2015 – ein Anfang

Ich glaube, ich habe in meinen ganzen Blogjahren noch nie einen Jahresrückblick geschrieben. Aber ich hatte auch noch nie am Ende eines Jahres das Gefühl, dass so viel passiert ist wie in 2015.

Unsortiert und unvollständig:

Ich habe viel ausgemistet, Anfang des Jahres erst mal in der Wohnung. Über 2000 Dinge habe ich weitergegeben, verschenkt und entsorgt und als ich erst mal angefangen hatte, fiel mir das immer leichter. Mehr Platz schafft mehr Luft und Freiheit und über die äussere Ordnung komme ich oft auch innen ein Stück weiter im Chaos.

Ich habe endlich (!) wieder viel Musik in meinem Leben, was jahrelang so gut wie gar nicht ging, weil ich sie nicht aushalten konnte.

Ich habe mir ganz bewusst neue Gewohnheiten zugelegt, indem ich Dinge eine Weile lang sehr regelmäßig getan habe, um sie einzuprägen und festgestellt, dass das bei manchen Dingen ganz gut für mich funktioniert (zB schaffe ich es seit Februar, wo ich das konsequent jeden Tag machte, abends meine Küche aufzuräumen, statt morgens oder bevor ich sie direkt wieder verwüsten wollte), ich in anderen aber ganz schnell wieder rauskomme, wenn mein gesetztes Ziel überschritten ist und ich das quasi als Kür weitermachen will.

Ich habe viel Zeit auf’s Spanischlernen verwendet und viel Geld für guten Kaffee und bunte Socken ausgegeben, weil das alles mir Freude macht.

Ich habe immer noch (fast) jeden Tag fotografiert – jetzt schon das fucking 5. Jahr in Folge – aber ich bin total schlampig darin geworden, die Fotos auch ins Blog mit den daily Fotos hochzuladen. Als ich da erst mal aus dem Rhythmus war, es nicht mehr tagesaktuell zu machen, bin ich nicht wieder reingekommen und je mehr Tage vergingen, desto schwieriger fiel mir das Aufraffen und Zusammensuchen der Bilder. Jetzt weiss ich noch nicht, ob ich die alten noch nachtragen will oder einfach im neuen Jahr wieder mit Disziplin (weil dann auch mehr Spaß) anfangen will oder ob ich einfach ganz damit aufhöre. Nach 5 Jahren habe ich nämlich auch das Gefühl, ich habe mittlerweile jeden Winkel der Wohnung und jede Perspektive des Rheins in der Kleinen Stadt schon geknipst. Mal sehen!

Ich habe in jeder einzelnen Woche des Jahres eine Sammlung von schönen Dingen zusammengetragen und mir damit selber dauernd ins Bewusstsein geholt, dass in jeder noch so mistigen Mistwoche auch viel Gutes passiert ist.

Ich habe aus Mangel an Gelegenheit viel seltener für Leute gekocht als ich gerne hätte und ich hab so gut wie keinen Finger im Garten gerührt, was mir einerseits total leid tat, wozu ich mich aber andererseits so gar nicht motivieren konnte, weil ich seit Anfang des Jahres das Gefühl hatte, hier nur noch übergangsweise zu wohnen. Wer hätte auch gedacht, dass es so langwierig werden würde, eine passende Wohnung zu finden?

Ich habe viel weniger Zeit am Meer verbracht als mir lieb war. OK, das ist in allen Jahren der Fall, aber in diesem waren es tatsächlich nur 2 Tage im August in Kolberg. In Spanien war ich dieses Jahr #aus_Gründen überhaupt nicht und die 3 Wochen Sonne und Lieblingsland mit Lieblingsmeer im Oktober vermisse ich schmerzlich. Überhaupt war ich in diesem Jahr ungewöhnlich wenig unterwegs. Im Juli für eine Nacht in Antwerpen (großartig!), im August für 3 in Kolberg und im September für 2 in Prag. Dafür haben wir vor ein paar Tagen das erste Hotel für 2016 gebucht, es kann also gerade nur besser werden!

Ich bin spontaner geworden und habe meine Angst oft runtergeschluckt bevor sie zu groß werden konnte.

Ich hatte mir als einzigen wichtigen Vorsatz für 2015 vorgenommen, endlich anzufangen, mich selber zu mögen. Ich bin noch weit davon entfernt, das tatsächlich so zu fühlen, aber ich bin tatsächlich nach vielen Jahren (zumindest gefühltem) auf der Stelle Rumgetrippel in diesem Jahr ordentlich vorangekommen. Unter anderem habe ich mir seit Jahren zum ersten Mal wieder einen Therapeuten gesucht und um’s mal mit Robert De Niros Worten in „Reine Nervensache“ zu sagen: Sie, Sie sind gut!
Das ist er nämlich tatsächlich und ich glaube, das kann was werden. Nicht einfach. Nicht ohne verdammt viel dafür zu tun. Aber überhaupt.

