Momentbestandsaufnahme

Dann bist du krank und zwei Tage geht gar nichts und der Kopf ist wie mit Watte gefüllt und die Welt rundum dumpf und obwohl dich das ganze Kranksein – schon wieder Kranksein – nervt, bist du doch ganz froh über die Watte im Kopf und die Ruhe, die daraus entsteht, denn da wo viel Watte ist, ist kein Platz für allzu viele Gedanken. Da können sie überhaupt nicht ausholen und kreiselnkreiselnkreiseln und noch eine Schleife und sich verheddern und aufundab und dich dabei mitreißen. Zwei Tage Ruhe, zwei Nächte mit immerhin einigermaßen ausreichend Schlaf und dann ist diese ganze Krankseinfunktionsshice so ins System integriert, dass das Grübeln, einfach so, wieder nebenbei funktioniert und da ist zwar immer noch Watte im Kopf, aber die Zweifel drücken sie immer fester zusammen, nehmen immer mehr Raum ein, machen sich breit, kreiselnkreiseln und von vorne. Zu viele offene Baustellen auf einmal und du kommst nicht mehr hinterher beim Sortieren und Einordnen.

Und dann ist da so viel Traurigkeit in den letzten Tagen und Wochen und immerhin davon weißt du mittlerweile, was es mit ihr auf sich hat oder hast zumindest eine ziemlich starke Ahnung darüber, weißt, dass sie zwar im Jetzt getriggert und ausgelöst wird, aber eigentlich so weit in die Vergangenheit gehört, wie du überhaupt nur denken kannst. Du schaffst es zum ersten Mal, dir diese alte Sache überhaupt anzuschauen, nicht wegzuzucken, sie nicht wegzuschieben, sondern die Gefühle zuzulassen und den uralten Schmerz und das, wo er herkommt, zu betrachten, die Verzweiflung und Not zu spüren und das kostet Kraft und ist unendlich anstrengend, aber trotzdem ist da auch so etwas wie Hoffnung in dir, dass dir das Loslassen vielleicht doch irgendwann noch gelingen wird…

Katja

Neulich in meiner Küche

 

 

img_20161213_104606Jaja, es ist schon ein bisschen länger her und statt neulich könnte ich fast schon damals™ sagen, aber da ich einer meiner Spanischcompañeras versprochen habe, dass ich ihr die Fotos und ein Rezept endlich mal schicke, habe ich endlich mal auf dem Händi gekramt und wenn ich sie jetzt eh schon rausgesucht habe, kann ich sie ja auch direkt noch bloggen.

Nachdem ich schon eine ganze Weile die Idee im Kopf gewälzt hatte, mal Tapas für die Leute von meinem Spanisch-Stammtisch formerly known as Spanisch-Kurs zu machen, bot sich das mit der neuen innig geliebten Riesenküche jetzt tatsächlich an. Noch dazu, weil wir wieder einiges an Lebensmitteln aus Spanien nach Hause geschleppt hatten, unter anderem einen kompletten Pata Negra und diverse Käsesorten.

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Und damit meine Gäste was zu tun hatten, während ich mit diversen Töpfen und Pfannen beschäftigt war – denn bei Tapas bietet es sich an, sie nach und nach zuzubereiten – durften sie ein bisschen Spanisch üben und die zerschnippelte Tapaskarte am Kühlschrank zusammenbasteln. (Klick macht Extragroß)

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Am Tag vorher sah meine Küche übrigens so aus. Und das war nachdem ich zwischendrin aufgeräumt hatte.

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Und jetzt: Bilder von Essen. (Falls ihr Interesse an den Rezepten – oder Teilen davon habt – piepst ruhig in den Kommentaren. Ansonsten spare ich mir das gerade mal, weil es wirklich viel Zeug war.)

Nicht ins Bild haben es geschafft: die Gambas al ajillo con romero und die Crema catalana. Die waren schneller verputzt als ich dran gedacht habe, Fotos zu machen. Und ja, lausige Händiqualität bei Schummerlicht bei den Fotos.

