Neulich auf dem Parkplatz

Heute Nachmittag fahre ich auf den Supermarktparkplatz. Ein Stück vor mir rangiert jemand ziemlich langsam aus einer Parklücke raus. Ich halte, statt mich vorbeizudrängen, in ausreichendem Abstand an und warte ab, dann fällt mir auf, dass direkt rechts von mir eine freie Parklücke ist, die ich wegen des Rangierers vorne übersehen hatte. Ich fahre in die Parklücke, merke schon, dass mich ein Mann in 3, 4 Metern Entfernung beobachtet, steige aus. Er so „Sie haben Ihren Behindertenausweis vergessen.“. Ich – völlig verdutzt und mehr stammelnd als deutlich – weil ich weder wusste noch gesehen hatte, dass es sich um einen Behindertenparkplatz handelt „Oh, ist das ein Behindertenparkplatz?“ Er schnaubt ein verächtliches „natürlich“ raus, dreht sich um, geht weg. Ich steige wieder ins Auto, fahre aus der Parklücke (tatsächlich, am Boden ist ein Rollstuhl aufgemalt, den man aber durch den Frost auf dem Plaster kaum erkennen kann), parke anderswo.

Stunden später geht mir die Situation immer noch nicht aus dem Kopf.

Ich habe noch nie (absichtlich) auf einem Behindertenparkplatz geparkt. Nicht mal für 5 min. Nicht mal, wenn ich im Auto sitzen geblieben bin. Mir war die Situation nachmittags entsetzlich unangenehm. Die durch seine Bemerkung implizite Unterstellung des Mannes, ich hätte absichtlich auf dem Behindertenparkplatz geparkt, mein unsicheres Stammeln (,das mich vermutlich erst recht hat „schuldig“ wirken lassen) und das blöde Gefühl hinterher.

Eigentlich ist das keine große Sache und doch lässt es mich schon den ganzen Tag nicht los. Ich geb mir doch tatsächlich Mühe, die Dinge richtig zu machen und es war ein Versehen. Und irgendwann bin ich auch wütend über die Unterstellung geworden, diese Bemerkung, die mir gar keinen sinnvollen Raum zur Reaktion ließ, der Mann der automatisch davon auszugehen schien, dass ich natürlich in vollem Bewusstsein und Absicht einen Behindertenparkplatz blockiere ( und das obwohl 3/4 des Supermarktparkplatzes frei waren…).

Seitdem denke ich darüber nach, wie diese Situation sich auch hätte klären können.

„Entschuldigung, haben Sie bemerkt, dass Sie auf einem Behindertenparkplatz parken?“

„Huch, nein. Das habe ich gar nicht gesehen. Haben Sie vielen Dank, dass sie mich darauf hinweisen.“

Es hätte so einfach sein können. Für ihn, wenn er nicht automatisch von meiner Schlechtigkeit ausgegangen wäre. Für mich, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meinen Irrtum auf angenehmere Weise aufzuklären.

Und selbst wenn ich absichtlich dort geparkt hätte (was ich, um’s nochmal zu erwähnen, nicht habe), wäre die zweite Variante so viel positiver gewesen. Denn dann wäre ich nicht verärgert über’s „auf frischer Tat ertappt werden“ gewesen, sondern hätte auch dann einen Ausweg gehabt, bei dem ich mich zwar geschämt, aber mein Gesicht nicht verloren hätte. Was – und jetzt unterstelle ich mal – vermutlich eher dazu geführt hätte, dass ich mir in Zukunft eine bessere Parkmöglichkeit gesucht hätte.

Für mehr Nachfragen und weniger Unterstellungen!

Katja

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5 Kommentare zu “Neulich auf dem Parkplatz

