Schönes 48/15

*täglich über Blümchen gefreut, die hier gerade ein bisschen Farbe ins Grau bringen

*und dann direkt nochmal neue bekommen, obwohl die alten noch gar nicht aufgefreut waren

*gemerkt, dass ich jetzt scheinbar doch noch Zugang zu Hörbüchern finde und sehr über ein Känguru gelacht. (Obwohl das natürlich nicht ratsam ist.)

*der erste Schnee und ich schwanke zwischen ‚ach nee‘ und ’schee‘

*gelassen gelassen (zumindest stellenweise)

*meine Coolness ist enorm gestiegen, denn ich habe einen eigenen Superheldinnennamen bekommen .o/

*ziemlich gute Therapiesitzung (wieder mal)

*ziemlich guter Spaziergang am Rhein hinterher (wieder mal)

*ziemlich mutig gewesen und mit der Bahn nach Mannheim gefahren, Anette kennengelernt und mit ihr einen tollen Tag verbracht

*ziemlich coole Gespräche mit stellenweise ziemlich cooler Bebilderung (quasi-catcontent inclusive)

*ziemHappysocks bestellt (ich kann’s nicht lassen)

*beim W-einkaufen ein bisschen eskaliert (ich bin so gespannt!)

*über Post gefreut

*Besuch von der Lieblingsschwester \o/ Yeah!

*echt ehrlich über meine Spülmaschine gefreut, weil ich ihretwegen nämlich mit ordentlich Aufwand für die Lieblingsschwester kochen konnte ohne völlig irre zu werden. Das Teil lief in 2 Tagen 8 Mal.

*Twitter, wieder mal und immer wieder. An mein Herz, du Netzwerk voller Lieblingsbekloppter!

* 🎨 🍳 🐰 (This!) #scnr

Katja

(mehr Schönes)

Dünne Pappe

Dann fällt dir auf einmal der Zusammenhang auf, dass es immer passiert, wenn du müde/erschöpft bist. Immer dann, wenn Kopf/Körper nach Ruhe verlangen, merkst du, wie dünn die Fassade des ‚es geht mir gut‘ gerade ist. Da ist kein festes Fundament, kein Gebäude im Rücken, das die Fassade trägt. Nur dünne Pappe, die Vorderseite schön bemalt, aber es kostet dich immer einen Teil der Kraft, die Pappe festzuhalten, damit sie nicht zusammensackt. Immer schön von hinten dagegenlehnen, damit nichts beult. Immer schön festhalten und hochhalten, damit man nicht drüber schauen kann. Und dann, immer wenn die Kraft schwindet und die Arme vom ewigen Hochhalten schwer werden, braucht es nur einen unaufmerksamen Moment. Dann knittert hier was und dort bildet sich eine Falte und wenn das erst mal passiert ist, kommst du nicht mehr hinterher, das alles wieder glatt zu zupfen und in Ordnung zu bringen und dann gibt es den ersten Riss und dann kommen die Tränen und es ist sowieso schon egal und auch zu spät. Zuerst verläuft nur ein bisschen der bunten Farbe auf der Vorderseite, aber dann weicht es bis nach hinten durch.

Und du merkst, wie groß die Angst vorm Fallen wieder mal ist. Verbietest dir jeden einzelnen dieser Gedanken, die das auslösen können. Versuchst es zumindest. Nur nicht näher darüber nachdenken. Nur nicht zu nah an dich ranlassen. Denk an was anderes. Was Gutes. Guck da nicht hin. Halt dir die Augen zu. Nicht das. Was Schönes. Das ist hier alles gerade zu instabil, zu wacklig, zu eingerissen, zu durchgeweicht. Halt das trotzdem fest, lass nicht ganz los! Sonst wird es noch schwerer werden, das soweit neu aufzubauen.

Aber du bist müde und es wird mit jedem Mal ein bisschen schwieriger, das abzufedern, die Gedanken umzulenken. Du willst dich so gerne einfach in die Dunkelheit und Traurigkeit fallen lassen. Wenn da nicht. Wenn da nicht. Wenn da nicht dieser fucking Kontrollfreak in dir wäre, der genau weiss und dir einredet, dass das nicht gut für dich wäre. Dass das nur den Moment einfacher machen würde, aber nicht das Leben. Und du kommst dir vor wie ein Flummi, der einfach nicht auf dem Boden liegen bleiben darf, der jedes Mal wieder hochschnellen muss. Nur, dass er die Kraft für das Hochschnellen ganz alleine aufbringen muss. Sich mühevoll vom Boden abstoßen. Volle Konzentration. Volle Kraft.

Und jetzt?

Wieder mal zurück auf Anfang.

Atmen. Durchhalten. Weitermachen.