Ich war sehr oft dankbar und gleichnochmal dafür, dass mir so oft bewusst ist, dass ich viele Gründe für Dankbarkeit habe.

Ich habe irgendwann aufgehört „Ich würde so gerne, aber ich trau mich nicht!“ zu sagen, wenn mich jemand von meinen Internetmenschen gefragt hat, ob ich sie nicht mal in echt treffen möchte und habe stattdessen einfach erst mal „ja“ gesagt, bevor die Angst zu groß werden konnte. Und das war eine der verflucht nochmal besten Änderungen in diesem Jahr, denn alle diese Menschen sind verflucht nochmal großartig und ich freue mich über ein paar neue, vom virtuellen ins reale, übertragene Menschen. Danke für eure Geduld mit mir und eure Freundlichkeit! ❤

Ich habe mich auf dem Weg durch’s Jahr irgendwann verlaufen / verloren, aber zum Glück wiedergefunden.

Ich habe Menschen gefunden, was gut war und ist, Menschen verloren, was mich traurig gemacht hat und macht, noch mehr Menschen gefunden und bin über viele, die gerade da sind, froh und dankbar und über einen ganz besonders.

Ich habe wieder viel mehr telefoniert als in vielen Jahren zuvor und es fiel mir leichter als zuvor. Ich habe mir aber auch bei Anrufen von meiner Mutter oft zugestanden nicht ranzugehen und überhaupt habe ich angefangen, besser auf mich und die Dinge, die mir gut tun oder eben nicht, zu achten.

Ich habe viel geweint, was nichts neues ist, aber ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel gelacht wie in diesem Jahr.

Ich habe viele bittere Erkenntnisse gewonnen, dass ich noch längst nicht alles von mir weiss und kenne, was mir das Leben, Glücklichsein, Zurechtkommen so schwer macht und das macht mir große Angst, aber ich sehe auch die Chance, die ich dadurch habe, jetzt auch an die verschütteten Dinge heranzukommen.

Ich stand mir immer noch viel (zu viel und zu oft) selber im Weg, aber längst nicht mehr in dem Ausmaß wie in den Jahren vorher.

Ich habe angefangen, die Dinge wahrzunehmen, in denen ich vorankomme, was ich alleine an den Punkten merke, die ich hier aufschreibe.

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber ich glaube, ich bin gerade auf einem guten ebensolchen.

2015 geht zu Ende, aber wenn ich es nur mit einem Wort (samt Artikel) zusammenfassen müsste, wäre das wohl ‚ein Anfang‘.

Ich hab’s eigentlich vor, mir noch irgendwelche lustigen Dinge für’s nächste Jahr vorzunehmen und zu formulieren, immerhin hat das in diesem Jahr ja ziemlich gut geklappt. Aber da ich nicht weiss, ob ich das tatsächlich noch in diesem Jahr hinbekomme, wünsch ich euch schon mal von Herzen, dass ihr gut ins neue Jahr rüberkommt! 🙂

Katja

 

 

Schönes 52/15

*ein bisschen Weihnachtspost verschickt

*Kaffee wieder vertragen \o/

*wertvolle Telefonate mit dem besten Freund ❤

*viel tolle Weihnachtspost, überwiegend von Menschen aus dem Internet, bekommen ❤

*jemandem ’ne Freude gemacht

*die Nerdette in mir freut sich über ein sehr cooles Weihnachtsgeschenk

*den obligatorischen Weihnachtsfilm geguckt und an den üblichen Stellen losgeheult, was irgendwie dazu gehört

*endlich, endlich wieder mal richtig ausgiebig gekocht (der Magen scheint wieder zu tun! Yeah!)

*über’n hübschen Weihnachtsbaum und sein Licht gefreut

*und weil der Magen wieder tut auch endlich wieder mal ’nen Schluck Rotwein und Mojitos getrunken und Pizza gegessen

*“Du irrst dich, glaub mir!“ gesagt bekommen, in einer Sache, in der ich große Kämpfe mit mir um den Irrtum austrage. Kleinerdrei!1elf

*ganz ruhige, stress-, fress- und familienfreie Weihnachten verbracht

*in der Sonne am Rhein spaziert

*gute Gespräche, ein bisschen weird

*Familie überlebt und über 3/4 gefreut

*froh über die lieben Bekloppten auf Twitter ❤

*froh über Durchhalteparolen und Fernstärke ❤

Katja

(mehr Schönes)

Nur noch 2 km!

