Wie geht das denn? #8a heute: Tagesklinik

Watt issen Tajesklinik? Da stellnwa uns ma janz dumm!

 

Ich hatte vor ein paar Tagen auf Twitter mal nachgefragt, ob Interesse daran besteht, etwas mehr darüber zu erfahren, was ich gerade so mache. Im Blog ist es unter anderem gerade so ruhig, weil ich jetzt schon in der 10. Woche in einer Psychosomatischen Tagesklinik bin. Und da ich zwar schon einige Jahre zu meinem ambulanten Therapeuten gehe, aber selber vor meinem ersten stationären Klinikaufenthalt im Frühjahr letzten Jahres, überhaupt keine Ahnung hatte, was stationäre oder teilstationäre Psychotherapie so macht und mir unter anderem diese Ungewissheit solche Angst gemacht hat, versuche ich hier ein bisschen zu beschreiben, was da so passiert. Vielleicht macht es dem einen der der anderen Mut, sich Hilfe zu holen und vielleicht macht es insgesamt die Blackbox ein bisschen durchsichtiger. Ich kann das natürlich nur mit meinen eigenen Erfahrungen aus der speziellen Klinik füttern, in der ich gerade bin. Anderswo mag es ganz anders sein.

Der erste Punkt, der mich völlig verwirrt hat war jener, dass es zwar recht viele Tageskliniken gibt, ABER (großes Aber) man muss im Vorfeld erst mal genauer recherchieren, was die können/machen. Ich wurde im Mai aus der stationären Therapie entlassen mit der dringenden Empfehlung, doch auch noch in eine Tagesklinik zu gehen. Bei der Adresse, die der Sozialdienst mir mitgegeben hatte, rief ich an und musste dann bis Ende Juli auf einen Termin für ein Erstgespräch warten. In der Zwischenzeit hatte ich selber noch nach Kliniken recherchiert und war dann insgesamt bei 3 verschiedenen zu einem solchen Gespräch und erst im Verlauf dort, wurde mir klar, dass es ein sehr großer Unterschied ist, ob man in eine psychiatrische Tagesklinik oder in eine psychosomatische Tagesklinik geht.

In der psychiatrischenTK gibt es eher konkrete Hilfestellungen zur Alltagsbewältigung – das ist ein Angebot für Menschen, deren „Funktionieren“ im Alltag so weit eingeschränkt ist, dass sie zB ihren Haushalt, Einkaufen und dergleichen nicht ohne Hilfe bewältigen. In einer der besuchten Kliniken gibt es gar keine regelmäßigen Therapiesitzungen mit den Psychologen (die sind nur für Notfälle da), dafür aber so Dinge wie gemeinsames Einkaufen, Tisch decken und sehr viel (täglich 3 Stunden) Ergotherapie, wo gebastelt oder gemalt oder gewerkelt wird – einfach um mal wieder die Belastbarkeit zu testen und die Frustrationsschwelle und den Umgang damit. Ansonsten gibt es dort einen Sozialarbeiter, der bei allen Behördenbelangen, Anträgen und dergleichen berät und hilft. Hätte ich vorher von dem Unterschied gewusst, hätte ich mir 2 der Gespräche bzw. Besuchstage sparen können, denn was ich brauche, ist psychotherapeutische bzw. psychosomatische Therapie.

Die Tagesklinik, in der ich seit Ende November bin, ist eine psychosomatische. Die Station hat insgesamt 21 Plätze für Patienten und die sind nochmal in 2 Gruppen unterteilt. In meiner Gruppe sind 10 Leute, mit denen ich sämtliche Gruppendinge gemeinsam habe. Fast jeder bleibt zwischen 8 und 12 Wochen dort zur Behandlung, wobei 12 auch das Maximum ist (und ich bin froh, dass ich so lange bleiben darf). Neuaufnahmen sind fast immer nur montags, Entlassungen freitags. Tagesklinik grundsätzlich bedeutet, dass man von Montag bis Freitag tagsüber in der Klinik ist und abends bzw. über Nacht und an den Wochenenden zu Hause. Daher ist das Einzugsgebiet auch recht begrenzt, denn man muss ja täglich zur Klinik pendeln. (Und der Anteil an Flüchen in meinen Selbstgesprächen ist um 37% gestiegen seit ich täglich im Berufsverkehr unterwegs bin.)

Auf meiner Station geht die Therapiezeit von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr, die Anwesenheitspflicht endet aber fast immer schon um 15.30 Uhr – falls man nicht noch einen späten Einzeltermin bekommen hat, der länger dauert. In der Regel sind wir von kurz vor 8 bis 15.30 Uhr dort anwesend.

Ich bin morgens meistens um 7.45 Uhr da, um in Ruhe die Jacke ausziehen, die Tasche wegschließen und ’nen Schluck Kaffee zu trinken bevor es los geht. In den Therapien sind Getränke, Essen und Handys verpönt, was gerade bei den Getränken echt blöd ist, weil einige Therapien über 100 Minuten gehen. Weil es ja keine stationäre Behandlung ist, haben wir keine typischen Krankenhauszimmer, sondern nur Ruheräume. Da teilen sich je 7 Leute einen Raum (das ist auch das einzige, wo die Gruppen gemischt sind) und jeder hat einen bequemen Liegesessel, einen kleinen Tisch daneben und einen Spind. Außerdem gibt es auf der Station 2 Gruppenräume (für jede Gruppe einen festen) eine kleine Küche mit Kaffeeautomat, Mikrowelle, Wasserkocher, Geschirrspüler und Kühlschrank und über mehrere Gebäude verteilt diverse Therapeutenzimmer und Therapieräume. Die Ruheräume sind tatsächlich so gedacht, dass es dort ruhig ist, für Gespräche in therapiefreien Zeiten dient der Gruppenraum – in dem übrigens auch jeder einen festen Platz hat. Dort finden auch manche Therapien statt und auch das gemeinsame Mittagessen. Neben zB den Kreativtherapeuten, die die ganze Gruppe in Therapien betreuen, hat jeder Patient eine fest zugewiesene Psychologin, eine Ärztin und eine*n Bezugspfleger*in.

