Tagebuchbloggen 18.5.20

gefreut: N. nach fast 9 Wochen wiedergesehen / unerwartet das Essensgeld der letzten Wochen ausgezahlt bekommen / positive Rückmeldung bekommen

genervt: chaotische Organisation / im EDV-Unterricht wieder bei Adam und Eva und wie man ’nen Laptop einschaltet angefangen und das nur, weil 2 Neue in der Gruppe sind – ohne überhaupt mal deren Kenntnisstand abzufragen (oder den von sonst jemandem) / über Blattläuse im Feigenbäumchen

gelernt: hm, am ehesten Selbstbeherrschung im Zusammenhang mit den beiden ersten Punkten oben drüber

gelacht: über meine eigene Grimasse heute Morgen beim Versuch, wie mein Shirtprint zu gucken:

geschnuppert: den betörenden Duft der Rosen im Vorgarten

gekocht: eins meiner Lieblingsalltagsgerichte: Putenpfannengyros mit Zaziki und Reis

gehört: den halben Tag Hero von der Family of the year im Kopf gehabt und es dann auch ein paar Mal gehört:

gemacht: zum ersten Mal seit über 8 Wochen zur Reha gefahren für einen Präsenztag, in der Mittagspause mit N. spazieren gegangen und gequatscht, zu Hause nicht so viel außer Kochen und gerade vor TBBT auf dem Sofa zu lümmeln, weil’s ganz schön anstrengend war wieder den ganzen Tag unter Leuten zu verbringen

gedacht: über Lücken im Lebenslauf und damit zusammenhängender Selbstabwertung nachgedacht und wie blödsinnig das eigentlich ist (da hab ich noch Arbeit vor mir)

Katja

Tagebuchbloggen 17.5.20

Ich habe eine neue Haarbürste, eine speziell für lange Haare, und jetzt möchte ich ein bisschen vor Freude weinen, weil ich endlich beim Kämmen nach dem Haarewaschen nicht mehr vor Schmerz beinahe weinen muss. Juhu! Ehrlich, eigentlich denke ich ja nicht, dass sowas tatsächlich einen Unterschied machen könnte, aber es hat in letzter Zeit so elendig geziept, dass ich bereit war, es jetzt wenigstens zu probieren und das war eine meiner besseren Ideen in der letzten Zeit.
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Auch gut ist, dass ich endlich wieder lesen kann. Zwei Jahre lang ging da so gut wie gar nichts, weil mir Zeit, Ruhe, Whatever gefehlt haben. In diesem Jahr fluppt es endlich wieder und ich hab heute das 15. Buch für dieses Jahr ausgelesen. Wieder mal eins von Minette Walters, von der ich schon einiges gelesen habe und die ich ausnahmslos mochte. „Des Teufels Werk“ ist zwischendurch immer mal echt schwere Kost, weil es unter anderem um Panikattacken als Symptom einer PTBS geht, aber es ist durchweg spannend und lesenswert.
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Ansonsten habe ich heute doch noch eine weitere Marmelade gekocht. Ich hatte gestern noch 500 Gramm Blaubeeren übrig gelassen, die eigentlich zum direkt weghapsen gedacht waren, aber es hat mich doch gereizt noch ein paar Gläschen zu füllen und es ist eine Blaubeermarmelade mit Gin geworden und äh, ich musste mich natürlich erst mal durch die Ginsammlung (naja einen Teil davon) probieren, um den am besten passenden Gin rauszufinden. *hicks*
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Wie sehr mich immer noch Dinge triggern, die mich an meine Mutter erinnern, ist mir heute auch wieder aufgefallen. *soifz* „Aber jemand müsste doch…“ und die inneren Nackenhaare gehen nur beim Ansatz davon hoch. Eigentlich *müsste* (orrr) ich mich längst mal bei ihr melden. Seitdem mein Neffe ihr in monatelanger Übung endlich beigebracht hat, wie man SMS schreibt, versucht sie wenigstens nicht mehr, hier anzurufen (wo ich eh quasi nie rangegangen bin), sondern schreibt mir alle paar Wochen mal ’ne SMS. Die letzte ist schon länger her, da war gerade das mit dem Schwindel und mir war nicht nach Kontakt zu ihr und dann war Muttertag, da konnte ich mich auf keinen Fall melden und dann war schon wieder ’ne Woche rum und ach irgendwie geht das gerade nicht und ich versuche, die Schuldgefühle im Zaum zu halten. Ich schulde ihr nämlich tatsächlich überhaupt gar nichts. Ommm.
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Seit langer Zeit wieder mal über das Modell mit den Schiebereglern nachgedacht, das ich von meinem Bezugspfleger aus der Tagesklinik mitgebracht habe. Und dann habe ich überlegt, weswegen ich aufgehört habe, es anzuwenden, weil genau das ja – bis auf die Lieblingsmitpatientin und das Malen – das Allerbeste war, was ich von dort mitgebracht habe. Also vielleicht mal einen Schritt nach dem anderen machen und überlegen, wieso ich um so viele Themen seit einer ganzen Weile lieber einen Bogen mache und mich nicht damit befasse. Dazu passt natürlich auch, dass ich so lange fast nichts geschrieben habe. Hmm. Hmm. Aber nicht mehr heute. Das ist zu groß, um so spät noch drauf rumzudenken, wo ich doch morgen tatsächlich früh fit sein sollte.
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Ich stelle jetzt noch meinen Wecker (eine halbe Stunde später als vorher, weil das gemütlich ankommen und erst mal ’nen Tee kochen und ihn in der Firmenküche trinken wahrscheinlich eh ausfallen müssen), suche mir’n Shirt für morgen raus und falle noch auf die Couch für ’ne Episode TBBT. Oder zwei. Ich bin beim früheren Gucken bei Staffel 8 irgendwann raus gewesen und gucke jetzt endlich noch die letzten Staffeln und mag das wieder deutlich lieber als zwischendurch mal.