Im Kopf gerade so viele offene Baustellen, dass sich die Gedanken aufstauen, wie die langen Schlangen von Kraftfahrzeugen auf bundesdeutschen Autobahnen an Sommerferienwochenenden. Als ich das Bild im Kopf habe, fällt mir schmerzlich auf, dass in meinem Kopf die ‚Nur noch 2 km. Vielen Dank für Ihre Geduld‘-Schilder fehlen und auch die großen Tafeln am Baustellenanfang und Ende, auf denen verkündet wird, wann mit einem zeitlichen Ende der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen zu rechnen ist. Wie schön wäre es, wenn man wüsste: da jetzt nochmal 2 Wochen intensiv drüber nachdenken und dran arbeiten und dann ist der Asphalt aber wieder tippitoppi und die Gedanken können nur so drüberflutschen und holpern nicht mehr durch jenes Schlagloch aus Angst, das da seit Jahren bestand.

Stattdessen immer mehr Baustellen, immer mehr Dinge, über die ich nachdenken will/muss/sollte und ich bin wieder mal total davon überfordert, wie und wo ich damit anfangen soll. Und dann gerade jetzt beim Aufschreiben wird mir klar, dass es vermutlich wieder mal darum geht, erst mal den ganzen alten Shice noch weiter aufzugraben und auszubaggern und freizulegen, was da überhaupt drunter liegt. Dieser Gedanke, die Idee ereilt mich alle paar Wochen oder Monate und ich verstehe nicht, wieso sie mich jedes Mal wieder auf’s neue überrascht als hätte ich sie gerade zum ersten Mal.

Also erst mal atmen, dann weitergucken. Wieder mal. Immer noch. Immer weiter.

Katja

 

 

let’s stop all the fight

So this is christmas and what have you done
another year over a new one just begun
and so this is christmas I hope you have fun
the near and the dear one the old and the young

A very merry christmas and a happy new year
let’s hope it’s a good one without any fear

And so this is christmas for weak and for strong
the rich and the poor ones the world is so wrong
and so happy christmas for black and for white
for the yellow and the red ones let’s stop all the fight

A very merry christmas and a happy new year
let’s hope it’s a good one without any fear

And so this is christmas and what have we done
another year over and a new one just begun
and so happy christmas I hope you have fun
the near and the dear one the old and the young

A very merry christmas and a happy new year
let’s hope it’s a good one without any fear
war is over if you want it war is over now

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Heute mal ohne viele Worte und Geschwurbel.

Ihr Lieben, die ihr schon seit Jahren und immer noch hier lest und fester Teil meiner (nicht nur virtuellen) Welt seid
und ihr, die ihr euch heute vielleicht zum ersten Mal hierher verirrt
und alle zwischen diesen beiden Eckpfeilern,
ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest und/oder ein paar friedliche und schöne Tage, jeder*m genau so ruhig und besinnlich oder rockig wie sie*er es sich selber wünscht!

Lasst es euch gut gehen!

(Es gibt so viele schöne Weihnachtslieder und ich wollte eigentlich ein ganz anderes hier reinpacken, aber dann erschien mir dieses am besten zu der gerade so völlig durchgedrehten Welt zu passen…)

 

Katja

 

(Weil ich jedes Jahr beim Baumschmücken daran denken muss, hier nochmal der Link zu der Geschichte, wie ich zu den Strohsternen gekommen bin, was die mit Bier zu tun haben und weswegen ich so an ihnen hänge.)

Schönes 51/15

*nicht aufgegeben

*beim Einpacken der ersten Weihnachtsgeschenke endlich ein erstes winziges bisschen Weihnachtsstimmung

*viel Zeit mit der Nase im Buch, was gerade mit meinem Einigelbedürfnis konform geht

*in ein paar Nächten für meine Verhältnisse absurd viel (!) geschlafen \o/

*einen neuen Händitarif gefunden, bald dann endlich LTE \o/

*eine schwierige Mail (hoffentlich okay) beantwortet

*Störrauschen entstört und filetiert samt Sorgenfernabhaltung. Und überhaupt!1elf ❤

*eine Weihnachtskatze mit Glitzerpfoten mit der Post bekommen. Ich bin entzückt! ❤

*noch mehr Weihnachtspost! 🙂

*einen halben Meter zurückgerollt und damit aus einer sehr grimmig dreinblickenden Frau eine dankbar lächelnde Frau gemacht

*Sonne und Sonnenglitzerpopitzer auf dem Rhein

*mit der Lieblingsschwester telefoniert

*froh, dass der Lieblingsneffe mir vertraut

*dankbar für Halt!

