer den non age statement von Bushmills, den kaufe ich auf Vorrat, wenn es die Flasche für 13, 14 Euro rum gibt und dann muss ich nicht weinen, wenn ich mit Whisky kochen will. 😀 Er ist übrigens auch durchaus trinkbar und das Preis-/Leistungsverhältnis quasi unschlagbar.)
100 g dunkle Kouvertüre

Und so geht’s:

Wie oben beschrieben. Außerdem wird die Schokolade grob gehackt und ganz am Ende, kurz bevor man die Marmelade in Gläser füllt, in die heiße Marmelade eingerührt. Eindeutig meine Favoritin von den 3 Sorten! Die Kombination aus Whisky und Schokolade mag ich ohnehin enorm gerne und mit der fruchtigen Komponente der Kirsche ist das wahnsinnig lecker.

 

Kirschkompott

Dafür braucht man:

500 g Kirschen
2 Tütchen Vanillezucker
etwas Wasser
1 Päckchen Bourbon-Vanillepuddingpulver
(evtl. Zucker/Süßstoff nach Geschmack und abhängig von der Süße der Kirschen)

Und so geht’s:

Kirschen in einem kleinen Topf mit etwas Wasser zum Kochen bringen bis sie weich genug sind, um sie mit dem altbewährten Kartoffelstampfer zu zerstoßen. Puddingpulver mit dem Schneebesen in etwas Wasser glatt rühren und zusammen mit dem Vanillezucker in den kochenden Kirschblubber einrühren. Je nach Geschmack noch mit Zucker oder Süßstoff nachsüßen. (War bei meinen inzwischen sehr süßen Kirschen nicht nötig.)

Schmeckt entweder direkt heiß zu Eis oder aber auch warm oder kalt zu Eis, Pudding, sonstigen Desserts.

 

Kirsch-Barbeque-Soße

Dafür braucht man:

500 g Kirschen
1 Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
etwas Öl
1 Dose stückige Tomaten
200 ml Coke (Zero)
2 EL brauner Zucker
2 EL Limetten- oder Zitronensaft
100 ml Whisk(e)y
2 EL Worcestershiresauce
1 TL Salz
3 TL geräuchertes, scharfes Paprikapulver
1 TL Chipotle-Chili-Pulver
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Und so geht’s:

Zwiebel und Knobi schälen und klein schneiden. Beides in etwas Öl anschwitzen. Die Kirschen dazugeben und ebenso die Tomaten, die Coke, den Whisky und die Gewürze. Ein paar Minuten köcheln lassen, dann gründlich pürieren und noch bis zur gewünschten Konsistenz einkochen lassen. Genau wie bei der Marmelade noch heiß in sterilisierte Gläser oder Flaschen füllen, dann kann man sie auch außerhalb des Kühlschranks aufbewahren. (Weil da aber nicht so viel Zucker drin ist, wie bei Marmeladen, würde ich sie allerdings nicht allzu lange stehen lassen. Erfahrungswerte über die Haltbarkeit habe ich da noch keine.)

 

Viel Spaß beim Aus- und Rumprobieren! Erzählt doch bitte mal, ob ihr was davon nachtgemacht habt. 🙂

Katja

Wer hat an der Uhr gedreht?

Ei ei ei und damit meine ich nicht nur die Uhr von heute, bei deren Anblick ich gerade „Huch! Wieso ist es denn schon wieder fast 9?!“ dachte, sondern die größer dimensionierte. Die, die nicht nur den einzelnen Tag sondern gleich ganze Tage und Wochen und vielleicht sogar Monate ablaufen lässt und witzigerweise stelle ich mir die gerade deutlich größer als meine am Arm befindliche vor, die streng genommen nicht mal eine echte Uhr, sondern ein Fitnesstracker mit Uhrfunktion ist. Also wer hat an diesem größeren globalen Zeitablaufmessinstrument gedreht und aus dem Mai schon wieder Juni gemacht und der ist jetzt auch schon zur Hälfte rum und nur noch zwei Wochen und dann ist das Jahr schon wieder zur Hälfte rum und das wo ich doch gelegentlich immer noch beim Datumschreiben überlegen muss, welches Jahr wir denn jetzt haben, so frisch fühlt es sich noch an, da kann es doch nicht schon fast halb vorbei sein.

