Tabuzone

Achtung Triggerwarnung:

In diesem Text geht es um Suizidgedanken und den Umgang damit. Bitte lest den folgenden Text nicht, wenn es euch gerade schlecht geht, wenn ihr selber psychisch angeschlagen seid oder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit diesem Thema in Berührung kommen möchtet.

 

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Blog like nobody’s reading

Irgendwie hab ich gerade die Toten Hosen im Kopf… Und die Jahre ziehen ins Land und wir bloggen immer noch ohne Verstand. *summt*

Happy Blogsday, mein Kleines! 10 Jahre haben du und ich jetzt schon gemeinsam auf dem Buckel und ich hätte mir bei den ersten zaghaften Einträgen, die ich noch verfasst habe, ohne dass sie überhaupt irgendjemand gelesen hätte, nie im Leben träumen lassen, dass bloggen mal ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens werden würde, dass das Schreiben mal so wichtig werden könnte und gerade in Phasen wie der aktuellen Lebenskrise, in der ich bis zur Oberkante der Unterlippe seit einiger Zeit stecke, auch wieder so wichtiger Ort zum Gedanken sortieren, zum Festhalten von Erkenntnissen, als wichtiger Teil meiner Therapie, denn was ich in Worte fassen kann, kann ich besser (be-)greifen und besser verarbeiten.

Dass ich jetzt nicht mehr immer nur vor mich hinblogge, sondern dass es mittlerweile eine ganze Reihe von Menschen gibt, die hier mehr oder weniger regelmäßig mitlesen, dass ich hier Menschen gefunden habe, die ähnlich ticken wie ich, ähnliche Monster unterm Bett und Dämonen im Keller haben, welche die ähnlich gerne kochen oder ähnlichen Unsinn wie ich mögen und auch wirklich echte Freunde, die teilweise schon lange über das Virtuelle auch im Realen Fuß gefasst haben – ist eine großartige Ergänzung und Begleiterscheinung!

Habt vielen Dank, ihr die ihr hier schon seit Jahren an meiner Seite seid und meine Entwicklung und meine Gedankensprünge mitverfolgt und ein Stückchen weit an meinem Leben teilhabt und auch ihr, die ihr vielleicht gerade zum ersten Mal hier reinschaut und lest! Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr mitlest. Schön, dass ihr immer mal wieder Kommentare hier lasst. Danke für so vieles! ❤

And now: Partyhüte raus! Wir haben einen runden Blogsday zu feiern! 🙂

Katja

(Und weil es gerade so Überhand nimmt, dass ich ein Schloss an die Beiträge hänge, hier wieder mal der Hinweis: Klick.)

Doch nicht ganz aussichtslos

Ich versuche gerade die richtigen oder überhaupt Worte für das zu finden, was heute passiert ist und merke, das ist gar nicht so leicht, weil ich mal wieder gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. In meinem Kopf geht es immer noch drunter und drüber, aber ich möchte es auch gerne festhalten, so lange der Eindruck noch frisch genug ist, damit ich im wahrsten Wortsinne, was zum daran Festhalten habe.

Vielleicht fange ich mit dem an, was für mich so festhaltenswert ist: ich war heute Nachmittag ziemlich saumäßig stolz auf mich, ich stand nämlich irgendwann auf der höchsten begehbaren Stelle eines Turms an der nahegelegenen Bergstraße und das obwohl ich mich etwa 1,5 Stunden vorher wieder mal wie weltgrößte Versagerin gefühlt hatte.

