Geschützt: A-Moll

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Immerhin

Die Frau im Spiegel sieht traurig aus, denke ich in letzter Zeit häufig und tatsächlich wird es mir am ehesten beim Blick in den Spiegel bewusst, dass mein Blick sich verändert hat, meine Augen oft mehr grau als grün sind und die Mundwinkel hängen. Vielleicht ist es auch eher ernst als traurig. Schwermütig. Und dann zwinge ich mich, mich anzulächeln, wenigstens einmal die Mundwinkel nach oben zu reißen, aber es fühlt sich nicht echt an und da kann ich mir leider auch nichts vormachen und zack sind sie auch wieder unten, als hätten sie vergessen, wie es ist, von selber weiter oben zu bleiben. Haha, du versuchst doch gerade zu schummeln, schimpft es dann irgendwo hinten in einem Winkel des Kopfes, klar, dass das nicht funktioniert.

Aber dann sind da auch endlich wieder diese Momente, in denen ich brüllend losprusten muss, mich manchmal auch eine ganze Weile nicht mehr einkriegen kann. Immerhin das geht wieder. Immerhin manchmal.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

Ruderpartie

Und dann wird dir wieder mal bewusst, dass du selbst es bist, die du da vermisst. Die von vor einiger Zeit, die mit mehr Leichtigkeit und Zuversicht, die nicht andauernd das Bedürfnis hatte, die Arme schützend um den eigenen Körper zu legen, um sich irgendwie selbst besser zusammenzuhalten – aus Angst, da könnte noch mehr verloren gehen, von dem (Lebens-)Gefühl, das da mal war. Als ob Arme da etwas ausrichten könnten, wo es doch die Dinge im Inneren sind, die schmerzlich fehlen und so ist es auch oft mehr ein hilflos suchendes Rudern, kein wirkliches Festhalten. Und du merkst, wie oft dir wieder mal die Worte fehlen, um das, wie es in dir aussieht zu beschreiben und um es über das Worte finden, das Beschreiben zu begreifen. Aber du weißt zum Glück auch, dass das Worte suchen und finden, wenn du es übst, dazu führt, dass die Gedanken sich daran gewöhnen, formulierbar, ausdrückbar zu werden und dass die Gefühle weniger beängstigend sind und weniger Macht über dich haben, wenn du sie in Worte fassen kannst und dadurch auch besser verstehen. Also einatmen, ausatmen und zum zwiffundnölfzigsten Mal der Vorsatz hier wieder häufiger Gedanken aufzukritzeln.

Katja

Flitzpiepe, fluffig, funkeln, Firlefanz, Flausen

Wo waren wir gerade stehengeblieben? Schöne Worte mit F? Wann hast du dir zuletzt den Bauch vor Lachen gehalten? Welche ist deine liebste Jahreszeit? Bagel, warum? Was hat das für einen Sinn mit dem Loch in den Brötchen? Grün oder blau? Oder beides? Magst du Regen? Wenn es um alles geht: Herz oder Kopf? Und bei unwichtigen Dingen? Wohin ging deine letze Reise? Katze oder Hund? Wie kommst du gerade mit dem Drinnenbleiben klar? Was vermisst du am meisten? Was machst du als erstes, wenn es wieder (relativ) gefahrlos geht? Hat dein Shirt einen Aufdruck? Welchen? Erdnussbutter – yay oder nej? Denkst du Rosenkohl ist für die Spaltung der Gesellschaft verantwortlich? Warum laufen Nasen immer, obwohl sie keine Füße haben und liegen nie einfach nur rum, obwohl sie einen Rücken haben? An was denkst du gerade? Telefonierst du gerne? Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Wovon hast du zuletzt geträumt? Und tagsüber? Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du dann? War das jetzt aus dem Bauch raus oder kannst du sagen warum? Wie spät ist es gerade? Welches Buch hast du als letztes gelesen? Barfuß oder lieber mit Socken? Magst du nächtliche Gewitter? Was ist dein liebstes Dings? Erfinde ein Wort, das es noch nicht gibt! Was könnte es bedeuten? Was ist das Beste am Frühling? So, und jetzt? Wie geht’s weiter?

Katja

Ja huch?!

…und dann wird mir auf einmal bewusst, wie ultrahammeroberkrass diese Veränderung und Entwicklung ist, die ich da in der letzten Zeit gemacht habe. Dieses berufliche Thema, das so lange Zeit so dermaßen furchteinflößend war, dass ich schon alleine beim Drandenken, dass ich mal drüber nachdenken müsste, eine Panikattacke bekommen habe, wie ich es nur aus Zeiten kannte, als ich noch rauchte, was inzwischen auch schon wieder über 10 Jahre her ist und dass ich damals™ immer in Panik verfallen bin und dringend erst mal eine rauchen musste, wenn ich nur darüber nachdachte, dass ich mal über’s Aufhören nachdenken müsste, so in etwa war das jahrelang für mich.

Und jetzt? Ich stelle mich. Ich mache diese Reha, in der es darum geht. Ich beschäftige mich damit. Ich frage großartige Menschen um Rat und bekomme noch viel großartigere und allesamt wohldurchdachte Ideen, denke über diese Ideen nach, versuche mich reinzudenken, reinzuspüren, reinzuhören. Das alles vorsichtig optimistisch, neugierig, offen, gespannt. Und mir wird erst in einem ruhigen Moment überhaupt klar, WIE groß diese Veränderung ist und ich muss es dringend hier aufschreiben, um es bewusster festhalten zu können. Da tut sich was in mir, viel sogar und immer noch ein bisschen wehmütig vermisse ich den besten Therapeuten und mir wird – beim Gedanken, dass er gerade vermutlich stolz auf mich wäre – wieder mal bewusst, wie nah er mir in all den Jahren war und dass genau diese, möglicherweise nicht zu hundert Prozent professionelle, dafür aber immer enorm fürsorglich wohlwollende Nähe es war, was mir in all den Jahren so gut getan hat, weil das eines der Dinge ist, die mir in meiner Kindheit am allermeisten gefehlt haben. Aber vielleicht kann ich mir auch jetzt einfach mal erlauben, selber stolz auf mich zu sein. So! Nämlich!

Katja

 

Geschützt: So! Brainstorming Jobgedöns (Achtung, das übliche Passwort funktioniert hier nicht. Gerne DM oder Mail.)

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