*einen Weihnachtsbaum gekauft

Katja

(mehr Schönes)

Schicht im Schacht

Es geht gerade an die und um die Substanz. In jeder Woche mehr und deutlicher und tiefer. Von einem der wenigen Dinge, von denen ich dachte, geübt darin zu sein, bröselt in jeder Sitzung ein bisschen mehr ab. Ich wusste zwar, dass einiges tief verborgen liegt, dass ich nicht herankomme, aber dass diese Schicht, bei der *pun intended* Schicht im Schacht ist, an der ich hängen bleibe, wo ich nicht mehr weiterkomme, dass die so dicht unter der Oberfläche liegt, das hätte ich nicht angenommen. Irgendwann sitze ich jedes Mal nur noch da, einen dicken Kloß im Hals, unfähig auszudrücken, was in mir passiert, die Tränen in den Augen und nicke zu allem, was er sagt.

Und der Berg, der vor mir liegt, wird immer nur und immer noch höher. Fast in jeder Sitzung stapelt er mir gerade einen neuen ‚das ist Ihr Thema‘-Satz oben drauf. Das ist alles so viel mehr, geht so viel tiefer, als ich vorher angenommen hätte und ich würde es ihm so gerne entgegenschreienflüstern: ‚Hey, es reicht doch langsam mal. Irgendwo muss doch mal ein Ende bei diesem Aufhäufen sein, damit ich endlich abtragen kann und überhaupt war ich doch hergekommen, um das abzutragen, was mir vorher schon klar war. Zack feddich! Und nicht stattdessen immer noch eins mehr dazu.‘ Aber ich weiss natürlich, dass es nur den Boten treffen würde, dass er sich ja nichts neues ausdenkt, sondern dass das alles schon immer in mir ist und jetzt Stück für Stück zum Vorschein kommt.

Und dann, trotz all des Frustes darüber, dass sich da immer noch mehr vor mir auftürmt, ist da in mir auch diese Dankbarkeit darüber, dass er so oft in der wir-Form spricht, wenn es darum geht, was ich lernen muss und immer wieder das Gefühl, dort gut aufgehoben zu sein.

Uffff.

Katja

Kraftgrenze

Manchmal reicht eine wirkliche Kleinigkeit aus, um mir wieder mal deutlich vor Augen zu führen, wie wacklig das alles ist.

Ich war heute aus Gründen nicht in der Kleinen Stadt sondern in einem Nachbarort einkaufen. Im Grunde in den gleichen Läden, in die ich auch hier gehe und doch hab ich zwischendrin irgendwann gedacht, ich müsste dringend aus dem Laden flüchten und nach Hause fahren und mir schnellstmöglich die Decke über den Kopf ziehen.

Das, was mir hier mittlerweile seit vielen Jahren (zumindest meistens) wieder total ’normal‘ erscheint und worüber ich meist nicht viel nachdenken muss, hat mich heute alleine dadurch total geschafft, dass es nicht in der vertrauten Umgebung stattfand. Die Läden, auch wenn sie zu den gleichen Ketten gehören, sind anders eingeräumt, nichts da, wo es hingehört, kein vertrautes Gesicht beim Personal… Wieviel Sicherheit mir diese kleinen Dinge üblicherweise geben und wie sehr die mich vor der Angst schützen und bewahren, ist mir gar nicht mehr bewusst. Man bemerkt Ich bemerke sowas tatsächlich oft erst dann, wenn es fehlt, wenn es anders ist. Wenn ich Sachen suchen muss, statt sicher den Arm an der richtigen Stelle auszustrecken und nach den Dingen zu greifen. Suchen, den Blick schweifen lassen, diese unsicheren äusseren Gesten machen mich auch innen unsicher.

Ich bin nicht rausgelaufen und nicht nach Hause geflüchtet, um mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Ich bin sogar hinterher noch hier zum Lieblingsbäcker (juhu, ein vertrautes Gesicht!). Aber kaum, dass ich zu Hause war, fühlte ich mich wie ein Luftballon, dem gerade sämtliche Luft entwichen ist. Umfassend erledigt.

Und stattdass ich mich drüber freuen könnte, dass ich nicht mittendrin aufgegeben habe, ärgere ich mich darüber, dass mich das so fertig gemacht hat. Dass ich da längst nicht so stark und sicher bin, wie ich dachte, zumindest nicht, wenn irgendwelche vertrauten, Halt gebenden Parameter wegfallen. Und ich weiss, dass der Ärger total doof ist und ich lieber von der anderen Seite aus drauf gucken sollte und doch geht das gerade gar nicht und ich sehe nur das, was nicht geht, statt das, was geht.

Ätzend das!

Katja