Aber von vorne: ein Spaziergang sollte es werden, wobei das im Nachhinein schon eine eher euphemistische Bezeichnung ist, für den steilen, schmalen Weg über Stock und Stein, der sich durch den Wald den Berg hochwindet und so ging es mir auch schon nach wenigen hundert Metern ernsthaft an die Substanz. Ich gehe echt gerne spazieren, aber herrje, wir wohnen hier im totalen Flachland und die Wochen in der Klinik im Taunus, in denen ich relativ viel Bergstrecke zurückgelegt habe und dahingehend etwas trainierter war, liegen dann doch schon wieder ein paar Monate zurück und gerade schlaucht die Psyche den Körper ohnehin unglaublich und ich bin die meiste Zeit müde und völlig platt und energielos. Also saß ich schon nach ein paar hundert Metern steilen Bergwegs auf einer Bank, mit einer heftigen Panikattacke kämpfend, weil ich nicht schwindelfrei bin und der geröllige Weg sich alles andere als sicher angefühlt hat und der Verzweiflung nahe, weil ich da eigentlich am liebsten direkt wieder umgedreht und nach Hause gefahren wäre. Eigentlich wollte ich losziehen, um durch die Bewegung und das draußen Rumlaufen der Psyche was Gutes zu tun, aber das ging irgendwie voll nach hinten los und mir ging’s in dem Moment hundsmiserabel, weil es wieder mal so gut zu meinem depressiven Ich passte – der Vollversagerin, die nichts auf die Reihe bekommt. Nicht mal ’nen Sonntagmittagspaziergang zu ’nem ollen Schloss.

Irgendwoher hab ich dann immerhin soviel Trotz aufgebracht, dass ich dachte, ich probier’s jetzt wenigstens nochmal ein, zwei Serpentinen länger und irgendwie ging’s dann auf einmal mit ’nem großen Schluck Wasser, langem tiefen Durchatmen und vor allem erst mal nur noch vor die Füße gucken, um nicht zu stolpern und auch, um nicht zu sehen, wie schmal und steil der Weg wirklich war. Und dann, irgendwann so ’ne Stunde später, war der Weg hoch geschafft und ich den Berg endlich oben, aber da gab’s zwar viele dicke Mauern, aber keine echte Aussicht, also musste ich dringend auch noch den Turm hoch – auch noch das allerletzte Stück, wo die breite gut begehbare Betonwendeltreppe einer schmalen, engen, unebenen Steinwendeltreppe, die kaum noch den Namen Treppe verdient, weicht bis man endlich oben auf dem Turm steht.

Und dann musste ich, oben stehend, dran denken, wie ich das letzte Mal versucht habe, so einen engen Turmtreppenaufstieg zu bewältigen und wie ich damals mit einer grandiosen Panikattacke mitten auf der Treppe des Belfrieds von Brügge gescheitert bin. Und auf einmal war ich ganz schön gewaltig stolz auf mich, dass ich nicht nur den Berg doch noch bezwungen habe, sondern quasi ohne nachzudenken oder zu zögern den Turm auch noch hoch bin, weil ich jetzt nun mal eben auch Aussicht haben wollte, wo ich schonmal den Berg hoch war. Und zwar die beste Aussicht, die man haben kann – die von ganz oben.

Und davon hab ich euch auch ein bisschen was mitgebracht. Und auch von etwas weiter unten. (Klick macht groß.)

 

Jetzt ein paar Stunden später, ist von diesem Stolz nicht wirklich mehr was übrig und die Tränen kullern wieder. Aber gerade deswegen muss ich’s dringend aufschreiben, um nicht zu vergessen, dass es so Momente gerade auch zwischendrin doch gelegentlich gibt.

Katja

Ich bin ja ansonsten nicht nachtragend…

…aber @poelsebude meint, ich sollte doch daraus auch noch einen Blogartikel machen

und das ist jetzt also quasi ein Nachtrag zum letzten Eintrag und einer der Gründe, weswegen ich mich, wenn es mir schlecht geht, am liebsten verkrieche und aus der meisten Kommunikation aussteige.

 

Katja

Memo an mich

Liebes Future-me,
Einigeln und mit der Depression und den kreisenden Gedanken alleine zu sein, ist keine gute Idee, wenn’s dir richtig schlecht geht – auch wenn sie noch so verlockend erscheint und auch wenn dir noch so wenig nach Menschen zumute ist. Du hast tolle Freunde und du gehst ihnen auch dann nicht auf die Nerven (ja echt!), wenn’s dir schlecht geht. Vertrau mal endlich darauf und hör auf, dich zu verstecken. Du fällst dann nur noch tiefer. Und es tut dir doch gut, zu merken, dass sie dich auch dann noch gerne haben, wenn du für dich selber wieder mal nur Hass übrig hast. Also mach nicht dicht, sondern umgib dich mit Leuten, die du magst und lass dich ablenken. Echt jetzt.
Dein Present-me

 

(Nicht aufgeben. Bitte.)