  1. Arrghh, Situationen, die einen nicht loslassen, weil man souveräner oder geschickter hätte reagieren können – ich kann das unangenehme Gefühl nach der von Dir geschilderten Situation so gut nachvollziehen!
    Ich glaube, was ich sehr unangenehm in solchen und ähnlichen Situationen finde, ist das Gefühl, nicht richtig verstanden, missverstanden worden zu sein – in meinen Absichten, Motivationen, Handlungen. Und keine Chance mehr zu haben, es richtig zu stellen. Sehr unangenehm ist mir auch die Situation, wenn ich ahne oder vermute, dass man mich missverstanden (und somit einen falschen Eindruck von mir gewonnen) hat, aber mir nicht ganz sicher bin – so dass ich noch nicht mal, wenn mir einfallen würde, wie, die Situation richtig stellen könnte, weil ich mir ja nicht sicher bin, ob ich wirklich falsch verstanden wurde… Irgendwie ist das ein wahnsinnig unangenehmes Gefühl.
    Wenn ich absichtlich und mit voller Intention „rüpelig“ bin, sagen wir mal, ein Kaffeekränzchen von Hundegassigehern anblaffe, weil sie auf dem Radweg rumstehen, dann tut mir das, je nach Tonfall, der mir rausgerutsch ist, etwas später durchaus leid (und ich kann es auch nicht mehr ändern), aber es ist nicht so unangenehm, weil meine Intention und mein Handeln in dem Moment übereinstimmten. Aber wenn meine Intentionen „lauter und rein“ waren, aber ich (möglicherweise) missverstanden wurde, dann ist das irgendwie schwierig auszuhalten.
    Mit zehn Jahren war ich auf Amrum auf Klassenfahrt und wir machten eine Wattwanderung… ein anderes Mädchen und ich fielen etwas zurück und sahen plötzlich die anderen rufen und winken. Und ich war plötzlich der Meinung, sie seien von der Flut überrascht worden und wir müssten so schnell wie möglich zum Strand zurück, um Rettungskräfte zu benachrichtigen (unser Lehrer hatte uns ausführlich vor den Gefahren des Wattenmeers gewarnt) – ich überzeugte auch das Mädchen, das bei mir war, mit meiner Panik, und wir rannten los. Richtung Strand. Zum Glück waren wir beide nicht so schnell, so dass wir von einem schnelleren Mitschüler eingeholt wurden, der uns sofort zur Gruppe zurückbeorderte – mit dem Rufen und Winken waren wir nur aufgefordert worden, zur Gruppe aufzuschließen…m(
    Solche Situationen fielen (und fallen) mir manchmal Jahre noch später ein und können mir dann durchaus die Schamesröte ins Gesicht treiben. Auch wenn ich heute über das Mädchen von damals ein bisschen lächeln kann und sie gern freundlich in den Arm nehmen würde, um ihr zu sagen, dass es nicht so schlimm sei.
    Für solche und ähnliche Missverständnis-Situationen versuche ich mir inzwischen klarzumachen, das ich eventuell/wahrscheinlich die einzige bin, der sie aufgefallen sind bzw. die sich nach Jahren noch daran erinnert – „alles nur eine kleine Welle in einem riesengroßen Meer“ habe ich mir mal als Formulierung dafür zurechtgelegt.
    Und was Deine Parkplatzsituation angeht, was Du Dir wahrscheinlich schon selbst gesagt hast: Jede Person, die Dich auch nur ein bisschen kennt (so, wie ich Dich über Deine Tweets und Blogposts wahrnehme), weiß, dass Du nicht absichtlich auf einem Behindertenparkplatz stehen würdest. Und der Typ denkt wahrscheinlich überhaupt nicht mehr an diese Situation, geschweige denn, dass er wüsste, dass er Dir ein derart langanhaltendes unangenehmes Gefühl verpasst hat. Oder, wer weiß: Vielleicht geniert er sich inzwischen auch selbst und fragt sich: „Was, wenn die junge Frau tatsächlich nicht gemerkt hat, dass sie auf einem Behindertenparkplatz stand, ich hoffe, ich habe sie nicht zu gekränkt…“… 😉

  2. Solche Typen kenne ich, die warten nur darauf, dass sie jemanden korrigieren können. Du hast ja nichts falsch gemacht, woher sollst du wissen, dass das ein Behindertenplatz war? Der Typ war einfach unfreundlich. Versuch, dir nichts daraus zu machen. Ich weiß, dass das nicht so einfach ist, ich denke auch immer noch ewig an solche Situationen und suche Fehler bei mir selbst 😉

  3. Für weniger Unterstellungen, in der Tat. Danke für die Erinnerung, denn insbesondere im Privaten neige ich sehr dazu, mich so zu verhalten wie der blöde Typ [ja, Geständnis: ich bin oft eine blöde Typin].

  4. @Anne: Beim Lesen deines Kommentars war mein erster Impuls: an mein Herz, Schwester!
    Das, was du so gut in Worte gefasst hast, dieses Gefühl, missverstanden, falsch wahrgenommen worden zu sein, ist für mich auch nur ganz schwer aushaltbar – v.a. wenn eben die Gelegenheit der Aufklärung fehlt. (Ich muss gerade an unseren DM-Wechsel (hachzja, ich bin immer noch nicht zum Antworten gekommen 😦 ) denken und kann mir vorstellen, dass dich das, worum es da ging, in einer ähnlichen Stimmung zurückließ. Mir ging es zumindest einige Male so.)
    Und mir ist es auch sehr vertraut, dass solche Situationen – egal wie lange sie zurückliegen – bei mir immer wieder hochkommen und ich sie nicht gut abhaken kann.

    @Anette: Danke! Kann mir vorstellen, dass du da auch ähnlich tickst. Ach je…

    @Rebekka: Ich glaube nicht, dass du eine blöde Typin bist. Alleine schon deswegen nicht, weil du dich hierfür bedankst. 🙂

    @Markus: Mit welcher Begründung denn? Gab es überhaupt eine?

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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