Bis hierhin war’s hauptsächlich ein bisschen über die organisatorischen Abläufe und weil das schon arg lang ist, mache ich hier mal einen Einschnitt und schreibe das lieber in mehreren Teilen auf, damit’s nicht so ein unlesbares Monster wird. Mehr über die Therapien und wie so ein Tag bzw. eine Woche aussieht, dann sobald ich wieder Energie und Zeit zum Weiterschreiben finde.

Katja

 

Wie ich einmal 4 Wochen brauchte, um alle Zutaten für ein Rezept zusammen zu bekommen

Und da ich auf Twitter um das Rezept gebeten wurde und ich das eh gerne mal aufschreiben wollte, damit ich’s nicht zu jeder Kürbis-Maronen-Ricotta-Saison neu zurechtknobeln muss, hier also zum Nachbasteln:

Für 4 gute Esser oder für 2 Esser an 2 Tagen braucht man:

Für die Tomatensoße:

1 Zwiebel
2-3 Zehen Knoblauch
1/2 Tube Tomatenmark
optional: ein sehr großzügiger Schluck Kochwein (weiß oder rot)
1 Flasche Passata
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Paprika (ich nehme immer scharfes geräuchertes)
1 Prise Zucker
1 Prise Zimt
Oregano
Öl

Und so geht’s:

Zwiebel und Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden. Das Öl in einem kleinen Topf erwärmen, Zwiebel und Knoblauch glasig anschwitzen, das Tomatenmark dazu geben und anrösten, mit dem Wein ablöschen, dann die Gewürzen und die Passata dazugeben und die Soße mindestens 1 Stunde bei kleiner Hitze einköcheln lassen.

Für die Füllung:

1 kleiner Hokaidokürbis
200 g gekochte Maronen
250 g Ricotta
250 ml Weißwein (ich nehme zum Kochen immer Pinot Grigio)
100 ml Sahne oder Cremefine zum Kochen
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Thymian 2 Zweige oder 1 EL getrockneter
etwas Öl zum Braten

Und so geht’s:

Den Kürbis waschen, halbieren, mit einem Löffel die Kerne entfernen und das Fruchtfleisch in sehr feine Stücke schneiden. Das Öl in der Pfanne erhitzen und den Kürbis würzen und bei mittlerer Hitze anbraten, dann mit dem Wein ablöschen und den Kürbis gar dünsten. Die Maronen in kleine Stücke schneiden und zum Kürbis geben. Kurz mitanbraten, dann den Ricotta und die Cremefine dazu geben und alles gründlich vermischen.

Zum Zusammenbasteln braucht man:

ca. 25 Cannelloni
1 Kugel Mozzarella
1 handvoll geriebener Parmesan
etwas Öl für die Form

Und so geht’s:

Den Parmesan reiben, den Mozzarella in Würfel schneiden. Eine flache Auflaufform einölen, eine dünne Schicht Tomatensoße auf den Boden der Form geben. Die Füllung mit einem Teelöffel in die Cannelloni füllen und die gefüllten Nudelröllchen eng nebeneinander in die Form legen. Die Tomatensoße über die Cannelloni löffeln, sodass sie komplett bedeckt sind. Den Käse darüber streuen und die Form bei 180°C für ca. 30 min in den Ofen schieben. Mit einer Gabel reinpieksen, um zu prüfen, ob die Nudeln gar sind.

Omnomnom!

Katja

Extrakäse

Und dann wird dir auf einmal bewusst, wie häufig du alle negativen Gefühle gegen dich selber richtest, wie du immer wieder in Selbstabwertung und Selbsthass versinkst und du willst es anders machen und versuchst, deine Gedanken bewusst umzuleiten bzw. umzuformulieren, dir deine Muster bewusst zu machen und dir zu sagen, dass du das doch so nicht mehr willst, endlich nicht mehr. Das geht einen Moment lang gut und dann reißt es dir wieder den Boden unter den Füßen weg und du hörst auf, dich gegen die negativen Gefühle zu wehren und dann wird dir auf einmal auch noch bewusst, wieso dir das immer wieder passiert, wieso du am Ende doch wieder unten landest und dass das viel mit Sicherheit zu tun hat, denn der Selbsthass, das ist das vertraute Gefühl. Es geht dir dann zwar schlecht, aber es ist ein Schlechtgehen, das du kennst, das dir den Boden lässt, nicht zum drauf stehen, aber zum in der Ecke kauern. Es erfüllt eine Funktion. Sicherheit in all dem Chaos, das gerade in dir herrscht.

Und dann, ganz bewusst, der Gedanke, dass das dann jetzt eben so ist. Es geht dir schlecht und du machst dich wenigstens nicht noch dafür fertig, dass es dir *wieder mal* schlecht geht. Wenigstens diese Extraschleife Extrahass sparst du dir heute. One step.

Katja

(gerade sehr mit Therapie beschäftigt, viel zu wenig bloggend, mal sehen, ob ich das nicht wieder regelmäßiger hinbekomme, meine Gedanken hier reinzukippen und zu sortieren)