Gelesen im Januar 2016

Krank sein an sich ist schon ätzend, zu krank sein zum Lesen ist nochmal eine Steigerung und so ging’s mir im Januar. Daher eine recht bescheidene Liste, auch wenn ich ansonsten nicht viel gemacht habe und ausreichend Zeit zum Lesen gehabt hätte.

Andreas Altmann – Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

Ufff! Andreas Altmann wächst nach dem zweiten Weltkrieg im beschaulichen Wallfahrtsort Altötting auf. Alles, was ihm da an Gewalt und Misshandlung innerhalb seiner Familie widerfährt, hat aber wenig mit Beschaulichkeit zu tun. In seinem autobiografischen Buch rechnet er wütend und schonungslos mit allen ab, die seine Jugend zu einer solchen Scheißjugend gemacht haben. Versöhnlich stimmt nur, dass er am Ende seinen Ausweg aus der eigenen Zerrissenheit durch die dauernde Abwertung, Ablehnung, den Missbrauch gefunden hat.

Als ich mit dem Buch anfing, wusste ich nicht so genau, auf was ich mich da einlasse, ich weiss gar nicht, ob ich es ansonsten gelesen hätte. Im Nachhinein bin ich aber froh (sofern man das in diesem Zusammenhang so nennen kann), dass ich es gelesen habe, denn alleine die Kraft, die hinter dieser wütenden Abrechnung steckt, hat mich sehr beeindruckt. Mich haben die Gewalterfahrungen meiner Kindheit eher in die passive Traurigkeit gedrängt, über einen zu lesen, der daraus soviel Wut und Hass gezogen hat, war eine heftige Erfahrung.

Nochmal: ufff!

Und direkt nach Altmann noch so ein ‚Psychobuch‘, das mir nahe gegangen ist:

 

Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Als Karo erst ihren Job und dann ihre eher mittelmäßige Beziehung verliert, verliert die ansonsten in ungeduldiger Hektik lebende Städterin auch ihren Halt im Leben und wird von Panikattacken ereilt. Sie sucht Hilfe in Psychopharmaka, Gesprächstherapie, beim besten Freund, bei der Mutter, ständig selbstreflektierend, grübelnd und auch hier kann sie ihr gehetztes Wesen und den Druck schnell gesund zu werden, nicht ablegen.

Mir ging es selten so, dass ich bis zum Ende eines Buches nicht wusste, was ich von der Protagonistin halten soll und ob ich sie leiden kann, wie das bei Mängelexemplar der Fall war. Karo ist eine furchtbare Nervensäge, andererseits erinnern mich viele ihrer Erkenntnisse in der Therapie daran, was da mit mir gerade dauernd passiert und Sarah Kuttner bringt die Dinge gut auf den Punkt. Sicher ist das Buch ein Gewinn für alle die, die Angst, Panikattacken, Depressionen nur von aussen kennen. Natürlich gibt es da keinen typischen Krankheitsverlauf, keinen typischen Umgang, keine typischen Gedanken und doch gibt das Buch einen Einblick in die seelischen Nöte, in die man durch die Krankheit stürzt.

Noch ein Uffff-Buch. Lesenswert!

 

Erich Kästner – Das doppelte Lottchen

„Wie? Du hast noch nie was von Kästner gelesen?“, fragte der Mitdings vor Jahren und obwohl ich in meiner Kindheit alles verschlungen habe, was zwischen zwei Buchdeckeln daherkam, kann ich mich zumindest nicht erinnern, dass ich Erich Kästner in die Finger bekommen hätte. Daher hier endlich mal ein Anfang. Die Geschichte des doppelten Lottchens kannte ich natürlich seit Kindertagen in diversen Verfilmungen und natürlich habe ich mir damals sehnlich eine Zwillingsschwester gewünscht, um alle hereinlegen zu können. Jetzt also das Buch. Man merkt ihm deutlich sein Alter an, da geht es um Fräuleins und Mädchen die Zöpfe und Schürzen tragen und sich als kleine Hausfrauen hervortun. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte zauberhaft und lässt einen für einen kurzen Moment darüber nachdenken, wie schön es wäre, wenn man sich etwas nur ausreichend wünschen müsste, damit es in Erfüllung geht.

 

Katja

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11 Kommentare zu “Gelesen im Januar 2016

  1. Und im Februar liest Du dann Emil und die Detektive. Und im März Pünktchen und Anton. Und im April der 35 Mai.
    ;o***
    Kalle

  2. @Jule und Jane: Ach? Erzählt doch bitte mal, was es damit auf sich hat! 🙂

    @Jule: *kritzelt eifrig die Reihenfolge mit*

    @Anette: Danke! Das finde ich auch! 🙂 (Bleib du jetzt bitte auch gesund!)

    • Ich geb dir gleich Orakel! 😉 :-*
      @Katja, Jule ist bekennder Kästnerfan. Was sich auch an ihrer Emil`schen Spürnase zeigt. Übliches Gefrotsel also, aber mir war echt klar, dass da was kommen muss vom Julchen 🙂

  3. @Jule & Jane: Während ihr ein bisschen rumfrotzelt, bin ich schändlicherweise noch nicht mal zu ’ner Antwort gekommen… Immerhin kann ich jetzt auch vermelden, dass ich den Februar-Auftrag erfüllt habe, Ma’am!

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