Gedankengeschwurbel über Selbstvertrauen, wieder mal

Wir sind Seriengucken, sehr viel mehr als Filmeseher. Die letzte Serie, die wir schauten waren die ‚Sons of Anarchy‘ und das war eine der krassesten Serien, die ich bisher überhaupt gesehen habe. Danach ging erst mal nichts. Pause. Das ging so nahe, das musste erst mal sacken. Da ging es nicht, direkt eine neue Serie zu beginnen. Und so kam’s, dass hier – ganz entgegen der eigentlichen Gepflogenheit – tatsächlich mal ein paar Abende lang für eine Weile der Fernseher lief. Das kommt tatsächlich äusserst selten vor. Und wegen des Wennschondennschons mag ich dann auch gerne gucken, wie jemand im TV kocht, immer in der Hoffnung, mir Ideen abgucken zu können. Es lief also 3, 4 Tage in Folge perfektes Dinner.

Aber auch darum geht’s bei meiner langen Vorrede eigentlich gar nicht, sondern wieder mal um dieses blöde Kopfgeschwurbel und die Sache mit dem Selbstvertrauen.

Da waren also diese Menschen vor der Kamera und quasi jeder einzelne, der mit Kochen dran war, hat irgendwann im Laufe der Sendung sowas wie ‚Boah, hab ich das geil hingekriegt!‘, ‚Ich denke, die waren alle begeistert.‘, ‚Natürlich gewinne ich. Ich bin eine Spitzenköchin.‘, ‚Klar habe ich das perfekte Dinner gekocht.‘ gesagt. Und ich saß da mit offenem Mund und konnte das gar nicht glauben.

Ich koche gerne. Manchmal glaube ich, dass ich das ganz gut kann. Meistens, wenn ich koche, bin ich entspannter, wenn irgendwer mein Essen in einer Art Qualitätskontrolle ‚abnimmt‘, also quasi als lecker befindet, weil ich meinem eigenen Urteil so wenig vertraue, immer Angst habe, es könnte mir vielleicht nur so vorkommen als wäre es lecker und dabei ist es eigentlich eher gehtso. Und auch immer die Angst, wer auch immer bei mir isst und was darüber sagt, könnte das nur aus Höflichkeit sagen. Dabei ist mir nicht erst einmal und nicht nur von 12-jährigen gesagt worden, ich sollte ein Restaurant aufmachen (was ich wohl niemals könnte)…

Ich hab mich also vorm TV sitzend mit offenem Mund gefragt, wie man das macht. Woher bekommt man so ein Selbstvertrauen, das einen an die eigenen Fähigkeiten glauben lässt? Ich hab nicht so viele Dinge, von denen ich denke, dass ich sie ganz gut kann und selbst bei denen bin ich manchmal total unsicher, ob ich mir das nicht nur einbilde, ob es nicht eigentlich ganz anders ist, ob mich die, die was ich mache loben, nicht nur trösten wollen oder höflich sind. Und quasi immer ist da diese Abhängigkeit vom Urteil anderer. Ich kann nicht einfach aus mir selber raus wissen, dass ich etwas gut hinbekommen habe. Ich traue mich nicht, etwas das ich mache, gut zu finden. Ich vertraue nicht in meine Fähigkeiten und erst recht nicht in meine Fähigkeit das selber zu beurteilen.

Ist der erste Schritt vielleicht wie mit dem selber mögen und annehmen, dass ich mir das erst mal überhaupt zugestehen und erlauben muss?

Katja

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8 Kommentare zu “Gedankengeschwurbel über Selbstvertrauen, wieder mal

  1. Das zielt jetzt am eigentlichen Thema natürlich etwas vorbei, aber das (extreme) Selbstvertrauen der Dinner-Teilnehmer kommt in erster Linie dadurch, dass da irgendwo steht, dass sie diesen Satz oder ähnliches sagen sollen. Die Sendung ist ziemlich durchgescripted und unspontan. 🙂

    Aber ja… ich denke „selbst erlauben“ steht so ziemlich am Anfang von allem. *flausch*

  2. Ich kann zu diesem Thema das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg empfehlen. Da geht’s u. a. darum wie sich Bestrafung aber auch Belohnung/ Lob auswirken können – eben so, dass man immer externe Bestätigung braucht. Aber ich kenne das Problem selber.
    Die Sache ist vielleicht die: Ist es wirklich so wichtig, dass „alle“ dein Essen gut finden?

  3. Wie schaffst Du das nur? Immer genau das zu schreiben was ich empfinde…?
    Ich weiß genau was du meinst, mir geht’s auch immer so.
    :o*
    Juli

  4. Ich hab mir irgendwann angewöhnt, dem Impuls (wenn er denn da war) zu folgen und laut zu sagen dann: das hab ich aber gut hingekriegt. Irgendwann hat sich das verselbstständigt und fühlte sich tatsächlich auch so an, als ob es gut war/ist.
    Neulich hatte ich mit meiner Chefin da einen kleinen Disput. Weil sie phasenweise selten im Laden ist, gibt es, weil ja nie ein Name dransteht, wenn was nicht ist, wie es sein soll, einen Ellerbecker Rundschlag. Den habe ich mir – Chefin hin oder her – jetzt verbeten. Weil ich bei so was eben auch drohe in alte Muster zu rutschen. Mal schauen, was draus wird…

  5. @Svü: Das mit dem Dinner war auch nur der Ausgangspunkt meiner Überlegung, weil es mich daran erinnerte, dass ich quasi kein Vertrauen in meine Fähigkeiten habe. 🙂 *flauscht zurück*

    @Sternenkratzer: Der Buchtitel kam mir so bekannt vor, ich dachte mir, dass ich das schon auf meiner Wunschliste habe und siehe da: es steht seit über 3 Jahren drauf. Das sollte ich mir wirklich bald kaufen! Danke für den Tipp.

    Über die andere Frage muss ich ein bisschen nachdenken! Danke für die Anregung! Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass es auch anders gehen könnte….

    @Jule: Ach du Liebe! Das ist auf der einen Seite so traurig, dass wir oft so ähnlich denken und fühlen, weil ich weiss, wie anstrengend das oft ist. Auf der anderen freue ich mich aber auch, hier Menschen gefunden zu haben, die das selber auch so kennen und die mich verstehen. :*

    @Jane: Den Ellerbecker Rundschlag musste ich erst mal googeln. Hatte ich noch nie gehört.
    Ich muss mal in mich hören, ob ich auch so ’nen Lobenimpuls habe. Von anderen Dingen kenne ich das, dass sie sich durch Übung dann tatsächlich weniger komisch anfühlen, vielleicht geht das hier tatsächlich auch.

    @Silencer: Stimmt! Ich glaube, den Link hatte ich sogar schonmal von dir. Zumindest kommt es mir gerade vage so vor als hätten wir schonmal über das Thema geschrieben.

    @Sirut Sabine: Dankeschön für den Link. Ich musste mitlachen, weil ich ahnte, was kommt. Ich werde das tatsächlich mal ausprobieren.

    @Anette: Lass mich raten: wenn du mal für jemanden kochst, dann mögen sie’s und die Befürchtung geht trotzdem nicht weg?

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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