Katja

 

Let the storm rage on

It’s funny how some distance makes everything seem small
And the fears that once controlled me can’t get to me at all
It’s time to see what I can do
To test the limits and break through
No right, no wrong, no rules for me
I’m free

 

(via irgendwem in meiner Twitter-TL, hab den Tab so lange offen, dass ich nicht mehr weiss, wo’s herkam)

Bis zur letzten Zeile ist für mich noch Weg und Luft, aber wie krass der komplette Text des Songs ist und wie passend und gut der sich gerade anfühlt, ist mir erst aufgefallen als ich diese geniale Coverversion zum ungefähr dreikommazwomillionsten Mal gehört habe.

Let it go!

Katja

 

Schlangenhaut

Diese Tage, an denen der Kopf so pickepackevoll mit Eindrücken ist, dass die Gedanken abends träge und schwer sind, weil sie sich durch so viel neues Material kämpfen müssen.

Als ich heute in der Bahn saß, auf dem Rückweg aus Mannheim, wo ich mich zum ersten Mal mit Anette getroffen habe (die übrigens ‚in echt‘ noch toller ist als im Web), wurde mir erst so richtig bewusst, wieviele Dinge ich mich, an diesem einen einzigen Tag heute, getraut habe und wie gut das ging. Die Angst, von der ich befürchtet hatte, sie könnte mich doch noch einholen, ist einfach ausgeblieben. Ich war zwar nervös, aber herrje, was ist das schon und was macht das schon? Zumindest hält es mich gerade nicht davon ab, Dinge zu tun, die ich gerne tun möchte. Selbst in der echt großen Menschenmenge am Mannheimer Bahnhof musste ich „nur“ darauf achten, fokussiert zu bleiben und mich nicht zu sehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Dreimal tief durchatmen und dann ging auch das irgendwie. Wobei ich da schon sehr froh war, dass ich Anette schon vorher gefunden hatte und mich nicht alleine durchkämpfen und auch noch den richtigen Weg suchen musste, aber ich bin fast sicher, dass ich auch das hinbekommen hätte, wenn es hätte sein müssen.

Und letzteres ist der vermutlich entscheidende Punkt. Ich traue mich gerade so viele Dinge, weil ich endlich auch (wieder) anfange, mir diese Dinge zuzu-trauen. In der Bahn auf dem Rückweg sitzend kam mir der Gedanke, dass es fast so ist, als hätte ich mich gehäutet wie eine Schlange und wenigstens eine Lage der allumfassenden Angsthülle abgestreift, die mich so oft vom (er)Leben abgehalten hat in den letzten Jahren.

Irgendwas hat einen der Knoten in meinem Kopf gelöst. Jenen, durch den ich mir oft so umfassend selber im Weg stand und der dafür gesorgt hat, dass ich so lange über Dinge, die ich gerne gemacht hätte, nachgegrübelt und mich damit selber so sehr in Panik versetzt habe bis ich irgendwann nur noch reglos mit den Fingern in den Ohren, zugekniffenen Augen und laut ‚lalala‘-singend da stehen konnte und das, was ich gerne gemacht hätte, natürlich nicht machen konnte. Weil wegen geht nicht. Geht nicht. Ich würde so gerne, aber es geht nicht. Ich würde so gerne, aber ich traue mich nicht. Die Angst war selten konkret, wie das bei Angst ja oft so ist, war wenig greifbar. Geht nicht, nicht mal genauer hingucken, Angst betrachten. Den Kopf voller Abers und dann nix ausser der Angst. Ich würde ja gerne, aber.

Ich glaube, ein Teil des ‚Tricks‘ ist, dass ich mir jetzt verbiete (und erstaunlicherweise funktioniert das sogar recht häufig), zu intensiv über solche ’soll/kann ich das machen?‘-Fragen zu grübeln. Ich hab aufgehört in ‚würde gerne, aber‘-zu verfallen, sondern sage bei vielen Dingen fast schon reflexartig und fast direkt ‚ja‘. Wenn die Entscheidung dann gefallen ist, wird der Kopf vom ‚ob und aber‘-Gegrübel abgelenkt, weil er dann damit zu tun hat, sich um die Detailfragen ‚wann und wie‘ zu kümmern. Wenn’s nicht in frage steht und ich’s ja eh mache, dann wäre allzu viel folgendes Grübeln ohnehin nicht sinnvoll. Dass ich mich damit gut selber in Panik reinsteigern kann, weiss ich ja. Also lasse ich’s. Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen, die ich in den letzten Wochen und Monaten gelernt habe: nicht lange grübeln, einfach entscheiden und einfach machen. Wenn ich dann auf Hindernisse stoße (toitoitoi, das war bisher recht selten der Fall), kann ich mich denen immer noch stellen. Ich muss sie aber nicht alle schon im Vorfeld vor mir zu einer unüberwindbaren Hürde aufbauen.

