Schmerzstellen.

Vielleicht muss man wirklich manchmal an die Stellen, die man lange gemieden hat, weil sie zu sehr schmerzen, zurückkehren, um herauszufinden, ob der Schmerz immer noch da ist und immer noch der gleiche ist oder ob es mehr die Angst vor dem (möglicherweise) wiedererwachenden Schmerz ist, die einen fern hält.*

Ich hab das heute mit einem Ort gemacht, vor dem ich mich jetzt lange gefürchtet habe, also nicht vor dem Ort, sondern dem, was an Erinnerung und Verlust daranhängt und es war gut, dorthin zu gehen, auch wenn es noch nicht diese Junimond-Sache ist, dass es jetzt nicht mehr wehtut, aber der Schmerz hat sich in den letzten 15 Jahren, denn so lange habe ich den Mut zurückzukehren, nicht aufgebracht, verändert.

Das Gefühl dort ist jetzt ein anderes und ich kann es noch gar nicht richtig greifen und einsortieren und konnte mich damit dann auch gar nicht direkt befassen, weil dann gleich so viel Action und Ablenkung kam, aber dass es anders ist, als damals, als ich dort zum letzten Mal war, das habe ich direkt gemerkt. Nur einmal bin ich in all der Zeit in die Nähe zurückgekommen und da konnte ich gar nicht so richtig gucken und reinspüren, war zu nervös, zu verwirrt, zu wasweißich. Das war heute anders. Ich war neugierig. Darauf, was noch gleich ist, darauf, was anders ist, darauf, was es mit mir macht. Ich musste vorgehen, nachschauen, es wissen.

Das ist alles noch unausgegoren, das muss noch in mir arbeiten, noch richtig ankommen. Aber es ist gut, dass ich mich dieser alten Angst endlich gestellt habe, dass ich dort war.

Katja

[*Beim nochmaligen Drüberlesen und -nachdenken glaube ich, das gilt sowohl für äußere Orte als auch für innere, an denen man bestimmte Erinnerungen und Gefühle vergraben hat. Und dass das der eigentliche Trick ist, nachdem ich jetzt äußerlich an den Ort zurückgekehrt bin, auch innerlich nochmal an diese Stelle im Leben zurückzukehren, die genau mit jener zusammenfällt, in der es mein Leben so aus der Bahn gehauen hat.]