Gefühlt komme ich gerade wieder zu gar nichts und mit diesem gerade meine ich dieses größere globalere eher Wochen denn Tage umfassende Gerade, dem obwohl die Zeit so rast, ein Hauch von Stillstand innewohnt. Vielleicht liegt das an den äußeren Umständen, dass sich die ganze Welt gerade ein bisschen langsamer zu drehen scheint, dass insgesamt weniger passiert. Wenn ich dann mal genauer hinschaue, ist es eigentlich jeden Tag so, dass ich deswegen – gefühlt – zu nichts komme, weil ich den lieben langen Tag mache. Zu nichts kommen, weil ich zu viel mache – das klingt irgendwie absurd, aber trifft es doch ziemlich präzise. Ich komme oft nicht zu den Dingen, die ich gerne machen würde, weil – pflichtbewusst und diszipliniert wie ich bin – ich erst die Dinge mache, die ich erledigen muss und wusch ist wieder ein Tag vorüber. Und dann sind die Tage, an denen ich nicht dazu komme, Dinge zu tun, die ich gerne machen würde, weil ich andere Dinge tue, die ich gerne mache. Insgesamt ist da überhaupt kein Stillstand, sondern es passiert wahnsinnig viel, wenn ich mir den Mikrokosmos des einzigen Tages statt das gefühlte Gerade, das so ein waberndes wochenwährendes Ding ist, betrachte. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich zu wenig Zeit für zu viele Interessen und Dinge, die ich gerne mache, habe. Weniger Schlafen ist keine echte Option, bin ich doch froh, dass ich inzwischen halbwegs passabel schlafen kann, wenn ich diszipliniert (schon wieder) genug bin und mir nicht, wie ich es letztes Wochenende tat, den Rhythmus mit ein, zwei Tagen Rumlumpern ruiniere und dann erst mal tagelang brauche, um wieder vernünftig einschlafen zu können. Nicht täglich zu kochen ist auch keine gute Option, dafür mache ich das zu gerne und das zieht natürlich mindestens einen Großeinkauf pro Woche nach sich, der Zeit frisst. Auf den könnte ich gut und gerne verzichten, aber das ist ja leider eines der Dinge, die ich nicht weglassen kann. Dass ich nach drei Jahren Leseflaute endlich wieder Spaß und Ruhe für Bücher gefunden habe, finde ich auch gut und will es nicht direkt wieder aufgeben. Und dass ich in den letzten Wochen mehr Marmelade gekocht habe als in den letzten zwei, drei Jahren gefällt mir auch wieder ausnehmend gut. Oh und erwähnte ich schon, dass ich seit 3 Monaten kein Brot oder Brötchen mehr gekauft habe, sondern alles nur noch selber backe?

Manchmal wüsste ich gerne mal wie Langeweile sich anfühlt. Ich glaube, ich hab mich schon als Kind niemals gelangweilt, weil ich, falls mir gar nichts besseres eingefallen ist, immer ein Buch in Reichweite hatte und gelesen habe. Ich hab das ja mit einigen Gefühlen, dass ich nicht so genau weiß, wie sie sich anfühlen müssten. Wut zum Beispiel habe ich erst als Erwachsene gelernt und bin immer noch dran und auch auf der Suche nach Strategien, wie ich dann damit umgehe und sie wieder loswerden kann, aber Langeweile… ich könnte mich wirklich nicht erinnern, dass mir irgendwann im Leben mal langweilig war. Da war immer eher zu viel, zu viele Pflichten, zu viele Interessen, zu wenig Zeit und zu viele Dinge, mit denen ich sie überfüllen könnte. Aber ich weiß auch nicht so genau, wo ich Abstriche machen kann und noch viel eher, wo ich das möchte.

Weil eigentlich will ich gar nichts aufgeben, nirgendwo kürzer treten, nix auslassen, sondern hätte ich einfach gerne mehr Zeit. Einfach so geschenkt. Geht auch auf die Hand und ohne Geschenkverpackung – „da haste noch 2 Stunden für heute“ – damit ich, obwohl ich gerade Zeit zum Schreiben hier vertüdelt habe, noch ein bisschen lesen könnte und nicht schon direkt ins Bett bzw. erst mal ins Bad gehen müsste, um mir den Rhythmus nicht noch mehr zu killen und die Zeit, die man durch’s Nichteinpacken spart – die nehme ich gerne noch obendrauf.

Katja