 

Schee war’s! Die lade ich garantiert wieder ein. 🙂

Katja

Wait? What?

„Vielleicht kommt da gerade dein wahres Temperament zum Vorschein und das war nur immer unter der ganzen Angst begraben.“, sagt der beste Freund am Telefon, als ich ihm morgens um 9 sprudelnd von meinen gewaltigen Sprüngen über den eigenen Schatten in der letzten Zeit erzähle und alleine die Tatsache, dass „morgens um 9“ und „sprudelnd“ so dicht beieinander stehen, in einem Satz, in dem es um mich geht, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass da irgendetwas gewaltig anders ist als sonst.

Neben und zwischen den ganzen Stimmungsschwankungen, die da in letzter Zeit mit mir passiert sind – denn so wirklich einflussreich habe ich mich ihnen gegenüber nicht gefühlt, es fühlte sich tatsächlich eher nach einem passiven Geschehen an – habe ich tatsächlich irgendwo unglaubliche Energie in mir entdeckt, die gerade mal einfach so die ganze Angst, mit der ich mir üblicherweise selber im Weg stehe, über den Haufen rennt.

Seitdem er das gesagt hat, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf, denn diese Frage, die stelle ich mir ja schon lange. Wer bin ich eigentlich? Wie bin ich eigentlich? Was liegt unter der Depression und all der vielen Angst? Manchmal versuche ich mich daran zu erinnern, wie ich früher gewesen bin, bevor das so alles so schlimm wurde, aber einfallen tun mir dabei meistens Episoden, die eher zeigen, dass ich wahrscheinlich schon als Kind depressiv gewesen bin. Und Angst war sowieso immer das vorherrschende Gefühl meines Lebens. Zusammen mit Traurigkeit.

Jetzt ist da auf einmal dieses Energiebündel, das mir aus dem Spiegel heraus die Zunge rausstreckt, mir irgendwie ähnelt und doch so unendlich fremd erscheint. Und ich weiß noch nicht so genau, ob ich bei dem Tempo überhaupt mitkomme, mit mir selber und der neu entdeckten Energie wirklich Schritt halten kann. Ich weiß nicht, ob und wie sinnvoll es ist bzw. wäre, mich selber ein bisschen auszubremsen. Langsam zu machen, langsamer. Und dann der nächste Gedanke ist direkt jener, was ist, wenn das alles sowieso nur vorübergehend ist? Nur mal für 2, 3 Wochen so bleibt und danach wieder die bleiernen Gewichte an Armen und Beinen automatisch dafür sorgen, dass ich zu meinem normalen Tempo zurückkehre. Also vielleicht doch lieber den Schwung nutzen, so lange er da ist?

Es ist kompliziert und ich kann langsam nicht mehr zählen, wie oft ich das im letzten Jahr gedacht habe. (Aber es ist gerade auch gut und das denke ich wirklich nicht besonders oft.)

Katja

kurz zitiert #56

Man hätte den Eindruck haben können, als wären wir beide als Nordpole desselben Magneten auf die Welt gekommen, als müssten wir eigentlich gleich sein, und stießen uns letztendlich aber doch immer wieder voneinander ab – bis ans Ende unserer Tage von einer geheimnisvollen, unsichtbaren Kraft voneinander ferngehalten.

(Seite 218)

 

Ringsum herrschte absolute Stille, so wie man sie nur in Kirchen antrifft – eine Stille, die so unermesslich war, so zeitlos und so laut, dass sie in den Ohren schmerzte, ein hallendes Vakuum negativen Klangs.

(Seite 269)

(Alan Bradley, Schlussakkord für einen Mord, Flavia de Luce 5)

 

Ich mag Flavia, die kleine Nervensäge, tatsächlich von Band zu Band lieber und das nicht nur wegen so feiner Formulierungen und nicht nur die Bücher insgesamt, sondern tatsächlich auch die Figur an sich, deren Eigenheiten und Schrulligkeiten mich immer mehr für sie einnehmen. 🙂

Katja