Mein Kopf ist gerade wattig von den vielen Eindrücken heute, den vielen Menschen, der ungewohnten Bahnfahrt, der fremden Stadt, dem (für meine Verhältnisse ungewohnt) vielen Reden, aber in mir ist auch gerade total viel Zuversicht.

Katja

 

 

Die Steinesammlerin

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„Warten Sie, ich erklär’s Ihnen symbolisch.“, und dann steht er auf und holt eine Handvoll Kram.

Kurz darauf, während der Therapeut, zwischen unseren Stühlen auf dem Boden, mehrere verschiedene Seilstücke verteilt und einen Stein immer wieder aufhebt und an eine andere Stelle legt und wir uns über Seile und Steine und das Legen der einen und das Hinlegen und Aufheben der anderen unterhalten, wird mir klar, wie gut gerade diese Symbole zu mir passen, denn ich bin tatsächlich eine Steinesammlerin. Seit vielen, vielen Jahren hebe ich jedes Mal, wenn ich an einem Strand stehe, mindestens einen Stein auf und nehme ihn mit. Dabei ist es völlig egal, ob es der Rheinstrand vor der Haustür oder der Atlantikstrand in Südspanien in mehr als zweieinhalbtausend Kilometern Entfernung ist. Ein Strand, ein Stein.

„Sie können nicht alle Steine der Welt aufheben und sammeln.“, sagt er und ich frage ihn, wie ich das denn verhindern soll, wo es doch so eine Art Reflex ist.

Dann später, beim Spaziergang am Rheinstrand und im vor die Füße gucken und bücken wird mir klar, dass vielleicht genau das mein Zwischenschritt ist, der mir jenseits des Strandes fehlt. Am Strand weiss ich genau, dass ich die Steine nicht alle einpacken kann, sondern vorher aussuchen muss, welche(n) ich mit nach Hause nehme, welches wirklich _mein_ Stein ist. Und vielleicht ist es eigentlich genau so einfach, wenn ich die Verbindung der beiden Bilder im Sinn behalte und das eine, wenn es darauf ankommt, über das andere schiebe.

Bei Strandspaziergängen hatte ich schließlich auch mal den Impuls, dass ich die alle alle mitnehmen möchte und es war dort wie hier eigentlich logisch, dass das nicht geht.

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Keinangstdate

Ich schreibe mir hier schon so lange und so oft meine Angst von der Seele und aus dem Kopf raus, um sie genauer betrachten zu können und irgendwie zu lernen, mit ihr umzugehen. Angst, wenn sie akut da ist, ist so übermächtig, dass dann in mir kaum Platz für andere Gedanken oder Gefühle ist. Und sie ist so aufdringlich, dass sie sich nicht ignorieren lässt.

Gerade unter der Dusche fiel mir auf, dass im Moment etwas Seltsames in mir passiert bzw. dass da etwas anders ist.

Ich bin am Freitag verabredet. In einer fremden Stadt, in der ich erst zwei Mal gewesen bin und in der ich mich null auskenne. Ich fahre dort mit der Bahn hin, mit der ich seit fast 10 Jahren nicht gefahren bin, weil mich der Gedanke an die vielen Menschen in Zügen und die Unmöglichkeit der Flucht unterwegs so sehr abschreckt. Und da treffe ich dann eine*, die ich noch nie gesehen habe.

Das sind gleich 3 Dinge, die mich, eins wie das andere, bis vor ein paar Monaten in eine so riesige Panik versetzt hätten, dass ich mich nicht mal getraut hätte, da ernsthaft bis zu Ende drüber nachzudenken.

Und jetzt merke ich, dass ich zwar ein bisschen (und tatsächlich bisher nur ein bisschen) nervös bin, aber überwiegend freue ich mich auf die Begegnung und auch darauf, das mit dem Bahnfahren wieder mal zu probieren, weil das ja auch bedeutet, mir ein neues Stück ‚Normalität‘ zurückzuerobern.

Was aber völlig fehlt ist Angst. Also sie fehlt natürlich nicht in dem Sinne, dass ich sie vermissen würde, sie ist einfach abwesend. Und da abwesende Dinge, speziell welche, deren Anwesenheit unangenehm ist, gar nicht so auffallen, wie es zB Angst in ihrer penetranten Präsenz tut, muss ich das dringend hier notieren.

Ich habe gerade keine Angst vor Freitag!1elf

Natürlich bin ich nicht wirklich ohne Angst. Da sind jede Menge andere Themen, die stattdessen nachrutschen und in meinem Kopf kreisen, aber diese eine Sache, die für mich eine ganz schön große Hausnummer ist, macht mir keine Angst.

\o/

Katja

(*die großartige Anette)

Geschützt: Ambivalenz

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