So!
Katja

Tagebuchbloggen 16.5.20

Manchmal ist mir danach, irgendwo in einen Wald zu fahren/laufen und laut zu schreien, aber wahrscheinlich würde das so enden, wie es in diesem seit Jahren immer wiederkehrenden Traum endet, dass ich – in höchster Gefahr – den Mund nur zu einem heiseren Schrei aufklappe und es kommt mir kein Ton über die Lippen. So lange ich also nicht ausprobiere, ob dieses Schreien überhaupt funktionieren würde, ist es immerhin noch als theoretische Möglichkeit verfügbar.
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Eigentlich war ich gerade schon auf dem Weg im Bett und hatte den Rechner schon längst ausgeschaltet, aber dann war so viel im Kopf was rauswollte und ich hab mich wieder über mich selber geärgert, dass ich es in letzter Zeit (haha, letzter langer Zeit) nur so selten überhaupt rauslasse, obwohl es doch immer erleichternd wirkt. Eben gerade bin ich aber einen Schritt weitergekommen: statt mich nur über mich zu ärgern und wieder mal in der *eigentlich* und der *müsste ich schon lange wieder mal* Falle hängen zu bleiben, habe ich den PC kurzerhand nochmal hochgefahren. Leerer Kopf schläft ja auch besser, das ist so ähnlich wie mit dem vollen Bauch, der nicht gerne studiert.
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Heute Mittag irgendwann dachte ich, dass ich beruflich dringend etwas Schöpferisches/Herstellendes tun sollte. Gestern stand ich 4 Stunden lang Früchte vorbereitend und Marmeladen kochend in der Küche und hab auch ansonsten viel erledigt und es hat sich abends total gut angefühlt und so als hätte ich den Tag erfolgreich genutzt und was *geschafft*. Heute war ich auch den ganzen Tag beschäftigt, aber es waren viele kleine Dinge, die ich gemacht habe und nichts, was sich wirklich so als greifbares Ergebnis niederschlägt wie die Marmeladengläser von gestern, die ich heute noch beschriftet und in den Schrank geräumt habe und heute fühlt sich alles irgendwie meh an und als hätte ich noch viel mehr zu tun übrig gelassen als überhaupt erledigt bekommen.
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Meh trifft das vorherrschende Gefühl des Tages ganz gut. Seit ich weiß, dass ich ab Montag wieder aus dem Haus und zur Präsenz-Reha muss, rumort es in mir. Ich schlafe schlecht und bin auch tagsüber dauerhaft gehetzt und stehe neben mir. Ich bekomme aber (noch) nicht so genau zu fassen, was da unter der Oberfläche los ist.
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Beim Beschriften der Marmeladengläser heute fiel mir wieder mal etwas auf, was ich gut kann, wovon ich früher immer dachte, es sei normal, dass man es kann. Meine Blaubeer-Aprikosenmarmelade ist mit einem Schuss Grand Manier und mit etwas getrocknetem Ingwer und Muskat. Die Rhabarber-Erdbeer-Marmelade ist mit Zimt und grob gemörsertem Tellicherry-Pfeffer. Dass diese Kombinationen lecker werden – speziell mit den Gewürzen drin, wusste ich schon, bevor ich die Gewürze reingegeben habe. Ich kann nämlich ziemlich gut *im Kopf würzen*, d.h. ich kann mir, wenn ich etwas probiere, vorher vorstellen, wie es schmecken wird, wenn ich eine bestimmte Komponente, ein Gewürz hinzugebe. Umgekehrt kann ich auch, wenn ich etwas probiere, ziemlich leicht erkennen, welches Gewürz oder welche Komponente dem Essen jetzt noch den letzten Schliff geben könnte. Das ist mit einer der Gründe, weswegen meine 2 riesigen Gewürzschubladen voll sind – ich den Kram darin aber auch wirklich nutze.
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So, jetzt gehe ich wirklich ins Bett. Ich nenn’s mal Tagebuchbloggen. Vielleicht animiert mich das ja dazu, es regelmäßiger zu tun.

Gute Nacht.
Katja