Über Disteln

„Ich komme halt aus der Landwirtschaft.“, sagt der Therapeut mit seinem etwas schiefen, etwas verschmitzen Lächeln zu mir, nachdem er mir länger etwas über Pfahlwurzeln erzählt hat und Disteln und furchtbar tief in mir verwurzelten Mustern und ich nicke und ein „ufff“ entweicht meinem Mund, weil ich frustriert bin und ahne, was da noch an harter Arbeit auf mich zukommt. Das Bild von den Mustern wie tiefwurzelnden Disteln, setzt sich in meinem Kopf fest, die, sobald ich eine Schicht durchstoßen und mich ein paar Zentimeter weit frei gestrampelt habe, schon in der nächst tieferen Schicht auf mich warten und all meinen frisch hinzugewonnenenen Glauben an die Berechtigung der eigenen Gefühle, direkt wieder in sich zusammensacken lassen und ich frage mich, wieviel tiefer geht es denn da noch? Was kommt denn da noch? Und ein bisschen frage ich mich auch, wieviel Schaden es wohl anrichten wird und wieviel von meinem Inneren überhaupt noch übrig bleibt, wenn ich mich daran mache, die Pfahlwurzeln auszugraben.

Ufff.

Katja