Tagebuchbloggen 16.5.20

Manchmal ist mir danach, irgendwo in einen Wald zu fahren/laufen und laut zu schreien, aber wahrscheinlich würde das so enden, wie es in diesem seit Jahren immer wiederkehrenden Traum endet, dass ich – in höchster Gefahr – den Mund nur zu einem heiseren Schrei aufklappe und es kommt mir kein Ton über die Lippen. So lange ich also nicht ausprobiere, ob dieses Schreien überhaupt funktionieren würde, ist es immerhin noch als theoretische Möglichkeit verfügbar.
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Eigentlich war ich gerade schon auf dem Weg im Bett und hatte den Rechner schon längst ausgeschaltet, aber dann war so viel im Kopf was rauswollte und ich hab mich wieder über mich selber geärgert, dass ich es in letzter Zeit (haha, letzter langer Zeit) nur so selten überhaupt rauslasse, obwohl es doch immer erleichternd wirkt. Eben gerade bin ich aber einen Schritt weitergekommen: statt mich nur über mich zu ärgern und wieder mal in der *eigentlich* und der *müsste ich schon lange wieder mal* Falle hängen zu bleiben, habe ich den PC kurzerhand nochmal hochgefahren. Leerer Kopf schläft ja auch besser, das ist so ähnlich wie mit dem vollen Bauch, der nicht gerne studiert.
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Heute Mittag irgendwann dachte ich, dass ich beruflich dringend etwas Schöpferisches/Herstellendes tun sollte. Gestern stand ich 4 Stunden lang Früchte vorbereitend und Marmeladen kochend in der Küche und hab auch ansonsten viel erledigt und es hat sich abends total gut angefühlt und so als hätte ich den Tag erfolgreich genutzt und was *geschafft*. Heute war ich auch den ganzen Tag beschäftigt, aber es waren viele kleine Dinge, die ich gemacht habe und nichts, was sich wirklich so als greifbares Ergebnis niederschlägt wie die Marmeladengläser von gestern, die ich heute noch beschriftet und in den Schrank geräumt habe und heute fühlt sich alles irgendwie meh an und als hätte ich noch viel mehr zu tun übrig gelassen als überhaupt erledigt bekommen.
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Meh trifft das vorherrschende Gefühl des Tages ganz gut. Seit ich weiß, dass ich ab Montag wieder aus dem Haus und zur Präsenz-Reha muss, rumort es in mir. Ich schlafe schlecht und bin auch tagsüber dauerhaft gehetzt und stehe neben mir. Ich bekomme aber (noch) nicht so genau zu fassen, was da unter der Oberfläche los ist.
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Beim Beschriften der Marmeladengläser heute fiel mir wieder mal etwas auf, was ich gut kann, wovon ich früher immer dachte, es sei normal, dass man es kann. Meine Blaubeer-Aprikosenmarmelade ist mit einem Schuss Grand Manier und mit etwas getrocknetem Ingwer und Muskat. Die Rhabarber-Erdbeer-Marmelade ist mit Zimt und grob gemörsertem Tellicherry-Pfeffer. Dass diese Kombinationen lecker werden – speziell mit den Gewürzen drin, wusste ich schon, bevor ich die Gewürze reingegeben habe. Ich kann nämlich ziemlich gut *im Kopf würzen*, d.h. ich kann mir, wenn ich etwas probiere, vorher vorstellen, wie es schmecken wird, wenn ich eine bestimmte Komponente, ein Gewürz hinzugebe. Umgekehrt kann ich auch, wenn ich etwas probiere, ziemlich leicht erkennen, welches Gewürz oder welche Komponente dem Essen jetzt noch den letzten Schliff geben könnte. Das ist mit einer der Gründe, weswegen meine 2 riesigen Gewürzschubladen voll sind – ich den Kram darin aber auch wirklich nutze.
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So, jetzt gehe ich wirklich ins Bett. Ich nenn’s mal Tagebuchbloggen. Vielleicht animiert mich das ja dazu, es regelmäßiger zu tun.

Gute Nacht.
Katja

3 Kommentare zu “Tagebuchbloggen 16.5.20

  1. Ich weiß schon, das mit den Dingen, die frau wirklich gerne tut und dem „mach doch einen Beruf draus“ ist immer schwierig, aber jedes Mal, wenn du vom Kochen schreibst, denk ich: warum ist Katja eigentlich keine Köchin in einem kleinen Restaurant oder Café oder wie immer sich das dann nennen würde. Du würdest den ganzen Tag tun, was du liebst und auch noch Geld kriegen dafür. Aber natürlich steht da die große Frage, die an dieser Stelle immer steht: würdest du es dann noch lieben, wenn es ein „Muss“ wird? Trotzdem: die größte Liebe ist bei dir zu zu lesen, wenn du vom Meer und vom Kochen erzählst. Sogar ohne Ton und Mimik und Gestik.

    Alle guten Gedanken für Montag, wie auch immer das endet. (Bald? Hoffentlich bald.)

  2. „Im Kopf würzen“! Sehr klasse Talent. Schön, dass du es erkennst und benennst. Ganz gewiss kein alltägliches Talent. Könnten wir alle uns doch mehr über solche Nicht-Selbstverständlichkeiten freuen.

    Guten Start morgen!

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