Gelesen von August bis November

Ja äh. Nachdem ich in den ersten 7 Monaten des Jahres wirklich viel gelesen habe, habe ich dann erst mal schlagartig aufgehört und zwischendrin wochenmonatelang überhaupt nicht gelesen, weil so viel anderes so viel wichtiger war. Aber ich bin ziemlich froh, dass ich jetzt langsam wieder zu meinem fast täglichen Lesen zurückkehre. Zwar nicht ganz so viel wie vorher, aber das ist gerade alles besser als diese ganze Zeit ohne Bücher.

Leonie Swann – Dunkelsprung

Das arme Buch hat nicht verdient, was ich ihm angetan habe – ich hab’s nämlich zwischendurch wochenlang liegen lassen statt es flüssig durchzulesen. Das ist besonders deswegen schade, weil Leonie Swann mich eigentlich von den ersten Seiten an, in ihrem Bann hatte. Ich mochte schon ihre beiden Schafskrimis (Glennkill und Garou) wegen der originellen Idee, sie aus der Perspektive der Schafherde zu schreiben sehr, aber mit Dunkelsprung setzt sie da noch eins drauf.

Ich bediene mich für den Inhalt mal des Klappentextes, weil der einen Einblick gibt, ohne direkt zu spoilern, was mir bei dem Buch total schwer fallen würde:

Julius Birdwell, Goldschmiedemeister, Flohdompteur und unfreiwilliger Einbruchkünstler, wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich eine ruhige, unbescholtene Existenz führen zu können. Doch als seine Flohartisten einem plötzlichen Nachtfrost zum Opfer fallen und die geheimnisvolle Elizabeth Thorn in sein Leben tritt, überstürzen sich die Ereignisse. Ein Magier wird ohnmächtig, eine alte Dame macht sich in einem gestohlenen Lastwagen davon, ein Detektiv mit Konzentrationsstörungen findet zu einem ungewöhnlichen Haustier, und Julius sieht sich auf einmal mit existentiellen Fragen konfrontiert: Wie befreit man eine Meerjungfrau? Wie viele Flöhe passen auf eine Nadelspitze? Und warum ist das Leben trotz allem kein Märchen? Julius bleibt nichts anderes übrig, als sich weit über den Tellerrand seiner Welt hinauszulehnen und den Sprung ins Unbekannte zu wagen. Ein phantastisches Abenteuer beginnt …

So vielschichtig, wie sich der Inhalt hier andeutet, ist er auch und das ist tatsächlich ein gewaltiges Abenteuer. Das wirklich Faszinierende an Dunkelsprung ist aber die Sprache des Buchs. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Stellen in einem Buch markiert, um sie wiederzufinden. Das ist eine solche Schatzkiste an schönen Sätzen, die Leonie Swann da in Buchform abgeliefert hat. Grandios.

Es war auf eine seltsame Art schlimmer gewesen, als wirklich zu ertrinken, ein Ertrinken an Küssen, jeder tiefer und trauriger als der vorherhige, und jeder mit einem bitteren kleinen Luftbläschen Hoffnung, das ihn schwindelig werden ließ vor Sehnsucht nach dem Leben.

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„Wünsch mir Glück“, sagte Elizabeth.
„Glück“, sagte Julius, und er meinte es auch. Manchmal half es nichts wegzulaufen, sogar seine Flöhe hatten das begriffen. Manchmal musste man einfach springen, hinein ins Ungewisse. Es war eine radikale Erkenntnis. Er seufzte melancholisch.

Und vielleicht mein Lieblingssatz, den ich bisher in einem Buch gelesen habe:

Dann passierten Dinge.

 

Markus Zusak – Die Bücherdiebin

Der Tod erzählt die Geschichte von Liesel Memminger, die 1939 zu Pflegeeltern in der Nähe von München kommt. Auf dem Weg dorthin begegnet er ihr zum ersten Mal als er ihren, in ihren Armen sterbenden kleinen Bruder abholt und bei dessen Beerdigung stiehlt die 9-jährige Liesel, die gar nicht lesen kann, ihr erstes Buch. Im Hause ihrer Pflegeeltern herrscht ein eher ruppiger Ton, zumindest von der Stiefmutter aus, doch der Pflegevater bringt ihr mit viel Geduld nachts das Lesen bei, wenn Liesel wieder einmal von einem Albtraum geplagt erwacht ist. Liesel freundet sich schnell mit dem Nachbarsjungen Rudi an und dann ist da auch noch der Jude Max Vandenburg, dessen Vater Liesesls Pflegevater Hans Hubermann im 1. Weltkrieg das Leben gerettet hat. Und natürlich Liesels Liebe zu Büchern. Doch an die ist schwer heranzukommen, wo kaum genug zu Essen da ist…

Markus Zusak hat hier eine gute Verbindung aus Tragik und Humor abgeliefert. Angefangen beim Tod, der sich selber die Pointen vorwegnimmt und in dieser Zeit mit seinem Job alles andere als glücklich ist über die beklemmenden Situationen bei Bombenangriffen, die für alle im Luftschutzkeller Anwesenden dadurch erträglicher werden, dass Liesel ihnen aus ihren Büchern vorliest, bis hin zu den oft ganz normalen Streitgesprächen zwischen Liesel und Rudi und nicht zu vergessen, den verbalen Ausrastern von Liesels Pflegemutter. Von herzhaftem Lachen bis zum dicken Kloß im Hals, alles da, alles im Wechsel. Gutes Buch, alleine schon weil ich Liesels innige Bücherliebe so gut nachvollziehen kann.

