Inception

Und dann erzählt sie zum hundertsten Mal, dass sie ihm das schon hundert Mal gesagt hat und du sagst zum hundertsten Mal deinen Text, den du immer an der Stelle sagst, nämlich, dass ja dann langsam auffällt, dass das nichts bringt und dass die Lösung also vielleicht irgendwie anders aussehen könnte und sie reagiert zum hundertsten Mal verschnupft und sagt zum hundertsten Mal, dass sie aber doch nichts anders machen kann und dass es ja vielleicht jetzt doch dieses Mal bei ihm angekommen ist und vielleicht ja doch dieses Mal alles ganz anders wird und dann noch ein bisschen später legt ihr auf und du fühlst dich – nicht erst zum hundertsten Mal nach einem solchen oder ähnlichen Gespräch – wie ein Luftballon, in dem nur noch ein letztes bisschen Luft zu finden ist, der ansonsten ganz schlapp und kraftlos im Wind vor sich hinbaumelt und es dauert eine ganze Weile und dann noch eine und dann wird dir zum ersten Mal die vollkommene Absurdität der Situation bewusst und dass das, was du ihr sagst, ja im Grunde auch für dich gilt, weil du mit deinen Worten genauso wenig zu ihr durchdringst wie sie mit ihren Worten zu ihm und dass das doch im Grunde genommen völlig egal und einzig ihr Bier ist, wenn sie es so und nicht anders haben will und dass du statt des ewig schalen Biers vielleicht doch lieber in Zukunft auf einen guten Schluck Rotwein umschwenkst und einfach gar nicht mehr reagierst, sondern sie einfach nur noch erzählen lässt, wenn sie das nächste Mal mit der ewig gleichen Schleife anfängt.

Katja (den Kreisel umschubsend)

5 thoughts on “Inception

  1. Energievampire … ja, die kenne ich auch. Eine nenne ich das schwarze Loch. Sie betritt den Raum, und zack ist mit einem Sog alle Energie weg und man steht in einem Vakuum aus Nichts.

  2. ohja, kenne ich nur zu gut. „aber vielleicht bringt es ja in Zukunft was“, oder „nächstes Mal ist WIRKLICH Schluss.“ Man belügt sich selbst. Gerade bin ich wieder in einer ähnlichen Diskussion mit einem sehr guten Freund. Die einzig hilfreiche Strategie, die ich hart an mir selbst lernen musste: Wenn der Gesprächspartner es nicht schafft seine Seile zu kappen, muss man wirklich überlegen die Verbindung zu ihm/zu ihr zu unterbrechen. Bevor er/sie sich zum bedrohlichen Energievampir entwickelt.

  3. @Jane: Genau so. Wobei ich merke, dass es natürlich – zumindest auch – an meiner Einstellung und Haltung liegt, aber die habe ich ja auch nicht grundlos entwickelt…

    @Silencer: Es ist in diesem Fall mein altbekanntes Problem mit dem vollständigen Kappen der Verbindung. Es ist wieder mal meine Mutter… An anderen Fronten lerne ich das aber gerade, wenigstens ein bisschen.🙂

    • @Rebekka: Kennst du den Film Inception? Da dient der Kreisel dem Protagonisten zum Überprüfen, ob er tatsächlich aufgewacht ist oder noch in einer weiteren Traumebene festhängt (dann dreht der Kreisel sich endlos weiter). 🙂

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