141144

Ich habe gerade so viel Text an dich geschrieben und schaffe es heute nicht, ihn abzusenden und habe ihn stattdessen wieder gelöscht. Zuviel hat heute meinen Kopf durchdrehen lassen als dass ich das sinnvoll sortieren und in Worte fassen könnte und ich werde immer ratloser. Unzählige Male hab ich heute dein Gesicht vor mir gesehen, wie du mich anschaust und mir mit der Hand durch’s Haar wuschelst und mich kleines Wawuschel nennst. Die Nagelhaut hab ich mir nervös weggeknibbelt und manchmal glaube ich, dass ich jetzt seit verfluchten 29 Jahren das Gleiche mit dem Schmerz und der Trauer um dich mache. Immer wieder aufknibbeln, gar nicht bewusst und doch immer wieder den Schorf an einer Ecke, die sich löst, anheben und langsam von der ganzen Wunde abziehen. Und ich kann’s und kann’s nicht lassen und ich frage mich so oft, was du mir sagen würdest, wenn du das wüsstest und wie verdammt traurig es dich machen würde, mich so zu sehen. Und manchmal frage ich mich, ob es irgendwie leichter gewesen wäre, diese Sache mit der Vergangenheit zu überstehen und loszulassen, wenn wir diese letzten beiden Jahre nicht gehabt hätten. Wenn du nicht noch mein richtiger Vater und Freund geworden wärst. Wenn ich dich, statt nach 29 Jahren immer noch um dich zu weinen, hätte hassen können oder wenigstens noch wütend auf dich sein. Ich weiß, wie müßig solche Fragen sind – hätte, hätte Fahrradkette – und doch wüsste ich gerne, ob es dann leichter wäre. Oder einfach nur anders kompliziert.

Happy Birthday, Dad! Still missing you.

Katja