 

Andy Stanton – Sie sind ein schlechter Mensch, Mr. Gum

„Magst du eigentlich Hörbücher?“, fragte mich letztens einer und obwohl ich bisher nie Zugang zu Hörbüchern gefunden hatte (Ich kann da nicht wirklich was nebenbei machen, sonst bekomme ich nichts mit und dann hab ich bisher immer Lesen vorgezogen.), war ich spätestens neugierig als ich hörte, dass es ein selbst eingesprochenes und mit allerlei Sound unterlegtes Hörbuch, also eher ein Hörspiel ist. Irgendwann nachts hatte ich’s fertig runtergeladen und wollte nur mal gaaaanz kurz reinhören und dann war’s auch schon halb 4, das Buch zu Ende und ich war vom vielen Lachen wieder hellwach.

Ganz grob geht es um einen Bösewicht, Mr. Gum, der in einem total versifften Haus, inmitten des hübschesten, grünlichsten, geblümtesten, gartenartigsten Gartens von ganz Bad Lamonisch an der Bibber lebt. Und dass der Garten so hübsch, grünlich, geblümt und gartenartig ist, liegt daran, dass immer, wenn er den nicht ordentlich pflegt in seiner Badewanne eine Fee mit einer Bratpfanne erscheint und ihn verhaut. Nun gibt es aber auch einen Riesenköter von einem Hund, Jakob, dem der Garten gefällt und der dort regelmäßig spielt, was den Garten verwüstet, was Mr. Gum Hiebe mit der Pfanne einbringt. Der Hund muss also weg! Aber dann ist da auch noch Polly…

Nun hieß dieses kleine Mädchen zwar Jammy Grammy Lammy F’Huppa F’Huppa Berlin Stereo Eo Eo Lebb C’Yepp Nermonica le Straypek de Grespin de Crespin de Spespin de Vespin di Schwupp di Wupp de Brönckel Frohe Weihnachten Lenoir, aber ihre Freunde nannten sie einfach Polly.

Du wirst dich jetzt entscheiden müssen, ob du mit ihr befreundet bist. Wenn ja, darfst auch du sie Polly nennen.

Aber wenn du nicht mit ihr befreundet bist, musst du jedes Mal, wenn du in dieser Geschichte den Namen »Polly« siehst, im Geiste stattdessen »Jammy Grammy Lammy F’Huppa F’Huppa Berlin Stereo Eo Eo Lebb C’Yepp Nermonica le Straypek de Grespin de Crespin de Spespin de Vespin di Schwupp di Wupp de Brönckel Frohe Weihnachten Lenoir« sagen. Wenn sie zum Beispiel einen Hügel hinunterrennen will, etwa so –

Polly raste den Hügel hinunter wie eine wild gewordene Murmel

– brauchst du dir, wenn du mit ihr befreundet bist, keine Sorgen zu machen. Aber wenn du nicht mit ihr befreundet bist, wirst du es so lesen müssen:

Jammy Grammy Lammy F’Huppa F’Huppa Berlin Stereo Eo Eo Lebb C’Yepp Nermonica le Straypek de Grespin de Crespin de Spespin de Vespin di Schwupp di Wupp de Brönckel Frohe Weihnachten Lenoir raste den Hügel hinunter wie eine wild gewordene Murmel.

Die meisten Menschen in Bad Lamonisch an der Bibber zogen es vor, mit Polly befreundet zu sein, um Zeit und Aufwand zu sparen.

…und Freitag O’Leary, die Jakob natürlich am Ende retten! Schließlich ist das ein Kinderbuch! Aber tragisch wird’s schon zwischendrin…

Das Buch ist eines der großartigsten Kinderbücher, die ich je gelesen habe – das habe ich mittlerweile nämlich auch nachgeholt, nachdem ich es schon ein gutes Dutzend Mal angehört hatte. Andy Stanton schreibt unheimlich witzig und hat total verrückte und interessante Ideen. Noch besser gefällt mir aber die Hörbuch-/Hörspielvariante! Die ist so unfassbar charmant, dass ich auch nach so vielen Malen, die ich sie schon gehört habe, jedes Mal wieder lauthals lachen muss.

Und damit du dir vorstellen kannst, wie erstaunlich das (Hör-)Buch ist

denk dir eine Zahl zwischen eins und zehn.

Multipliziere diese Zahl mit fünf.

Addiere zu der Zahl dreihundertfünfzig.

Ziehe elf ab.

Wirf all diese Zahlen weg.

Und stell dir einen ganz erstaunliches Buch vor.

Egal, mit welcher Zahl du angefangen hast, nach meinen Berechnungen müsstest du jetzt an ein erstaunliches Buch denken. Und genauso erstaunlich war Andy Stantons Buch.

(Das stammt natürlich auch aus dem Buch, ich hab’s nur von Garten in Buch abgewandelt, denn eigentlich geht es um den hübschen, grünlichen, geblümten, gartenartigen Garten von Mr. Gum.)

Wie großartig, dass es noch jede Menge ungelesene Bände der Reihe gibt! \o/

 

Katja

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